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Hostal de la Gavina

Luxushotel in s'Agaró (Costa Brava) From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Hostal de la Gavina (katalanisch für „Gasthaus“ oder „Herberge zur Möwe“) ist ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel an der Plaça del Roserar innerhalb der Wohn- und Feriensiedlung s’Agaró (Gesamtgemeinde Castell d’Aro, Platja d’Aro i s’Agaró, Baix Empordà, Costa Brava) mit 76 Zimmern.[1] Alle Hotelanlagen gehören zum Ensemble noucentistischer Gebäude dieser durch den katalanischen Industriellen Josep Ensesa i Gubert (1892–1981) begründeten Wohnanlage. Das Hotel wird heute in der vierten Generation der Familie Ensesa geführt.[1]

Hostal de la Gavina (2025)

Baugeschichte

Meerwasseraußenschwimmbad, links im Hintergrund das eigentliche Hotelgebäude, im Vordergrund der Strand von Sant Pol

Ein erster Plan für ein „Hotel mit allem Komfort“ in s’Agaró in eher klassischem Hotelstil wurde vom Architekten Rafael Masó i Valentí (1880–1935) und Josep Ensesa um 1930 nicht realisiert, ohne dass hierfür explizit Gründe angegeben wurden. Hintergrund war wahrscheinlich die Errichtung des nicht weit entfernten Hotel Monumental in Sant Pol (Eröffnung 1930). Rafael Masó stellte seine Planungen um und hatte mit „La Gavina“ ein Objekt im Auge, das eher an ein vornehmes Landhaus erinnerte als an einen klassischen Hotelbau. Hier konnte man gegenüber einem klassischen Hotelbau originellere Baumaterialien einsetzen und originellere Baukonzepte umsetzen. In diesem Gebäude suchte er für spätere Gäste ein besonderes „Gefühl der Harmonie“ einzurichten.[2]

Nach späteren Recherchen zog Masó für dieses Projekt eine bestehende Villa heran, die bereits zwischen 1924 und 1927 als Schauobjekt für potentielle Käufer errichtet worden war. Diese zweistöckige Villa mit Dachgeschoss und einem Aussichtsturm war offensichtlich nach der Privatvilla Josep Ensesas, der sogenannten Senya Blanca (Fertigstellung Juli 1924), das zweite fertiggestellte Gebäude des Architekturprojektes s’Agaró. Die Nutzung dieses zweiten Komplexes wurde durch Umbau noch durch den ursprünglichen Architekten Rafael Masó in die einer Hotelanlage geändert. Das Haus wuchs in dieser Umfunktionierung und zwei weiteren Erweitungsprojekten durch Josep Ensesa. Das Haupthaus trug ein Walmdach. Auf der Meerseite war eine Veranda angeschlossen, an der Ostfassade fand sich eine heute nicht mehr existierende Pergola. Rafael Masó richtete auf dem Gelände noch eine Tennisanlage ein. Am 2. Januar 1932 öffnete die Hotelanlage erstmals ihre Türen. Architektonisch besonders wirkte das Zusammenspiel des Hotels mit der an der Plaça del Roserar gegenüberliegenden Villa Domus Nostrum einerseits und in der Interaktion mit dem Meer auf der Südseite andererseits. Das Ensemble wirkte monumental ohne dabei zu wuchtig zu werden.[2]

Das Konkurrenzhotel Monumental wurde bereits im Sommer 1935 durch den Pädagogen Narcís Masó i Valentí (1890–1953), den Bruder des Architekten Rafael Masó, in ein der Reformpädagogik verpflichtetes Internat, die sogenannte Escuela de S’Agaró, umfunktioniert. Der dortige Unterrichtsbetrieb brach 1936 in Folge des Spanischen Bürgerkrieges (1936–1939) ab. Während des Krieges wurde das Hotel Monumental in ein Militärkrankenhaus umgewandelt, das hauptsächlich Flüchtlinge und im Kampf verletzte Mitglieder der internationalen Brigaden aufnahm und behandelte. Nach dem Bürgerkrieg eröffnete Josep Ensesa das Hotel zunächst unter dem namen Hotel de la Playa wieder. Von 1984 bis 1988 wurde das ursprüngliche Hotel Monumental, beziehungsweise die zwischenzeitliche Escuela de S’Agaró in das heute bestehende Viersterne S’Agaró-Hotel umgewandelt.[3]

In den 1950er Jahren nahm Josep Ensesa sich wieder der Entwicklung des Hostal de la Gavina an. Der heutige Hotelkomplex ist ein Werk des Architekten Francesc Folguera (1891–1960), der 1935 den verstorbenen Rafael Masó in der Bauleitung der Wohnsiedlung s’Agaró ablöste. Francesc Folguera gestaltete das Hotel komplett um, sodass von dem von Rafael Masó errichteten Teil nur noch wenig erhalten blieb. 1967 wurde unter der Leitung des Architekten Francesc Mitjans das Meerwasserschwimmbecken Piscina de Garbí („Schwimmbad des Garbí“, des Südwestwindes in Katalonien, den Fischer und Seeleute oft besingen) errichtet. 1969 wurde in dieser Anlage die Skulptur der Venus von s’Agaró des Bildhauers Joan Rebull installiert.[4] Neben den aus der frühen Zeit erhaltenen und den bereits genannten Anlagen bietet das Hotel heute unter anderem, eine Spa- und Sauna-, eine Fitness-, eine große Gartenanlage sowie derzeit vier Restaurants.[1]

Historische Galerie: Hostal de la Gavina

Das Interieur des historischen Hostal de la Gavina

Einige Fotografien aus der Frühzeit des Hotels in den 1930er Jahren sind überkommen, auf denen Teile der Innenausrichtung zu sehen sind. Die meisten dieser Fotos stammen aus dem zentralen Bereich des Hotels, der aus den etwas einfacher gestalteten Zimmern bestand. Sie werden anhand von Fotos aus dem Zerkowitz-Archiv des österreichischen Fotografen Adolf Zerkowitz (1884–1972) beschrieben.[5]

Man erkennt auf den ersten Blick die große Bedeutung, die Keramik bei der Ausstattung des Hotels spielte. Sie bedeckte in Form von Kacheln den gesamten Boden mit unterschiedlichsten Motiven. Die Fliesen zeigen geometrische Figuren, hauptsächlich Rauten, Diagonalen, Zickzacklinien und Dreiecke, die oft zu Bordüren gruppiert waren. Auch die Wände waren halbhoch mit Keramikfliesen versehen. Hier wiederholten sich ebenfalls geometrische Figuren unterschiedlicher Art. Schließlich waren auch Treppenstufen mit Fliesen belegt, meistens mit traditioneller gelber und grüner Keramik, die oft mit Dreiecken verziert waren.

Ein weiterer Bereich, den Rafael Masó dekorativ gestaltete, waren die Bögen zwischen den halbrunden Gewölben, die einige Räume voneinander trennten. Diese Bögen waren mit geometrischen Figuren verziert, die von Quadraten und Rechtecken umrahmt wurden und dem Art-déco-Stil entsprachen. Einige dieser Bögen wurden von den berühmten Tonnengewölben getragen, die Masó so häufig als Stilmittel einsetze und die den Räumen eine besondere Intensität verliehen.

Die Deckenbalken, die sich durch die verschiedenen Räume zogen, wurden ebenfalls für die Anbringung von Ornamenten genutzt, diesmal meist mit rhombischen Formelementen. Bei den auf den Fotos abgebildeten Holzmöbeln mit Drechsel- und Schnitzarbeiten konnte bisher nicht geklärt werden, ob sie auf Veranlassung von Rafael Masó in die Räume integriert wurden.

Eines der in den Fotos abgebildeten Treppengeländer weist gedrechselte Baluster auf, bei einem anderen wechseln sich solche Baluster mit breiteren, perforierten Latten ab. Generell war der Einsatz von Drechselarbeiten als Möbelverzierung ein charakteristisches Merkmal für das Werk von Rafael Masó.

Ein weiteres Element, das nachweislich von Masó geschaffen wurde, ist einer der auf den Fotografien abgebildeten Kamine. Er bestach durch seine Schönheit und Originalität. Die Feuerstelle öffnete sich durch unter einem Bogen, der in einem steinernen Schild abgeschlossen wird. Die restliche Vorderseite des Kamins ist vollständig mit Keramik verkleidet, in der sich geometrische Motive aus sich kreuzenden zweifarbigen Streifen wiederholen und dem Raum damit eine besondere Atmosphäre verleihen. Diese Dekoration knüpft ebenso an den Art-déco-Stil an.

Generell lässt sich trotz der sehr schmalen Datenlage festhalten, dass die Innenräume des Hotels einen gewissen herrschaftlichen Aspekt aufwiesen, sie erinnerten in gewissem Maße an die Innenräume typisch katalanischer Landhäuser. Nicht nur die bereits erwähnten Keramiken und Möbel, sondern auch die abgebildeten Vorhänge und Wandteppiche sprechen eine solche Sprache. Dies stand in einer gewissen produktiven Spannung zu der oben angespochenen integrierten Art-déco-Ornamentik.

Tennisanlage

Die Tennisplätze wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1932 mit der Feier des ersten internationalen Tennisturniers von s’Agaró eingeweiht, wie die Zeitung La Costa Brava berichtete.[6][7][8]

Es handelte sich um eine Freiluftanlage mit zwei Sandtennisplätzen. Sie lag hinter dem Roserar-Platz und befand sich auf einem Gelände, das ursprünglich für den Bau von Chalets vorgesehen war. Chalets mit ihren Pergolen sollten den Platz abgrenzen, wie es beispielsweise beim Hostal de la Gavina und dem Domus Nostrum der Fall war. Obwohl Rafael Masó den ursprünglichen Plan änderte, behielt er die Idee der Pergolen bei und spielte, wie schon bei den oben erwähnten Chalets, mit der Grenze zwischen öffentlich und privat sowie zwischen einzelnen Gebäuden, sodass die Pergolen der Tennisplätze gleichzeitig auch den Platz umgaben.

Der Bau von Tennisplätzen anstelle neuer Wohnhäuser war wahrscheinlich auf den großen Boom zurückzuführen, den Tennis als Sportart in den wohlhabenden Schichten erlebte. Es ist hoch wahrscheinlich, dass Masó und die Familie Ensesa aus diesem Grund beschlossen, diese Tennisanlage zu errichten, um so die Attraktivität des Hostal de la Gavina und der gesamten Feriensiedlung zu steigern.

Die Spielfelder waren parallel angeordnet und durch einen breiten Mittelgang voneinander getrennt. An den Seiten jedes Feldes befanden sich die Zuschauertribünen. Der Eingang, dem eine Treppe vorgelagert war, die den Höhenunterschied überbrückte, lag an der Avinguda de la Conca, auf der Plaça del Roserar. Die Treppe führte direkt in den Mittelgang. Zu beiden Seiten dieser Treppe und die Spielfelder begrenzend, befanden sich die beiden Pergolen, die zusammen mit denen der Chalets Gorina und Comadira den Platz vervollständigten.

Die weißen Pergolen mit grauem Steinsockel fügten sich harmonisch in die Ästhetik der gesamten Siedlung ein und folgten dem Vorbild der übrigen Pergolen auf der Agora, dem Gemeindezentrum s’Agarós. Davor, beidseitig der Eingangstreppe und die gesamte Front einnehmend, erstreckten sich zwei große Pflanzbeete mit üppiger Bepflanzung, deren Wände mit großen Tonvasen verziert waren. Oberhalb dieser Beete, seitlich der Treppe, befand sich eine mit grün glasierter Keramik verkleidete Stufenkonstruktion, die den Zugang betonte. Die Wege waren, neben den Pflanzbeeten, von Grünflächen umgeben, was den Gartenstadtcharakter der Siedlung unterstreicht.

Vom Eingang aus gesehen hinter dem rechten Court befindet sich derzeit ein kleines rechteckiges Gebäude mit Umkleideräumen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob es von Anfang an zu Rafael Masós Projekt gehörte oder später hinzugefügt wurde. Ansonsten sind die übrigen Courts nahezu unverändert erhalten geblieben.

Die Bedeutung des Hotels

Das Hotel bot alle Annehmlichkeiten eines Luxushotels, entzog sich aber stilistisch den damals mit hohem Ansehen verbundenen Konzeptionen eines Hotels. Wenige Jahre zuvor waren das Ritz in Madrid und Barcelona eröffnet worden. Rafael Masó entschied sich im Hostal de la Gavina bewusst gegen solche Hotelkonzeptionen für die Errichtung eines komfortablen katalanischen Landhaushotels. Insbesondere die Inneneinrichtung referierte auf den Landhausstil und bot dabei höchsten Komfort und Luxus sowie höchste Hygienestandards. Dieses Konzept kam bereits im Namen „Hostal de la Gavina“ („Gasthaus zur Möwe“ und eben nicht „Hotel de la Gavina“ oder „Hotel zur Möwe“) zur Geltung.

Von Anfang an wurde das L'Hostal de la Gavina zu einem Treffpunkt der gehobenen katalanischen Bourgeoisie und erlangte dabei zunehmend auch internationale Beachtung und Bedeutung. Dort versammelten sich bedeutende Persönlichkeiten, darunter Intellektuelle und Künstler, wie Prudenci Bertrana (1867–1941), dessen Ehrung für sein schriftstellerisches Werk zur Eröffnung des Hotels am 3. Januar 1932 stattfand, oder Josep Pla, Xavier Montsalvatge, Salvador Dali, Montserrat Caballé, Claudia Cardinale, Cole Porter und Frank Sinatra. Sogar Hollywood-Stars wie Elizabeth Taylor, Ava Gardner, Orson Welles, Sean Connery, Robert De Niro und Jack Nicholson, die in den 1950er und 1960er Jahren Strandszenen in s’Agaró drehten, verkehrten in diesem Hotel.[9]

Literatur

  • Jordi Falgàs, Sebastià Roig: s’Agaró – Architectura, cultura, turismo y glamur en la Costa Brava 1924–2024, Girona, 1. Auflage 2024, ISBN 978-84-12-75483-4, Seite 94 El Gran Hotel no construido, Seite 96 El Hostal La Gavina, Seite 108 Monumental Hotel (spanisch und französisch).
Commons: Hostal de la Gavina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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