Innsbrucker Kommunalbetriebe
kommunales Infrastruktur-Dienstleistungsunternehmen
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Die Innsbrucker Kommunalbetriebe Aktiengesellschaft (IKB) ist ein kommunales Infrastruktur-Dienstleistungsunternehmen. Die Stadt Innsbruck ist mit 50 % und einer Aktie, die TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG mit 50 % minus einer Aktie an der IKB beteiligt.
| Innsbrucker Kommunalbetriebe | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Sitz | Innsbruck, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 1.814 (2025)[1] |
| Umsatz | 386,8 Mio. EUR (2025)[1] |
| Branche | Infrastrukturdienstleistung |
| Website | www.ikb.at |

Geschäftsfelder
Die IKB ist in mehreren kommunalen Versorgungs- und Infrastrukturbereichen tätig. Zu ihren Geschäftsfeldern zählen Strom, Wasser, Abwasserreinigung, Abfallentsorgung, Telekommunikation, Bäder und Saunen sowie Energieservices.[2]
Im Bereich Strom umfasst das Angebot unter anderem den Vertrieb sowie die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft und Photovoltaikanlagen[3] und die Instandhaltung des Stromnetzes.[4] Im Bereich Energieservices werden vor allem Dienstleistungen zu erneuerbaren Energien angeboten.[5]
Der Bereich Telekommunikation verantwortet unter anderem das Datenschutzmanagement und den Ausbau von lokalen Rechenzentren und Breitbandleitungen.[2][6] Hier betreibt die IKB unter anderem Glasfasernetze und bietet Internet- sowie IT-Dienstleistungen für private Haushalte und Unternehmen an.[7]
In der Wasserversorgung ist die IKB für die Versorgung Innsbrucks mit Quellwasser verantwortlich.[2] Jährlich werden 36 Millionen Kubikmeter Wasser bereitgestellt, wovon rund 12 Millionen Kubikmeter verbraucht werden.[8] Die Abwasserentsorgung und -reinigung richtet sich neben der Stadt Innsbruck an 14 weitere umliegende Gemeinden.[2][9]
Im Bereich Bäder betreibt die IKB drei Hallenbäder, ein Freibad, ein Dampfbad und einen Baggersee.[2][10] Seit 2023 sind die Bäder Klimabündnisbetriebe.[11]
Die Abfallentsorgung betreibt die IKB zusammen mit der Abfallwirtschaft Tirol.[12] Neben dem Betrieb einer Recyclinganlage bietet die IKB zudem Problemstoffsammlungen an.[13]
Unternehmensstruktur
Die IKB wird von einem zwölfköpfigen Aufsichtsrat sowie den Vorstandsmitgliedern Thomas Pühringer, Alois Muglach und Christian Nagele geleitet.[14] Von 2003 bis 2021 war Manfried Gantner Aufsichtsratsvorsitzender, im Juli 2021 übernahm Andreas Altmann den Vorsitz des IKB-Aufsichtsrats.[15] Seit 2024 ist Markus Bachlechner Vorsitzender des Aufsichtsrats.[16]
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die IKB einen Umsatz von 386,8 Millionen Euro und beschäftigte durchschnittlich 1.814 Mitarbeiter.[1]
Beteiligungen
Die Beteiligungen der IKB gliedern sich in die vier Teilbereiche Verkehr, Abfalldienstleistungen, Energie und Abwasser.[17]
Verkehr
- Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH 51 %
- Innbus Regionalverkehr GmbH 55 %
- Tiroler Flughafenbetriebsgesellschaft m.b.H 51 %
- E-VO eMobility GmbH 4 %[17]
Abfalldienstleistungen
- Mussmann GmbH 100 %
- Abfallbehandlung Ahrental GmbH 50 %
- Recycling Innsbruck GmbH 50 %
- Bauentsorgungsgesellschaft mbH 49 %
- Bodenaushubdeponie Ahrental GmbH 51 %[17]
Energie
- TIGAS-Erdgas Tirol GmbH 14 %
- Naturstrom Mühlau GmbH 62 %
- Bio Heizwerk Steinach a. Br. GmbH 51 %
- ProContracting Italia GmbH 100 %
- IKB Sonnenstrom GmbH 100 %
- EDA Energiewirtschaftlicher Datenaustausch GmbH 6,66 %[17]
Wasser / Abwasser
- DAWI Kanalservice GmbH 100 %[18]
Geschichte
Frühphase
Die Wurzeln der Innsbrucker Kommunalbetriebe reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück, als zentrale Bereiche der städtischen Infrastruktur zunächst durch private Initiativen aufgebaut wurden.[19.1] Die Gasversorgung begann 1858 mit einem Vertrag zwischen der Stadt Innsbruck und einem privaten Unternehmer zur Beleuchtung öffentlicher Plätze sowie zur Versorgung von Haushalten. Die Gasfabrik nahm 1859 den Betrieb auf und blieb zunächst in privater Hand.[19.2]
Parallel dazu entwickelte sich ab den 1880er-Jahren die Elektrizitätsversorgung, zunächst ebenfalls auf privatwirtschaftlicher Grundlage. Die Stadt sicherte sich dabei vertraglich Einflussmöglichkeiten, etwa hinsichtlich der Nutzung öffentlicher Flächen und der Leitungsführung.[19.3]
Für den Betrieb seiner Mühle errichtete Leopold Rauch 1888 im Innsbrucker Stadtteil Mühlau das erste Kraftwerk. Ein Jahr später begann der Bau des ersten öffentlichen elektrischen Wasserkraftwerks und die Eletricitätswerke Innsbruck (EWI) wurden gegründet. 1897 ging das Kraftwerk in Stadtbesitz über.[20]
Um die Wende zum 20. Jahrhundert übernahm die Stadt sowohl das Gaswerk als auch die Elektrizitätswerke und führte sie als kommunale Betriebe weiter. Diese wurden in den „städtischen Licht- und Kraftwerken“ zusammengefasst.[19.1]
Neben der Energieversorgung baute die Stadt auch die Wasserversorgung, die Kanalisation und die Abfallentsorgung aus. Ab 1903 wurde eine moderne Kanalisation errichtet, um bestehende Systeme zu ersetzen und hygienische Standards zu verbessern.[19.1] Diese Erweiterung war notwendig aufgrund des Bevölkerungswachstums.[19.4]
In den folgenden Jahren wuchs der städtische Besitz an Versorgungsbetrieben kontinuierlich an.[19.5] Weiterhin wurde 1966 ein Mischwasserpumpwerk in Betrieb genommen.[21]
Nationalsozialismus, Wiederaufbau und Wachstum
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die zuvor getrennt organisierten städtischen Versorgungsbetriebe neu strukturiert. Zwischen 1938 und 1940 erfolgte die Zusammenführung zentraler Bereiche wie Gaswerk, Elektrizitätswerke und Wasserversorgung in den neu geschaffenen „Stadtwerken“.[19.6] Personalmangel durch Einberufungen sowie Kriegsschäden während des Zweiten Weltkriegs beeinträchtigten den Betrieb, während gleichzeitig die Anforderungen an die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten werden mussten.[19.7] Insbesondere Luftangriffe ab 1943 führten zu erheblichen Schäden an Anlagen und der Netzinfrastruktur.[19.8]
Nach 1945 begann der Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur. Neben der Entnazifizierung des Personals mussten zudem die Versorgungsanlagen modernisiert werden. Diese Aufgaben erstreckten sich bis in die 1950er Jahre.[19.9]
In den folgenden Jahrzehnten wurden die Stadtwerke weiter ausgebaut und an die neuen Anforderungen der Stadt angepasst. Dazu gehörten unter anderem die Modernisierung der Energieversorgung, die Umstellung von Kohle auf Erdgas, der Ausbau der Kanalisation sowie die Errichtung neuer Anlagen der Abfallentsorgung und Abwasserreinigung.[19.10]
Gründung der Innsbrucker Kommunalbetriebe
Der Gründung der Innsbrucker Kommunalbetriebe ging eine längere Phase struktureller und finanzieller Herausforderungen voraus. Hohe Verschuldung sowie organisatorische Probleme führten dazu, dass die bisherige Form der Stadtwerke zunehmend als reformbedürftig angesehen wurde.[19.8]
Bis 1994 wurden die kommunal-wirtschaftlichen Kerngeschäfte, das Elektrizitätswerk, das Gaswerk und das Wasserwerk als Eigenbetrieb der Stadt Innsbruck als Innsbrucker Stadtwerke geführt. 1994 wurden die Innsbrucker Kommunalbetriebe Aktiengesellschaft (IKB) durch die Einbringung des Elektrizitätswerkes, des Gaswerkes, des Wasserwerkes, der Kläranlage und der Bäderbetriebe[22] gegründet.[23][24] Die IKB beteiligte sich zudem mit 51 % an der Mülldeponie sowie mit 96 % an der Innsbrucker Verkehrsbetriebe AG und der Stubaitalbahn AG.[22] 1995 begann der Aufbau eines Glasfasernetzwerkes durch die IKB.[24] Im Jahr 1998 erweiterte die IKB ihre Geschäftsbereiche und kaufte die Kanalisation und die städtische Müllabfuhr von Innsbruck.[22]
2002 verkaufte der bisherige Alleineigentümer, die Stadt Innsbruck, 25 % plus eine Aktie an die Tiroler Wasserkraft AG TIWAG. 2003 wurde der Geschäftsbereich Gas ausgegliedert und mit der TIGAS fusioniert.[23] Seit 2006 hält der Landesenergieversorger TIWAG 50 % minus eine Aktie der IKB.[25] Im Jahr 2010 gründete die IKB das Tochterunternehmen für E-Mobilität, Electro-Drive, welches im Stadtgebiet mehrere Ladestationen für E-Fahrzeuge errichtete.[26]
Jüngere Entwicklungen
Den Ausbau der Elektromobilität, den die IKB ab 2010 mit dem Tochterunternehmen Electro-Drive begonnen hatte, setzte sie in den Folgejahren fort: 2022 errichtete sie unter anderem Ladestationen in Mutters,[27] Absam[28] und Arzl.[29]
Im Bereich der Abfallwirtschaft nahm die IKB 2011 zusammen mit der Abfallwirtschaft Tirol das Recycling Zentrum Ahrental in Betrieb.[12] Zuvor war der Müll auf Deponien gelagert und zugeschüttet, später auch sortiert und verbrannt worden; seither wird er für die thermische Energieverwertung genutzt, wobei die freigesetzte Energie von Industrieanlagen als Ersatz für fossile Brennstoffe dient. 2022 wurde die millionste Tonne Abfall verarbeitet.[30][12]
Im Bereich der Sonnenenergie ist die IKB seit 2011 aktiv, das Geschäftsfeld wird über die Tochtergesellschaft IKB Sonnenstrom GmbH betrieben. In den Folgejahren stattete das Unternehmen schrittweise mehrere eigene Gebäude und Anlagen mit Photovoltaik aus. Bis 2025 betrieb die IKB rund 35 eigene Photovoltaikanlagen, die zusammen etwa sieben Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugten.[31] Zu diesen Anlagen zählen unter anderem eine 2020 im Rahmen des Projekts Sinfonia auf dem Umspannwerk Mitte errichtete Photovoltaikanlage[3] sowie eine fassadenintegrierte Anlage am Umspannwerk Ost.[31]
Im Rahmen des EU-Projekts Sinfonia setzte die IKB ab 2014 verschiedene Projekte im Bereich der erneuerbaren Energie um.[3][5] Ziel von Sinfonia war die Senkung des Energiebedarfs und des CO2-Ausstoßes sowie die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien. Eines dieser Projekte war das Smart-City-Lab, in dem die IKB fossile Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzte und die Strom- und Wärmenetze zu einem Hybridnetz verband.[5][32]
Daneben betreibt die IKB ein Blockheizkraftwerk, in dem Deponiegase als Energiequelle genutzt werden. 2022 modernisierte sie das Kraftwerk und steigerte die Energieausbeute um 15 %.[33][34] Zudem baute sie die Biomassevergasung an ihrem Klärwerksstandort in Rossau aus[35] und setzte durch Biomasse betriebene Gasmotoren ein. 2015 stellte die IKB in über 20 Tiroler Gemeinden die Straßenlaternen auf Leuchtdiodentechnik um,[36] 2022 verkürzte sie zur Energieeinsparung zudem die Beleuchtungszeiten im Stadtgebiet.[37]
Auch in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur investierte die IKB. 2021 schloss sie mehrere Bauarbeiten ab, darunter die Sanierung des Mischwasserpumpwerks von 1966[21] sowie die Arbeiten an der von 1901 bis 1903 errichteten Wehranlage Matrei.[38] Ende März 2022 begann die IKB die Sanierung und Erweiterung der Mühlauer Quelle, für die sie 26 Millionen Euro investierte.[39]
2026 nahm die IKB am Kraftwerk Obere Sill in Schönberg im Stubaital nach eigenen Angaben den ersten Großbatteriespeicher Tirols in Betrieb. Der Speicher weist eine Leistung von rund 3,5 Megawatt sowie einen Energieinhalt von etwa 7 Megawattstunden auf; die Investitionskosten lagen bei rund 2,5 Millionen Euro.[40]
Auszeichnungen
In der Kategorie national tätiger Unternehmen der Austria’s Leading Companies Awards erzielte die IKB 2020 den ersten Platz, nachdem sie zwei Jahre zuvor den zweiten Platz belegt hatte.[41] Im selben Jahr gewann die IKB den zweiten Platz bei den Stadtwerke-Awards.[42]
Für ihren Nachhaltigkeitsbericht erhielt sie mehrfach den ASRA-Award, welcher die besten Nachhaltigkeitsberichte von österreichischen Wirtschaftsunternehmen würdigt.[35] 2019 zeichnete das internationale Marktforschungs- und Beratungsunternehmen EuPD Research die IKB zum zweiten Mal mit dem Energiewende-Award aus.[43]
