Hitzewelle in Europa im Juni 2026
Hitzewelle mit neuen Temperaturrekorden ab dem 18. Juni 2026 in Europa
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Im Juni 2026 kam es zu einer langanhaltenden Hitzewelle in Europa, die weite Teile des Kontinents betraf. Beginnend um den 18. Juni stiegen die Temperaturen infolge einer Omegalage stark an und führten in zahlreichen Staaten zu neuen Temperaturhöchstwerten, tropischen Nächten und zahlreichen hitzebedingten Todesfällen.
| Hitzewelle in Europa im Juni 2026 | |
|---|---|
| Daten | |
| Beginn | ≈ 18. Juni 2026 |
| Ende | ≈ 29. Juni 2026 |
| Höchsttemperatur | 43,8 °C (Palluau, Westfrankreich, 24. Juni) |
| Folgen | |
| Betroffene Gebiete | West- und Mitteleuropa |
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Am 27. Juni waren dabei rund 193 Mio. Menschen in diversen europäischen Staaten Temperaturen von 35 °C und mehr ausgesetzt.[1]
Am 28. Juni begann sich die Hitzewelle allmählich nach Osteuropa zu verlagern.[2]
Der Deutsche Wetterdienst hielt fest, dass es sich bei der Hitzewelle um ein Extremereignis gehandelt habe, das "ohne Umschweife als historisch eingestuft werden" könne. Dabei verweist er u. a. darauf, dass es in Deutschland und auch weiten Teilen Europas noch nie seit Aufzeichnungsbeginn "eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben" habe.[3]
Ausgangslage
Meteorologie
Bereits im Mai deutete sich ein außergewöhnlich warmer Sommer an, da sich das Mittelmeer, für die Jahreszeit ungewöhnlich, bereits stark erhitzt hatte, mit blockierenden Wetterlagen und Hitzewellen mit Rekordtemperaturen in Spanien und Frankreich.[4]
Die Hitzewelle begann um den 18. Juni 2026.[5] Bestimmt wurde die Großwetterlage durch ein stabiles Hochdruckgebiet über Frankreich.[6] Dabei kam es zu einer sogenannten Omegalage, wobei das Hoch von zwei Tiefs im Westen und Osten flankiert wurde, was dazu führte, dass sich eine stationäre Wetterlage ausbildete. Diese Omegalage unterbricht die normale West-Ost-Zirkulation des Wetters, so dass Atlantiktiefs für längere Zeit nicht nach Mitteleuropa gelangen konnten.[7] Die Luft in einem Hochdruckgebiet sinkt ab und erwärmt sich dadurch; die Erwärmung unterdrückt die Wolkenbildung, wodurch wiederum die Einstrahlung steigt;[8] die Erwärmung fiel besonders stark aus, weil diese Wetterlage über lange Zeit anhielt.[9] Infolgedessen lagen die Temperaturen teils bis zu 18 °C über den sonst um diese Jahreszeit herrschenden Werten.[10]
Klimawandel-Attribution
Eine Attributionsstudie kam zu dem Ergebnis, dass Hitzewellen wie die beobachtete durch den menschengemachten Klimawandel, der die Erde global bereits 1,4 °C erwärmt hat, deutlich wahrscheinlicher werden. So wären die 2026 erreichten Temperaturen im Jahr 1976, als zahlreiche Hitzerekorde aufgestellt wurden, im Juni praktisch unmöglich und auch im Hochsommer hochgradig unwahrscheinlich gewesen. Die Studie weist darauf hin, dass der Juni der sich am schnellsten erwärmende Monat in Europa ist und eine vergleichbare Hitzewelle wie 2026 im Jahr 1976 deutlich kühler ausgefallen wäre; tags um ca. 3,5 °C, nachts um etwa 2,4 °C. Insgesamt sei die Hitzewelle die schwerste, die jemals in der Region beobachtet worden sei.[5]
Situation in einzelnen Staaten
Dänemark
In Dänemark wurde mit 37 °C der höchste Temperaturwert seit Beginn der Aufzeichnungen 1874 gemessen.[1]
Deutschland

In Deutschland begann der Deutsche Wetterdienst am 18. Juni Hitzewarnungen vor starker bis extremer Hitzebelastung für verschiedene Regionen im Land auszugeben, zunächst vor allem für den Westen, Südwesten und die Mitte Deutschlands. Der DWD warnte davor, dass die Hitzewelle mit einer erwarteten Dauer von 12 Tagen zu den längsten seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005 gehöre und er noch nie so früh im Jahr eine Hitzewarn-Periode dieser Länge registriert habe. Tobias Fuchs, DWD-Vorstand Klima und Umwelt, ordnete die Hitzewelle als „nicht nur durch ihre Länge und das frühe Auftreten im Sommer außergewöhnlich“ ein, auch sei die auf die Menschen einwirkende „Hitzebelastung ungewöhnlich hoch“.[6]
In Deutschland wurden neue Allzeit-Höchstwerte aufgestellt. Am 26. Juni wurde zunächst in Saarbrücken-Burbach nach vorläufigen Messdaten mit 41,3 °C die höchste je in Deutschland gemessene Temperatur registriert, womit der bis dato geltende, am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl gemessene Rekordwert von 41,2 °C übertroffen wurde.[11] Zugleich wurde der bisherige ebenfalls 2019 aufgestellte Junirekord, der bei 39,6 °C lag, um fast zwei Grad überboten.[12] Außer in Saarbrücken geschah das an 18 weiteren Orten, wobei teils über 40 °C erreicht wurden.[13] Nur einen Tag später, am 27. Juni, wurde mit 41,5 °C in Drewitz im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt ein noch höherer Temperaturwert erreicht. In Sandersdorf-Brehna wurde am 27. Juni 2026 ein Wert von 41,6 °C erreicht.[14] Einen weiteren Tag später, am 28. Juni, wurde in Coschen an der deutsch-polnischen Grenze in Brandenburg ein erneuter Temperaturhöchstwert von 41,7 °C gemessen.[15]
Zugleich kam es zu zahlreichen tropischen Nächten,[16] wobei auch der Rekord für die höchste Nachttemperatur deutlich übertroffen wurde. So fiel im sächsischen Kubschütz in der Nacht von 27. auf den 28. Juni die Temperatur nicht unter 29,4 °C. Damit wurde der bisherige Rekordwert, 27,2 °C, die 2003 in Rheinland-Pfalz gemessen wurden, um mehr als 2 Grad übertroffen.[17]

In Städten wie Köln, Essen, Dortmund kam es zu einer zunehmenden Überlastung der Rettungsdienste und Notaufnahmen durch Hitzepatienten, womit sich auch die Wartezeiten in Kliniken erhöhten. Im Rhein-Sieg-Kreis wurden manche Krankenhäuser durch den Katastrophenschutz unterstützt.[18] In Stuttgart sowie Karlsruhe (Stadt- und Landkreis) rief die Branddirektion aufgrund der Vielzahl von Einsätzen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes die Außergewöhnliche Einsatzlage aus, um zusätzliche Kräfte des Katastrophenschutzes aktivieren zu können.[19][20] Während des Höhepunktes der Hitzewelle, vom 26 bis zum 28. Juni, kamen in Deutschland 26 Menschen – allesamt männlich – bei Badeunfällen ums Leben.[21] In Sachsen wurde ein Massenanfall von Verletzten ausgerufen, nachdem bei einem Feuerwehr-Jugendzeltlager bei etwa 39 °C mehrere Teilnehmer über Kreislaufbeschwerden klagten. 13 betroffene Kinder und Jugendliche wurde in Krankenhäuser verbracht.[22]
In mehreren Bundesländern traten Wald- und Flächenbrände auf, darunter größere Brände in munitionsbelastetem Gebiet. In der Gohrischheide und bei Neustrelitz kam es zu Großbränden.[23] Der Ort Traisen in Rheinland-Pfalz musste vollständig evakuiert werden, nachdem es in einem benachbarten Naturschutzgebiet in munitionsverseuchtem Gelände zu einem Brand kam.[24]
Aufgrund der Hitze kam es zu Straßenschäden, weil sich Beton bei den Temperaturen aufwölbt. Zahlreiche Autobahnen wurden gesperrt oder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen betrieben. Bahnunternehmen rieten von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab.[25] In Städten wie Essen oder Leipzig kam es infolge der Auswirkungen der Hitzewelle (geschmolzene Fugengussmasse, die in Schienen und Weichen gelaufen ist) zu Einschränkungen im Straßenbahnverkehr bzw. im Fall von Leipzig zur vollständigen Einstellung des Straßenbahnbetriebs.[26][27]
Der Wasserwerfereinsatz der Polizei Berlin, u. a. am Brandenburger Tor, zur Kühlung von Passanten fand in internationalen Medien Beachtung.[28]
Frankreich

In Frankreich wurde zwei Tage in Folge der heißeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Dabei erreichte die gemittelte Tages- und Nachttemperatur am 23. Juni 2026 zunächst 29,9 °C, am Folgetag dann 30,0 °C. In 54 französischen Départements wurden Höchsttemperaturen von 40 °C und mehr erreicht, in Paris waren es 40,3 °C. Zuvor waren in Paris erst drei Mal in den 150 Jahren seit Beginn der Messungen Temperaturen über 40 °C gemessen worden.[29] In Palluau in Westfrankreich wurden sogar 43,8 °C gemessen.[30]
Aufgrund der Hitze geriet das Gesundheitssystem durch den Anstieg von hitzebedingten Patientenzahlen unter Druck. Im Großraum Paris stiegen die Notrufe um 80 Prozent an. Der stellvertretende Pariser Bürgermeister Antoine Alibert erklärte, die Pariser Krankenhäuser seien einer „außergewöhnlichen“ und beispiellosen Auslastung ausgesetzt, es würden sich „die Krankentragen in den Fluren stapeln“. Zudem kam es in Frankreich zwischen dem 18. und dem 28. Juni zu 74 Todesfällen durch Ertrinken.[1] Die Gesundheitsbehörde registrierte für den Zeitraum vom 24. bis 27. Juni etwa 1000 zusätzliche Tote verglichen mit vorangegangenen Monaten. Der Großteil waren Personen im Alter über 65 Jahren, jedoch gab es auch junge Betroffene. Erwartet wird, dass diese Zahl noch deutlich steigen wird.[2]
Italien
In Italien gab das Gesundheitsministerium am 27. und 28. Juni für 18 Städte, darunter Mailand, Rom, Turin, Venedig, Genua, Florenz und Bologna, Warnungen der Stufe Rot heraus und warnte vor Temperaturen bis 39 °C.[10]
Luxemburg
In Luxemburg wurde die höchste Lufttemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1838 gemessen. Nachdem am 26. Juni mit 40,8 °C der bis dato geltende Höchstwert aus dem Jahr 2019 übertroffen wurde, wurde am 27. Juni an der Wetterstation in Remich ein Maximum von 41,4 °C gemessen.[31]
Österreich
In Österreich wurden am 28. Juni mit 40,0 °C in Wien und tags darauf mit 40,1 °C in Bad Deutsch-Altenburg (Niederösterreich)[32] die zweithöchsten jemals in dem Land erreichten Temperaturen gemessen. Nur am 8. August 2013 wurde mit 40,5 °C in Bad Deutsch-Altenburg eine noch höhere Temperatur registriert.[33] Zudem erreichten mehrere Bundesländer neue Junirekordwerte, darunter 39,9 °C in Langenlebarn (Niederösterreich).[34] In der Nacht auf den 29. Juni wurde bei der Buchbergwarte in Neulengbach (Niederösterreich) mit 27,5 °C die wärmste je in Österreich gemessene Tropennacht verzeichnet. Zuvor lag dieser Rekord bei 26,9 °C.[35] Vor allem in Vorarlberg gab es aufgrund hitzebedingter Schienenverwerfungen erhebliche Verzögerungen im Bahnverkehr, da die Höchstgeschwindigkeiten herabgesetzt wurden.[36]
Polen
In Polen wurden am 28. Juni in Słubice 40,5 °C erreicht, womit der seit 1921 bestehende Temperaturrekord von 40,2 °C übertroffen wurde.[2]
Schweiz
In der Schweiz begann die Hitzewelle großmehrheitlich am 17. Juni.[37][38] Beim flusswassergekühlten Kernkraftwerk Beznau wurde die Leistung der beiden Reaktorblöcke am 23. Juni auf 50 Prozent reduziert,[39] bevor am 26. Juni beide Reaktoren, wegen der hohen Wassertemperaturen der Aare, vorübergehend heruntergefahren werden mussten.[40] Am 27. Juni wurde an der Station Basel-Binningen mit einer Höchsttemperatur von 39,0 °C ein neuer nationaler Juni-Rekord registriert.[41]
Spanien
In Spanien warnten die Behörden vor Temperaturen bis 44 °C.[42] Das spanische Überwachungssystem für hitzebedingte Todesfälle listete zwischen dem 21. und 25. Juni 327 Todesfälle, wobei die meisten Menschen am 24. und 25. Juni starben.[43]
Tschechien
In Tschechien wurde am 27. Juni mit 40,8 °C in Doksany ein neuer Landesrekord verzeichnet. Damit wurde der bestehende Hitzerekord von 40,4 °C, der 2012 in Dobřichovice erreicht wurde, um rund ein halbes Grad übertroffen.[44] Am 28. Juni wurde dieser Wert mit 41,9 °C, ebenfalls wieder in Doksany, noch deutlich übertroffen.[2]
Ungarn
In Ungarn wurden nach 40 °C am 27. Juni in Budakalász am 28. Juni 40,7 °C gemessen. Am 29. Juni steigerte sich die Hitze weiter und erreichte mit 41,8 °C in Aszód abermals einen neuen Juni-Rekord für Ungarn und verfehlte damit sogar nur knapp den ungarischen Allzeit-Hitzerekord von 41,9 °C, gemessen am 20. Juli 2007 in Kiskunhalas.[45][2]
Vereinigtes Königreich
Im Vereinigten Königreich wurde drei Tage in Folge ein neuer Juni-Temperaturrekord gemessen. Nachdem zunächst am 24. Juni 36,1 °C in Gosport erreicht wurden, stieg die Höchsttemperatur am 25. Juni auf 36,7 °C in Merryfield, Somerset und erreichte schließlich 37,3 °C in Suffolk. Damit wurde der zuvor geltende etwa 50 Jahre bestehende Wert um mehr als 1 °C übertroffen. Für Teile des Staates, u. a. London, galten rote Hitzewarnungen. Die Zahl der Notfallpatienten stieg durch die Hitzeerkrankungen deutlich an, der London Ambulance Service meldete, dass während der Hitzewelle die Zahl der Notrufe um etwa 50 % anstieg. Gleichzeitig wurden alle nicht-notwendigen Ausbildungen und Meetings abgesagt, um möglichst viel medizinisches Personal zur Verfügung zu haben. Mehr als 2000 Schulen in England und Wales blieben wegen der Hitze ganz oder teilweise geschlossen, auch viele Touristenattraktionen blieben zu.[46]
Desinformation zur Hitzewelle
Während der Hitzewelle kam es, wie auch schon bei vorangegangenen Hitzewellen, zu Kommentaren in den sozialen Netzwerken, aber auch Medien wie AUF1, in denen die Hitzewelle relativiert, der menschengemachte Klimawandel geleugnet oder die Berichterstattung zur Hitzewelle angezweifelt wurde. Dabei wurde u. a. behauptet, dass es früher ja auch schon heiße Tage gegeben habe. Tatsächlich steigt die Zahl der heißen Tage an. Zwischen 1951 und 1990 gab es lediglich ein Jahr, in dem es mindestens 10 heiße Tage mit 30 °C und mehr gab, zwischen 2010 und 2025 jedoch zehn solcher Jahre. Häufig werden auch reißerische Schlagzeilen der Bild-Zeitung aus dem Kontext gerissen, um zu suggerieren, dass es früher schon wärmer gewesen sei. Besonders häufig geschieht dies mit einer Titelseite aus dem Jahr 1957 mit Schlagzeile: „56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen!“ Dabei handelte es sich jedoch nicht um eine offizielle Messung; stattdessen schrieb die Zeitung damals von einer Bahnhofsuhr, die bei einer Temperatur von 56 °C im Gehäuse ausgefallen sein soll. Auch wird häufig ein Bild-Artikel aus dem Jahr 1975 mit der Schlagzeile „40 Grad Hitze. Jetzt wird das Wetter lebensgefährlich!“ geteilt. In dem Artikel wird ein Meteorologe mit der Befürchtung zitiert, es „könnten 40 Grad im Schatten werden“. Tatsächlich wurden dann an dem Tag aber nur 30,8 °C gemessen.[47][48]
Siehe auch
Literatur
- Theodore Keeping et al.: Fossil fuel emissions have rapidly worsened European heatwaves in just a few decades. World Weather Attribution, 26. Juni 2026.
