Helmut Kindl

österreichischer Chemiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Helmut Kindl (geboren 23. Januar 1936 in Linz; gestorben 13. Oktober 2025 in Marburg[1]) war ein österreichischer Biochemiker mit Forschungsschwerpunkten Naturstoffchemie und Genexpression in der Pflanzenphysiologie, der von 1971 bis 2001 als Professor am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität Marburg tätig war.

Helmut Kindl (rechts) im Gespräch mit Kurt Engeland (links) (Marburg, 1990)

Akademische Laufbahn

Nach der Matura studierte Helmut Kindl von 1954 bis 1962 an der Universität Wien, u. a. bei Gerhard Billek, das Fach Chemie, das er 1960 mit dem Diplom und 1962 mit der Promotion abschloss. Anschließend war er Wissenschaftlicher Assistent bei Otto Hoffmann-Ostenhof in Wien in der biochemischen Abteilung des dortigen Instituts für Organische Chemie, die 1969 zur Lehrkanzel für Biochemie und 1970 zum Institut für Allgemeine Biochemie aufgewertet wurde,[2] und führte Arbeiten zur Biosynthese von Cyclitolen in Pflanzen und Pilzen durch.

Ab 1967 war Kindl Postdoktorand bei Edward W. Underhill am Plant Biotechnology Institute des National Research Council of Canada in Saskatoon, Kanada, wo er über den Stoffwechsel aromatischer Aminosäuren in Pflanzen (Schwerpunkt: Biosynthese von Glucosinolaten und Stilbenen) arbeitete. Nach der Habilitation 1969 war er Universitätsdozent für Biochemie an der Universität Wien.

Von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 hatte Helmut Kindl eine C4-Professur für Biochemie an der Universität Marburg inne. Die Fachrichtung Biochemie ist Teil des Fachbereichs Chemie, der schon während der aktiven Zeit von Helmut Kindl auf den Lahnbergen in Marburg angesiedelt war. 1978/79 und 1994/95 war er Dekan des Fachbereichs Chemie. Im Jahr 2001 erfolgte die Emeritierung.[3]

Forschungsgebiete

Pflanzliche Zelle

Helmut Kindl forschte auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie mit den speziellen Schwerpunkten Naturstoffchemie von Metaboliten, Funktion von Peroxisomen und Stressantwort in Pflanzenzellen.

  • Klassische Naturstoffchemie
    • Cyclitole (Hexahydroxycyclohexane)
    • Glucosinolate und Stilbene (aromatische Aminosäurederivate)
    • Polyketide
    • Phytoalexine
  • Signaltransduktion und Genaktivierung (temporäre Genexpression bei Zellen in Suspensionskultur)
  • Peroxisomen
    • Biosynthese zellulärer Makrostrukturen, beispielsweise Peroxisomen
    • Abbau von Fettsäuren in Peroxisomen
    • Proteintransport in Peroxisomen
  • DFG-Projekt: Proteintransfer zu Lipidkörpern (Förderung 1991 bis 2000)
  • DFG-Projekt: Struktur und Funktion von pilzlichen Chaperonen sowie deren Beeinflussung durch phenolische Bodeninhaltsstoffe (Förderung von 1996 bis 1999)
  • Induzierte Resistenz bei Pflanzen

Von 1971 bis 2001 wurden unter der Leitung von Helmut Kindl 62 Diplomarbeiten im Fach Biochemie angefertigt, und 60 Doktoranden schlossen mit einer Promotion ab, darunter Frauke Melchior (später: Professur für Molekularbiologie, Zentrum für Molekulare Biologie Heidelberg), Hans-Hermann Gerdes (Professur für Biomedizin, Universität Bergen, Norwegen und Universität Heidelberg), Ivo Feußner (Professur in der Abteilung Biochemie der Pflanze, Albrecht-von-Haller-Institut der Universität Göttingen) und Kurt Engeland (Professur für Molekulare Onkologie, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig).

„Kindl-Seminar“

1972 initiierte Helmut Kindl eine Reihe von interdisziplinären, Fachbereich übergreifenden Seminaren, in denen neuere Arbeiten aus der Biochemie besprochen wurden, die in den Marburger Fachbereichen unter der Bezeichnung „Kindl-Seminare“ bekannt wurden. Daraus entwickelten sich nachfolgend zwei Marburger DFG-Graduiertenkollegs: Enzymchemie (1990–2000, Sprecher Rudolf Thauer) und Proteinfunktion auf atomarer Ebene (2001–2006; Sprecher Wolfgang Buckel).

Publikationen

Dissertation und Habilitation

Bücher

Publikationen in Journalen

Während seiner Karriere publizierte Helmut Kindl zusammen mit Mitarbeitern mehr als 160 Artikel in nationalen und internationalen Journalen.[2][4]

Privates

Helmut Kindl war verheiratet; das Ehepaar hat drei Kinder.

Literatur

Einzelnachweise und Annotationen

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