Jakob Hinrichs
deutscher Grafiker, Illustrator und Graphic Novalist
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Jakob Hinrichs (* 1977 in Saarbrücken) ist ein deutscher Grafiker, Illustrator und Autor von Graphic Novels.

Leben
Jakob Hinrichs wuchs in Saarbrücken auf und zog 1998 zum Studium nach Berlin.[1] Wollte Jakob Hinrichs als Kind Naturwissenschaftler werden, ließ ihn sein Interesse an Pop-Kultur und Design die künstlerische Laufbahn einschlagen. Er studierte an der Universidad del País Vasco in Bilbao und an der Universität der Künste Berlin.[2] Er schloss 2004 in Berlin ab. Er lebt und arbeitete seither als selbstständiger Illustrator in Berlin.[3] Daneben gibt er Kurse und Workshops an Hochschulen wie der University of the West of England, der Hochschule Mainz und seiner Alma Mater in Berlin.[2]
Werk
Zu Jakob Hinrichs’ künstlerischen Einflüssen zählen Tomi Ungerer, John Heartfield, Marie Marcks, Niki de Saint Phalle, Otto Dix, Georg Grosz und andere Künstler der Neuen Sachlichkeit.[2]
Illustrator
Illustrationen von ihm wurden im deutschsprachigen Raum unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, Neuen Zürcher Zeitung, DAS Magazin des Tagesanzeigers, und bei Neon, sowie international in der New York Times, The New York Times Book Review, The Guardian, der Washington Post, The Boston Globe Magazine, der Bloomberg Businessweek, dem Wall Street Journal, Reader’s Digest und L’Express veröffentlicht.[2]
Zu Boris Preckwitzs 2014-Übersetzung des Langgedichts Der fliegende Proletarier von Wladimir Majakowski steuerte Jakob Hinrichs die Illustrationen bei.[4] Die Stiftung Buchkunst zeichnete 2015 den Fliegenden Proletarier als Teil eines Triptychons von vergessenen, verschollenen oder versteckten Manuskripten als eines der schönsten deutschen Bücher aus. Zu Jakob Hinrichs’ Illustrationen merkte die Stiftung an:
„Der Gedichtsatz mit lockerem Seitenbild wird gepaart mit irren Illustrationen; ihr matter Golddruck wirkt exzessiv. Den Texten von Majakowski widmet sich der Illustrator mit überspitzten konstruktivistischen Bildallüren.[5]“
Er überarbeitete und illustrierte eine Neuauflage von Paul Lindenbergs 1887 erstmals veröffentlichten Berliner geflügelte Worte, die 2022 bei Favoritenpresse unter dem Titel Ick hau‘ Dir uff’n Kopp bis de Läuse piepen! erschien.[6] Er illustrierte auch Björn Kuhligks 2024 bei Favoritenpresse erschienene Berlin-Beschimpfung. Hierbei illustrierte Jakob Hinrichs nicht passiv, sondern seine Grafiken funktionierten als Zwischenspiele, die wie kleine, aus Papier gefaltete Schiffchen auf dem Textfluss treiben würden und jeweils eigene Geschichten erzählen würden - so Heinrich Dubbel in der taz.[7] Der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die Stiftung Buchkunst nahmen Berlin-Beschimpfung in die Shortlist für das schönste Regionalbuch 2024 auf.[8] Auch das Logo des Verlages Favoritenpresse hatte Jakob Hinrichs entworfen.[9]
Graphic Novels
Andreas Platthaus bewertete Jakob Hinrichs 2016 als einen der „begabtesten und eigensinnigsten deutschen Comicerzähler“.[10] Als Comic-Zeichner liegt der Schwerpunkt seines Schaffens in der visuellen Adaption literarischer Werke.[2]
Er veröffentlichte 2012 eine Version der Traumnovelle von Arthur Schnitzler bei der Edition Guttenberg. Er begriff dabei die Graphic Novel nicht als Nacherzählung, sondern als künstlerische Interpretation. Jakob Hinrichs löste die Erzählung aus den 1920er-Jahren heraus und übertrug sie in eine zeitlose Gegenwart. Außerdem stellte er die Personen nicht naturalistisch dar, sondern ließ sie Metamorphosen durchleben. Der von ihm gewählte gestalterische Ansatz war, eine knallig-bunte Comicästhetik zu erschaffen, in der Traum und Realität ineinander übergehen sollten.[11] Hinrichs’ Verarbeitung der Novelle erzähle laut Andreas Platthaus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung metaphorisch und elliptisch, setze also um und lasse aus. Er führe dabei seine Figuren im Zickzack über die Seiten und nehme damit ein bestimmendes Element von Schnitzlers Novelle kongenial auf: die Verunsicherung. Nur dass Bilder eben viel mehr verunsicherten als ein ach so ordentlich gesetzter Text.[12] Das Werk wurde 2013 in das Spanische und 2014 in das Französische übersetzt.[2] Jakob Hinrichs’ Traumnovelle wurde 2018 auch in der thailändischen Sprache veröffentlicht.[13]
Seine Arbeit zu Hans Falladas Werk Der Trinker war einer der letzten 2015 bei dem Verlag Metrolit veröffentlichten Titel.[14] Das wirtschaftliche Ende von Metrolit führte dazu, dass dieses Werk zunächst rasch wieder vom Buchmarkt verschwand, ehe es 2016 als Lizenzausgabe beim neugegründeten Verlag Walde + Graf neu herausgegeben wurde.[10] Jakob Hinrichs verband in dem Trinker biografisches wie etwa den Schuss Falladas auf seine Ehefrau mit dem Werk und anderen weniger bekannten Arbeiten Falladas, wie dessen Nachruf auf e.o. plauen. Diese Verbindung von Leben und Werk war nach Ansicht von Andreas Platthaus derartig gelungen, dass es die Behandlung in Universitätsseminaren rechtfertigen würde, wenn die Literaturform Comic dort nicht noch immer auf Voreingenommenheit stoßen würde.[10] Nach Christian Endres ist es inhaltlich und optisch eine Collage aus Literatur-Adaption, Künstler-Biografie und zeitgeschichtlicher Dokumentation, festgehalten in surrealistischen Formen und Bildern, auf die man sich einlassen müsse.[14] Der Trinker wurde 2016 wegen der variantenreichen Farbkomposition, dem Druck mit vier Sonderfarben, dem spannungsreichen Wechsel bei der Struktur und dem Lettering durch die Stiftung Buchkunst als eines der schönsten Deutsches Bücher in der Sparte Belletristik ausgezeichnet.[15] Die französische Übersetzung Hans Fallada - La vie et mort du buveur wurde 2016 bei der französischen Comic-Messe Festival international de la bande dessinée d'Angoulême in die offizielle Liste der Kandidaten für Auszeichnungen aufgenommen.[16]
Seine Adaption von Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür (2018) verband laut Tobias Kessler den unverändert gelassenen Text eindrücklich mit dem groben Strich, der eigenwilligen Farbgebung, und den verzerrten Perspektiven der Bilder. Die Grafik verströme dabei eine Atmosphäre des Beklemmenden, des Bedrohlichen.[1]
Er entwickelte 2022 im Auftrag seiner Geburtsstadt zusammen mit Julia Pierzina den Webcomic Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche. In diesem werden als Teil der Erinnerungskultur die Schicksale zweier jüdischer Saarbrücker während der Zeit des Nationalsozialismus exemplarisch nachgezeichnet, um auch jüngere Generationen zu erreichen.[17]
Er wurde 2024 für die Traumnovelle, den Trinker und Draußen vor der Tür mit dem Hans Meid Preis der Hans-Meid-Stiftung ausgezeichnet und teilte sich den Preis mit Petra Schuppenhauer, die für ihre Holzschnitte ausgezeichnet wurde.[18]
Ausstellungen
Einzelausstellungen
- 2016: Her mit dem Himmel, im Rahmen des Comic Symposium 2016 der Hochschule der Bildenden Künste Saar[19]
- 2017: Von Trinkern und Träumern, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Standort Dieselkraftwerk in Cottbus[20]
Ausstellungsbeteiligungen
- 2017: Recontres du 9e art, Aix-en-Provence[21]
- 2019: Die Comic-Kunst des Erzählens. Literatur als Graphic Novel, Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf[22]
- 2021: Die Revolte der Maschinen Revisited 21|21, Pingusson-Gebäude, Saarbrücken[23]
- 2024: Recontres du 9e art, Aix-en-Provence[24]
- 2025: Berlin im Siebdruck, Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg, Berlin[25]
- 2025: Neon Schatten Überschall, Galerie Neurotitan im Haus Schwarzenberg, Berlin[26]