Klicklautbuchstabe

Buchstabe zur Schreibung von Klicklauten im lateinischen Schriftsystem From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Klicklautbuchstabe ist ein Buchstabe des lateinischen Schriftsystems, der in Orthografien und Lautschriften ausschließlich zur Schreibung von Klicklauten (mit der Zunge gebildeten Schnalzlauten) bestimmt ist (eigenständig oder als Bestandteil eines Digraphen/Trigraphen). Als solche sind für Sprachen des südlichen Afrikas die Schriftzeichen ǀ, ǁ, ǂ und ǃ im Gebrauch.

ǀ ǁ ǂ ǃ 𝼊 ʘ
ʇ ʖ 𝼋 ʗ ψ
Khoekhoegowab-Unterricht in Swakopmund, 2006. Links oben auf der Tafel Klicklaut­buchstaben.

Verwendung

Die Buchstaben ǀ, ǁ, ǂ und ǃ in Orthografien

Die Klicklautbuchstaben ǀ, ǁ, ǂ und ǃ werden beispielsweise in der Orthografie des Khoekhoegowab[1] und des Juǀ’hoan[2] (Sprache der Juǀ’hoansi) verwendet.

Da Khoekhoegowab eine der Nationalsprachen Namibias ist, finden sich diese Klicklautbuchstaben in Personennamen und geografischen Namen, beispielsweise im Namen des Wahlkreises ǃNamiǂNûs.

Sprachen mit Orthografien, die Klicklautbuchstaben verwenden, verwenden in der Regel mehr als vier Klicklaute. Die Laut-Buchstaben-Zuordnung wird dann dadurch hergestellt, dass für die einzelnen Laute auch andere Buchstaben (also solche, die auch für andere Laute als Klicklaute verwendet werden können, wenn auch nicht notwendig in derselben Orthografie) oder auch Buchstabenkombinationen (Digraphen, Trigraphen) verwendet werden. Letztere sind zumeist Kombinationen aus einem Klicklautbuchstaben und ein oder zwei Buchstaben des lateinischen Grundalphabets, auch ein Apostroph kann ein Teil davon sein.

Klicklautbuchstaben in Namen von Himmelskörpern

Im Bestreben, bei Namen von Himmelskörpern nicht nur auf die europäische (speziell griechisch-lateinische) Mythologie zurückzugreifen, publizierte die Internationale Astronomische Union (IAU) 2019 für den Zwergplanetenkandidaten (229762) Gǃkúnǁʼhòmdímà diesen Namen aus der Mythologie der Juǀ’hoansi in der Originalschreibweise mit Klicklautbuchstaben.[3]

Klicklautbuchstaben in Lautschriften

Die Buchstaben ǀ, ǁ, ǂ und ǃ sind in gleicher Form auch Bestandteil des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA). Dieses enthält einen weiteren Buchstaben ʘ. Die Kombination des Buchstabens ǃ mit einem speziellen diakritischen Zeichen ist in Unicode als eigenständiges Zeichen 𝼊 enthalten.[4]

Weitere Zeichen (wie ʇ ʖ 𝼋 ʗ ψ) finden sich in historischen Varianten des IPA und bei diversen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts.

Typografie und Aussehen

Klicklautbuchstaben ǀ, ǁ, ǂ und ǃ in den Schriftarten Arial, Times New Roman, Calibri, Cambria, Linux Libertine und Andron Mega Corpus, in der zweiten Zeile kursiv in den gleichen Schriftarten, zusammen mit dem Großbuchstaben „I“ zum Vergleich und zur Markierung der Versalhöhe sowie zum Vergleich gefolgt von einem Ausrufezeichen und einem senkrechten Strich.
„3ǁî xoaǀgaub“ (‚Orthografie 3‘) auf Titelseite (oben: serifenlose Schrift) und Innentitel (unten: fette Serifenschrift) eines 2002 in Namibia erschienenen Buches[1]

Die Grundform der Buchstaben ǀ, ǁ und ǂ ist ein senkrechter Strich, in der Regel in Großbuchstabenhöhe (Versalhöhe) oder leicht höher. Sie ist somit zumeist kürzer als das Schriftzeichen „Senkrechter Strich“ („|“), das in der Regel die Schriftbildhöhe aufweist (also auch die Unterlänge ausfüllt). Sie ist zumeist deutlich dünner als die senkrechten Striche der Großbuchstaben (also eher ein Haarstrich als ein Schattenstrich) und in jedem Fall ohne Serifen. Der Buchstabe ǁ ist eine Verdoppelung der Grundform mit engem Abstand zwischen diesen Strichen, häufig gleich der Strichbreite. Der Buchstabe ǂ wird in der Mitte von zwei parallelen gleich breiten waagerechten Strichen in der gleichen Stärke wie die Grundform gekreuzt. In kursiven Zeichensätzen sind diese Buchstaben gelegentlich, jedoch nicht regelmäßig passend zu den lateinischen Grundbuchstaben geneigt. In Fettschriften bleiben die Zeichen gelegentlich ungefettet.

Der Buchstabe ǃ gleicht fast immer dem Ausrufezeichen, obwohl er ursprünglich als senkrechter Strich mit der gleichen Grundform wie ǀ, ǁ und ǂ konzipiert war, nur mit einem untergesetzten Punkt.[5] Er wird dann auch in kursiven und fetten Varianten einer Schriftart wie das Ausrufezeichen geschrägt und gefettet, selbst wenn dies nicht mit den Buchstaben ǀ, ǁ und ǂ konform geht.

Geschichte

Die Xhosa-Klicklaute im Lepsius-Alphabet von 1854. „ṅ“ ist äquivalent zu [ŋ].[5]

Klicklautbuchstaben für Khoekhoegowab wurden erstmals von Zara Schmelen, der einheimischen Frau des Missionars Heinrich Schmelen, entworfen,[6] die kurz vor ihrem Tod 1831 eine Übersetzung der Evangelien sowie eine Grammatik fertigstellte.[7] Um 1850 wurden sie von dem Missionar und Sprachforscher Johann Georg Krönlein weiterentwickelt[8.1] und von dem Sprachforscher Karl Richard Lepsius[5] verbreitet. In ihrer von Krönlein entwickelten Gestalt war ihre Grundform einheitlich ein einfacher senkrechter Strich in Kleinbuchstabenhöhe (x-Höhe), der bei Verwendung in der für Lautschrift üblichen Kursivschrift in gleicher Weise wie die übrigen Buchstaben schräg geneigt wird. Die Buchstaben ergaben sich dann durch Verdoppelung der Grundform oder durch Hinzufügung eines Punktes unterhalb oder eines kurzen Schrägstriches (ähnlich einem Akut-Akzent) oberhalb. Der senkrechte Strich mit zwei waagerechten Querstrichen wurde 1856 auf einer Konferenz der Rheinischen Missionsgesellschaft vorgeschlagen und ersetzte schnell Lepsius’ senkrechten Strich mit Akut.[9]

1989 wurden die Buchstaben in das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) aufgenommen; dabei ersetzten die Buchstaben ǀ, ǃ, ǁ die vorher dort gebräuchlichen Buchstaben ʇ, ʗ, ʖ.[10][9]

Weitere Informationen System, dental ...
Historische und aktuelle Klicklautbuchstaben (mit Unicode-Codepunkten, sofern vorhanden)
System dental lateral alve-
olar
palatal retro-
flex
bi-
labial
Zulu-Klicklautbuchstaben der norwegischen Mission (Schreuder 1850)[11]
Karl Richard Lepsius 1854 (Kleinbuchstaben; Großbuchstaben sind ähnlich)[5]
Carl Jakob Sundevall 1855 (Kleinbuchstaben; Großbuchstaben sind ähnlich)[12]
Daniel Jones 1921: IPA-Klicklautbuchstaben 1921–1989
0287

0296

0297

029E
Clement M. Doke 1925:[13][14] Buchstaben für stimmlose Klicklaute
0287

0296

0297

1F863

03C8
Clement M. Doke 1925: Buchstaben für stimmhafte Klicklaute
0263

 

 

 

 
Clement M. Doke 1925: Buchstaben für nasale Klicklaute
Douglas M. Beach 1938:[8] Buchstaben für stimmlose Klicklaute
0287

0296

0297

1DF0B
Douglas Beach 1938: Buchstaben für nasale Klicklaute
1DF0D

1DF0E

1DF0F

1DF0C
IPA ab 1989
01C0

01C1

01C3

01C2

1DF0A

0298
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Darstellung auf Computersystemen

Die in Orthografien und in IPA verwendeten Klicklautbuchstaben sind sämtlich in Unicode enthalten und lassen sich somit auf aktuellen Computersystemen problemlos darstellen. Bei den Namen einiger Unicode-Zeichen ist zu beachten, dass sie auf einem älteren Verständnis ihrer Artikulation beruhen und ihre Namen daher von der in den 2020er Jahren für die Lautbeschreibung gültigen Terminologie abweichen.[4.1]

Weitere Informationen Zeichen, Verwendung ...
Zeichen Unicode
Codepunkt verlinkt auf den Unicodeblock
Verwendung Dezimal-
code
HTML-
Entität
LaTeX[15] Tastatureingabe
mit Belegung E1
ǀ U+01C0 latin letter dental click IPA: Dentaler Klick 0448 \textpipe Alt Gr + k1
ǁ U+01C1 latin letter lateral click IPA: Lateraler alveolarer Klick 0449 \textdoublepipe Alt Gr + k2
ǂ U+01C2 latin letter alveolar click IPA: Palataler Klick (in Abweichung zum Unicode-Zeichennamen)[4] 0450 \textdoublebarpipe Alt Gr + k3
ǃ U+01C3 latin letter retroflex click IPA: Alveolarer Klick (in Abweichung zum Unicode-Zeichennamen)[4] 0451 Alt Gr + k4
𝼊 U+1DF0A latin letter retroflex click with retroflex hook IPA: Retroflexer Klick[4] 122634
ʘ U+0298 latin letter bilabial click IPA: Bilabialer Klick 0664 \textbullseye (Alt Gr + r) – f5

grün markiert: Dieser Buchstabe wird in Rechtschreibungen (u. a. des Khoekhoegowab[1]) verwendet (also auch im Alltagsgebrauch der Sprachgemeinschaften und nicht nur in Lautschriften und sonstigen sprachwissenschaftlichen Zusammenhängen).

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Tastatureingabe und Buchstabier-Ansage

Auf der erweiterten deutschen Standard-Tastaturbelegung E1 gemäß DIN 2137-01:2023-08 können die in Orthografien verwendeten Klicklautbuchstaben mit der „Unterkomma- und Sprachsonderzeichen-Taste“ (Tastenkombination Alt Gr + k, „k wie Klicklaut“) eingegeben werden, gefolgt von einer Ziffer in Übereinstimmung mit der in DIN 5009 geregelten Buchstabier-Ansage:[16]

  • 1 für ǀ („Klicklaut aus einem Strich“; Buchstabier-Ansage „Klick-Eins“),
  • 2 für ǁ („Klicklaut aus zwei Strichen“; Buchstabier-Ansage „Klick-Zwo“),
  • 3 für ǂ („Klicklaut aus drei Strichen“; Buchstabier-Ansage „Klick-Drei“),
  • 4 für ǃ (Buchstabier-Ansage „Klick-Vier“).

Die Vorgängerfassung DIN 2137-01:2018-12 definierte Eingabemöglichkeiten, die sich an der Zeichengestalt orientieren; diese sind laut der Fassung von 2023 weiterhin als zusätzliche Möglichkeit verfügbar. Hier wird ebenfalls zuerst Alt Gr + k eingegeben, gefolgt von:

  • ' bzw. " für ǀ bzw. ǁ („Einzel-Hochstrich bzw. Doppelhochstrich für Klicklaut-Einzelstrich bzw. Klicklaut-Doppelstrich“),
  • # für ǂ („Zeichen aus vielen Strichen für Klicklautbuchstaben aus vielen Strichen“),
  • ! für ǃ („Ausrufezeichen für ähnlichen Klicklautbuchstaben“).

Ersatzdarstellungen

Da die Klicklautbuchstaben nicht auf handelsüblichen Schreibmaschinen verfügbar waren, haben sich Ersatzdarstellungen durch dort verfügbare Zeichen eingebürgert. Die Zeichen ǀ und ǁ werden dabei durch / oder // (einfach oder doppelt geschriebener Schrägstrich) ersatzweise dargestellt. Das Zeichen ǂ wird häufig als = (Gleichheitszeichen), gelegentlich auch als # (Raute) oder im Druck auch als ≠ (mathematisches Ungleichheitszeichen) geschrieben. Das Zeichen ǃ ist ohnehin in üblichen Schriftarten im Druck nicht von dem Ausrufezeichen zu unterscheiden. Diese Ersatzdarstellungen haben sich auch in das Computerzeitalter erhalten, da die Ersatzzeichen (bis auf ≠) im ASCII-Zeichensatz enthalten sind. Besonders auffällig ist die Ersatzdarstellung im Staatsmotto-Text im 2000 gestalteten Wappen Südafrikas.

Commons: Klicklautbuchstaben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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