Hermann Historica

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Die Hermann Historica GmbH ist eines der weltweit führenden Auktionshäuser für Militaria und Jagdobjekte.[1] Gegründet wurde die in München ansässige Firma in den 1950er Jahren von Reichsgraf Erich Klenau von Klenova (vormals Erich Hübner, 1902–1969) mit dem Schwerpunkt Münzen und Medaillen, was später durch Orden und Ehrenzeichen ergänzt wurde (Graf Klenau oHG). Die Firma wurde nach seinem Tod von seiner Witwe Tyra, geborene Ekblom, und ihrem Sohn Arnhard Graf Klenau weitergeführt.[2] 1982 übernahmen Wolfgang Hermann und Ernst-Ludwig Wagner das Unternehmen. Aktuell ist Thomas Rief der Geschäftsführer.[3]

Besonders bekannt wurden die Versteigerungen der Sammlungen von Axel Guttmann[4] und Karsten Klingbeil.[5] Einige Auktionen erzeugen internationales Echo, so z. B. die Auktion mit Alltagsgegenständen Adolf Hitlers.[6] Neben der Hauptausrichtung auf Militaria werden auch andere historische Objekte versteigert.[7][8]

Kritik am Handel mit Gegenständen aus der NS-Zeit

Das Auktionshaus wurde wiederholt wegen der Versteigerung von Gegenständen aus der Zeit des Nationalsozialismus kritisiert.[9][10][11][12] Die Kritik zielt zum einen auf den moralischen Aspekt,[13.1] zum anderen auf den Sammlermarkt, der zu einer Normalisierung nationalsozialistischer Objekte und Gedanken beitrage oder den Nationalsozialismus glorifiziere.[14] Bei einer Auktion im Jahr 2019 wurden beispielsweise ein Cocktailkleid von Eva Braun (4.600 €) und eine Luxus-Ausgabe von Mein Kampf (130.000 €) versteigert. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang zudem die Versteigerung von NS-Objekten unter „unverdächtig klingenden Titel[n]“.[9.1] Es wird zudem angezweifelt, ob die versteigerten Objekte akademischen Wert haben und für Museen relevant seien.[13.2] Der Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung, Felix Klein, forderte: „Der Verfassungsschutz sollte solche Auktionen beobachten.“[10] Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern kritisierte eine Auktion im Jahr 2020 als falsches Signal in einer Zeit erstarkenden Rechtsextremismus:

„Als ich von der Auktion erfahren habe, wollte ich zuerst meinen Augen nicht trauen. Es ist unglaublich, dass Hermann Historica noch immer nichts aus den Vorfällen – und der Kritik – der vergangenen Jahre gelernt hat und weiterhin persönliche Gegenstände führender Nationalsozialisten versteigert. Ich bin erschüttert über so viel Verantwortungslosigkeit. Die Versteigerung sollte in dieser Form auf keinen Fall stattfinden.“[11]

Mitunter wurden auch Objekte zweifelhafter Herkunft versteigert, die möglicherweise aus widerrechtlicher Aneignung stammten, wie etwa einige Objekte aus dem Nachlass von Robert Kempner,[9.2] dem Stellvertreter des amerikanischen Chefanklägers Robert H. Jackson bei den Nürnberger Prozessen, der unter anderem die Tagebücher des Kriegsverbrechers und NS-Ideologen Alfred Rosenbergs widerrechtlich in seinen Besitz gebracht hatte.[15]

Das Bayerische Justizministerium prüfte die Rechtmäßigkeit solcher Auktionen, stellte aber fest, dass es keine rechtliche Möglichkeit gibt, diese zu untersagen.[9.3] Der Handel mit Gegenständen, die NS-Symbole enthalten, ist nach § 86 des Strafgesetzbuches eingeschränkt. Verfassungsfeindliche Symbole müssen in jedem Fall abgedeckt werden. Die Verbreitung solcher Gegenstände ist jedoch erlaubt, wenn es „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.“[16] In der Praxis ist das jedoch kaum zu kontrollieren. Der Geschäftsführer des Auktionshauses rechtfertigt den Verkauf der Objekte damit, der Wissenschaft und der zeitgeschichtlichen Aufarbeitung zu dienen und betont die ablehnende Haltung des Hauses gegenüber allen neonazistischen und nationalsozialistischen Strömungen.[9]

Commons: Hermann Historica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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