Hinrich Sachs

Bildender Künstler und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Hinrich Sachs (geboren am 12. November 1962 in Osnabrück) ist ein in der Schweiz lebender Künstler und Autor. Zu seinen künstlerischen Ausdrucksformen zählen vor allem Installationen, Printmedien und Veranstaltungen. In den 1990er Jahren war Sachs einer der ersten Künstler im deutschsprachigen Raum, der Effekte postkolonialer Verhältnisse im öffentlichen Raum, in ethnografischen Sammlungskontexten und in Ausstellungssituationen thematisiert hat.

Leben

Hinrich Sachs wuchs im baskischen Donostia/SanSebastián auf. Sein Studium absolvierte er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Claus Böhmler und Franz Erhard Walther und hat an der Universität Hamburg bei Marianne Schuller literaturwissenschaftliche Seminare besucht. Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ging er 1991/92 an Universität Paris VIII.[1]

Sachs lehrt seit 1997 an verschiedenen Universitäten und Akademien und war von 2006 bis 2016 Professor für Fotografie an der Kungliga Konsthögskolan (Royal Institute of Art) in Stockholm, und 2013 Visiting Professor an der Musashino Art University in Tokio[2]. Von 2005 bis 2011 Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission.

Er lebt seit 1999 in Basel, Schweiz.

Kami, Khokha, Bert and Ernie (World Heritage), 2012 in der Tensta konsthal, Schweden

Werk

Zur Ausstellung des Künstlers im Moderna Museet in Stockholm von 1999 zu Anna Gili schreibt die renommierte schwedische Kunsthistorikerin und Kuratorin Maria Lind, dass Hinrich Sachs in seinen Arbeiten oft sozial oder intellektuell herausfordernde Situationen inszeniert, die eine breite Öffentlichkeit einbeziehen und auf Kommunikation und Austausch beruhen.[3]

In der postkolonialen Gegenwart, so legt es der Kunstkritiker Hajo Schiff[4] dar, untersucht und manifestiert Sachs interkulturelle Bedeutungsverschiebungen, und führt dort, wo die Wissenschaft sammelt und festschreibt, nach vorne offenen Situationen und Verständigung als Prozess herbei.

Der Berner Kunstkritiker Hans Rudolf Reust beschreibt im Kunstbulletin[5], den Künstler als einen, der auf mehreren Bühnen zugleich im Rampenlicht und als Stimme aus dem Off agiert und andere Akteure (wie z. B. die Fotografin Leonore Mau, 2002[6]) in seine vielschichtigen Arbeiten einbezieht.

Wie in der Laudatio zum Hauptpreis von Pro Litteris 2021 beschrieben[7], beschrieben, spielt im Werk von Hinrich Sachs die Thematisierung und Visualisierung der Bedeutung von Sprachen und ihre Funktion in Lehrmitteln und anderen öffentlichen Medien eine grosse Rolle (z. B. der Figuren der TV-Sendung Sesamstrasse oder von Emojis).

Muttersprache, ein Projekt von Hinrich Sachs, 1994 im Hamburgischen Museum für Völkerkunde

Anlässlich der Einladung zu einem Vortrag bei Art, Cultur, Technology des MIT in Massachussetts 2017[8] stellt der Künstler seine Reflexionen zu den bedeutungserzeugenden Codes wie Bild, Sprache, Klang, oder Raum zur Disposition, und verweist auf die Herausforderung ihrer Übertragungen aufgrund der strukturellen Unterschiede von Kulturen, die oft übersehen oder durch die Politik vereinfacht und instrumentalisiert werden. Als Anschauungsmaterial dienen seine Projekte Kami, Khokha, Bert und Ernie (World Heritage)[9] sowie Fog Friend Font: Ways of Doing Multilingual Sense[10], in denen Sachs die Präsenz nicht-menschlicher Akteure (Tiere, Figuren, Roboter, KI) und in Bereichen wie der Technologie oder der Edutainment-Industrie verfolgt. Solche Akteure und insbesondere ihre Stimmen stellen gängige westliche Vorstellungen vom Subjekt in Frage.

Ausstellungen, Performances, Vorträge (Auswahl)

  • 1991 Beitrag[11] am Belluard Festival International
  • 1992 Nos sciences naturelles[12], Fri-Art, Fribourg
  • 1994 Muttersprache. Ein Projekt im Hamburgischen Museum für Völkerkunde.
  • 1999 Anna Gili, designer, visits Hinrich Sachs, Moderna Museet Malmö
  • 2002 Als Gast von Hinrich Sachs: Leonore Mau.[13] Fotografin, Kunsthalle Basel, kuratiert von Hinrich Sachs
  • 2002 Ökonomien der Zeit, Museum Ludwig, Köln; Akademie der Künste Berlin, DE; Migros Museum Zürich, CH
  • 2004: Kami, Khokha, Bert and Ernie (Erste Version), including two performance events, Marres Contemporary Art Center, Maastricht[14], NL
  • 2005: Kami, Khokha, Bert and Ernie (Zweite Version, im Kontext der Gruppenausstellung The Need to Document)[15], Kunsthaus Baselland, CH, 2005
  • 2009 Kami, Cookiemonster, Bert and Ernie (Version mit Hörrszenen auf Arabisch, im Kontext der Gruppenausstellung, A Fantasy to Allan Kaprow), Contemporary Image Collective[16], Cairo, EG
  • 2012 Kami, Cookiemonster, Bert and Ernie (Erweiterte Version, mit Hörszenen auf Schwedisch und Arabisch), Tensta konsthall, Stockholm, SE
  • 2014 Des histoires sans fin, MAMCO, Genf, CH
  • 2018 Hinrich Sachs: Wat men weet /That we know (Workshop)[17], Duitsland Instituut, Gerrit Rietveld Akademie, Amsterdam
  • 2019 Kami, Cookiemonster, Bert and Ernie (Französische Version, als Video mit der Schnecke Trépido, die 1982 das letzte Mal im französischen TV zu sehen war, im Kontext der Ausstellung Catherine, Masahiko, Rex et les autres, with Simon Starling)[18], Le Plateau, Paris, FR
  • 2021 Piktogramme, Lebenszeichen, Emojis: Die Gesellschaft der Zeichen, Leopold-Hoesch-Museum, Düren, DE
  • 2022/23 Non hay puntada sin hilo in Zusammenarbeit mit Josune Urrutia und Leire Vergara, San Telmo, San Sebastian, Spanien

Auszeichnungen

Werke in Sammlungen

Publikationen über den Künstler (Auswahl)

  • Lionel Bovier, Eva Schmidt, Olav Westphalen. Hinrich Sachs: Don't tell me the result - I'm videoing it! Katalog und Bearbeitung: Thomas von Taschitzki. Engish, Französisch, Deutsch. Salon-Verlag Köln 1997, ISBN 3-932189-91-4
  • Hajo Schiff: «Wer dir seine Augen leiht, lässt dich sehen, wohin es ihm gefällt». Kunst, Ethnologie und die Arbeiten von Hinrich Sachs, BE-Magazin #5, Berlin, 1998, S. 54–57[20]
  • Charles Esche, Lisette Smits[21]: who, why, what?, in: Gäst hos Hinrich Sachs: Anna Gili, designer, cat. Moderna Museet Projekt, Stockholm 1999; ISBN 91-7100-6133
  • Uta M. Reindl: Duchamps Urenkel X mit Hinrich Sachs,[22]»Als Gast von Hinrich Sachs: Dr. Mikaela Müller-Trutwin, Virologin«, Bonner Kunstverein, Kunstforum International, Bd. 144, 1999
  • Peter Pakesch (Hrsg.): Hinrich Sachs. Mit einem Text von Barnaby Drabble Kunsthalle Basel 2002. Schwabe Verlag Basel, 2002, ISSN 1421-1726
  • Inge Hinterwaldner, Über modellierte und geknetete Tatsachen, in Designing Truth, Ausstellungskatalog, Wilhelm-Lehmbruck Museum, Duisburg, 2006[23]
  • Jonathan Josten: Eine Kartoffel als Bohrmaschine. Zur Ausstellung von Hinrich Sachs im Haus der Wissenschaft in Siegen, Siegener Zeitung, 26. Februar 2024[24]

Publikationen als Autor

  • Hinrich Sachs: Die Biografie. Mit einem Nachwort von Marianne Schuller, Hamburg 1991
  • Hinrich Sach: Muttersprache - ein Projekt von Hinrich Sachs, 1994[25], Kunst im öffentlichen Raum, Kulturbehörde Hamburg, Hamburgischen Museum für Völkerkunde
  • Hinrich Sachs; a cura di Silvio San Pietro; [testi: Michael Erlhoff … et al.], Milano: Edizioni l'Archivolto 2001, ISBN 88-7685-122-4
  • Stefan Banz und Hinrich Sachs: Da battle for da past is for da future, Stefan Banz und Hinrich Sachs, Schweizer Kunst. - Schweizer Kunst = Art suisse = Arte svizzera = Swiss art 2003, doi:10.5169/seals-626506
  • Hinrich Sachs: Ferien vom Ich. Interviews, Essays und Fragmente; herausgegeben von Angelika Schallenberg und Eva Schmidt, Köln, DuMont, 2010. ISBN 978-3-832193-09-6
  • Hinrich Sachs: Lost once more / Sehr verfahren (mit Geschichten von Ruth Buchanan, Mark von Schlegell, Birgit Kempker, Burkhard Strassmann und Hans-Christian Dany). Christoph Keller Editions, JPR / Ringier Kunstverlag, English, 2010; ISBN 978-3-037641-33-0
  • Ear Mind Eye Pad, Zürich: Rollo Press; Erste Auflage, 2019, ISBN 978-3-906213-27-9
  • Hinrich Sachs, Frederik Ehlin et al.: Fog Fried Font: Ways of Doing Multilingual Sense. English, Inuktitut and partially other languages. Edition of 150. Humboldt Books Mailand, 2019, ISBN 978-3-906213-27-9
  • Hinrich Sachs (Autor), Katrine Clante (Illustration): Who Invented One and Zero, Humboldt Books Milan, 2019, ISBN 978-88-99385-62-0

Einzelnachweise

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