Heinrich Schmelen

deutscher Missionar; Gründer der Missionsstation Bethanien in Südwest-Afrika From Wikipedia, the free encyclopedia

Johann Heinrich Schmelen, eigentlich Johann Hinrich Schmelen (* 7. Januar 1777 in Kassebruch bei Bremen[1]; † 26. Juli 1848 in Kommagas, Namakwa District Municipality, Nordkap, Südafrika)[1] war Missionar der Londoner Missionsgesellschaft (LMS) und Gründer der Missionsstation Bethanien.[2]

Heinrich Schmelen

Leben

Schmelenhaus in Bethanien

Schmelen stammte aus bürgerlichem Hause. Um dem Militärdienst zu entgehen, flüchtete er nach England und kam durch Karl Friedrich Adolf Steinkopf (1773–1859) mit der Londoner Missionsgesellschaft in Kontakt. Das Zusammentreffen mit drei zum christlichen Glauben bekehrten Nama hatte auf Schmelen einen so starken Eindruck gemacht, dass er sich für den Missionarsberuf entschied und nach entsprechender Ausbildung 1811 in das Südliche Afrika entsenden ließ. Dort war Schmelen zunächst unter Anleitung von Christian Albrecht (1773–1815) in der Missionsstation in Pella tätig. Zusätzlich zog er mit den Nama und ihrem Vieh von Weideplatz zu Weideplatz.

Als eine größere Gruppe Orlam wegen besserer Weidegründe Pella verließ und über den Oranje zog, schloss sich Schmelen ihnen am 13. April 1814 an.[3] Bei „der dauerhaften Quelle, die man nicht mit einem Stein verschließen kann“ – auf Khoekhoegowab ǀUiǂgandes[Khi 1], auf Afrikaans Klipfontein genannt – fanden sie einen neuen Siedlungsort. Schmelen nannte den Ort in Anlehnung an den biblischen Ort, wo Jesus getauft wurde, Bethanien und errichtete hier bereits 1814[4] das zweite von Europäern erbaute Steinhaus im Gebiet von Südwest-Afrika, das sogenannte Schmelenhaus, das 9 mal 3,50 Meter groß war und noch im 21. Jahrhundert zu besichtigen ist. Die hier ansässigen Orlam wurden in der Literatur dementsprechend als die Bethanier bezeichnet. Trotz zunächst erfolgreicher Missionsarbeit kam es wegen des zunehmend kriegerischen und räuberischen Verhaltens der Orlam zum Zerwürfnis mit Schmelen, so dass er 1822 seine Missionsarbeit in Bethanien beendete.

Während längeren Erkundungszügen durch Südwest-Afrika, die ihn unter schwierigsten Verhältnissen bis zur Walfischbucht und nach Windhoek führten, erlernte er als einer der ersten Europäer die Sprache der ansässigen Nama-Bevölkerung.[4] Daraufhin übernahm Schmelen schließlich den Auftrag, das Neue Testament ins Khoekhoegowab zu übersetzen. Bereits der ihm bekannte Pastor Christian Albrecht hatte 1815 begonnen, das Matthäusevangelium zu übersetzen. Bei den wieder aufgenommenen Übersetzungsarbeiten übernahm seine Khoekhoegowab sprechende Frau Zara Schmelen, geborene Hendriks (um 1793–1831), eine Nama, die er 1813 kennengelernt und 1814 geheiratet hatte, einen großen Teil der Arbeit, weil sie sprachlich sehr begabt war. Zusammen erarbeiteten sie eine Grammatik, Fragebücher, Leselernhilfen und ein Gesangbuch in der Sprache Khoekhoegowab.[5][6]

1816 unternahm er eine dreimonatige Reise nach Kapstadt, um sich neu einzukleiden und eine Vertretung zu übernehmen. Für kurze Zeit, von 1817 bis 1818, wurden alle Missionare, die eine einheimische Frau geheiratet hatten, von der Londoner Missionsgesellschaft suspendiert. Obwohl die Missionsgesellschaft grundsätzlich nicht rassistisch war, mussten Schmelen und andere Betroffene viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Regeln geändert und Suspendierungen aufgehoben wurden. 1831 waren die vier Evangelien nach siebenjähriger Arbeit fertiggestellt, sie konnten gedruckt werden, und der Auftrag war damit weitgehend erfüllt. Nur Monate später starb Schmelens Frau in der Nähe von Tulbagh.[7] Der Druck der Evangelien konnte 1832 dank Unterstützung der britischen Bibelgesellschaft am Kap erfolgen.[8]

Bereits im Jahr 1825 wies er die Missionsgesellschaft darauf hin, dass es in Kuiseb bei Walvis Bay einen Hafen gäbe, um zu den unerreichten Ovambo im nördlichen Namibia zu gelangen. Aber erst 1845 kamen Missionare der Rheinischen Mission nach Rooibank, um dort tätig zu werden.[9] In Bethanien übernahm bereits 1842 Hans Christian Knudsen (1818–1863) von der Rheinischen Mission die Station und blieb dort bis 1851. Nach einem früheren Brand baute er das Schmelenhaus wieder auf, und er konnte den Namaführer Petrus Frederiks davon überzeugen, dass es in Besitz der Rheinischen Mission überging.[10]

Schmelen übernahm noch die Leitung der Missionsstation in Kommagas, das südlich des Ortes Springbok liegt. Er starb am 26. Juli 1848 im Alter von 71 Jahren im Namakwa District Municipality, Nordkap, Südafrika. Er wurde auf dem Old Komaggas Cemetery in Komaggas beerdigt.[11]

Familie

Schmelen heiratete 1814 Zara Schmelen, geborene Hendriks (um 1793–1831), sie hatten vier eigene Kinder,[5] die viersprachig aufwuchsen (Deutsch, Khoekhoegowab, Afrikaans, Englisch).

Nach Zaras Tod heiratete Hinrich Schmelen in zweiter Ehe Elisabeth Bam (1807–1848), die Schwester von Jan Bam, der später der erste ordinierte farbige (englisch: coloured) Missionar der Rheinischen Missionsgesellschaft wurde. Wie seine Töchter unterstützte sie die Missionsarbeit durch Schulunterricht für die Kinder und Bibelstunden für die Frauen. Schmelens zweite Tochter Johanna (1819–1884), genannt Hanna[12], wurde die Gattin des Missionars Franz Heinrich Kleinschmidt.[13]

Siehe auch

Literatur

  • Johann Hinrich Schmelen aus Cassebruch, ein Erstling unter den Hannoverschen Missionaren in Südafrika, Kleine Hermannsburger Missionsschriften Nr. 6, Hermannsburg 1894 (2. Auflage).
  • John Cloete: Schmelen, the Giant of Missionaries, 1979 (Schauspielskript in Afrikaans, übersetzt ins Englische von Di Oliver)[14]
  • Heinrich Driessler: Die Rheinische Mission in Südwestafrika, 1932.
  • Barbara Fixy: In Namibia noch heute verehrt. Hrsg.: Nordsee-Zeitung. Bremerhaven 19. September 2017, S. 25.
  • Walter Moritz-Wörter: Auf dem Reitochsen quer durch’s südwestliche Afrika – Missionar Schmelen, ein Pionier der Sprache der Nama (1811–1848) am Oranje, in Bethanien, Steinkopf und Komaggas. John Meinert Printing, Windhoek 2004, ISBN 99916-63-30-4 (mit umfangreichen Quellenangaben und Zitaten aus Missionsberichten).
  • Ursula Trüper: Die Hottentottin. Das kurze Leben der Zara Schmelen (ca. 1793–1831). Missionsgehilfin und Sprachpionierin in Südafrika. Rüdiger Köppe, Köln 2000, ISBN 3-89645-316-5.
  • Ursula Trüper: Missionare als Sprachpioniere. Zara und Johann Hinrich Schmelen, in: Namibia − Deutschland. Eine geteilte Geschichte, Begleitheft des Deutschen Historischen Museums zur gleichnamigen Ausstellung, Berlin 2004. S. 25–29.
  • Ursula Trüper: The Invisible Woman: Zara Schmelen, African Mission Assistant at the Cape and in Namaland, Band 4, Lives, legacies, legends, ISSN 1660-9638, Basler Afrika Bibliographien, Basel 2006, ISBN 978-3-90514-191-7.
  • Heinrich Vedder: Das alte Südwestafrika, 1934.
Commons: Heinrich Schmelen – Sammlung von Bildern

Anmerkung

  1. Anmerkung: Dieser Artikel enthält Schriftzeichen aus dem Alphabet der im südlichen Afrika gesprochenen Khoisansprachen. Die Darstellung enthält Zeichen der Klicklautbuchstaben ǀ, ǁ, ǂ und ǃ. Nähere Informationen zur Aussprache langer oder nasaler Vokale oder bestimmter Klicklaute finden sich z. B. unter Khoekhoegowab.

Einzelnachweise

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