Jacob Savery
Maler der Südniederlande (1566-1603)
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Jacob Savery (auch Jacob Maertensz. Savery; * um 1565–67 in Kortrijk; † Beisetzung in der Amsterdamer Zuiderkerk am 23. April 1603)[1] war ein flämischer Maler, Zeichner, Radierer und Kupferstecher. Jacob Savery gilt als wegweisender Künstler in Amsterdam um 1600, besonders seine Tierdarstellungen übten einen prägenden Einfluss auf seinen Bruder Roelant aus, der dieses Sujet erfolgreich weiterführte.[2]

Leben
Jacob Savery entstammte einer anabaptistischen Malerfamilie aus Kortrijk. Aus Furcht vor der spanischen Besatzung verließ die Familie um 1580 ihre flämische Heimat und zog in die nördlichen Niederlande. Jacob Savery war der Sohn des Malers Maerten Savery und der ältere Bruder des späteren Malers Roelant Savery, dem er als Lehrer diente. Karel van Mander berichtet in seinem 1604 erschienenen Schilder-Boeck, dass Savery der beste Schüler von Hans Bol gewesen sei. Dies muss zwischen 1580 und 1583 in Antwerpen gewesen sein. Ab 1583 oder 1584 ist Jacob Savery in Haarlem nachweisbar, wo er am 22. März 1587 Trijntje Kokelen heiratete. Die Ehe brachte sieben Kinder hervor, von denen drei Maler wurden: Hans der Jüngere, Jacob der Jüngere und Salomon Savery, die er allesamt selbst ausbildete. Zu seinen Schülern zählten vermutlich auch sein Schwager Joos Goeimare sowie Frans de Grebber und Willem van Nieulandt II., wie aus Überlieferungen des 17. Jahrhunderts hervorgeht. Ab 1587 war Jacob Savery Mitglied der Haarlemer Lukasgilde. Im Jahr 1591 erwarb er das Amsterdamer Bürgerrecht. Zusammen mit seinem Bruder Roelant, der zu dieser Zeit bei ihm wohnte, errichtete er 1602 ein Testament, in dem sie sich gegenseitig als Erben einsetzten. Jacob Savery starb an der Pest und wurde in der Amsterdamer Zuiderkerk beigesetzt. Aus seiner Familie gingen weitere bedeutende Künstler hervor: Seine Tochter Maria heiratete den Maler Roeland Roghman und seine Enkel hießen Geertruydt, Roeland und Magdalena Roghman.[1][2]
Werk

Jacob Saverys Œuvre umfasst vor allem Landschaften und Tierbilder. Die frühen Kabinettbilder zeigen einen deutlichen Einfluss seines Lehrers Hans Bol. Unter dem Einfluss von Gillis van Coninxloo III., der seit 1595 in Amsterdam lebte, wandte sich Jacob Savery zunehmend der Darstellung von Waldlandschaften zu. Seine Tierbilder zeichnen sich durch eine nahezu enzyklopädische Fülle verschiedener Tierarten in sehr realistischer Darstellung aus. Ein Beispiel hierfür ist das Gemälde Orpheus unter den Tieren (Öl auf Holz, um 1601, Hessische Landesmuseum Darmstadt). Die teilweise exotischen Tiere sind so typisierend dargestellt, dass man vermuten kann, Savery habe sich eines Modellbuchs bedient. Obwohl er biblische und mythologische Themen wie Orpheus, Paradiesvorstellungen oder die Arche Noah als Darstellungsanlass wählte, kommt Jacob Savery auf dem Weg zum eigenständigen Tierbild dennoch eine wichtige Rolle zu. Blumenstillleben, von denen Arnold Houbraken und zeitgenössische Versteigerungskataloge berichten, konnten ihm bislang nicht zweifelsfrei zugewiesen werden. Allerdings befindet sich in Haarlem eine entsprechende Wandmalerei und es existiert ein Kupferstich nach Savery, der eine Blumenvase mit symmetrisch angeordnetem Bouquet zeigt. Seine Genreszenen mit dörflichen Jahrmärkten stehen stilistisch und thematisch den Werken Pieter Bruegels des Älteren nahe.[1][2]
In Amsterdam war Jacob Savery hauptsächlich als Kupferstecher tätig. Dabei entstand unter anderem eine Folge von Stichen nach Zeichnungen südlicher Landschaften von Pieter Bruegel d. Ä. Darüber hinaus fälschte Savery offenbar bewusst Werke Bruegels: Er fertigte Zeichnungen im Stil Bruegels an, versah sie mit dessen Signatur und datierte sie auf die Jahre 1559 bis 1562 zurück. Lange Zeit galten diese Blätter als Originale Bruegels, doch seit Mitte der 1980er Jahre werden sie Jacob Savery zugeordnet. Zu den Stechern, die nach Jacob Savery arbeiteten, gehören Nicolaes de Bruyn, Simon Frisius, Hendrik Hondius der Jüngere, Johannes van Londerseel und Pedro Perret.[1]
Werke Saverys befinden sich in mehreren bedeutenden Sammlungen, darunter im Rijksmuseum in Amsterdam (Landschaft mit der Tochter Jephtas, Gouache auf Pergament auf Holz), im Mauritshuis in Den Haag (Heiliger Sebastian, Öl auf Holz), in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden (Stadt an einer Seebucht, Gouache auf Pergament auf Holz, 1586), im Landesmuseum Darmstadt, im St.-Annen-Museum in Lübeck (Der Sommer, Öl auf Holz, 1589), in der Pinacoteca di Brera in Mailand (Landschaft mit Tobias und Engel, Öl auf Kupfer, 1593) sowie im Kunsthistorischen Museum in Wien (Landschaft mit Tobias und dem Erzengel Raphael auf Wanderschaft, Öl auf Holz, 1592). Zeichnungen befinden sich im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig, im Städel in Frankfurt am Main, im Universitätsmuseum in Warschau und in der Albertina in Wien. In der Sint-Bavokerk in Haarlem ist eine Wandmalerei aus dem Jahr 1585 mit Kartusche, Bibelzitaten, Putten, Girlanden und Blumen erhalten. Im Broel Museum in Kortrijk werden eine Stadtansicht mit Brücke (Gouache auf Pergament auf Holz, 1585) sowie eine Waldlandschaft mit Burg (Öl auf Holz, 1603) aufbewahrt.[1]
Werke (Auswahl)
- Orpheus unter den Tieren, um 1601. Hessisches Landesmuseum Darmstadt
- Orpheus mit Tieren und Bäumen. Ex-Lempertz, Köln
- Orpheus bezaubert die Tiere. Ex-Christie’s, London
- Der Garten Eden und der Sündenfall, 1601
- Kirmes in Schellebelle. Ex-Sotheby’s New York
- Verschneite Landschaft mit einem Hochzeitszug und Figuren, die vor den Toren einer ummauerten Stadt auf dem Eis spielen. Ex-Sotheby’s, London
- Panoramalandschaft, um 1590, Federzeichnung auf Papier. National Gallery of Art, Washington, D.C.
- Landschaft mit der Geschichte der Tochter Jephtas, 1580–89. Gouache auf Pergament auf Holztafel montiert. Rijksmuseum, Amsterdam
Literatur
- Ulrich Thieme, Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 29, E. A. Seemann, Leipzig 1935.
- F. De Potter (Hrsg.), Savery, een kunstenaarsfamilie uit Kortrijk, Kortrijk 2012.
- M. Rikken, in: K. A. E. Enenkel u. a. (Hrsg.), Zoology in Early Modern Culture, Brill, Leiden 2014, S. 401–433.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.