Ignazio Sieber

italienischer Flötist, Oboist und Komponist des Barock From Wikipedia, the free encyclopedia

Ignazio Sieber (* um 1680 in Mailand; † 1761 wahrscheinlich in Venedig) war ein italienischer Flötist, Oboist und Komponist des Barock.

Leben und Werk

Über das Leben von Ignazio Sieber ist wenig bekannt. Seine Vorfahren stammen mit großer Sicherheit von nördlich der Alpen,[1] möglicherweise entstammt er einer in Österreich und Böhmen tätigen Orgelbauer-Familie (vgl. Johann David Sieber).[2.1] Alle über ihn bekannten Dokumente verweisen auf ein Wirken in Italien. Er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit jenem Ignazio Siber identisch, der mehrfach als Instrumentalist und Instrumentallehrer nachweisbar ist.[3] 1697 wurde er Nachfolger von Onofrio Penati als Oboist an der Kapelle von San Marco in Venedig.[4] Vermutlich wirkte er 1708 in Rom als Oboist an der Uraufführung von Georg Friedrich Händels La Resurrezione mit.[2.2][1] Später ist er in zwei Wirkungsperioden am Ospedale della Pietà in Venedig nachweisbar: zunächst war er von 1713 bis 1716 dort Maestro di oboe.[5] Er war dort demnach Kollege von Antonio Vivaldi, und stilistische Ähnlichkeiten seiner Werke mit Kompositionen Vivaldis sprechen für eine Identität dieses Lehrers mit dem Komponisten.[6] Ab 1716 scheint Sieber einige Jahre in Rom gelebt zu haben. 1728 wurde er zum Maestro di traversiè des Ospedale berufen,[2.3] auch 1730 sowie von 1750 bis 1757 taucht er in den Gehaltslisten in dieser Funktion auf.[3] Die Tatsache, dass Sieber der erste war, der als Lehrer für die Traversflöte eingestellt wurde, ist ein Indiz für die gestiegene Attraktivität dieses Instruments, das sich zu jener Zeit allmählich gegen die Blockflöte durchsetzte.[7] Zwischen 1730 und 1758 gehörte Sieber ferner als piffaro der Hofkapelle der Dogen an, und von 1748 bis 1760 außerdem wieder der herzoglichen Kapelle an San Marco.[6] Er gehörte der venezianischen Musikergilde Santa Cecilia an, ab 1743 als deren priore, die ihm 1757 eine Krankheitszahlung leistete und 1761 für seine Begräbniskosten aufkam.[5]

Seine erhaltenen Kompositionen umfassen eine Sammlung von sechs Sonaten für Blockflöte und Basso continuo, die zusammen mit sechs weiteren Sonaten von Johann Ernst Galliard um 1716/1717 bei Jeanne Roger in Amsterdam verlegt wurde.[8] Alle sechs Sonaten sind viersätzig im Formschema der Sonata da chiesa (langsam – schnell – langsam – schnell).[3] Rätselhafterweise erschien eine dieser Sonaten Siebers 1717 fast notenidentisch auch in einer Sonaten-Sammlung von Francesco Maria Veracini, was die Frage nach der tatsächlichen Autorschaft dieses Werks aufwirft.[9] Darüber hinaus verfasste er eine Sammlung von Ariette per il traversiere, die in der Sammlung Lobkowicz nachgewiesen war,[10] heute aber verschollen ist.[11][6]

Werke

  • XII sonates à une flûte & une basse continue, dont les 6 premiéres sont de la composition de Monsieur Galliard, qui sont son opera prima & les 6 derniéres de celle de Monsieur Sieber demeurant à Rome. Jeanne Roger, Amsterdam o. J. [ca. 1716/17 – 1722].[8][12]

Notenausgaben

  • Thomas Kügler (Hrsg.): Ignazio Sieber. Sechs Sonaten für Altblockflöte und Basso continuo (= BP 0935). Amadeus Verlag, Winterthur 2003, ISMN 979-0-015-09350-0.[13]

Aufnahmen/Tonträger

  • Ignazio Sieber (c. 1680 – c. 1757). 6 Sonaten für Blöckflöte und Basso continuo. Thomas Kügler. Coviello Classics / DeutschlandRadio Berlin, Berlin 2004, CD 20206.
  • Ignazio Sieber: Six Sonatas for Recorder and Basso continuo. Kohei Koike, Hanako Kamogawa, Toru Yamamoto. ALM 2018.[14]
  • Italian Sonatas 1730. Remembering Naples & Venice. Sieber, Sammartini, Ferronati, Scarlatti, Vivaldi, Mancini. Sabrina Frey, Philippe Grisvard. TYXArt, TXA21166, 2022.
  • Crossing Borders. Sieber: Sonata Nr. VIII g-Moll, und weitere Werke von Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Giuseppe Antonio Brescianello und Francesco Durante. La Serenissima, Adrian Chandler (Dirigent), CD-Booklet. Signum Classics, SIGCD918, 2025.

Literatur

Einzelnachweise

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