Hypochondrischer Wahn

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Der hypochondrische Wahn ist ein psychopathologisches Symptom und tritt bei psychiatrischen Erkrankungen auf. Es darf nicht mit den viel häufigeren hypochondrischen Ängsten verwechselt werden. Die Psychiatrie ordnet es den inhaltlichen Denkstörungen zu.

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Klassifikation nach ICD-11
MB26.09 Somatischer Wahn
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)
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Ursachen

Das Symptom tritt bei psychotischen Störungen auf, nicht bei Angst- oder Zwangsstörungen. Stimmungskongruent (zur herabgesetzten Stimmung passend) tritt es bei depressiven Psychosen (Depressionen mit psychotischen Symptomen) auf.[1]

Beschreibung

Der Wahn kann sich auf körperliche oder psychische Erkrankungen beziehen, z. B. Krebs, AIDS, Demenz o. ä. Auch kann nur eine unbestimmte Überzeugung bestehen, die nicht näher beschrieben wird. Körperliche Symptome werden wahnhaft, nicht in erster Linie ängstlich interpretiert.[2] Die Patienten haben zuerst eigenartige Körperempfindungen, suchen nach Krankheiten. Zunehmend sind sie überzeugt, eine oft tödliche Erkrankung zu haben. Es ist dann oft um eine nicht sicher auszuschließende Erkrankung.[3]

"Wenn die Besorgnis des Hypochonders sich zur wahnhaften Überzeugung, zur Wahngewissheit steigert, schwer, unheilbar krank, einem Siechtum, dem Tod geweiht zu sein, dann nennt man das hypochondrischen Wahn (Scharfetter 2018).[4]

Beispiele

Wegen der wahnhaften Vorstellung, an Demenz erkrankt zu sein, lässt sich ein Patient immer wieder untersuchen („Doctor hopping“) und denkt an Selbsttötung.[2]

Diagnose

Das Syndrom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert.[5] Es können z. B. folgende Fragen gestellt werden: „Haben Sie das Gefühl, mit Ihrem Körper ist etwas nicht in Ordnung?“ „Fürchten Sie, an einer Krankheit zu leiden, die die Ärzte noch nicht erkannt haben?“ „Können Sie es glauben, daß Sie körperlich gesund sind, wenn ihnen die Ärzte das sagen?“[6] Meist wird der Patient seine Wahngedanken jedoch offen aussprechen.

"Man muss sich vor dem weitverbreiteten Denken in Alternativen hüten: Entweder ist der Patient ein Hypochonder oder er ist körperlich krank. Er kann sehr wohl beides sein. Nur die sorgfältige Berücksichtigung sowohl des körperlichen Befundes wie auch der Persönlichkeit erlauben die adäquate (passende) Gewichtung der verschiedenen Komponenten (Teile).(Haug 2017)[5]

Abgrenzung (Differentialdiagnose)

Das ICD-11 beschreibt eine Krankheitsangststörung im Rahmen von Zwangsstörungen.

Hypochondrie: Grundlegend sind Ängste, nicht Überzeugungen.

Körperhalluzinationen: dies sind Sinnestäuschungen (z. B., berührt zu werden), nicht Überzeugungen.

Beziehungswahn: Der Patient bezieht Erlebnisse oder Beobachtungen auf sich. Er beschäftigt sich nicht in erster Linie mit seinem Körper.

Körperdysmorphe Störung: Beschäftigung mit Makeln oder Fehlern im Aussehen.

Nihilistischer Wahn: Das Cotard-Syndrom ist die unspezifische Überzeugung, nicht existent zu sein, zu verwesen, nur zum Schein zu leben etc.

Behandlung

Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der psychotischen Erkrankung. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes kommt der medikamentösen Therapie die entscheidende Rolle zu. Mit dem Behandlungsfortschritt treten der Wahn wie andere psychotische Symptome zuerst in den Hintergrund, werden ev. in Frage gestellt und verschwinden dann allmählich. Nach Abklingen der Erkrankung sind die Wahngedanken dem Patienten dann nicht mehr verständlich und zugänglich.[7]

Literatur

Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes), 11. Aufl., 2023, hogrefe ISBN 978-3-8017-3193-9.

Einzelnachweise

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