Istituto Centrale per la Grafica

Museum für Grafik in Rom, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

Istituto Centrale per la Grafica (Zentralinstitut für Grafik) ist seit Dezember 2014 der Name für das 1975 gegründete Istituto Nazionale per la Grafica (Nationalinstitut für Grafik) mit Sitz in Rom, Rione Trevi, zu dem die Nationale Chalkographie (Calcografia Nazionale) und die Nationale Sammlung für Druckgrafik (Gabinetto Nazionale delle Stampe) zusammengelegt wurden. Die Einrichtung beherbergt in zwei benachbarten Gebäuden, dem Palazzo della Calcografia und dem Palazzo Poli, die staatlichen Sammlungen von Druckplatten, Druckgrafiken, Zeichnungen, Künstlervideos und Fotografien. Deren kontinuierliche Analyse spielt eine zentrale Rolle in der Erforschung und Rezeption grafischer Werke Italiens.

Haupteingang des Istituto Centrale per la Grafica in der Via della stamperia

Entstehung

Calcografia Nazionale

Die ehemalige Calcografia Nazionale hatte ihren Ursprung in der päpstlichen Calcografia Camerale. Mit Urkunde vom 3. März 1738 war die bedeutende Druckplattensammlung der Stamperia De Rossi alla Pace gegen ein Entgelt von 45.000 Scudi in das Eigentum der Apostolischen Kammer übergegangen. Auch nach sechs Jahren war keine einvernehmliche Einigung erzielt worden; der Erbe hatte 60.000 Scudi gefordert. Für zusätzliche 5.000 Scudi wechselte auch die Ausstattung, d. h. die Druckpresse, Papier und weiteres Material den Besitzer.[1]

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts erfolgte die sukzessive Erweiterung der Sammlung durch den Ankauf weiterer Kupferdruckplatten und die Vergabe von Aufträgen an römische Künstler. Das Ziel war eine „Bildfabrik“, ein Instrument politischer Propaganda, um das Bild des Papstes und des päpstlichen Hofes, der Ewigen Stadt und ihrer antiken und modernen Monumente zu verbreiten.[2] Zwei Ereignisse sorgten während dieser Zeit für eine Dezimierung: Zum einen ließ Giuseppe Valadier, in napoleonischer Zeit der Leiter der Einrichtung, 1804 mehrere tausend Druckplatten einschmelzen. Nur die Werke der nach seiner Ansicht schätzenswerten Urheber blieben verschont. 1823 ging Papst Leo XII. mit Platten „obszönen“ Inhalts gleichermaßen vor – oder beauftragte zumindest ihre Überarbeitung. Damit wurde die Calcografia zu einem „primär musealen Institut“.[3]

Mit dem Ende des Kirchenstaates und der Proklamation Roms zur Hauptstadt des Königreichs Italien gelangte die Calcografia 1870 unter staatliche Kontrolle, zuerst als königliche, ab 1946 als nationale Einrichtung. Ihr Kurs entwickelte sich vom Reproduzieren, d. h. vom reinen Übertragen großer Meisterwerke in das Medium der Druckgrafik, hin zum künstlerischen Produzieren und Experimentieren.[2]

Gabinetto Nazionale delle Stampe

Das 1895 gegründete Nationale Kupferstichkabinett vereint zwei Hauptsammlungen: den Fondo Corsini und den Fondo Nazionale.

  • Fondo Corsini: Im Jahr, in dem Lorenzo Corsini als Clemens XII. den Papstthron bestieg (1730), begann sein Neffe Fürst Neri Maria Corsini mit dem Ausbau der Familienbibliothek, die 1733 in sein Eigentum überging. Kardinal Corsini förderte den Ausbau der Zeichnungs- und Druckgrafiksammlung durch Ankäufe und Tauschgeschäfte mit anderen Sammlern. 1883 ging die Biblioteca Corsiniana als Geschenk an die Accademia dei Lincei. Auf Betreiben des Kunsthistorikers Adolfo Venturi wurde ein Teil der Sammlung 1895 in den Grundstock des zur Erhaltung und Erforschung grafischer Werke eingerichteten Kabinetts aufgenommen.[4]
  • Fondo Nazionale: Für die Aufnahme der Neuerwerbungen wurde die Nationale Sammlung gegründet. Sie umfasste sowohl Drucke und Zeichnungen von Strömungen, Künstlern oder Schulen, die nicht zum ursprünglichen Fondo Corsini gehörten, als auch Werke des 19. und 20. Jahrhunderts (wie beispielsweise Goyas Drucke).[4]

Zusammenführung

Gebäudekomplex mit den Palazzi Poli (links) und della Calcografia (rechts)

Die Calcografia Nazionale und das Gabinetto Nazionale delle Stampe wurden 1975 zum Istituto Nazionale per la Grafica (Nationalinstitut für Grafik) zusammengeschlossen. 2008 erfolgte die Zusammenlegung an einem einzigen Standort – durch die Verbindung der benachbarten Gebäude Palazzo della Calcografia und Palazzo Poli. Per Ministerialdekret (DPCM vom 29. August 2014, Nr. 171, Art. 30) erhielt die Einrichtung die Bezeichnung Istituto Centrale per la Grafica (Zentralinstitut für Grafik), die sie seit 10. Dezember 2014 führt. Seit 15. September 2015 genießt das Institut besondere Autonomie.[5]

Die Sammlungen von Matrizen (Druckplatten), Druckgrafiken, Zeichnungen, Künstlervideos und Fotografien werden durch Werkstätten für die fachgerechte Restaurierung sowie eine traditionsreiche Druckwerkstatt ergänzt.[5]

Sammlungen

  • Zeichnungen und Druckgrafik: Etwa 25.000 Zeichnungen und 114.000 Drucke, die die europäische Grafikszene vom 16. bis zum 19. Jahrhundert repräsentieren, stammen aus dem Gabinetto Nazionale delle Stampe. Hinzu kommen knapp 2.800 Zeichnungen und etwa 45.000 sowohl intern als auch extern produzierte Druckgrafiken mit einem Ursprung in der Calcografia Nazionale. Von großem Interesse sind die Vorzeichnungen für Kupferstiche und viele Drucke, die verschiedene Zustände der Druckformen oder deren Restaurierung dokumentieren.[6]
  • Druckplatten (Matrizen): Das Erbe der Calcografia umfasst weiterhin nahezu 24.000 Druckplatten aus Kupfer, Zink, Blei, Stahl, Messing, Holz, Linoleum und Karton. Diese weltweit größte Sammlung präsentiert alle bedeutenden Kupferstecher vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die metallenen Matrizen werden in den speziell für ihre Aufbewahrung konzipierten Räumen der Calcoteca aufbewahrt.[6]
  • Fotografien: Zu den rund 17.000 Bildern zählen Negative, Positive, Daguerreotypien, Ferrotypien und andere Verfahren, sowohl historische als auch zeitgenössische. Mehrere Sammlungen beinhalten verschiedene fotografische Genres: Stadtansichten, Monumentalansichten und Reproduktionen von Kunstwerken sowie Porträts, Landschaften, Kostüme und andere künstlerische Sujets von der Mitte des 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.[6]
  • Zeitgenössische Grafik und Multimedia-Werke: Die grafischen Arbeiten des 20. Jahrhunderts kamen und kommen hauptsächlich durch Spenden von Druckereien, Sammlern und Intellektuellen sowie von den Künstlern selbst oder ihren Erben in das Institut. Der Multimedia-Bereich wurde Ende der 1970er-Jahre geschaffen und bewahrt Videoarbeiten, Experimentalfilme, Multiples, Werke der Computerkunst, die neuesten Ausdrucksformen der Videokunst und Videoanimation und zahlreiche Videos über Techniken.[6][7]
  • Bücher: Die Bibliothek des Zentralinstituts für Grafik ist die Nachfolgerin der Bibliotheken des Gabinetto Nazionale (1895) und der Calcografia (1905). Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung von Artikeln, Monografien, Wörterbüchern und Enzyklopädien zur Grafik auf über 28.000 Bände erweitert.[6]
Commons: Istituto Centrale per la Grafica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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