Hermann Linder
deutscher Pädagoge und Biologe
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Hermann Karl Linder (* 25. April 1889 in Ebingen; † 3. Juni 1980 in Esslingen am Neckar) war ein deutscher Biologe, Pädagoge, Lehrbuchautor und Sammler. Er ist der Verfasser des Schulbuchs Linder Biologie, das als Standardwerk der Schulliteratur im Fach Biologie gilt.
Werdegang
Von 1895 bis 1897 besuchte er die Volksschule in Ebingen, anschließend bis 1904 die sechsklassige Realschule. Infolge des frühen Tods seiner Mutter kam er anschließend in die Familie seines älteren Bruders nach Magdeburg, wo er die Guericke-Oberrealschule besuchte und 1908 das Abitur ablegte.
Anschließend absolvierte Linder ein naturwissenschaftliches Lehramtsstudium in Tübingen, Leipzig und Göttingen. 1912 wurde er in Tübingen bei Ernst Koken mit einer Dissertation über Plesiosaurier mit summa cum laude promoviert. Anschließend legte er bis 1913 das erste und das zweite Staatsexamen für das Lehramt ab.
Daraufhin war Linder bis 1918 als Hilfslehrer an der Oberrealschule in Ludwigsburg (dem heutigen Mörike-Gymnasium) tätig, unterbrochen von einer achtmonatigen Tätigkeit in Tübingen 1914. Von 1918 bis 1927 war er Studienrat an der Realschule in Freudenstadt. In dieser Zeit entwickelte er arbeitsunterrichtliche Methoden im biologischen Unterricht, über die er in zahlreichen Fachaufsätzen schrieb und ab 1922 immer wieder in Vorträgen berichtete.
Von 1927 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1953 lehrte Linder am Georgii-Gymnasium Esslingen. Er war dort für den Aufbau der Lehrmittelsammlungen zuständig. Diese Sammlungen wurden vielfach auf Ausstellungen gezeigt. Die von ihm aufgebaute Biologie-Sammlung der Schule gilt bis heute als eine der bedeutendsten schulischen Biologie-Sammlungen des Landes.[1] Die geologische Sammlung und die für den Chemie-Unterricht geschaffene technologische Sammlung hingegen wurden 1945 bei der Besetzung des Schulgebäudes großenteils zerstört. Ab 1948 war Linder Oberstudienrat.
Infolge seiner methodisch-didaktischen Veröffentlichungen wurde Linder schon 1928 für die Aufstellung des württembergischen Lehrplans für das Fach Biologie herangezogen. Ebenso waren seine Arbeiten Basis für den Reichslehrplan 1938, für die Obergangslehrpläne in Württemberg-Baden nach 1945 sowie für die Vorschläge zum Biologie-Lehrplan des Deutschen Vereins zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts 1954. Auch an den Lehrplänen für die Gymnasien Baden-Württembergs 1957 arbeitete er mit. Von 1932 bis 1952 war er mit der Ausbildung von Studienreferendaren im Fach Biologie beauftragt.
Schon Ende der 1930er Jahre regte der damalige Präsident der Ministerialabteilung des württembergischen Kultministeriums, Theodor Bracher, an, Linder möge ein Biologie-Lehrbuch für die Oberstufe der höheren Schulen verfassen. Der Zweite Weltkrieg verhinderte zunächst die Fertigstellung des Buches. Ende 1946 wurde das Manuskript der US-Militärregierung zur Begutachtung vorgelegt; im Februar 1947 erfolgte die Genehmigung. Die erste Auflage des Buches Linder Biologie erschien 1948. Linders Name wurde schließlich zum Markenzeichen des Lehrbuches, das zuletzt 2019 in 24. Auflage erschien.
Linder gilt als zentraler Vertreter der Biologiedidaktik besonders durch seine Forderung nach Arbeitsunterricht.
„Der Biologieunterricht darf nicht nur abfragbares Wissen übermitteln. Er muß bilden, d. h. den Schüler zum Verständnis der belebten Natur und der in ihr waltenden Gesetze führen, ihre Bedeutung für das menschliche Sein darlegen und sichere lebensgesetzliche Grundlagen für die geistige Auseinandersetzung unserer Zeit vermitteln. Nicht zu Vielwisserei soll der Unterricht führen, sondern zur Erkenntnis auf Grund von Einsichten. Der Arbeitsunterricht soll die Schüler an Hand des Naturobjektes zur Erkenntnis führen und ergänzt diesen Weg durch Beobachtungen und Versuche am lebenden Objekt im Klassenzimmer und im Freien. Der Schüler, der es gelernt hat, selbständig einen Naturgegenstand zielbewußt zu untersuchen oder zu beobachten und zu beschreiben, der es versteht, durch Vergleichen das Wesentliche der Erscheinungen herauszuschälen, der hat sich damit Fähigkeiten erworben, die ihm auch im späteren Leben von einiger Bedeutung sein werden. Seine Sinne sind geschärft, das kritische Denken ist geschult worden. Zu dem ‚Wissen‘ gesellt sich daher ebenbürtig das ‚Können‘. Vor allem ist die Erziehung zur Selbstbetätigung die Voraussetzung für eine wissenschaftlich vertiefte Unterrichtsarbeit, die wir an unseren höheren Schulen anstreben müssen.“ (Zur Behandlung des Unterrichts in Menschenkunde (Der Biologe), 1932)
Linder war ab 1917 verheiratet. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er zeitweise Mitglied der NSDAP.
Ehrungen
- 1954: Ehrentitel Professor
- 1959: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
- 1962: Erneuerung des Doktordiploms durch die Universität Tübingen
Literatur
- Ulrich Kull: Hermann Linder. Pädagoge, Biologe. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Band 135, Jahrgang 1980). (uni-stuttgart.de [PDF]).
Werke
- Beiträge zur Kenntnis der Plesiosaurier-Gattungen Peloneustes und Pliosaurus. (1913)
- Drei Modelle für den biologischen Unterricht. (1917)
- Biologische Modelle. (1917)
- Wege zum Arbeitsunterricht in Naturkunde. (1921)
- Aus der Praxis des naturkundlichen Unterrichts. (1925)
- Der Körperbau der Honigbiene, ein Beispiel für seine Behandlung im Unterricht. (1926)
- Der pflanzenkundliche Lehrstoff der Unter- und Mittelstufe, ein Vorschlag zur Neuordnung und arbeitsmäßigen Behandlung. (1926)
- Werkarbeit im Dienst des biologischen Unterrichts der höheren Schule. (1926)
- Ein Modell zur Veranschaulichung der Akkommodation im Säugetierauge. (1926)
- Eine Spechtschmiede. (1926)
- Regenerationserscheinungen bei Seesternen. (1926)
- Schülerbeobachtungen im biologischen Unterricht. (1927)
- Modellarbeiten im biologischen Unterricht. (1927)
- Junge Kreuzottern. (1927)
- Schülerarbeiten aus dem biologischen Unterricht. (1928)
- Werkunterricht und Biologie. (1928)
- Blick in eine Forellenzüchterei. (1928)
- Studium der ökologischen Wechselbeziehungen zwischen Insekten und Blumen. (1930)
- Neue biologische Modelle. (1931)
- Bilder aus dem biologischen Arbeitsunterricht I. (1932)
- Zur Behandlung des Unterrichts in Menschenkunde. (1932)
- Bilder aus dem biologischen Arbeitsunterricht II. (1933)
- Die Schausammlung im Dienst des Einprägens. (1933)
- Ein Beobachtungsbogen für den Unterricht in Menschenkunde. (1933)
- Die Behandlung der Gräser als Beispiel für die arbeitsunterrichtliche Behandlung und volkswirtschaftliche Auswertung des Stoffes. (1933)
- Die Bedeutung des biologischen Unterrichts für die deutsche Erziehung. (1934)
- Die Herstellung von Bakteriennährböden mit einfachen Mitteln. (1935)
- Verwertung von Zeitschriftenbeilagen im Unterricht. (1935)
- Anschaulichkeit im menschenkundlichen Unterricht. (1935)
- Wie Stelzenfichten entstehen. (1935)
- Entwurf für die Neugestaltung des biologischen Unterrichts. (1935)
- Fußabdruck und Fußumriß im Unterricht. (1936)
- Kohlenmeiler. (1936)
- Lehrplanentwurf für den biologischen Unterricht an Höheren Schulen. (1936)
- Die Sultansbalsamine als Versuchspflanze im Unterricht. (1937)
- Zum neuen Lehrplan in Biologie. (1939)
- Entwurf eines Stoffplans für den biologischen Unterricht der Oberstufe. (1940)
- Die Erzeugungsschlacht im biologischen Unterricht. (1940)
- Das Lehrmittel im biologischen Unterricht der Oberstufe. (1940)
- Wie kann der Schüler mit den Lebensformen der heimischen Natur vertraut gemacht werden? (1941)
- Linder Biologie. (1948)
- Biologie des Menschen. (1951)
- Wir testen den Obstbaum-Frostspanner. (1964)