Hundham (Fischbachau)
Dorf in der Gemeinde Fischbachau in Bayern
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Hundham ist ein Gemeindeteil von Fischbachau im Landkreis Miesbach in Bayern.
Hundham Gemeinde Fischbachau | |
|---|---|
| Koordinaten: | 47° 45′ N, 11° 57′ O |
| Höhe: | 776 m ü. NHN |
| Einwohner: | 338 (2015)[1] |
| Postleitzahl: | 83730 |
| Vorwahl: | 08028 |
Blick vom Schwarzenberg auf Hundham | |
Geographie
Geographische Lage
Hundham liegt im weitläufigen Tal der Leitzach auf einem Schwemmkegel am Ostrand des Leitzachtals und am Fuß des Schwarzenbergs. Der Ort befindet sich (Luftlinie) vier Kilometer nördlich von Fischbachau, neun Kilometer südöstlich von Miesbach, 18 Kilometer südwestlich von Rosenheim, 26 Kilometer nordwestlich von Kufstein, 13 Straßenkilometer von der Bundesautobahn 8 (Ausfahrt Irschenberg oder Bad Aibling) und 62 Kilometer von der Landeshauptstadt München entfernt.
Schutzgebiet
Das Schutzgebiet Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Leitzachtal (8237-371) berührt den Ort Hundham.
Geschichte

Der Ort dürfte eine sehr frühe Gründung gehabt haben was auch in der „Chronik des oberen Leitzachtals“ nachzulesen ist. Hundham, im Jahre 1224 Hunthaim genannt, ist wohl der beziehungsreichste Ortsname in der Gegend. Ein Hundo/Hunt(o), althochdeutsch hunto, war Funktionsträger und Vorsteher eines frühmittelalterlichen Personalverbands in unmittelbarer Kopplung an den Grundherrn (König oder Graf). Das Wort „haim“ weist auf die Siedlung des Grundherrn hin. Die heim-Orte sind fast gleichaltrig wie die ing-Orte. Der Ort war dem Kloster Scheyern zugesprochen, hatte aber eine sehr bewegte Vergangenheit und so war die Osthälfte von der Straße dem Kloster Aibling und die Westhälfte dem Kloster Tegernsee zu Abgaben verpflichtet, und das Gericht Aibling hielt in Hundham Gericht, ebenso war Hundham im Mittelalter Markt, und es wurde alle zwei Wochen Markt gehalten.
Der Ort Hundham war eine eigenständige Gemeinde und wurde am 1. Januar 1976 im Rahmen der Gemeindegebietsreform der Gemeinde Fischbachau zugeordnet.[2] Das ehemalige Gemeindegebiet umfasste etwa 2342 Hektar und fünfzig Gemeindeteile[3] und reichte von Elbach im Süden bis nach Achau im Westen und im Osten zur Gemeinde Bad Feilnbach, was auch zugleich die Landkreisgrenze ist. Der Auer Berg war ein Teil des alten Gemeindebereichs und ist eine geologische Grenze in das Inntal.
Touristische Bedeutung hatte das Leitzachtal bereits seit 1912, es gab damals bereits einen Fremdenverkehrsverein. Eine industrielle Ansiedlung war nie vorhanden, sondern mittelständische Betriebe wie Sägewerke, Schreiner- und Wagnereien, Zimmereien, Waldfacharbeiter prägten das Bild. Bergleute gab es im Leitzachtal, die Pechkohle abbauten. Schürfungen wurden vorgenommen am Auerberg bei Engelsberg. Kohle wurde in Leitzach abgebaut und in Miesbach und später in Hausham aufbereitet und vermarktet. Eine Besonderheit ist, dass in Deisenried nahe Hundham noch heute ein Wetterstollen an der Kreisstraße 22 nach Feilnbach existiert. Im Rahmen der Dorferneuerung in Hundham sieht der Wetterstollen einer Öffnung entgegen.
Wirtschaft und Infrastruktur
Gewerbe und Unternehmen
Die wirtschaftliche Struktur Hundhams ist überwiegend durch kleine Handwerksbetriebe geprägt, darunter Schreinereien, Zimmereien und Schmieden.[4] Daneben bestehen Unternehmen aus den Bereichen Bau, Dienstleistungen und Einzelhandel.[5] Eine bedeutende Rolle spielt auch die Landwirtschaft mit mehreren Bauernhöfen in und um den Ort.[6] Aufgrund der Lage im Leitzachtal trägt zudem der Tourismus mit Gastronomie und Ferienunterkünften zur lokalen Wirtschaft bei.[7]
Verkehr
Straßenverkehr
Hundham ist über die Staatsstraße 2077 verkehrstechnisch erschlossen, die direkt durch den Ort führt. Zudem beginnt in Hundham die Kreisstraße MB 22, welche in südöstlicher Richtung nach Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim verläuft.
Öffentlicher Personennahverkehr
Der Ort wird von mehreren Buslinien bedient. Die wichtigste Verbindung stellt die MVV-Linie 352 dar, die Hundham mit den umliegenden Orten Miesbach, Fischbachau, Schliersee und Fischhausen-Neuhaus verbindet. Diese Linie ist Teil der sogenannten Leitzach-/Schlierachtal-Ringlinie A. Zwischen Mai und November verkehrt zusätzlich die Wendelstein-Ringlinie, ein saisonaler Erlebnis- und Wanderbus mit Haltestellen in der Region rund um den Wendelstein.
Die nächstgelegene Bahnstation ist der Haltepunkt Fischbachau an der Bahnstrecke Schliersee–Bayrischzell im Ortsteil Hammer, etwa sechs Kilometer vom Ortskern Hundhams entfernt.
Radverkehr
Am östlichen Ortsrand verläuft der Bodensee-Königssee-Radweg, ein überregionaler Fernradweg, der von Lindau am Bodensee bis zum Königssee bei Berchtesgaden führt.
Bildung
Kindergarten und Kita
Der integrative Kindergarten „Wilde Wiese“ wurde 1995 gegründet und bietet Platz für insgesamt 95 Kinder, darunter 15 Integrationsplätze und 24 Krippenplätze.[8] Die Betreuung erfolgt in sieben Gruppen mit Kindergarten- und Krippenangeboten. Die pädagogische Arbeit basiert auf einem integrativen Konzept mit Schwerpunkten wie Sprachförderung, Inklusion, Projektarbeit und Naturpädagogik. Ergänzend werden therapeutische Angebote wie Logopädie, Lernförderung und Ergotherapie bereitgestellt. Seit Dezember 2017 ergänzt das „Haus für Kinder“ das Betreuungsangebot. Es befindet sich im ehemaligen Rathaus, das hierfür umgebaut wurde.[9] Die Einrichtung beherbergt zwei Kindergartengruppen und eine Krippengruppe. Zusätzlich stehen ein Mehrzweckraum und ein Speiseraum zur Verfügung. Beide Einrichtungen verfolgen ein gemeinsames pädagogisches Leitbild und stehen unter der Trägerschaft des Kindergarten Hundham e.V., dessen Sitz ebenfalls in Hundham liegt.
Schulen
In Hundham gibt es keine Schule. Die zuständige Grundschule ist in Elbach, deren Sprengel das gesamte Gemeindegebiet von Fischbachau ist. Hundham liegt im Sprengel der Mittelschule Fischbachau. Für die weiterführenden Schulen pendeln die Schülerinnen und Schüler in die umliegenden Gemeinden. In geringster Entfernung liegen die Realschule Miesbach und das Gymnasium Miesbach.
Feuerwehr
Die Freiwillige Feuerwehr Hundham wurde im Jahr 1876 gegründet und zählt zu den ältesten Feuerwehren im Leitzachtal.[10] Sie ist zuständig für den Brandschutz sowie die technische Hilfeleistung im Ortsteil Hundham und der näheren Umgebung. Organisatorisch gehört sie zur Gemeinde Fischbachau und untersteht der Integrierten Leitstelle Rosenheim. Der Fuhrpark umfasst ein Löschgruppenfahrzeug (LF 20/16) sowie ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF). Die Feuerwehr ist im ehemaligen Rathaus von Hundham sowie einem angrenzenden Anbau untergebracht.
Ver- und Entsorgung
Trinkwasser
Die Trinkwasserversorgung des Ortsteils Hundham erfolgte bis in die frühen 2000er-Jahre über die Schwarzenberg-Quelle. Diese Quelle war seit 1972 durch ein eigenes Wasserschutzgebiet geschützt, das rund 10,7 Hektar umfasste und strengen Nutzungsbeschränkungen unterlag, insbesondere für Landwirtschaft und bauliche Maßnahmen.[11] Seit 2009 ist Hundham an den gemeindlichen Tiefbrunnen am Steckenbaum in Aurach angeschlossen, während die Schwarzenberg-Quelle nur noch zur Brauchwasserversorgung dient.[11] Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit plant die Gemeinde Fischbachau derzeit die Errichtung eines zweiten Brunnens in Aurach. Hintergrund ist ein Pumpenausfall im März 2024, der die Verwundbarkeit der bisherigen Infrastruktur offenbarte.[12]
Nahwärme
In Hundham wurde im Jahr 2022 eine zentrale Nahwärmeversorgung in Betrieb genommen.[13] Ziel des Projekts war es, über 100 dezentrale Ölheizungen in Einfamilienhäusern und Kleingewerbebetrieben durch eine gemeinschaftliche und klimafreundliche Lösung zu ersetzen. Das Herzstück der Anlage bildet ein Heizhaus, in dem zwei Hackschnitzelkessel installiert sind. Jeder dieser Kessel verfügt über eine thermische Leistung von 330 Kilowatt. Für zukünftige Erweiterungen ist bereits Platz für einen dritten Kessel vorgesehen, wodurch eine Gesamtleistung von bis zu 990 Kilowatt erreicht werden kann. Als Brennstoff dienen jährlich etwa 4.000 Schüttraummeter regionaler Holzhackschnitzel.
Abwasser
Die Abwasserentsorgung für Hundham erfolgt über die zentrale Kläranlage der Gemeinde Fischbachau. Diese befindet sich im Ortsteil Wörnsmühl direkt an der Leitzach. Dort wird das Abwasser aus allen Gemeindeteilen, einschließlich Hundham, gesammelt und gereinigt. Nach der Behandlung wird das gereinigte Wasser in die Leitzach eingeleitet.[14]
Restmüll
Die Abfallentsorgung in Hundham erfolgt durch das Kommunalunternehmen VIVO KU des Landkreises Miesbach. Restmüll wird nach der Sammlung im Heizkraftwerk Rosenheim thermisch verwertet, wobei Strom und Wärme erzeugt werden.[15]
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Regelmäßige Veranstaltungen
Leonhardifahrt
Hundham ist überregional bekannt für seine traditionelle Leonhardifahrt, die jährlich am ersten Samstag im November stattfindet. Der Umritt zu Ehren des Heiligen Leonhard, Schutzpatron der landwirtschaftlichen Tiere, zählt zu den bedeutendsten Brauchtumsveranstaltungen im Leitzachtal. Die Prozession führt zur historischen Leonhardikapelle, deren Ursprünge bis ins Jahr 1604 zurückreichen und die zuletzt 2024 umfassend restauriert wurde. Rund 60 festlich geschmückte Pferdegespanne und zahlreiche Reiter nehmen an der Wallfahrt teil, die mit einer Messe und der Segnung der Tiere endet. Die Veranstaltung zieht regelmäßig viele Besucher aus der Region und darüber hinaus an.[16]
Sport
Hundham bietet im Winter mehrere präparierte Loipen für den klassischen Langlauf und Skating. Zu den wichtigsten Strecken zählt die Kleine Runde Hundham, eine etwa 2,5 Kilometer lange, leichte Schleife über offenes Gelände, die sich besonders für Anfänger eignet. Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der Leonhardi-Kapelle.[17] Die Strecke Fischbachau–Hundham verläuft entlang des Leitzach-Flussbetts und gilt mit einer Länge von rund 14,2 Kilometern – je nach gewählter Route auch bis zu 27 Kilometern – als mittelschwer und landschaftlich reizvoll.[18] Ergänzt wird das Angebot durch die Hundham–Schreiern-Runde, die in mehreren Varianten (z. B. 3,7 km oder 6,7 km) zur Verfügung steht und ebenfalls am Parkplatz bei der Leonhardi-Kapelle beginnt.[17]
