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Hieronymuskloster und Turm von Belém in Lissabon

Welterbestätte in Portugal From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Hieronymuskloster (portugiesisch Mosteiro dos Jerónimos) und der Turm von Belém (portugiesisch Torre de Belém) in Lissabon sind seit 1983 gemeinsam als serielle UNESCO-Welterbestätte eingetragen. Die Stätte umfasst zwei räumlich getrennte Komponenten im Stadtteil Belém und gilt als herausragendes Beispiel der Manuelinik.[1]

Schnelle Fakten UNESCO-Welterbe, Geschichte der Einschreibung ...
Hieronymuskloster und Turm von Belém in Lissabon
UNESCO-Welterbe

Turm von Belém
Vertragsstaat(en): Portugal Portugal
Typ: Kultur
Kriterien: (iii)(vi)
Fläche: 2,66 ha
Pufferzone: 103 ha
Referenz-Nr.: 263
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1983  (Sitzung 7)
Erweiterung: 2008
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Architektur

Beide Bauwerke repräsentieren die Manuelinik, eine portugiesische Variante der Spätgotik mit maritimen, exotischen und symbolischen Elementen wie Seilwerk, Anker, Armillarsphäre und Christusorden-Kreuzen.

Hieronymuskloster

Hauptportal des Hieronymusklosters

Der Bau umfasst die Kirche Santa Maria de Belém und zweistöckige Kreuzgänge. Mit dem ursprünglichen Entwurf wurde um 1501 der Baumeister Diogo Boitaca betraut. Ab 1517 führte João de Castilho die Arbeiten weiter.[2] In der Mitte des 16. Jahrhunderts übernahm Diogo de Torralva unter anderem Chor und Obergeschoss, bevor Jerónimo de Ruão die letzte große Bauphase abschloss.

Die Kirche und der Kreuzgang dienen zugleich als königliche Nekropole: Im Hochchor ruhen unter anderem König Manuel I. und König João III. mit ihren Gemahlinnen, in der Kirche befinden sich die aufwendig gestalteten Grabmäler von Vasco da Gama und des Nationaldichters Luís de Camões, und im Kreuzgang erinnern weitere Grabstätten und ein Kenotaph an bedeutende Persönlichkeiten wie Fernando Pessoa.[3][4]

Turm von Belém

Die Anlage besteht aus einem etwa 30 Meter hohen, viergeschossigen, annähernd rechteckigen Turm und einer vorgelagerten, unregelmäßig sechseckigen Bastion, die von dem Militärarchitekten Francisco de Arruda im frühen 16. Jahrhundert entworfen wurde. Der Turm weist Renaissance-Loggien sowie eine als Wasserspeier ausgebildete Nashornskulptur und eine Aussichtsplattform auf.

Geschichte

König Manuel I. ließ insbesondere den Bau des Hieronymusklosters aus Einnahmen des Überseehandels finanzieren und leitete einen Großteil der sogenannten Vintena da Pimenta – einer Abgabe von etwa fünf Prozent der Einkünfte aus dem Handel mit Afrika und dem Orient – in das Projekt um.[5] Das Kloster entstand ab 1501/1502 auf einer früheren Einsiedelei, der Turm 1514–ca. 1520 als Hafenschutz und Gedenken an Vasco da Gamas Indienfahrt (1498).[6][1]

Das Kloster entstand an der Stelle einer von Heinrich dem Seefahrer gestifteten Einsiedelei an der ehemaligen Praia do Restelo und war eng mit den portugiesischen Entdeckungsfahrten verknüpft: Die Hieronymitenmönche sollten für das Seelenheil des Königs beten und den Seeleuten geistlichen Beistand leisten, die von hier zu ihren Reisen in die außereuropäische Welt aufbrachen.[1]

Nach der Auflösung der Ordensgemeinschaften wurde das Kloster am 28. Dezember 1833 per Staatsdekret säkularisiert und der Wohltätigkeitsinstitution Real Casa Pia de Lisboa übergeben. Die Kirche dient seither als Pfarrkirche von Santa Maria de Belém. In den nach dem 19. Jahrhundert angefügten Westflügeln befinden sich heute das Museu Nacional de Arqueologia und das Museu de Marinha, während Kirche, Kreuzgang und weitere Konventsräume als Denkmal und Museumsbereich zugänglich sind.

Die Torre de Belém verlor im Laufe der Zeit ihre ursprüngliche Verteidigungsfunktion und diente nacheinander unter anderem als Staatsgefängnis, Zollstation, Telegrafenstation und Leuchtturm. Eine umfassende Außenrestaurierung der Torre de Belém wurde im Rahmen eines vom World Monuments Fund und den portugiesischen Denkmalbehörden getragenen Projekts von 1997 bis 1998 durchgeführt.[7]

Am 13. Dezember 2007 wurde im Hieronymuskloster der Vertrag von Lissabon von den Staats‑ und Regierungschefs der Europäischen Union unterzeichnet.[8]

Aufnahme als Welterbe

Unter dem Titel Hieronymuskloster und Turm von Belém in Lissabon[9] nahm das Welterbekomitee auf seiner siebten Sitzung vom 5. bis zum 9. Dezember 1983 in Florenz das Hieronymuskloster () und den Turm von Belém () auf.[10] Die serielle Welterbestätte umfasst 2,66 ha (Hieronymuskloster 2,57 ha und Turm von Belém 0,09 ha). Beide Komponenten teilen sich eine gemeinsame Pufferzone von 103 ha.[11]

Aufnahmegründe waren die beiden Kriterien:[1][12]

  • Kriterium (iii): Das Hieronymuskloster und der Turm von Belém sind ein einzigartiges und außergewöhnliches Zeugnis einer Zivilisation und Kultur des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie spiegeln Macht, Wissen und Mut der Portugiesen in einer Zeit wider, als sie ihre Präsenz und Herrschaft über interkontinentale Handelsrouten festigten.
  • Kriterium (vi): Der Komplex von Belém ist unmittelbar verbunden mit dem „Goldenen Zeitalter“ der Entdeckungen und der Pionierrolle Portugals im 15. und 16. Jahrhundert beim Aufbau von Kontakten, Dialog und Austausch zwischen verschiedenen Kulturen.

Schutz und Management

Beide Bauwerke sind seit 1907 durch ein Dekret im Diário do Governo (Nr. 14 vom 17. Januar 1907) als Nationaldenkmäler klassifiziert und werden heute von der nationalen Denkmalbehörde (Direção-Geral do Património Cultural, DGPC) verwaltet.[1]

2008 wurde die Schutzzone um den Turm von Belém auf 44,62 ha vergrößert, sodass sie eine zusammenhängende Fläche mit der bisherigen Schutzzone von 58,70 ha um das Kloster bildet und als Einheit verwaltet werden kann.[13]

Einzelnachweise

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