Hochschule für Gesellschaftsgestaltung
Staatlich anerkannte Hochschule in Rheinland-Pfalz
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Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (ehemals Cusanus Hochschule und Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung) ist eine staatlich anerkannte „Hochschule eigener Art“ in freier Trägerschaft in Koblenz.[1] Ihr Leitbild beinhaltet „Gestaltungsorientierung, Persönlichkeitsbildung, Transdisziplinarität und Partizipation“.[2] Die Hochschule wurde im Februar 2014 von einer Gruppe von Akademikern, Studierenden und Bürgern gemeinsam als unselbständige gemeinnützige Stiftung mit einer gemeinnützigen GmbH als treuhänderischem Träger gegründet. Zu den Gründungsstiftern gehört als Institution auch die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte.
| Hochschule für Gesellschaftsgestaltung | |
|---|---|
| Gründung | 26. Mai 2015 |
| Trägerschaft | frei |
| Ort | Koblenz |
| Bundesland | |
| Land | |
| Leitung | Lars Hochmann |
| Website | www.hfgg.de |
Geschichte
Die Idee für die Hochschule entstand unter anderem in der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, einem Netzwerk von rund 120 Wissenschaftlern aus Philosophie, Ökonomie, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Geschichte.[3] Am 12. Februar 2014 stifteten über zwanzig Personen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam mit der Kueser Akademie die „Cusanus Hochschule“ als ‚Hochschule in Gründung‘. Bereits im Januar 2014, vor der Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat, erprobte die Kueser Akademie Zertifikate auf Master-Niveau. Inhalte und Erfahrungen gingen in die Startstudiengänge auf der Master-Ebene ein.
Im Oktober 2014 zog die Hochschule in das historische Rathaus von Bernkastel.[4] Im Dezember 2014 wurden die vier Startstudiengänge akkreditiert, nachdem die Akkreditierungsagentur das Konzept geprüft und gutgeheißen hatte.[5] Im Mai 2015 wurde vom zuständigen Ministerium die Betriebserlaubnis erteilt. Daraufhin gründete sich die Hochschule unter dem Namen Cusanus Hochschule Ende Mai 2015.[6]
In einem Streit um die inhaltliche Schwerpunktsetzung, den Kanon der Lehre und die Integration aller in die Hochschule verließen fast alle Lehrenden des Philosophischen Seminars die Hochschule.[7] Im Zuge einer Neuausrichtung im Jahr 2020, nun unter dem Namen „Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung“, überarbeitete die Hochschule daraufhin ihr Studienangebot. Dabei wurden Elemente der bisherigen Studiengänge der Ökonomie und Philosophie beibehalten und neue Curricula geschaffen.[8][9]
Mit der inhaltlichen Neuausrichtung der Hochschule hat das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz am 8. April 2020 mitgeteilt, dass die staatliche Anerkennung der Hochschule bis Ende 2024 verlängert wird. Zugleich wurde der erweiterte Name „Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung“ vom Ministerium bestätigt.[10]
Zum 1. Oktober 2021 verlegte die Hochschule ihren Sitz von Bernkastel-Kues nach Koblenz und nahm dort im Dreikönigenhaus ihren Lehr- und Verwaltungsbetrieb auf.[11][12] Präsidentin der Hochschule ist seit dem 1. Oktober 2021 Silja Graupe, Professorin für Ökonomie und Philosophie sowie Mitgründerin der Hochschule.[13]
Mit einer weiteren Umbenennung zur Hochschule für Gesellschaftsgestaltung im April 2023 legte die Hochschule ihre namentliche Verbindung zu Nikolaus von Kues ab.[14]
Studium
Die Hochschule bietet derzeit drei Studiengänge an:
- Ökonomie – Nachhaltigkeit – Transformation (Bachelor of Arts): Der Bachelorstudiengang fokussiert die Auseinandersetzung mit zentralen Krisen der Zeit und den Ansätzen einer sozial-ökologischen Transformation.[15] Er soll dazu befähigen, wissenschaftsbasiert und ethisch reflektiert Verantwortung zu übernehmen. Durch Praxisorientierung und philosophische Fundierung soll eine interdisziplinäre theoretische Grundlage vermittelt werden.[16]
- Ökonomie – Nachhaltigkeit – Gesellschaftsgestaltung (Master of Arts): Der konsekutive Studiengang umfasst Themen der Wirtschaftswissenschaften, ihrer Geschichte, die philosophische Reflexion über sie und ihre Kritik.[17] Dabei baut der Studiengang auf interdisziplinäres Fundament auf, das die plurale Ökonomie, weitere Sozialwissenschaften sowie die Philosophie verbindet.[18]
- Ökonomie – Verantwortung – Institutionsgestaltung (Master of Arts): Der konsekutive Studiengang soll zu einem lebensdienlichen Wirtschaften mit Gemeinsinn befähigen. Die Studierenden lösen gemeinsam mit Praktikern reale Probleme wertorientierten Wirtschaftens. So soll ein neues ökonomisches Denken, das sich unmittelbar in der Praxis bewähren kann, erprobt werden.[19] Im Fokus steht ein interdisziplinäres Verständnis der heutigen Menschheitsprobleme und das Aufzeigen von Wegen, wie sich die Ökonomisierung von Gesellschaft und Natur überwinden lässt.[20]
Die Studia humanitatis sind ein fächerübergreifendes Studienangebot, das als Kernstück aller Studiengänge dem universellen Bildungsverständnis der Hochschule Rechnung tragen und die Persönlichkeitsbildung der Studierenden befördern soll.
Die Lehrveranstaltungen finden fast ausschließlich in Blockseminaren statt, so dass auch nicht dauerhaft vor Ort wohnhafte Studierende die Möglichkeit eines Studiums erhalten. Fast alle Lehrveranstaltungen werden in Jahrgangsgruppen von 20–25 Studierenden in seminaristischer Form unterrichtet.[21]
Finanzierung und Organisation
Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung ist gemeinnützig und finanziert sich ausschließlich über Studienbeiträge, Stiftungen und Schenkungen.[22] Der Studienbeitrag beträgt 2400 € pro Semester (Stand November 2025).[23] Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung legt Wert darauf, dass ihre Mitglieder tatsächlich frei zur Gestaltung der inneren Prozesse von Lehre, Forschung und Verwaltung sind. Sie ist deswegen als gemeinnützige Treuhandstiftung organisiert, die von einer gGmbH getragen wird. Diese Gesellschaft dient ausschließlich dem Hochschulleben. Ohne eigene Ziele zu verfolgen, verwaltet sie als echte Treuhänderin die Hochschule im eigenen Namen, aber nicht im eigenen Interesse oder dem der Gesellschafter.[24] Auf diese Weise soll sich die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung „selbst gehören.“[25]
Studierendengemeinschaft
Die Studierenden der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung und der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte haben sich zur Studierendengemeinschaft für Gesellschaftsgestaltung e. V. zusammengeschlossen. Die Mitglieder dieses gemeinnützigen Vereins verstehen sich als „Pioniere einer Hochschulinitiative“ und organisieren Aktivitäten etwa im Rahmen von Bildungsveranstaltungen und dem studentischen Wohnen.[26]
Bekannte Hochschulangehörige und Ehemalige
- Silja Graupe (* 1975), Ökonomin
- Silke Helfrich (1967–2021), Autorin, Herausgeberin, Forscherin und Aktivistin zu Gemeingütern und Commons
- Lars Hochmann (* 1987), Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Transformation und Unternehmung
- Dirk Löhr (* 1964), Wirtschaftswissenschaftler
- Reinhard Loske (* 1959), Volkswirt, Politikwissenschaftler und Politiker
- Walter Ötsch (* 1950), österreichischer Ökonom und Kulturwissenschaftler
- Stephan Panther (* 1961), Wirtschaftswissenschaftler
- Martyna Linartas (* 1990), Politikwissenschaftlerin und Publizistin[27]
- Oliver Schlaudt (* 1978), Philosoph
- Harald Spehl (* 1940), Volkswirtschaftler und emeritierter Professor
- Holger Zaborowski (* 1974), Philosoph
- Kirstin Zeyer (* 1967), Philosophin und Hochschullehrerin
Schriften
Mitglieder der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung sind an der Herausgabe folgender Reihen und Zeitschriften beteiligt:
- Kritische Studien zu Markt und Gesellschaft (Hrsg. v. Silja Graupe, Jakob Kapeller und Walter Ötsch, Metropolis, Marburg), ISSN 1869-9782.
- International Journal of Pluralism and Economics Education (IJPEE), Inderscience, Genf. Mitglied des Editorial Boards (Silja Graupe)[28]
- Jahrbuch Ökologie, S. Hirzel-Verlag, Mitherausgeber (Reinhard Loske)[29]