Hüseyin Doğru

deutscher Journalist und Medienunternehmer (1983–) From Wikipedia, the free encyclopedia

Hüseyin Doğru (geboren am 28. Mai 1983 in Frankfurt am Main) ist ein deutsch-türkischer Journalist. Er wurde als Gründer und Betreiber der Website Red (auch Red Media) bekannt.

Im Mai 2025 wurden Doğru und AFA Medya vom Rat der Europäischen Union sanktioniert. Der Rat begründete die Listung damit, Doğru sei Gründer und Vertreter von AFA Medya, die Red betreibe. Red hat nach Darstellung des Rates enge finanzielle und organisatorische Verbindungen zu Akteuren russischer Staatspropaganda, er verbreite falsche Informationen, um „ethnische, politische und religiöse Zwietracht zu säen“. Doğru und Red wiesen diese Vorwürfe zurück.

Leben und Wirken

Doğru, der türkisch-kurdische Wurzeln hat,[1] wurde am 28. Mai 1983 in Frankfurt am Main geboren.[2] Der EU-Rechtsakt führt Doğru mit türkischer Staatsangehörigkeit;[3] Jacobin berichtete dagegen, dies sei fehlerhaft und Doğru besitze seit seiner Einbürgerung ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft.[4] Nach Erwerb des Fachabiturs studierte er Soziale Arbeit.[5][6] Im Anschluss war er in den 2010er Jahren in der Flüchtlingshilfe mit Schwerpunkt auf Minderjährigen tätig.[7] Nach eigenen Angaben kam Doğru im Rahmen der Gezi-Proteste 2013 mit Video und Film in Kontakt.[8] Er arbeitete ab 2017[9] für das Videoformat Redfish, das zu Ruptly und damit zum RT-Netzwerk gehörte.[10][11] Nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 beendete er nach eigenen Angaben diese Tätigkeit.[12]

Doğru gründete daraufhin Anfang 2023 die Medienplattform Red, die über die in Istanbul registrierte Firma AFA Medya A.Ş. betrieben wurde.[10] Die Plattform veröffentlichte Beiträge zu internationalen Konflikten, insbesondere zum Krieg in Israel und Gaza sowie zu propalästinensischen Protesten in Deutschland.[10][11] Den Krieg in der Ukraine thematisierte Red kaum; Doğru äußerte teilweise Kritik an der russischen Invasion.[13] Nach Doğrus Darstellung finanzierte sich Red aus Spenden und privaten Ersparnissen.[4] Mehrere frühere Redfish-Mitarbeitende arbeiteten später auch für Red.[14]

Das Auswärtige Amt erklärte im Juli 2025, Red werde nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden von Russland gezielt zur Informationsmanipulation eingesetzt;[15][16] Red wies entsprechende Vorwürfe zurück.[17]

Doğru ist verheiratet und Vater dreier Kinder.[12][18]

EU-Sanktionen und Folgen

Am 20. Mai 2025 wurde Doğru vom Rat der Europäischen Union im Rahmen von Maßnahmen gegen destabilisierende Aktivitäten im Zusammenhang mit Russland in die Sanktionsliste aufgenommen.[19][3] In der Listenbegründung wird unter anderem auf die Berichterstattung von Red über die Besetzung der Humboldt-Universität 2024 im Zusammenhang mit Protest gegen den Krieg Israels in Gaza verwiesen. Die EU wirft Red außerdem vor, „systematisch falsche Informationen über politisch kontroverse Themen“ zu verbreiten, um „ethnische, politische und religiöse Zwietracht“ zu erzeugen. Red verbreite „Narrative über radikalislamische terroristische Gruppierungen wie die Hamas“. AFA Medya unterstütze dadurch Handlungen der russischen Regierung.[3] Doğru wies diese Vorwürfe zurück.[12][13] Red gab im Mai 2025 seine Auflösung bekannt, jedoch blieben Website und Social-Media-Kanäle zunächst weiter online.[17] In der Regierungspressekonferenz vom 2. Juli 2025 erklärte das Auswärtige Amt, die Bundesregierung beobachte Red seit Monaten und man habe „die Hintermänner“ gemeinsam mit EU-Partnern mit Sanktionen belegt.[15]

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung legte die EU bisher (Stand Juni 2026) keine Belege für Verbindungen Doğrus nach Russland vor. Doğrus Anwalt Alexander Górski zufolge handelte es sich bei den Beweisdokumenten, die die EU auf Anfrage vorlegte, ausschließlich um öffentlich zugängliche Äußerungen Doğrus, etwa in sozialen Medien. Konkrete Verbindungen nach Russland, beispielsweise durch Finanztransaktionen oder E-Mails, habe die EU nicht nachgewiesen.[13]

Infolge der Sanktionen wurden Doğrus Bankkonten eingefroren und gegen ihn wurde ein EU-Einreiseverbot verhängt, obwohl er in Berlin lebt.[20] Zeitweise waren auch die Konten seiner Frau und seiner Mutter gesperrt worden.[13] Seitdem darf Doğru pro Monat 506 € für Grundbedürfnisse verwenden. Weiteres Geld darf er nicht erhalten.[21.1]

Jacobin berichtete, die Zeitung Junge Welt habe Doğru einstellen wollen. Die Bundesbank habe demnach jedoch mitgeteilt, eine Beschäftigung könne als verbotene Bereitstellung wirtschaftlicher Ressourcen gewertet werden.[4]

Am 20. Mai 2026 unterzeichneten unter anderem Jeremy Corbyn, Yanis Varoufakis, Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht eine Petition zur Bekundung von Solidarität mit Doğru. FAZ-Redakteur Harald Staun verortete die Unterzeichner bei einer „populistischen ,Linken‘“ und bezeichnete sie als „Demagogen“ und als „Bündnis notorischer Russlandfreunde und Querdenker“; einige von ihnen seien BDS-Anhänger. Zu den journalistischen Unterzeichnern, denen Staun eine Skandalisierung der Sanktionen vorwirft, zählen neben dem ehemaligen Online-Chef des staatlichen russischen Propagandasenders RT DE, Florian Warweg, auch die Chefredakteure der linken Tageszeitung Junge Welt, der die FAZ die Verbreitung russischer Propaganda attestiert. Sie würden die Sanktionen als Versuch der Bundesregierung darstellen, pro-palästinensische Ansichten zu unterdrücken.[13][22]

Gegen die Sanktionierung hat Doğru Klage beim Gericht der Europäischen Union eingereicht.[21.2]

Commons: Hüseyin Doğru – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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