Hendrik Holt
deutscher Wirtschaftskrimineller
From Wikipedia, the free encyclopedia
Hendrik Richard Holt (* 29. März 1990 in Haselünne) ist ein deutscher Anlagebetrüger und vorgeblicher ehemaliger Windenergie-Unternehmer. Er war Geschäftsführer der Holt Holding Group, die 2021 liquidiert wurde und deren Unternehmensaktivitäten fingiert waren. Unter anderem hatte er die Rechte an frei erfundenen Windpark-Projekten an internationale Energiekonzerne verkauft. Holt wurde im Mai 2022 wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[1][2] Er war ab dem 17. April 2020 in der JVA Oldenburg inhaftiert. Im März 2023 wurde er zu weiteren acht Monaten Freiheitsstrafe wegen Verleumdung des CDU-Politikers Jens Spahn verurteilt. Im Jahre 2023 verbüßte er seine Strafe in der JVA Berlin-Moabit.[3] Im Jahre 2024 saß er in der JVA Heidering ein.[4] Im April 2025 erhielt er nach eigenen Angaben Hafterleichterungen.[5] Am 25. August 2026 kehrte Holt von einem Freigang nicht mehr in die JVA zurück und war bis zu seiner Festnahme am 22. September 2026 auf der Flucht. Über Holts Vermögen läuft ein Insolvenzverfahren. Die Forderungen der Gläubiger bezifferte der zuständige Insolvenzverwalter Malte Köster mit rund 40 Millionen Euro.[6]
Herkunft und vorgebliche Unternehmertätigkeit
Hendrik Holt stammt aus einer emsländischen Bauunternehmerfamilie, deren Firma 1949 gegründet[7] wurde und 2003 Insolvenz anmelden musste.[8][9] Im Jahr 2010 bestand er am Kreisgymnasium St. Ursula in Haselünne das Abitur.[10] Anschließend studierte er – jeweils ohne Abschluss – Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück und der Universität Münster sowie Betriebswirtschaftslehre an der Universitat d’Andorra.
Seit 2010 war er Direktor der Holt Holding Group. Am 3. Juli 2012 erfolgte die Eintragung als H. u. H. Holt Holding GmbH mit Sitz in Haselünne. Am 23. Februar 2016 wurde das Stammkapital von 25.000 € auf 50.000 € erhöht. Zwischen März 2019 und der Liquidation am 9. Februar 2021 wurde der Unternehmenssitz zuerst nach Osnabrück und dann nach Bautzen verlegt sowie am 2. Oktober 2019 der Libanese Jamal Itani als neuer Geschäftsführer bestellt.[11][12]
Nach seiner Festnahme im April 2020 im Hotel Adlon in Berlin beschlagnahmte die Polizei in verschiedenen Bundesländern von Holt drei Bentleys, einen Porsche und einen Mercedes-AMG, zudem zwei Rolex-Uhren für 90.000 und 21.000 Euro sowie andere Luxus-Accessoires.[13][14] Die Holt Holding Group tätigte angeblich weltweit Investitionen in Infrastruktur, erneuerbare Energien und landwirtschaftliche Projekte.[15][16][17] Dabei setzte Holt scheinbar auf eine Zusammenarbeit mit internationalen Großkonzernen.[18][19][20][21] Vorzugsweise stellte er seine vermeintlichen unternehmerischen Aktivitäten in professionell wirkenden Imagefilmen vor.[22]
Die Holt Holding Group betätigte sich mit ihren Betrügereien in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich,[23] Andorra und dem Libanon. Holt, der keinen Studienabschluss hat, signierte seine E-Mails mit Dr. Hendrik Holt. Dieser akademische Grad war frei erfunden bzw. gefälscht.[24][25][26] Holt wurde dafür vom Amtsgericht Meppen wegen Missbrauchs von Titeln zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt.[27]
Im Februar 2020 trat Holt mit der nicht existierenden Firma „Holt Energy“ als einer der Hauptsponsoren der Münchner Sicherheitskonferenz auf, wofür er nach eigenen Angaben mehrere Hunderttausend Euro zahlte.[28] Holt richtete im Hotel Bayerischer Hof ein Lunch-Event aus, an dem unter anderem die EU-Energiekommissarin Kadri Simson und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew teilnahmen. Nach Beginn der Ermittlungen setzte die Sicherheitskonferenz den Sponsoringvertrag aus.[29]
Im April 2020 reiste Holt gemeinsam mit seinem Finanzdirektor nach Simbabwe, um Präsident Emmerson Mnangagwa zu treffen und Investitionen von sieben Millionen US-Dollar anzukündigen. Laut Staatsanwaltschaft Osnabrück sollen zwei Beschuldigte dabei versucht haben, einen ausländischen Diplomatenausweis zu erlangen, um Immunität zu genießen.[29]
Strafverfahren und Verurteilungen
H. u. H. Holt Holding GmbH 2022
Holt wurde am 17. April 2020 im Hotel Adlon in Berlin festgenommen. Er hatte den tschechischen Staatskonzern ČEZ, den italienischen Energiekonzern Enel sowie den schottischen Versorger SSE plc um rund zehn Millionen Euro betrogen. Dabei hatte er seine komplette Familie eingespannt, um Dokumente und Unterschriften für frei erfundene Windpark-Projekte zu fälschen und Geschäfte vorzutäuschen.[30][31]
Holt wurde vom Landgericht Osnabrück am 12. Mai 2022 wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Seine Mutter, seine Schwester und sein Bruder erhielten Freiheitsstrafen von drei Jahren bis drei Jahre und sieben Monate. Wegen der Begehung eines weiteren Betrugsdelikts wurde die Gesamtfreiheitsstrafe von Hendrik Holt im Oktober 2023 vom Landgericht Osnabrück nachträglich auf acht Jahre erhöht. Der mitangeklagte Finanzdirektor der Holt-Gruppe, Heinz L., wurde zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[31]
Verleumdung 2023
Das Osnabrücker Landgericht verurteilte Hendrik Holt am 24. März 2023 wegen Verleumdung des früheren Gesundheitsministers Jens Spahn zu einer weiteren Freiheitsstrafe von acht Monaten. Holt hatte behauptet, er hätte sich persönlich mit Spahn getroffen und ihm einen Masken-Deal (vgl. Maskenaffäre (CDU/CSU)) angeboten, wodurch Spahn auch persönlich Provisionen erhalten sollte. Spahn hatte im Prozess als Zeuge ausgesagt und dabei persönliche Kontakte zu Holt sowie ein Gespräch oder ein Treffen mit ihm bestritten. Spahn bestritt außerdem, eine persönliche finanzielle Beteiligung an dem Geschäft erwartet zu haben. Spahn habe das Angebot von Holt und seinem Geschäftspartner per E-Mail erhalten, es jedoch nicht ernst genommen und nicht an die zuständige Fachabteilung weitergeleitet.[32]
Flughafen Rostock-Laage
Nach Recherchen der Tageszeitung Die Welt vom August 2026 soll Holt Mitte 2025 aus dem offenen Vollzug heraus über Mittelsleute den zivilen Teil des Flughafens Rostock-Laage gekauft haben. Offiziell trat das Berliner Unternehmen Crisp Partners als Käufer auf, das in internen Unterlagen mit einer Partnerschaft mit der Holt Holding S.A. warb. Von dem am 4. Juli 2025 vereinbarten Kaufpreis von 3,1 Millionen Euro wurde nur die erste Rate von 240.000 Euro gezahlt. Die Verkäuferin erstattete Strafanzeige wegen schweren Betrugs. Die Geschäftsführerin von Crisp Partners bestritt eine Geschäftsbeziehung zu Holt.[33]
Im April 2026 klagte ein irisches Unternehmen vor dem Landgericht Hamburg gegen Holts Ehefrau. Sie soll einen ihr nicht zustehenden Betrag von rund 181.000 Euro auf ihr Privatkonto umgeleitet und nur teilweise zurückgezahlt haben. Die Welt verwies auf den zeitlichen Zusammenhang mit der Anzahlung für den Flughafen. Im Raum stünden Untreue und Geldwäsche.[34]
Flucht aus der JVA 2026
Wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück am 27. August 2026 bekanntgab, kehrte Holt von einem genehmigten Freigang am 25. August 2026 nicht in die Berliner JVA zurück. Nach ihm wurde seitdem gefahndet. Auf seinem Instagram-Account veröffentlichte er Beiträge, deren Anschein nach er sich in Moskau aufhielt.[35] Am 23. September 2026 informierte die Staatsanwaltschaft Osnabrück über Holts Festnahme in Dubai.[36]
Persönliches
Siehe auch
Weblinks
- Holt – Der Windkraft-Schwindler, Dokumentarfilm, ARD Mediathek, 27. März 2026, 89 Minuten (Video verfügbar bis 27. März 2028 23:05)
- Hubert Gude: Emsland: Der Hochstapler, der ganze Windparks erfand – und verkaufte. In: Der Spiegel. 4. Dezember 2020 (kostenpflichtiger Artikel).