Hieronymus Henninges
deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Autor genealogischer Schriften
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Hieronymus Henninges, auch Hennings, Hennigius (* 1536 in Lüneburg; † 28. Februar 1597 ebenda)[1], war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Autor genealogischer Schriften.

Leben
Hieronymus Henninges war ein Sohn des lutherischen Superintendenten von Lüneburg, Friedrich Henninges († 1563).[2] Er besuchte das Johanneum Lüneburg, wo er Schüler von Lucas Lossius war. Im April 1555 immatrikulierte er sich an der Universität Wittenberg.[3][4] Hier gehörte er zur letzten Generation der noch durch Philipp Melanchthon († 1560) humanistisch geprägten Studenten vor der strikten Konfessionalisierung der Universität durch Gnesiolutheraner und Lutherische Orthodoxie.
Als Magister[5] kehrte er in seine Heimatstadt zurück und wurde ordiniert. 1560 wurde er Diaconus, 1563 Archidiaconus und 1569 (Haupt-)Pastor der Hauptkirche St. Johannis.
Seit 1566 war er verheiratet mit Rikele, geb. Luterloh.[6]
Werk
Henninges wurde nicht so sehr durch sein pastorales Wirken, sondern als Genealoge bekannt, der „eifrig sammelte und zuverlässig arbeitete“.[5]

Heinrich Rantzau war sein Hauptförderer. Henninges sorgte für die Erstveröffentlichung des von Petrus Albinus erstellten Stammbaums der Rantzau-Tafel, die als Kupferstich Frans Hogenbergs erstmals 1587 in Henninges’ Werk Genealogiae aliquot familiarum nobilium in Saxonia erschien. Aus diesem Jahr ist auch ein lateinischer Brief erhalten, den Henninges mit einem Exemplar der Genealogiae an König Friedrich II. von Dänemark schrieb und den Andreas Schumacher in seine Sammlung Gelehrter Männer Briefe an die Könige in Dännemark aufnahm.[7]

Henninges konnte das Manuskript seines Hauptwerks Theatrum genealogicum ostentans omnes omnium aetatum familias … 1578 vollenden[8] und einzelne Teile daraus bis 1587/88 veröffentlichen, doch kam das vierbändige Werk vollständig erst nach seinem Tode 1597/98 in Magdeburg im Druck heraus. Es enthält Regenten-Stammbäume von Anbeginn der Welt bis auf seine Zeit, die Henninges geschichtstheologisch als quarta monarchia (4. Weltreich) nach Daniel 7 deutet. Das ganze Werk ist reich mit Wappen und Bannern illustriert. Diese erscheinen hier oftmals zum ersten Mal im Druck,[9] so beispielsweise das Banner Skanderbegs, auf das die heutige Flagge Albaniens zurückgeht. Das umfangreiche Werk wurde von seinen Zeitgenossen und auch noch späteren Forscher-Generationen wie Ernst Joachim von Westphalen und Anton Christian Wedekind sehr geschätzt.[5] Die römisch-katholische Glaubenskongregation setzte das Werk dagegen im Dekret vom 21. Juli 1603 auf den Index.[10]
Schriften
- Genealogicarvm Tabellarvm, Continens Illvstrissimas Familias Patriarcharvm Qvi Ante Et Post Dilvvivm Vixervnt, Hebraicorum Dynastarum vel Iudicum, Regum Israëlis & Iudae ac principum vel ducum gentis Iudaicae post captiuitatem Babylonicam... Uelzen: Kröner 1584 VD 16 1943
- Genealogiae aliquot familiarum nobilium in Saxonia, quae vel a comitibus vel baronibus ortae, quosdam pontificiam, quosdam episcopalem dignitatem adeptos produxerunt.
- Genealogiae imperatorum, regum, principum, electorum, ducum, comitum et dynastarum, qui Circo Saxonico tam superiori quam inferiori, Westphalico & Burgundico comprehenduntur. Uelzen: Kröner 1587/88 Vd 16 H 1942 VD 16 1945
- Theatrum Genealogicum ostentans omnes omnium aetatum familias: Monarcharum, Regum, Ducum, Marchionum, Principum, Comitum, atque illustrium Heroum et Heroinarum: Item Philosophorum, Oratorum, Historicorum ... in quatuor tomos collectum... 4 Bände, Magdeburg: Ambrosius Kirchner 1597/98 VD 16 H 1944
- T.I [1.-3. Monarchie]: XL, 636 S.
- T.II [4. Monarchie]: S. 637–1585
- T.III: [6] Bl., 634 S.
- T.IV: [2] Bl., XX, 450 S., [7] Bl., 568 S
Literatur
- Heinrich Wilhelm Rotermund: Das Gelehrte Hannover oder Lexikon von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, gelehrten Geschäftsmännern und Künstlern, die seit der Reformation in und außerhalb der sämtlichen zum Königreich Hannover gehörigen Provinzen gelebt haben und noch leben, aus den glaubwürdigsten Schriftstellern zusammengetragen. Band 2, Bremen: Schünemann 1823 (Digitalisat), S. 327.
- Karl Ernst Hermann Krause: Henninges, Hieronymus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 11, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 778.
Weblinks
- Werke von und über Hieronymus Henninges in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Eintrag zu Hieronymus Henninges in Kalliope
- Hieronymus Henninges. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Eintrag in der Datenbank Niedersächsische Bibliographie
- Eintrag in der Datenbank Historische Tabellenwerke