Imlunestrant
chemische Verbindung
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Imlunestrant ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Estrogenrezeptor-Degrader (SERD). Unter dem Namen Inluriyo (Hersteller: Eli Lilly) ist er zur Behandlung bestimmter Formen von Brustkrebs zugelassen. Die Verabreichung erfolgt oral (Einnahme).
| Strukturformel | ||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Freiname | Imlunestrant[1] | |||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C29H24F4N2O3 | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse |
Selektive Estrogenrezeptor-Degrader (SERD), Antineoplastika | |||||||||||||||
| Wirkmechanismus |
Estrogenrezeptor-Antagonismus | |||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 524,51 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
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| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||
| Pharmakologische Daten[3] | |
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| Verabreichungsweg | Oral (Einnahme) |
| Bioverfügbarkeit | 32 % |
| Plasmaeiweißbindung | 95 % |
| Maximaler Plasmaspiegel | nach ca. 4 Stunden |
| Halbwertszeit | 30 Stunden |
| Metabolisierung | Cytochrom P450 3A4, Sulfatierung, Glucuronidierung |
| Ausscheidung | Fäzes |
Eigenschaften
Imlunestrant ist eine niedermolekulare nichtsteroidale Verbindung, die chemisch zur Strukturguppe der Azetidine gehört. Das Wirkstoffmolekül hat ein chirales Zentrum, so dass zwei Stereoisomere möglich sind. Imlunestrant ist die (R)-Form. Pharmazeutisch wird sie als Salz der p-Toluolsulfonsäure (1:1) eingesetzt, dem Imlunestranttosilat.[S 1] Imlunestrattosilat ist ein weißes bis gelbes Pulver und unlöslich in Wasser.[4]
Wirkungsmechanismus
Wie die bereits verfügbaren Wirkstoffe Fulvestrant und Elacestrant gehört auch Imlunestrant zur Klasse der selektiven Estrogenrezeptor-Degrader (SERD). Imlunestrant wirkt sowohl am Wildtyp- als auch am mutierten Estrogenrezeptor vom Subtyp α (ERα) antagonistisch und bewirkt dessen Abbau. Dies führt zur Hemmung der estrogenrezeptorabhängigen Gentranskription und der zellulären Proliferation in ER-positiven Brustkrebszellen.[3]
Medizinische Verwendung
Anwendungsgebiet
Das zugelassene Anwendungsgebiet umfasst die Monotherapie von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, wenn die Erkrankung nach einer vorherigen antihormonellen Therapie dennoch weiter fortschreitet. Voraussetzung ist, dass die Krebszellen Estrogenrezeptoren tragen (ER-positiv), jedoch nur wenige oder keine Rezeptoren für den menschlichen epidermalen Wachstumsfaktor namens HER2 (HER2-negativ). Ferner muss in den Krebszellen eine ESR1-Mutation bestehen. Bei Frauen vor der oder im Übergang in die Menopause sowie bei Männern ist die Gabe von Imlunestrant mit einem LHRH-Agonisten zu kombinieren.[3][4]
Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen
Als häufigste Nebenwirkungen wurden erhöhte Leberenzyme (ALT, AST), Müdigkeit (Fatigue), Durchfall, Übelkeit und Erbrechen beobachtet.[3]
Basierend auf Ergebnissen aus Tierversuchen und aufgrund des Wirkmechanismus kann Imlunestrant bei der Verabreichung an schwangere Frauen schädliche Auswirkungen auf den Fetus haben. Eine Schwangerschaft ist vor Behandlungsbeginn auszuschließen; während einer Behandlung und bis zu einer Woche nach Behandlungsende müssen gebärfähige Frauen sowie Männer Verhütungsmittel anwenden.[3] Imlunestrant darf nicht bei stillenden Frauen verwendet werden.[3]
Wechselwirkungen
Aufgrund der Verstoffwechselung unter Beteiligung von CYP3A4 kann es zu Wechselwirungen mit Stoffen kommen, die starke Inhibitoren von CYP3A (bspw. Itraconazol) oder starke Induktoren von CYP3A (bspw. Carbamazepin) sind.[3] Ebenso wurden Wechselwirkungen mit CYP2D6-Substraten, P-Glykoprotein-Substraten und BCRP-Substraten festgestellt.[3] Die Einnahme von Imlunestrant gleichzeitig zu einer fettarmen Mahlzeit bewirkte höhere maximale Plasmaspiegel und eine höhere Bioverfügbarkeit im Vergleich zur Einnahme im nüchternen Zustand.[3]
Klinische Prüfung
Die Zulassung basiert auf der randomisierten, offenen, kontrollierten, multizentrischen Studie EMBER-3[5] an 874 Patienten, in der Imlunestrant mit Fulvestrant oder Exemestan oder einem zusätzlichen experimentellen Kombinationsregime verglichen wurde.[6][3] Eingeschlossen waren prä-, peri- und postmenopausale Frauen sowie Männer über 18 Jahre mit ER-positivem, HER2-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs, die zuvor schon bestimmte Therapien im adjuvanten oder metastasierten Setting erhalten hatten. Die Patienten wurden unabhängig vom ESR1-Mutationsstatus eingeschlossen. Primärer Endpunkt war die durch den Prüfarzt bewertete progressionsfreie Überlebensrate; sekundäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und die objektive Ansprechrate (ORR). Das progressionsfreies Überleben mit Imlunestrant war signifikant länger als mit der Standardtherapie, wenn eine ESR1-Mutation vorlag,[6] nicht aber in der Gesamtpopulation.[5]
Experimentelle Verwendung
Untersucht wird die Anwendung von Imlunestrant in Kombination mit Abemaciclib bei fortgeschrittenem Brustkrebs und als adjuvante Behandlung bei Brustkrebs im Frühstadium.[7][8]
Handelsnamen
Imlunestrant wurde unter dem Handelsnamen Inluriyo (Eli Lilly) in den USA im September 2025[6] und in der EU im Januar 2026[9] als Filmtabletten zugelassen.