Heinrich von dem Hagen
deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant z.V. im Zweiten Weltkrieg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Heinrich Georg von dem Hagen (* 24. Juli 1873 in Straßburg im Elsass; † 6. Mai 1945 auf Gut Waldrogäsen) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant z.b.V. im Zweiten Weltkrieg, der in der Preußischen Armee, der Reichswehr und der Wehrmacht diente.[1]
Leben
Herkunft
Heinrich entstammte dem Uradel und wurde 1873 in Straßburg als Sohn des Kavallerieoffiziers und damaligen (Sekondeleutnant) Georg Eberhard von Hagen (1847–1898) und dessen Ehefrau Elisabeth Louise Hedwig von geb. von Raumer, geboren. Seine Mutter verstarb früh am 12. August 1888 im schlesischen Görbersdorf im Alter von nur 36 Jahren. Sein Vater diente zuletzt im Rang eines Oberstleutnants und Kommandeurs des Pommerschen Dragoner-Regiments „von Wedel“ Nr. 11, er starb am 2. August 1898 in Gumbinnen. Der Großvater hieß Otto von Hagen (1817–1880) und war kgl. preuß. Landforstmeister, Wirklicher Geheimer Rat und Ministerialdirektor. Die Nachfahren von Heinrich stammten aus dessen erster Ehe mit der Minna verwitwete Seyffert geb. Erdmann (1818–1847) aus Berlin, weitere Verwandte aus der zweite Ehe mit der Offizierstochter Mathilde von Wedel.
Heinrich von dem Hagen entstammte einer kinderreichen Familie. Neben ihm erreichten noch vier weitere Geschwister das Erwachsenenalter.
- Geschwister:
- Eberhard Karl Otto von dem Hagen (1872–1920) Sein ältester Bruder Eberhard schlug ebenfalls eine steile Militärkarriere ein. Werdegang: Eintritt 1890 in das Garde-Füsilier-Regiment. Teilnahme an der Expedition nach China im 1. Ostasiatischen Infanterie-Regiment (1900–1901). Ab 1905 Dienst im Generalstab der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika (Erhalt eines Ehrendegens 1907 für die Kämpfe gegen Jakobus Morenga). Nach seiner Rückkehr 1908 diente er wieder in verschiedenen Generalstabsverwendungen im Kaiserreich. Erster Weltkrieg und Tod: Als Generalstabsoffizier in verschiedenen Armee- und Generalkommandos eingesetzt, zuletzt als Chef des Generalstabes des Generalkommandos VI. Armeekorps (Oberstleutnant). Er verstarb am 16. März 1920 in Berlin an den Folgen seiner Kriegsverwundungen.
- Agnes Mathilde Anna von Hagen (1875–1896). Seine jüngere Schwester Agnes wurde am 17. August 1875 in Straßburg geboren. Sie verstarb früh im Alter von 20 Jahren am 24. Mai 1896 in Salzwedel.
- Elisabeth (Elsa) Bertha von dem Hagen (1877–1959). Geboren am 17. Juli 1877 in Berlin. Sie blieb unverheiratet, lebte unter anderem in Berlin-Wilmersdorf und verstarb am 8. März 1959 (oder 1960?) in Höxter.
- Rudolph (Rudolf) Georg von Hagen (1882–1968): Er wählte die Marinelaufbahn. Werdegang: Eintritt in die Kaiserliche Marine 1899. Dienst auf diversen Schiffen (u. a. SMS Aegir, SMS Hildebrand, SMS Freya, Kanonenboot Habicht in Westafrika). Beförderung zum Kapitänleutnant (1909) und später Kommandant des Wachkommandos auf SMS Stettin. Im Ersten Weltkrieg Dienst im Admiralstab. 1920 Ausscheiden aus dem aktiven Dienst als Korvettenkapitän (Charakter). Ziviles Leben und Zweiter Weltkrieg: Tätigkeit beim Reichswasserschutz in Frankfurt/Oder, später bei Bankhäusern und der Deutschen Levante-Linie. Im Zweiten Weltkrieg reaktiviert als Marine-Verbindungsoffizier beim Wehrmachtsbefehlshaber Ostland und Leiter der Seetransportabteilung in Riga (zuletzt Fregattenkapitän). Kriegsende: Nach Ausbombung in Berlin und Dresden lebte er 1944 bei seinem Bruder Heinrich auf Gut Waldrogäsen. Nach der Ermordung Heinrichs floh er mit seiner zweiten Frau Margarethe über Burg und Berlin zu seinem Stiefsohn nach Höxter, wo er später in einer Tabakfabrik arbeitete. 1. Ehe: 1908 verheiratet mit Charlotte Abel (* 12. März 1887; † 4. März 1935). In zweiter Ehe seit 1938 mit Margarethe Lochner, geb. Weinert. 3. Ehe m. Marion verw. von Busse, geb. Denecke, Tochter des Generalmajors Hugo Denecke u. d. Adele von Busse.
Durch einen allerhöchsten Kabinettsbeschluss vom 18. April 1907 wurde ihm und seinem Bruder Eberhard gestattet, den Namen von dem Hagen (statt von Hagen) zu führen.
Militärische Laufbahn
Deutsches Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Nach dem Abitur am Domgymnasium in Magdeburg trat von dem Hagen am 10. März 1892 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein und wurde dem Garde-Füsilier-Regiment in Berlin zugeteilt.
- 1892–1901: Beförderung zum Portepeefähnrich (1892) und nach dem Besuch der Kriegsschule zum Sekondeleutnant (1893). Zunächst Kompanieoffizier, ab 1898 Adjutant des II. Bataillons.
- 1901–1906: Absolvierung der Generalstabsausbildung an der Kriegsakademie in Berlin, verbunden mit der Beförderung zum Oberleutnant (1902). Ab 1905 Kommando zum Großen Generalstab.
- 1906–1911: Ab 1906 aggregiert in den Generalstab der Armee und Ernennung zum 2. Adjutanten des Chefs des Generalstabes der Armee, Generalleutnant Helmuth von Moltke. Beförderung zum Hauptmann (1906).
- 1911–1914: Chef der 10. Kompanie des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 (1911). Beförderung zum Major (1913) und Versetzung in den Großen Generalstab sowie in den Generalstab der 2. Garde-Division.
- Erster Weltkrieg: Bei Mobilmachung I. Generalstabsoffizier (Ia) des IX. Reservekorps, später bei der 3. Armee (1915). Ernennung zum Chef des Generalstabes des Generalkommandos IV. Armeekorps (1916) und des VII. Armeekorps (1918). Beförderung zum Oberstleutnant (1918) und Kommandeur des Reserve-Infanterie-Regiments 77.
Weimarer Republik
Nach Kriegsende wurde von dem Hagen in das vorläufige Reichsheer und später in die Reichswehr übernommen.
- 1919–1921: Stabsoffizier beim Reichswehr-Infanterie-Regiment 115 (später Infanterie-Regiment 9). Beförderung zum Oberst (Dezember 1920).
- 1921–1925: Kommandant des Truppenübungsplatzes Altengrabow ab Mai 1921. Im November 1923 wurde er Kommandeur des 6. Infanterie-Regiments in Lübeck.
- 1925–1926: Ernennung zum Infanterieführer II in Schwerin und Beförderung zum Generalmajor (1925). Am 30. April 1926 wurde er unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant aus dem aktiven Dienst verabschiedet.
Zweiter Weltkrieg
Am 1. Juli 1940 wurde von dem Hagen der Wehrmacht wieder zur Verfügung gestellt. Er war zunächst Kommandant des Offizierslagers (Oflag) IX A und wurde im Oktober 1940 zum Kommandeur der Kriegsgefangenen im Wehrkreis VI (Münster) ernannt. Am 1. Januar 1942 erfolgte die Beförderung zum Generalleutnant z.b.V. Im Juni 1942 wurde er in die Führerreserve des Oberkommandos des Heeres versetzt und Ende Juli 1942 endgültig aus seiner Stellung entlassen.
Familie
Heinrich von dem Hagen war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe wurde am 22. April 1922 in Berlin geschieden. Heinrich hatte 1908 in Potsdam Irene von Pachelbel-Gehag geheiratet, Tochter der Elsbeth Edle von der Planitz und des Fideikommissherrn Wolfgang von Pachelbel-Gehag auf Schloss Keffenbrinck. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor:
- Georg-Wolfgang (1908–?): Offizier, heiratete 1936 Alexandrine Edle und Freiin von Plotho (drei Kinder: Wolf-Eberhard, Rüdiger, Elisabeth Alexandrine).
- Elisabeth (1910–1938): Heiratete 1937 Hauptmann Hans von der Hagen.
- Jürgen (* 1911), lebte unvermählt 1970 in Baden-Baden
- Eberhard (1919–1939): Gefallen als Fahnenjunker-Unteroffizier während des Überfalls auf Polen an der Bzura.
Am 6. April 1926 heiratete er in Berlin die Witwe Gertrud Elisabeth Lila geb. von Loebell (* 1878; † 1953), Tochter des Generalleutnants a. D. Arthur von Loebell. Sie brachte das damals wohl noch 792 Hektar große Gut Waldrogäsen mit in die Ehe, welches sie von ihrem ersten Ehemann, dem 1924 verstorbenen Kurt von Thümen, geerbt hatte.
Das Ehepaar lebte fortan in Waldrogäsen. Beim Einmarsch der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Heinrich von dem Hagen am 6. Mai 1945 auf dem Gut erschossen. Seine Witwe Gertrud überlebte und starb 1953 in Gersfeld, ihre Grabplatte auf dem Waldfriedhof in Waldrogäsen blieb erhalten.
Auszeichnungen
Im Laufe seiner langen militärischen Karriere im Deutschen Kaiserreich und während des Ersten Weltkriegs wurde Heinrich von dem Hagen mit einer Vielzahl an hohen in- und ausländischen Orden sowie Ehrenzeichen dekoriert.
Auszeichnungen vor dem Ersten Weltkrieg
- Preußische Kaiser-Wilhelm-Erinnerungsmedaille (Zentenarmedaille) (verliehen am 22. März 1897)
- Königlich Preußische Rettungsmedaille am Bande (1902)
- Preußischer Kronen-Orden 4. Klasse (1906)
- Österreichischer Orden der Eisernen Krone 3. Klasse (1908)
- Bayerischer Militär-Verdienstorden 4. Klasse (1910)
- Preußischer Roter Adlerorden 4. Klasse (1910)
- Ritterkreuz 1. Klasse des Sächsischen Albrechts-Ordens (1910)
- Ritterkreuz 1. Klasse des Württembergischen Friedrichs-Ordens (1910)
- Offizierskreuz des österreichischen Franz-Joseph-Ordens (1911)
- Preußisches Dienstauszeichnungskreuz
Auszeichnungen im und für den Ersten Weltkrieg
- Eisernes Kreuz (1914) 2. und 1. Klasse
- Mecklenburg-Schwerinsches Militär-Verdienstkreuz 2. Klasse (21. April 1915)
- Mecklenburg-Strelitzsches Kreuz für Auszeichnung im Kriege (1915)
- Ritterkreuz 1. Klasse des Sächsischen Albrechts-Ordens mit der Krone und Schwertern (9. November 1915)
- Sachsen-Meiningisches Ehrenkreuz für Verdienst im Kriege (12. Dezember 1915)
- Ritterkreuz 1. Klasse des Badischen Ordens vom Zähringer Löwen mit Schwertern (25. April 1916)
- Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern (14. Oktober 1916)
- Bayerischer Militär-Verdienstorden 3. Klasse mit Schwertern (22. Dezember 1916)
- Anhaltisches Friedrich-Kreuz (April 1917)
- Ehrenkreuz 3. Klasse des Fürstlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und Krone (16. April 1918)
- Lippisches Kriegsverdienstkreuz (30. Mai 1918)
- Hanseatenkreuz der Stadt Hamburg
- Ritterkreuz 2. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens mit Schwertern
- Komturkreuz des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens mit Schwertern
Literatur
- Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1971. Band XI, Band 49 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1971, ISSN 0435-2408, S. 249–251.
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1953. Band I, Band 5 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1953, ISSN 0435-2408, S. 97–99.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil A (Uradel). 1940. Jahrgang 39, Justus Perthes, Gotha 1939.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1908. Jahrgang 9, Mit: Stammreihe Hagen-Heinricus miles, 1255 Duderstädter Urkunden-Eichsfelder Uradel, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 274.