Hermann Dollinger
deutscher Dramaturg und (Rundfunk-)Journalist
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Leben
Hermann Dollinger wurde 1906 in Nürnberg geboren. Er wurde evangelisch erzogen. Nach dem Abitur studierte er von 1925 bis 1930 Kunst- und Theatergeschichte, Germanistik und Archäologie an den Universitäten Berlin, München, Erlangen und Chicago. 1930 erfolgte die Promotion in Erlangen. Von 1928 bis 1934 war er Schriftleiter bei den „Fränkischen Monatsheften“ und begründete die „Fränkische Vierteljahresschrift“. 1934 holte ihn Franz Everth an das Landestheater Darmstadt. Dort arbeitete er als Betriebsleiter und Chefdramaturg bis zur Schließung des Theaters am 1. September 1944. 1939 und 1944 wurde er jeweils für ein Jahr zum Wehrdienst eingezogen und kam am Ende des Krieges in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung war er an der Gründung des Heidelberger Theaters beteiligt. Von 1945 bis 1951 war er Intendant der Städtischen Bühnen Mainz.
Bereits seit 1928 hatte er Kontakt zum Rundfunk. Er arbeitete zunächst als freier Mitarbeiter für die „Deutsche Stunde“ in Bayern. 1951 übernahm er die Leitung des damaligen Studios Nürnberg und arbeitete mit Willy Spilling zusammen. Während seiner Amtszeit konnte der Musikanteil aus Franken ins Programm geholt werden. Er förderte insbesondere die „Alte Musik“ und das „Musikalische Tafelkonfekt“. Ab 1957 leitete er kommissarisch die Hörspielabteilung und wechselte 1958 ganz nach München. Diese Funktion hatte er bis zu seinem Ruhestand inne.
Die 1950er und 1960er Jahre gelten als Blütezeit des Hörspiels. Dollinger gelang es, zahlreiche namhafte Autorinnen wie z. B. Ingeborg Bachmann, Helmut Heißenbüttel und Rolf Schneider (Schriftsteller) für den Bayerischen Rundfunk zu gewinnen. Einige Hörspiele erhielten Auszeichnungen. Hermann Dollinger leitete die Hörspielabteilung, übernahm das Lektorat oder die Dramaturgie. Er erreichte, dass erstmals feste Termine für das Hörspiel im Programm vergeben wurden. Gemeinsam mit Hansjörg Schmitthenner machte er die Hörspielabteilung des Bayerischen Rundfunks zu einer der erfolgreichsten innerhalb der ARD.
1971 übernahm Dollinger zusätzlich zum Hörspiel die Abteilung Hörspiel und Literatur. Am 31. Dezember 1971 ging er in Ruhestand. Hermann Dollinger verstarb im August 1990.
Dollinger war langjähriger Sekretär der Platen-Gesellschaft e.V., die von 1925 bis 1933 existierte.[1]
Publikationen
- Festschrift zur Tagung der Platen-Gesellschaft, Berlin 1926.
- Platens Antlitz. Bildnisse und zeitgenössische Berichte über die persönliche Erscheinung Platens, Berlin und Erlangen 1927.
- Die dramatische Handlung in Klopstocks „Der Tod Adams“ und Gerstenbergs „Ugolino“, Halle, 1930.
- Zeugnisse fränkischer Kultur. Erinnerungsgabe der Universitätsbibliothek Erlangen zur 27. Versammlung deutscher Bibliothekare 1931, Nürnberg 1931.
- Aufführung der Nibelungen von Hebbel im Fest- und Spielhaus Worms durch das Hessische Landestheater Darmstadt zur vierten Reichstheaterwoche 1937, Leipzig 1937. Schiller und Goethe, Stuttgart 1948.
- Schillers Persönlichkeit, Stuttgart 1948.
- Hörspielsendungen 1945–1965. 20 Jahre Hörspiel im Bayerischen Rundfunk, München 1967.
Literatur
- Hermann Kaiser (Theaterkritiker): Vom Zeittheater zur Sellner-Bühne, Darmstadt 1961.