Ignaz Friedrich von Gruben
Gruben, Ignaz Friedrich Maria Joseph Anton Apollinaris Canutus Freiherr von | 19. Januar 1763 in Bonn/Kurköln | † 30. August 1823 in München | Jurist | Aschaffenburg, Wetzlar |
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Ignaz Friedrich von Gruben, mit vollem Namen Ignaz Friedrich Maria Joseph Anton Apollinaris Cantus Freiherr von Gruben (* 19. Januar 1763 in Bonn; † 30. August 1823 in München[1]), war von 1793 bis zur Auflösung des Reichskammergerichts 1806 dort Assessor (Richter), nach dessen Auflösung 1806 Verwaltungsbeamter im Großherzogtum Frankfurt und anschließend im Königreich Bayern.
Herkunft und Familie
Ignaz Friedrich von Gruben war der älteste Sohn von Konstantin von Gruben (1712–1788), ebenfalls Jurist, der Richter- und Verwaltungspositionen im Kurfürstentum Köln innehatte und Syndikus der Kurkölner Ritterschaft war.[2] Dessen Vater wiederum, also der Großvater von Ignaz Friedrich von Gruben, war Bürgermeister des kurkölnischen Ahrweiler gewesen.[3] Die Mutter von Ignaz Friedrich von Gruben war Maria Anna Josepha Antoinetta Theresia Walburga, geborene Freifrau von Vogelius (1736–1784).[4] Einer der Brüder von Ignaz Friedrich von Gruben, Peter Joseph von Gruben, war ebenfalls Jurist und zuletzt Oberappellations- und Regierungsrat in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und dann im Großherzogtum Hessen, dessen Gesandter am Bundestag er auch wurde.[5] Ein jüngerer Bruder, Franz Heinrich von Gruben (1774–1848), wurde erster königlich-preußischer Landrat des Kreises Ahrweiler. Der Großvater mütterlicherseits, Gerhard Georg Wilhelm von Vogelius, und der Großvater seiner Ehefrau, Philipp Karl von Deel, waren beide Assessoren am Reichskammergericht gewesen. Grubens Schwiegervater war Direktor der Geheimen Hofkanzlei und Konferenzminister von Kurmainz. Dieser familiäre Hintergrund führte dazu, dass der ja eigentlich mit Kurkölner Hintergrund antretende Ignaz Friedrich von Gruben durch Kurmainz als Assessor für das Reichskammergericht nominiert wurde.[6]
Ignaz Friedrich von Gruben heiratete Maria Katharina Freifrau von Deel zu Deelsburg (1764–1848). Gemeinsam hatten sie elf Kinder[7], darunter vier früh verstorbene und
- Auguste Helene Ursula (1796–1872). Sie heiratete 1843 Agosto Conte Avogadro di Colombiano, Gesandter des Königreichs Sardinien am königlich-bayerischen Hof in München.
- Franz Joseph Friedrich Johann (1796–1855), königlich-bayerischer Kämmerer in Regensburg.
Ausbildung
Ignaz Friedrich von Gruben studierte an der Universität Bonn, 1777 bis 1779 Philosophie und ab dann bis 1782 Rechtswissenschaften. Anschließend war er 1783/84 für eineinhalb Jahre Praktikant am Reichskammergericht und am Reichshofrat.[8] Er trat 1785 als Hof- und Regierungsrat in kurkölnische Dienste.[9]
Wirken
Bereits 1781 – also noch während seines Studiums und neben seinem Vater – wurde er Syndikus der kurkölnischen Ritterschaft.[10] Dieser frühe Einstieg in die Kurkölner Verwaltungsstrukturen beruhte auf seinen familiären Beziehungen. Er war dem kurkölnischer Staats- und Konferenzminister Johann Christian von Waldenfels (1742–1796) unterstellt, der 1774 bis 1784 Assessor am Reichskammergericht gewesen war.[11] Neben seinen Funktionen als kurkölnischer Hof- und Regierungsrat in Bonn, war er Kommissar für das Schulwesen in Kurköln und zwei Jahre lang Landtagskommissar auf dem Westfälischen Landtag. 1790 war er als Geheimer Legationsrat Teil der Kurkölner Delegation auf dem Wahlkonvent, der in Frankfurt am Main Leopold II. zum Kaiser wählte. 1791 wurde er Oberappellationsgerichtsrat in Bonn.[12]
Seit 1788 war Gruben als Nachfolger für die Seitens Kurmainz zu besetzende Assessoren-Stelle am Reichskammergericht vorgesehen. Als der Mainzer Assessor Franz Wilhelm Loskand 1791 zurücktrat, dauerte es nur eine Woche, bevor Ignaz Friedrich von Gruben seitens Mainz als Nachfolger vorgeschlagen wurde. Dass der Kurkölner Gruben von Kurmainz für das Amt vorgeschlagen wurde, verdankte er seinem Schwiegervater, einem der höchsten Beamten in Kurmainz. Bei dem vor dem Reichskammergericht erforderlichen Examen schnitt er nicht so gut ab und seine Zulassung als Assessor erfolgte nur mit knapper Mehrheit.[13] Er verfasste daraufhin eine Dissertation und wurde von der Universität Bonn, wenige Tage bevor er den Amtseid am Reichskammergericht ablegte, 1793 zum Dr. jur. promoviert.[14]
1802 bewarb sich Gruben vergeblich um die vakant gewordene Stelle des kurmainzischen Gesandten beim Reichstag in Regensburg. Aber nicht er, sondern sein späterer Vorgesetzter im Großherzogtum Frankfurt, Franz Joseph von Albini, erhielt den Posten.[15]
Nach Auflösung des Deutschen Reiches und damit auch des Reichskammergerichts 1806, wechselte Ignaz Friedrich von Gruben in die Dienste des ehemaligen Erzbischofs von Mainz und nunmehrigen Fürstprimas des Rheinbundes, Karl Theodor von Dalberg, zunächst mit Dienstsitz in Regensburg, dann in Aschaffenburg, wo er als Geheimer Staatsrat die Regierung des Großherzogtums Frankfurt repräsentierte. Er war Vorsitzender der Kommission zur Einführung des Code civil im Großherzogtum und nahm auch diplomatische Aufträge in Nachbarstaaten wahr. Ab 1812 war er Staatskommissar für das Departement Aschaffenburg.[16]
Mit der Übernahme von Aschaffenburg durch Bayern 1814 wurde Ignaz Friedrich von Gruben auf eigenes Ersuchen in königlich-bayrische Dienste übernommen. 1814 bis 1817 organisierte er als „Besitzergreifungskommissar“ den Übergang des Departements Aschaffenburg in die bayrische Verwaltung und die Anpassung der Gerichtsstrukturen. 1816 war er zugleich Bevollmächtigter Bayerns beim Bundestag in Frankfurt am Main.[17] Dabei war er allerdings wenig erfolgreich.[18] Ab 1817 war er als „Wirklicher Staatsrat“ bis zu seinem Tod 1823 in München tätig.[19]
Ehrungen
Ignaz Friedrich von Gruben wurde zusammen mit seinen Brüdern 1805 von Kaiser Franz II. in den Reichsfreiherrenstand erhoben.[20]
In bayerischen Diensten ernannte ihn König Maximilian I. zum Kammerherrn.[21]
Literatur
- Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter. Verfassung und Sozialstruktur eines höchsten Gerichts im Alten Reich – Teil 2, Band 1: Biografien (= Friedrich Battenberg, Albrecht Cordes, Ulrich Eisenhardt, Peter Oestmann, Wolfgang Sellert (Hg.): Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Band 26). Böhlau, Köln u. a. 2003. ISBN 3-412-06503-X
- Otto Renkhoff: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 39). 2. Auflage. Historische Komm. für Nassau, Wiesbaden 1992. ISBN 3-922244-90-4, S. 253, Nr. 1421 [teils nicht zutreffende Angaben]
Weblinks
- Gruben, Friedrich Ignaz Freiherr von. In: Lagis – Hessische Biografie; abgerufen am 25. März 2026.