Hendrick de Clerck

Flämischer Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Hendrick de Clerck, auch Hendrik de Klerck (* um 1560 in Brüssel; † 1630 ebenda) war ein flämischer Maler und Zeichner. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der spätmanieristischen Malerei in den südlichen Niederlanden und wirkte als Hofmaler der Erzherzöge Albrecht und Isabella in Brüssel.[1]

Hendrick de Clerck: Der Wettstreit zwischen Apollon und Pan, um 1620, Rijksmuseum Amsterdam

Leben

Hendrick de Clerck wurde um 1560 in Brüssel geboren. Neuere Forschungen korrigieren das zuvor auf etwa 1570 datierte Geburtsdatum. Laut dem flämischen Dichter und Schriftsteller Cornelis de Bie (1661) war er Schüler von Marten de Vos, der zu den führenden Antwerpener Malern seiner Zeit zählte. In jungen Jahren begab sich de Clerck nach Italien. Nachweislich hielt er sich 1587 in Rom auf, wo er als Zeuge in einem Notariatsakt erwähnt wird, der seinen Landsmann, den Maler Francesco da Castello, betrifft (Rom, Archivio Capitolino, sez. I, vol. 543, c. 44, not. Gerardus Hornchens). Aus diesem Dokument geht hervor, dass de Clerck bereits 1586 im Haus von Francesco da Castello wohnte und arbeitete. Eine Reihe von Zeichnungen mit Ansichten von Rom und Tivoli, die sich heute im Schloss Wolfegg befinden, sowie einige in Rom ausgeführte Gemälde belegen seinen mehrjährigen Italienaufenthalt. Dabei besuchte er auch andere Städte, wie eine Zeichnung mit der Ansicht des Posillipo bei Neapel (ebenfalls Schloss Wolfegg) bezeugt.[2]

Hendrick de Clerck: Die Vernichtung der Armee des Pharaos, zwischen 1590 und 1610. Metropolitan Museum of Art, New York City

Nach seiner Rückkehr in die Heimat, die spätestens vor 1590 erfolgte, ist Hendrick de Clerck im Jahr 1590 erstmals urkundlich nachweisbar. Zu diesem Zeitpunkt signierte er das Triptychon mit der Heiligen Sippe für Notre-Dame de la Chapelle, das sich heute in den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel (MRBAB) befindet. In den Jahren 1594 und 1595 war er für den Hof von Erzherzog Ernst von Österreich tätig. Nach dessen Tod empfahl Kaiser Rudolf II. Hendrick de Clerck im Jahr 1596 dessen Nachfolger, Erzherzog Albrecht, als Hofmaler. 1599 gestaltete er den Festapparat für den feierlichen Einzug von Erzherzog Albrecht und seiner Gemahlin, Infantin Clara Eugenia, in Brüssel. Die vorbereitende Zeichnung für die Hauptszene des Triumphbogens mit der Allegorie der niederländischen Provinzen im Krieg befindet sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg. Seine offizielle Berufung zum Hofmaler erfolgte wahrscheinlich erst im Jahr 1606.[2]

1609 war er gemeinsam mit Wenceslas Cobergher an der Ausmalung der Kapelle des Erzherzoglichen Palasts in Brüssel beteiligt. Im Jahr 1623 erhielten die Vorsteher des Kirchenbaus von St.-Josse-ten-Noode von der Erzherzogin 300 Scudi, um eine Kopie des Bildes Kreuzigung von Michiel Coxie zu bezahlen, welche Hendrick de Clerck angefertigt hatte. Das Original hatte einst Kardinal Granvelle für Philipp II. von Spanien erworben. Zu den Schülern de Clercks zählte unter anderem Jan van Overstraeten; sein Sohn Jacques de Clerck wurde 1634 Meister in Brüssel. Hendrick de Clerck starb 1630 in Brüssel.[2]

Werk

Hendrick de Clerck und Denis van Alsloot: Das Paradies, um 1608. Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München

Das künstlerische Schaffen Hendrick de Clercks lässt sich in mehrere Phasen und Themenbereiche gliedern. Während seines Romaufenthalts orientierte er sich stilistisch zunächst am Landschaftszeichner Mathijs Bril, was anhand seiner Zeichnungen mit Romansichten erkennbar ist. Gleichzeitig zeigt seine Heilige Familie für San Eligio dei Ferrari, die stilistisch eng mit seinen späteren Heimatwerken verwandt ist und durch eine Replik bei Christie’s London (1987) belegt ist, den prägenden Einfluss von Francesco da Castello. Gemälde in der Galleria Nazionale d’Arte Antica in Rom und in San Prassede in Todi zeugen von seiner Angleichung an die römische Malerei, insbesondere an die Werke von Federico Zuccari und Scipione Pulzone.[2][3]

Nach seiner Rückkehr nach Brüssel schuf Hendrick de Clerck zahlreiche, oft großformatige Gemälde für Kirchen in Brüssel und Umgebung, darunter allein neun Werke für die Kirche Notre-Dame de la Chapelle, von denen jedoch nicht alle erhalten sind. In diesen religiösen Werken wird der Einfluss seines Lehrers Marten de Vos besonders deutlich. Hendrick de Clerck näherte sich dessen Auffassung mitunter so stark an, dass das im Rijksmuseum Amsterdam ausgestellte Bild Susanna und die beiden Alten früher fälschlicherweise Marten de Vos zugeschrieben wurde. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen Die Heilige Sippe (Brüssel), Die wundersame Brotvermehrung (Wien) und Die Verkündigung (Reims) sowie zahlreiche Arbeiten, die in den letzten Jahrzehnten auf dem Kunstmarkt aufgetaucht sind, darunter Die Anbetung der Hirten (Colnaghi, New York 1985).[2][3]

Neben den religiösen Großformaten war de Clerck ein gefragter Schöpfer mythologischer und allegorischer Kabinettbilder, für die er private Auftraggeber fand. Seine Werke befanden sich in den Sammlungen der Erzherzöge Ernst, Albrecht und Leopold Wilhelm sowie des Kardinals Granvelle, was für seine hohe Wertschätzung am Hof spricht. In dieser Gattung arbeitete Hendrick de Clerck als Figurenmaler eng mit Landschaftsspezialisten zusammen. Zunächst arbeitete er kurzzeitig mit Jan Brueghel dem Älteren zusammen, dann von 1606 bis 1611 regelmäßig mit Denis van Alsloot. Er versah dessen Landschaften mit eleganten Staffagefiguren in der Art von Hans Rottenhammer und Hendrick van Balen. Bekannte Gemeinschaftswerke befinden sich unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam (Landschaft mit Kephalus und Prokris, 1608), im Kunsthistorischen Museum Wien (Kephalus und Prokris, 1608), im Prado in Madrid (Diana und die Vier Elemente) sowie im Louvre in Paris (Artemis und Kallisto).[2][3]

Als Zeichner hinterließ Hendrick de Clerck ein umfangreiches Werk, das vorwiegend aus Federzeichnungen besteht und häufig mit dem Monogramm HDC versehen ist. Die beiden Hauptgruppen seiner erhaltenen Zeichnungen befinden sich in der Universitätsbibliothek Erlangen und im Schloss Wolfegg. Nach seinen Kompositionen schufen andere Künstler Druckgrafiken. So stach Matthäus Greuter eine Auferstehung Christi und Bernard Lens fertigte einen Kupferstich mit den Vier Elementen nach seiner Vorlage an.[2][3]

Literatur

  • Katharina van Cauteren: Politics as painting Hendrick De Clerck (1560–1630) and the archducal enterprise of empire. Lannoo, Tielt, 2016
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, hrsg. von De Gruyter 2009, Eintrag Clerck (Klerck), Hendrik de.
  • M. Díaz Padrón: Hendrick de Clerck: Una serie de las Artes Liberales identificada en el Monasterio de El Escorial y algunas anotaciones a nuevas obras suyas en España, BSAA arte, LXXIV (2008), pp. 140–143
  • Cornelis De Bie: Het gulden cabinet van de edele vry schilder const, Antwerpen, 1661, S. 163.
  • Johan Geldolph Hoogewerff: Beitrag in: Mededelingen van het Nederlandsch Historisch Instituut te Rome, 1935, S. 85 f.
  • Charles Terlinden: Artikel in: Revue belge d'archéologie et d'histoire de l’art, 1952, S. 81–112.
  • Marguerite de Maeyer: Albrecht en Isabella en de schilderkunst, Brüssel, 1955, S. 61, 88, 185, 208.
  • Leo van Puyvelde: La Renaissance flamande de Bosch à Breughel, Brüssel, 1961, S. 198, 200, 202.
  • Ulrich Thieme und Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 7, E. A. Seemann, Leipzig, 1912.

Einzelnachweise

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