Hermann Hollandt
braunschweigischer Offizier und Kommandant der Bürgerwehr
From Wikipedia, the free encyclopedia
Hermann Hollandt (* 10. August 1810 in Braunschweig; † 29. Dezember 1890 ebenda; vollständiger Name Hermann Heinrich Friedrich Georg Philipp Hollandt) war ein braunschweigischer Offizier und Kommandant der Bürgerwehr.

Herkunft
Er war der Sohn des Kammer-Archiv-Sekretärs und späteren Rates Johann Carl Christoph Hollandt (1766–1846) und dessen Ehefrau Marie Helene, geborene Bosse.
Militärische Laufbahn
Im Alter von 15 Jahren besuchte er die neu eröffnete Kadettenanstalt in seiner Heimatstadt.[1] Nach Abschluss seiner Ausbildung wurde er 1828 als Fahnenjunker im 1. Linien-Infanterie-Regiment aufgenommen. 1830 avancierte er zum Fähnrich und im gleichen Jahr zum Sekondeleutnant. 1831 wurde er Adjutant im Grenadier-Bataillon, 1836 Premierleutnant und 1843 Hauptmann und Kompaniechef im Braunschweigischen Leib-Bataillon.[2] In den unruhigen Zeiten des Revolutionsjahres 1848 nahm er am 21. März seinen Abschied aus dem Militärdienst, um in der Residenzstadt Braunschweig die Stellung eines Kommandanten der Bürgerwehr zu übernehmen. Sie sollte bei Straßentumulten für den Schutz des Eigentums ihrer Bürger sorgen. Herzog Wilhelm (1806–1884) hatte zuvor auf Drängen des Bürgervereins die Genehmigung dazu erteilt. Auch die Einführung der schwarz-rot-goldenen Kokarde an den Militärmützen am 22. März trug zur Beruhigung der Lage bei. Es entsprach dem Wunsch nach einer deutschen Einheit statt der bisher vorherrschenden Kleinstaaterei.[3]
Am 6. April verlieh ihm Herzog Wilhelm den Charakter eines Majors.[4]
Kulturelles Engagement
Hollandt besaß eine umfangreiche private Kunstsammlung Alter Meister, die er aus dem Nachlass seiner Eltern übernommen hatte. Ein weiterer Bestand stammte von seiner Ehefrau, den sie von ihrem Vater, dem Kaufmann Diedrich Wilhelm Krause, geerbt hatte. Zudem besaß Hollandt ein reichhaltig bestücktes Kupferstichkabinett.[5] Sein Kunstverständnis und ganz besonders sein Vermögen hatten es ihm ermöglicht, seine ererbten Kunstschätze durch Ankauf weiterer zeitgenössischer Gemälde zu erweitern. Es ist anzunehmen, dass er die notwendigen Geldmittel dafür während seiner Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins und auch des Neu-Oeger Bergwerks- und Hüttenvereins erhalten hatte.[6][7][8] 1881 ließ er am Lessingplatz 13 von dem Architekten Wilhelm Krahe einen zweigeschossigen Palazzo im Stil der Florentiner Palastarchitektur erbauen.[9] Die zusammengeführten Bestände der einzelnen Sammlungen konnten hier der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Nach dem Tod des in Braunschweig fast 30 Jahre lang tätigen und beliebten Kapellmeisters Franz Abt (1819–1885) unterstützte Hollandt eine Sammelaktion des Braunschweiger Bürgermeisters Ferdinand Rittmeyer für die Aufstellung eines Abt-Denkmals gegenüber dem Staatstheater Braunschweig.[10]
Hollandts Garten
|
| |
| Bahnhofs Park und Hollandts Garten auf einer Karte der Stadt Braunschweig aus dem Jahre 1899 |
Nach dem Tod seines Schwiegervaters waren Hermann und Helene Hollandt in den Besitz eines 12 Morgen großen Geländes zwischen zwei Okerarmen am ehemaligen Luisenbollwerk im Süden der Braunschweiger Festungsanlage gekommen.[11] Es lag zwischen Bruchtor und Luisentor. Diedrich Wilhelm Krause hatte es bei der Nivellierung der Stadtbollwerke Anfang des 19. Jahrhunderts erworben und zu einem viel beachteten Landschaftspark im englischen Stil herrichten lassen. Im Volksmund wurde er Krauses Garten genannt. Hermann Hollandt behielt die von seinem Schwiegervater begründete Tradition bei, diesen Park an drei Tagen in der Woche für Besucher offen zu halten. Und weil diese Fläche gut erschlossen in unmittelbarer Nähe zum Alten Braunschweiger Bahnhof lag, stellte er sie auch zeitweilig für Freiluftkonzerte, Landesfeste und Ausstellungen der Öffentlichkeit zur Verfügung.[12][13][14] Von nun an hieß Krauses Garten Hollandts Garten.[15]
Im Sommer 1927 kaufte die Stadt Braunschweig Hollandts Garten an, um dort ein Hallenschwimmbad entstehen zu lassen. Es wurde Anfang Dezember 1932 eröffnet. Der südwestlich der Villa Salve Hospes gelegenen Teich wurde 1948 verfüllt, um die Liegewiesen des Stadtbades zu vergrößern.[16][17]
Familie
Sein zehn Jahre älterer Bruder war der Jurist und linksliberale Politiker August Hollandt (1800–1882).
Hermann Hollandt hatte Mitte der 1830er Jahre Johanna Helene Sand (1816–1866) geheiratet, eine Adoptivtochter des Kaufmanns Diedrich Wilhelm Krause (1773–1845), Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Conrad Wilhelm Krause. Mit ihr hatte er die Söhne Wilhelm (1839–1894), (Rechtsanwalt in Braunschweig) und Hermann (österreichischer Husarenoffizier, 1866 gefallen in der Schlacht bei Custozza) sowie die Töchter Luise (1840–1877), (⚭ mit Hauptmann Friedrich Schaumann) und Marie (1846–1921), (⚭ mit Major Hermann Hörstel).[18] Nach ihrem Tod vermählte er sich in zweiter Ehe am 20. November 1868 mit Marie von Restorff (1839–1906) aus Mecklenburg.[19][20]
Literatur
- Otto Böse: Die Revolution von 1848 in Braunschweig – von den Anfängen bis zum Zusammentritt der Frankfurter Nationalversammlung am 18. Mai 1848. Lax, Hildesheim, 1948, 61 S.
- Christian Juranek: Gegen eine ganze Zeit. Hans Graf von Veltheim. Leben, Literatur und Kunst. Hochschulschrift, Hildesheim 2006, 566 S.
- Bernhard Kiekenap: Braunschweiger Episoden. Geschichten über Herzog Wilhelm, Hermann Hollandt, Oswald Spengler, Karl von Müller, Günter Gaus und weitere Braunschweiger. Appelhans, Braunschweig 2006, 160 S.
- Gustav von Kortzfleisch: Geschichte des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92. 2. Band: Von der Errichtung des neuen Truppenkorps 1813 bis zum Ausbruch des Krieges 1870. Druck und Verlag von Albert Limbach, Braunschweig 1896, 450 S. (tu-braunschweig.de PDF).
Weblinks
- Grabstein von Hermann Hollandt auf dem Magnifriedhof in Braunschweig.
- Ein Spaziergang am südlichen Rand der Braunschweiger Innenstadt, beschrieben von Bernd Gehrmann.