Isadore Channels

US-amerikanische Tennisspielerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Isadore Channels (* 1. Februar 1900 in Louisville, Kentucky; † 30. Juni 1959 in Sikeston, Missouri) war eine US-amerikanische Tennis- und Basketballspielerin. Von 1922 bis 1924 sowie 1926 – in Zeiten der Segregation – gewann sie insgesamt vier Einzeltitel bei den nationalen afroamerikanischen Tennismeisterschaften.

Werdegang

Frühe Jahre

Isadore Channels war die einzige Tochter des Landarbeiters Allen Channels und seiner Frau Fannie. Sie wurde am 1. Februar 1900 in Louisville geboren. Der amerikanische Autor Robert Pruter, der Channels’ Lebensgeschichte hundert Jahre später gemäß zeitgenössischer Quellen rekonstruierte, vermutet, dass sich ihre Eltern vor 1910 scheiden ließen und Isadore Channels anschließend – spätestens aber 1916 – zusammen mit ihrer Mutter aus ihrer Heimat in Kentucky nach Chicago zog. Somit war Channels Teil der frühen Great Migration, die Millionen von Afroamerikanern aus den Südstaaten in den industrialisierten Norden führte.[1.1]

Tennislaufbahn

In Chicago begann Channels 1919 mit dem Tennistraining beim Prairie Tennis Club, einem privaten, von Afroamerikanern geleiteten Verein, dem die führenden schwarzen Spieler der Stadt angehörten.[1.2] Der Prairie Tennis Club war Teil der 1916 gegründeten American Tennis Association (ATA). Die ATA organisierte ab den späten 1910er-Jahren nationale Tennismeisterschaften für Schwarze, die wegen der Segregation in den Vereinigten Staaten bis Mitte des 20. Jahrhunderts nicht gegen weiße Tennisspieler antreten durften.[1.3] Channels, die 1920 erstmals afroamerikanische Stadtmeisterin in Chicago geworden war, belegte im September 1921 den zweiten Rang bei den nationalen ATA-Meisterschaften nach einer Finalniederlage gegen Lucy Slowe aus Baltimore. Nach Einschätzung Robert Pruters war Channels’ zweiter Platz eine Überraschung, weil bis dahin die führenden ATA-Spielerinnen allesamt von der Ostküste stammten.[1.4]

1922 wurde Channels in Philadelphia mit einem Sieg gegen die New Yorkerin Lottie Wade zum ersten Mal ATA-Meisterin. Sie verteidigte ihren Titel ein Jahr später vor heimischem Publikum in Chicago erfolgreich mit einem weiteren Finalsieg gegen Wade.[1.5] Die afroamerikanische Presse in Chicago bejubelte Channels in diesen Jahren: Sportjournalisten lobten unter anderem ihre starke Rückhand sowie ihr athletisches Spiel und zogen Vergleiche zu den besten weißen Spielerinnen ihrer Zeit, der Französin Suzanne Lenglen und der Amerikanerin Helen Wills Moody.[1.6] Bei den ATA-Meisterschaften 1924 setzte sich Channels gegen die 16-jährige Lulu Ballard aus Philadelphia durch und gewann außerdem (an der Seite der New Yorkerin Emma Leonard[2]) den Titel im Damendoppel. Insgesamt nahmen an dem Turnier 38 Frauen teil. Die Finalspiele fanden vor rund 2000 Zuschauern statt.[1.7]

In den folgenden vier Jahren standen sich Channels und Lulu Ballard stets im Finale der nationalen afroamerikanischen Meisterschaften im Dameneinzel gegenüber. Ballard siegte 1925, 1927 und 1928, Channels war 1926 ein insgesamt viertes und letztes Mal erfolgreich.[1.8] Ab 1930 zog sich Channels weitgehend aus Einzelturnieren zurück und wurde in den Folgejahren nicht mehr in den Ranglisten der ATA geführt.[1.9] Zu diesem Zeitpunkt hatte Ora Washington aus Philadelphia bereits ihre ersten ATA-Titel gewonnen. Washington wurde in den 1930er-Jahren die dominante schwarze Tennisspielerin. Ihre Erfolge – darunter acht nationale Meisterschaften im Einzel – stellten nach Einschätzung Robert Pruters Channels’ Vermächtnis deutlich in den Schatten.[1.10]

Basketballlaufbahn und Arbeitsleben

Neben ihrer Tenniskarriere begann Isadore Channels in der Saison 1920/21 zusätzlich mit dem Basketballspiel im Team der neugegründeten Roamer Girls, die von Sol Butler trainiert wurden. Die Roamer Girls waren eines der frühesten schwarzen Amateur-Basketballteams in Chicago und spielten nach Männerregeln, was in den 1920er-Jahren ungewöhnlich war.[1.11] Anders als im Tennis trat Channels im Basketball auch gegen weiße Gegnerinnen an.[1.12] Die Roamer Girls schnitten im Vergleich mit anderen Mannschaften aus dem Chicagoer Raum mittelmäßig ab und erreichten nie die Finalspiele der Central Amateur Athletic Union (AAU).[1.13] Channels spielte bis 1926 und später noch mehrmals für kürzere Zeiträume (1929/30 und 1933) für die Roamer Girls.[1.10] In Medienberichten wurde sie teilweise als beste Spielerin des Teams bezeichnet.[1.14]

Von 1924 bis 1926 – also bereits im fortgeschrittenen Alter von Mitte zwanzig – besuchte Channels die Phillips High School in der Chicagoer South Side, nachdem sie zuvor als Packerin gearbeitet hatte. Die Phillips High School war die einzige überwiegend afroamerikanische High School in Chicago.[1.12] Channels betätigte sich im Sportrat der Schule, trainierte das Tennisteam der Mädchen und spielte Captain Basketball, eine abgeschwächte Variante des Spiels, bei dem der Ball nicht in einen Korb geworfen, sondern zur Teamkapitänin gespielt werden musste.[1.15] Im Juni 1926 machte Channels ihren High-School-Abschluss.[1.10]

In den späten 1920er-Jahren absolvierte Channels in Roanoke, Virginia, eine Ausbildung zur Krankenschwester.[1.9] Sie arbeitete in den 1930er-Jahren in Krankenhäusern in Atlanta sowie in Knoxville, Tennessee. Ihre Mutter Fanny, mit der sie stets gemeinsam umzog, starb im Juli 1936. Spätere Lebensstationen von Channels waren St. Louis und Sikeston im Bundesstaat Missouri, wo sie erst in der öffentlichen Gesundheitsfürsorge (als Public Health Nurse) und später als Schulkrankenschwester arbeitete.[1.16] In den 1950er-Jahren litt sie an verschiedenen gesundheitlichen Problemen, darunter Diabetes. Sie starb am 30. Juni 1959, ohne bekannte Angehörige zu hinterlassen.[1.17]

2011 wurde Isadore Channels in die Black Tennis Hall of Fame aufgenommen.[1.17]

Literatur

  • Robert Pruter: Isadore Channels: The Recovered Life of a Great African American Sports Star. In: Gerald R. Gems (Herausgeber): Before Jackie Robinson: The Transcendent Role of Black Sporting Pioneers. University of Nebraska Press, Lincoln 2017, ISBN 9780803296688. S. 179–203. In einer bearbeiteten verkürzten Version online verfügbar.

Einzelnachweise

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