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Ituri (Provinz)

Provinz der Demokratischen Republik Kongo From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Provinzhauptstadt Bunia aus der Luft (2006)
Blick über den Ituri-Regenwald
Karte des jährlichen Verlusts der Baumbedeckung in der Provinz Ituri. Pixel sind nach dem ersten festgestellten Verlustjahr im Zeitraum von 2001 bis 2024 eingefärbt. Pixel mit einer Baumbedeckung von mindestens 30 % im Jahr 2000 und ohne kartierten Verlust bis 2024 sind grün und solche die bereits im Jahr 2000 unter der 30-Prozent-Schwelle lagen sind weiß dargestellt.
Schnelle Fakten
Ituri
KarteBas-UeleÉquateurHaut-KatangaHaut-LomamiHaut-UeleIturiKasaïKasaï-CentralKasaï-OrientalKinshasaKongo CentralKwangoKwiluLomamiLualabaMai-NdombeManiemaMongalaNord-KivuNord-UbangiSankuruSud-KivuSud-UbangiTanganyikaTshopoTshuapa
Karte
Land Kongo Demokratische Republik Dem. Rep. Kongo
Provinzhauptstadt Bunia
Nationalsprache Kiswahili
Fläche 65.658 km²
Einwohnerzahl 4.392.200 (2020)
Bevölkerungsdichte 66,9 EW/km²
ISO 3166-2 CD-IT
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Ituri ist eine Provinz in der Demokratischen Republik Kongo. Die Region gehört zu den goldreichsten Regionen weltweit. Die Hauptstadt ist Bunia.

Geographie

Ituri liegt im Nordosten des Landes und grenzt im Nordwesten an Haut-Uele, im Nordosten an den Südsudan, im Osten an Uganda, im Süden an Nord-Kivu und im Westen an Tshopo.

Gewässer

Die Provinz liegt auf der Grenze der Einzugsgebiete des Nils und des Kongos.[1] Sie grenzt im Osten an den Albertsee, durch den die Grenze zu Uganda verläuft.

Der Fluss Aruwimi, an seinem Oberlauf Ituri genannt, entspringt in der Provinz.[2]

Flora und Fauna

Im Westen der Provinz liegt der Ituri-Regenwald und darin das 1996 als UNESCO-Weltnaturerbe ausgewiesene Okapi-Wildtierreservat. In diesem leben primär Mbuti-Pygmäen und bantusprachige Bauern. Benannt ist es nach den etwa 5000 darin vorkommenden Okapis, die einen nicht geringen Teil der rund 30.000 frei lebenden Tiere ausmachen. Darüber hinaus sind hier gefährdete Primaten- und Vogelarten verbreitet. Zu den 101 vorkommenden Säugetierarten zählen die Wasserzivette, die Riesenginsterkatze und der Waldelefant.[3]

Innerhalb von Irumu liegt der dicht bewaldete Mont Hoyo (ca. 1450 m) und das ihn umgebende Réserve Naturelle de Mont Hoyo. Dieses wird von BirdLife International als Important Bird Area (IBA) gelistet. Dort kommt insbesondere der stark gefährdete Goldnackenweber (Ploceus aureonucha) vor. An gefährdeten Säugetierarten finden sich zudem ebenfalls das Okapi sowie der Schimpanse, der Semliki-Stummelaffe und die Ruwenzori-Hufeisennase (Rhinolophus ruwenzorii). Der verbliebene Wald, der ein Mosaik aus Primär- und Sekundärwald bildet, wird von Bäumen der Art Cynometra alexandrii dominiert, während im Osten Savannen liegen. Im Hoyo-Massiv gibt es zudem mehrere unterirdische Karstnetzwerke mit Höhlen.[4] Eine weitere IBA ist das Lendu-Plateau, das sich auf der Westseite des Albertsees befindet und auf Höhen zwischen 1700 und 2000 Metern liegt. Es weist nur noch wenige Baumbestände auf und ist hauptsächlich von Gras bewachsen. Hier wurde beispielsweise der als vom Aussterben bedroht eingestufte Lendusylvietta gefunden, der nur von drei Exemplaren bekannt ist.[5]

Verwaltungsgliederung

Die Provinz unterteilt sich in fünf Territorien und die Provinzhauptstadt Bunia:[6][7]

Weitere Informationen Verwaltungseinheit, Typ ...
Verwaltungseinheit Typ Lagekarte
BuniavilleBunia
AruterritoireAru
DjuguterritoireDjugu
IrumuterritoireIrumu
MahagiterritoireMahagi
MambasaterritoireMambasa
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Demographie

Die Einwohnerzahl von Ituri wurde für 2020 auf etwa 4,4 Millionen geschätzt. Aufgrund anhaltender gewaltsamer Konflikte wurden etwa 1,7 Millionen Menschen intern vertrieben.[8]

Weitere Informationen Zensus 1. Juli 1984, Projektion 1. Juli 2010 ...
Entwicklung der Einwohnerzahlen[9]
Zensus

1. Juli 1984

Projektion

1. Juli 2010

Projektion

1. Juli 2015

Projektion

1. Juli 2020

1.749.2563.219.0003.650.0004.392.200
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Geschichte

Zwischen 1966 und 2015 war Ituri ein Distrikt der ehemaligen Provinz Orientale. Diese sollte gemäß der Verfassung von 2005 in vier neue Provinzen aufgeteilt werden. Die Verwaltungsreform wurde allerdings mehrmals verschoben und 2011 abgesagt, schließlich 2015 doch umgesetzt und Ituri damit zur Provinz erhoben. International wurde Ituri vor allem durch den 1999 ausgebrochenen Ituri-Konflikt zwischen den Ethnien der Hema und Lendu bekannt. Der Konflikt flammte im Dezember 2017 wieder auf und tötete bis Ende 2019 mindestens 700 Zivilisten. Im Mai 2021 verhängte die kongolesische Regierung unter Präsident Félix Tshisekedi aufgrund der anhaltenden Konflikte das Kriegsrecht in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu.[10]

Im selben Jahr startete Uganda die Operation Shujaa und entsandte mit Zustimmung der Demokratischen Republik Kongo Truppen in die Provinzen Ituri und Nord-Kivu. Erklärtes Ziel war es, die islamistische Terrororganisation Allied Democratic Forces (ADF) zu bekämpfen. Im Februar 2025 erklärte Uganda, es habe die Kontrolle über die Sicherheit in der Provinzhauptstadt Bunia übernommen.[11][12] Im März 2025 kam es im Osten der Provinz zu Kämpfen zwischen der CODECO, die eine Allianz mit den Allied Democratic Forces geschlossen hat,[13] und der ugandischen Armee.[14][15]

Von Januar bis Mitte März 2025 flohen laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) etwa 100.000 Menschen in den Territorien Djugu, Irumu und Mambasa vor bewaffneter Gewalt. 205 Zivilisten wurden demnach zudem in den ersten beiden Monaten getötet, darunter 45 im Februar durch Angriffe der Allied Democratic Forces auf Dörfer im Territorium Irumu. Zahlreiche Schulen wurden geschlossen.[16]

Gesundheitswesen

Soldatinnen der nepalesischen Kompanie der MONUSCO unterrichten Schulkinder in Rwampara, Irumu, in Cholera-Prävention (2013)

Das Gesundheitswesen in der Provinz ist durch jahrelange Konflikte geschwächt.[17]

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation von 2006 kam es jährlich zu rund 1000 Toten durch Pesterkrankungen. Einen größeren Ausbruch gab es zwischen Mitte Mai und dem 13. Juni 2006 in der Region von Santé Linga mit über 100 gemeldeten (und einer unbekannten Zahl nicht gemeldeten) Toten.[18] 2018 bis 2020 grassierte in Ituri von der Nachbarprovinz Nord-Kivu ausgehend eine Ebolafieber-Epidemie. Mit Stand 12. Juni 2019 gab es im Zuge dieser Epidemie in Ituri 198 dokumentierte Krankheits- und 118 Todesfälle.[19]

Am 15. Mai 2026 gab das Africa Centres for Disease Control and Prevention einen erneuten Ebolafieber-Ausbruch bekannt.[20] Das kongolesische Forschungsinstitut Institut National de Recherche Biomédicale (INRB) legte erste Laborergebnisse vor, die die seltene Bundibugyo-Variante des Ebolavirus (BDBV) feststellte.[21] Diese habe wie der Gesundheitsminister Samuel-Roger Kamba erklärte „weder einen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung“ und weise eine sehr hohe Sterblichkeitsrate von bis zu 50 Prozent auf. Der erste bestätigte Fall war nach den Angaben des Gesundheitsministeriums ein Krankenpfleger, der sich am 24. April mit Symptomen in einer Gesundheitseinrichtung in der Stadt Bunia meldete.[22] Stand 16. Mai gab es acht laborbestätigte Fälle, 246 Verdachtsfälle und 80 mutmaßliche Todesfälle in der Provinz. Am 17. Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation den Ebolaausbruch zu einer gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite nach Artikel 12 der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV).[23][20]

Wirtschaft

Zwei Minenarbeiter in den Tagesanlagen einer Mine in Kilo-Moto (1940er-Jahre)

Innerhalb der Provinz werden Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau betrieben.[2][7] Im Jahr 2018 zählte man in der Provinz für den Goldbergbau 150.000 tätige Personen. Zur Zeit des Belgisch-Kongo war die Region Sitz der Société des Mines d’Or de Kilo-Moto.[24][25][26] Früher eine Kornkammer des Kongos ist die Provinz Ituri durch jahrelange Konflikte zunehmend auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Auch Grundnahrungsmittel wie Zwiebeln, Tomaten und Bohnen werden aus Uganda und dem Südsudan importiert. Die Landwirtschaft teilt sich in drei Agrarlandschaften:[1]

  • Waldgebiete der Tiefebene: Anbau von insbesondere Getreide, Robusta-Kaffee und Kakao
  • Höhenlagen: Anbau von insbesondere Tomaten, Karotten, Kohl, Gemüse, Robusta-Kaffee und Bohnen
  • Savanne: Anbau u. a. von Baumwollpflanzen

Verkehr

Vor einem Flugzeugheck entlädt ein Gabelstaplerfahrer Paletten mit Paketen. Die Fahrzeuge sind mit UN beschriftet.
Ausladen von Wahlmaterialien aus einem Flugzeug der MONUSCO auf der Landebahn von Bunia (September 2011)

In der Provinzhauptstadt befindet sich der Flughafen Bunia. Durch die Stadt und weiter Richtung Nordosten bis zur ugandischen Grenze verläuft die Nationalstraße 27. Richtung Südwesten trifft sie auf die Nationalstraße 4.

Städte und Dörfer (Auswahl)

Commons: Ituri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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