Hylaeaicum
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Hylaeaicum sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae).[1] Die etwa zwölf Arten sind im Amazonasbecken verbreitet.[1]
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Hylaeaicum | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Hylaeaicum | ||||||||||||
| (Ule ex Mez) Leme, Forzza, Zizka & Aguirre-Santoro |
Beschreibung

Vegetative Merkmale
Hylaeaicum-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen. Es sind überwiegend epiphytisch lebende Arten.[1] Die Laubblätter sitzen an einer gestauchten Hauptachse und bilden Trichter, in denen Wasser gesammelt wird. Es werden oft Ausläufer mit Kindeln gebildet. Die Ausläufer sind bei einer Länge von 10 bis 40 Zentimetern sowie einem Durchmesser von 3 bis 20 Millimeter dünn bis gedrungen und mit mehr oder weniger dicht, zwei oder mehrreihig angeordneten Cataphyllen bedeckt. Die strohfarbenen Cataphylle sind dreieckig mit zugespitztem oberen Ende und glatten oder bewehten Rand; sie sind oft lange haltbar oder verwelken später.[1]
Die Laubblätter sind deutlich in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die mehr oder weniger dick ledrigen, parallelnervigen Blattspreiten sind lanzettlich bis fast linealisch, sind wenn überhaupt an ihrer Basis nur wenig verschmälert, und sie sind am Rand leicht bewehrt. Die obersten Laubblätter um den Blütenstand herum werden oft rötlich, hell-rot, rosa- oder purpurfarben und bilden einen farbintensiven Ring.[1]
Generative Merkmale
Das dekorativste an den Hylaeaicum-Arten sind ihre sogenannten Hochblätter, es sind aber einfach die innersten Laubblätter der Blattrosetten und meist lange Zeit schön intensiv gefärbt. Es sind Blütenstandsschäfte vorhanden, die höchstens so lang wie der fertile Teil der Blütenstandes sind.[1] Die fertilen Teile der Blütenstände sind zusammengesetzt oder manchmal einfach, dicht schirmripig, kopfförmig in der Blattrosette eingesunken etwas über dem Wasserspiegel bis teilweise die Blattscheiden überragend, besonders am Ende der Anthese und am oberen Ende abgeflacht oder etwas gerundet.[1] Die Nebenblätter im Blütenstand gleichen den oberen Hochblättern des Blütenstandsschaftes. Die ersten bis zwölften Teilblütenstände sind fast sitzend bis deutlich aber kurz.[1] Diese Nebenblätter in der ebenen Blütenstandsachse sind mehr oder weniger fächerförmig bis verlängert-kissenförmig, manchmal nicht vollständig und undeutlich ausgebildet am Beginn der Anthese mit einer verzögerten Entwicklung und es manchmal ein oder zwei sekundäre Teilblütenstände vorhanden. Die Deckblätter sind länglich oder lanzettlich und häutig sowie durchscheinend zur Basis hin und grün zum oberen Ende hin; sie etwas länger als der Fruchtknoten bis fast so lang wie die Kelchblätter.[1] Die unscheinbaren Blütenstiele verschmelzen mit den Fruchtknoten und beide unterscheiden sich nicht in der Form.[1]
Die tags über geöffneten, zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle und meist duftlos.[1] Der kahle bis beschuppte Kelch ist etwas bis deutlich asymmetrisch. Die drei Kelchblätter sind nur an ihrer Basis bis zur Hälfte ihrer Länge verwachsen mit spitzem, zugespitztem oder stachelspitzigem oberen Ende und manchmal gekielt, wobei der einfache Kiel am Fruchtknoten hinabläuft.[1] Die drei meistens weißen, freien Kronblätter sind schmal-fastlinealisch-spatelförmig, fastlinealisch-lanzettlich bis schmal-lanzettlich und fünf-, meist sechs- bis zehnmal länger als breit. Die oberen 1/3 bis 1/4 Bereiche der Kronblätter sind während der Anthese fast aufrecht oder zurückgekrümmt, erschlaffen mit nach oben eingerollt Rändern, bis sie manchmal anschließend spirallig sind.[1] Die Kronblätter können manchmal Anhängsel besitzen, aber immer sind seitliche Verdickungen vorhanden, manchmal mit unauffälligen kurzen, schwanzartigen Teilen, die etwa so lang sind wie die freien Bereiche der Staubfäden, manchmal sind sie zweiteilig am oberen Ende, und können auch die Staubbeutel erreichen. Die Anhängsel sind länglich oder schmal-spatelförmig und können stark mit den Kronblättern verwachsen sein; die kurzen freien Bereiche sind gleich lang wie die freien Bereiche der Staubfäden des inneren Staubblattkreises und sind spärlich fingerförmig bis dicht oder wenig lang gefingert bis gefranst.[1] Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, die nur bis zur Mitte der Kronblätter reichen und damit während der Anthese in der Blütenkrone nie oder nur teilweise sichtbar sind. Die in der Länge gleichen Staubfäden sind etwas oder deutlich abgeflacht und manchmal zum oberen Ende hin verbreitert. Die Staubfäden des inneren Staubblattkreises sind auf 1/2 bis 4/5 ihrer Länge mit den Kronblättern verwachsen und die des äußeren Kreises sind frei.[1] Die Staubbeutel sind länglich mit stumpfer Basis und bespitztem bis zugespitztem oder selten stumpf zweilappigen oberen Ende; sind etwas unter bis etwas über der Mitte dorsifix und der obere Teil über dem Verbindungspunkt mit dem Staubfaden ist manchmal steril und ergeben einen abgeflachten Lappen oder Anhängsel.[1] Das Pollenkorn ist bei einer Länge von 40 bis, meist 50 bis 65 μm ellipsoidal und biporate, perforat breit-netzartig. Das Reticulum ist grob mit an der Basis dickem Murus sowie breitem Lumen. Die kleinen Poren sind glatt oder selten mit unauffälligen sowie spärlichen Exine-Elementen.[1] Der Blütenbecher ist unbedeutend. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen und enthält wenige Samenanlagen in apikaler Plazentation.[1] Der kahle Fruchtknoten ist drei- bis sechsmal länger als breit, schmal-keulenförmig bis länglich und dreikantig bis etwas abgeflacht, manchmal geflügelt-gekielt als Fortsetzung des Kelchblattkiels.[1] Die Samenanlagen sind eiförmig und lang-geschwänzt.[1] Die weiße Narbe ist gefaltet-spirallig, schlank fast-zylindrisch bis fast-kopfig oder einfach-verbreitert, breit-trichterförmig und etwa gleich groß wie die Staubbeutel; die Narbenlappen sind aufrecht bis ausgebreitet mit fein-gekerbtem bis zerrissenem Rand und unscheinbar bis deutlich sowie dicht papillös.[1]
Die Blütenformel lautet:
Blüten und Früchte sind oft gleichzeitig vorhanden. Die bei Reife weißen bis bläulichen Beeren sind nur etwas größer als die Fruchtknoten.[1] Die Beeren, ohne die Kelchblätter, sind bei einer Länge von 14 bis 37 Millimetern sowie einem Durchmesser von 3 bis 6 Millimetern schmal-keulenförmig bis schmal-ellipsoidal, manchmal etwas abgeflacht.[1] An den Beeren sind oft die blauen, dunkel-blauen, grünlich-blauen oder bläulich-purpurfarbenen Kelchblätter vorhanden.[1] Die Früchte enthalten 4 bis 28 Samen. Die spindelförmigen Samen besitzen, wenn sie vollentwickelt und frisch sind, zwei dünne Anhängsel; das Samenkorn ohne Anhängsel ist 3,5 bis 6 Millimeter lang sowie 1 bis 1,8 Millimeter breit und die häutigen, durchscheinenden Anhängsel sind 3 bis 40 Millimeter lang, wobei das Anhängsel am micropylaren Ende länger bis kürzer als das chalazale ist.[1]
Systematik und Verbreitung
Die Gattung Hylaeaicum wurde durch Leme et al. in Re-evaluation of the Amazonian Hylaeaicum (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on neglected morphological traits and molecular evidence. in Phytotaxa, Volume 499, Issue 1, 2021, S. 1–60 aufgestellt.[1] Die Arten wurden aus der Gattung Neoregelia ausgegliedert. Der Gattungsname Hylaeaicum leitet sich vom altgriechischen Wort hyle ὕλη für „Wald“ oder „Urwald“ ab und bezieht sich auf die Herkunft aus den tropischen Regenwäldern Südamerikas, der sogenannten Hylaea = Amazonas-Urwald. Typusart ist Hylaeaicum eleutheropetalum (Ule) Leme & Forzza mit dem Synonym Nidularium eleutheropetalum Ule.[2] Durch molekulargenetischen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass diese Arten näher mit Aechmea-Arten verwandt sind als mit Neoregelia-Arten, deshalb mussten diese Arten aus der Gattung Neoregelia ausgegliedert werden.[1]
Es gibt etwa zwölf Hylaeaicum-Arten, hier eine Liste aller Arten und Varietäten (Stand 2025):[2]
- Hylaeaicum eleutheropetalum (Ule) Leme & Forzza (Syn.: Neoregelia eleutheropetala L.B.Sm.): Es gibt zwei Varietäten:[2]
- Hylaeaicum eleutheropetalum var. bicolor (L.B.Sm.) Leme & Forzza (Syn.: Neoregelia eleutheropetala var. bicolor L.B.Sm.): Dieser Endemit kommt nur in der peruanischen Region Loreto vor.[2]
- Hylaeaicum eleutheropetalum (Ule) Leme & Forzza var. eleutheropetala (Syn.: Neoregelia eleutheropetala L.B.Sm. var. eleutheropetala): Sie gedeiht in Höhenlagen von 120 bis 420 Metern in Kolumbien, Ecuador und im brasilianischen Bundesstaat Amazonas.[2]
- Hylaeaicum levianum (L.B.Sm.) Leme & Forzza (Syn.: Neoregelia leviana L.B.Sm.): Sie kommt im brasilianischen Amazonas, im venezolanischen Amazonas und im peruanischen Huanaco vor.[2]
- Hylaeaicum margaretae (L.B.Sm.) Leme & Forzza (Syn.: Neoregelia margaretae L.B.Sm.): Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Amazonas vor.[2]
- Hylaeaicum meeanum (Reitz) Leme & Forzza (Syn.: Neoregelia meeana Reitz): Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Amazonas vor.[2]
- Hylaeaicum mooreanum (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia mooreana L.B.Sm.): Sie gedeiht auf kleinen Bäumen nur im peruanischen Loreto.[2]
- Hylaeaicum myrmecophilum (Ule) Leme & Forzza (Syn.: Neoregelia myrmecophila (Ule) L.B.Sm.): Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Amazonas vor.[2]
- Hylaeaicum pendulum (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia pendula L.B.Sm.): Es gibt zwei Varietäten:
- Hylaeaicum pendulum var. brevifolium (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia pendula var. brevifolia L.B.Sm.): Sie gedeiht in Höhenlage von 300 bis 1000 Metern im peruanischen Amazonas sowie Loreto.[2]
- Hylaeaicum pendulum (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro var. pendulum (Syn.: Neoregelia pendula L.B.Sm.) var. pendula: Sie gedeiht in Höhenlage von 260 bis 500 Metern in Peru sowie Ecuador.[2]
- Hylaeaicum peruvianum (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia peruviana L.B.Sm.): Sie gedeiht in Höhenlage von 130 bis 540 Metern im peruanischen Loreto sowie Amazonas.[2]
- Hylaeaicum roseum (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia rosea L.B.Sm.): Sie gedeiht epiphytisch im Regenwald in Höhenlage von 550 bis 750 Metern nur im peruanischen Loreto.[2]
- Hylaeaicum stoloniferum (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia stolonifera L.B.Sm.): Sie kommt in Peru nur in Loreto, in Kolumbien nur in Amazonas, Ecuador nur in Napo und in Venezuela nur Amazonas vor.[2]
- Hylaeaicum tarapotoense (Rauh) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia tarapotoensis Rauh): Sie kommt nur in der peruanischen Region San Martín vor.[2]
- Hylaeaicum wurdackii (L.B.Sm.) Leme, Zizka & Aguirre-Santoro (Syn.: Neoregelia wurdackii L.B.Sm.): Sie gedeiht epiphytisch in einer Höhe von 3 bis 6 Metern über dem Grund an Waldrändern in Höhenlage von 300 bis 350 Metern nur in der peruanischen Region Amazonas.[2]