Jame Gumb

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Jame Gumb, bekannt unter dem von den Ermittlern vergebenen Namen Buffalo Bill, ist eine fiktive Figur und der Hauptantagonist in Thomas Harris’ Roman Das Schweigen der Lämmer von 1988 sowie dessen Verfilmung von 1991. Im Film wurde er von Ted Levine dargestellt. In der Fernsehserie Clarice Starling – Das Erwachen der Lämmer (2021) erschien die Figur in Rückblenden, dargestellt von Simon Northwood.

Gumb ist ein Serienmörder, der Frauen entführt und Teile ihrer Haut entfernt, um daraus einen Anzug anzufertigen und seine eigene Identität zu verändern. Verschiedene Elemente der Figur und ihrer Vorgehensweise wurden mit realen Verbrechern wie Ed Gein, Ted Bundy und Gary Michael Heidnik in Verbindung gebracht.

Über ihre Funktion innerhalb der Handlung hinaus wurde die Figur Gegenstand umfangreicher film- und kulturwissenschaftlicher Analysen. Besonders kontrovers diskutiert wird seit der Veröffentlichung der Verfilmung die Verbindung zwischen Gumbs Gewalttaten und seiner Darstellung von Geschlechtsidentität. Obwohl Roman und Film ausdrücklich erklären, dass Gumb nicht als transgeschlechtliche Person zu verstehen sei, wurde der Figur wiederholt vorgeworfen, negative Vorstellungen über transgeschlechtliche und geschlechtsnonkonforme Menschen zu verstärken. Die Debatte wurde Jahrzehnte später in der Fernsehserie Clarice Starling – Das Erwachen der Lämmer ausdrücklich aufgegriffen. 2026 äußerte auch Ted Levine rückblickend Kritik an der Wirkung der Darstellung.[1]

Figur und Handlung

Hintergrund

Im Roman wurde Jame Gumb Ende der 1940er Jahre in Kalifornien geboren. Die ungewöhnliche Schreibweise seines Vornamens geht auf einen Fehler in seiner Geburtsurkunde zurück, der nie korrigiert wurde. Seine Mutter, eine erfolglose Schauspielerin, verfiel dem Alkohol, woraufhin Gumb im Alter von zwei Jahren in Pflegefamilien untergebracht wurde. Später lebte er bei seinen Großeltern, die er als Jugendlicher tötete.

Nach seiner Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung erlernte Gumb das Schneiderhandwerk. Später führte er eine Beziehung mit Benjamin Raspail, einem Patienten Hannibal Lecters. Nach dem Ende der Beziehung ermordete Gumb den neuen Partner Raspails.[2]

Die Verfilmung verzichtet weitgehend auf diese Vorgeschichte. Lecter beschreibt Gumb dort als einen Menschen, der nicht als Verbrecher geboren, sondern durch jahrelangen systematischen Missbrauch zu einem geworden sei.

Roman und Film stellen Gumb als einen Menschen dar, der seine eigene Identität zutiefst ablehnt und sich vollständig verändern will. Er bewirbt sich erfolglos um geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen und beginnt schließlich, Frauen zu ermorden, um aus ihrer Haut einen Anzug anzufertigen. Die Werke legen zugleich ausdrücklich fest, dass Gumb nicht als transgeschlechtliche Person verstanden werden soll. Hannibal Lecter erklärt, Gumb glaube lediglich, eine solche Identität zu besitzen, während seine eigentliche Motivation in einem umfassenden Hass auf sich selbst liege.[2]

Mordserie und Begegnung mit Clarice Starling

Gumb nähert sich seinen Opfern unter dem Vorwand, verletzt zu sein und Hilfe zu benötigen. Anschließend überwältigt und entführt er sie. In seinem Haus hält er die Frauen in einem tiefen Schacht gefangen. Nach ihrer Ermordung entfernt er unterschiedliche Hautpartien, die er für seinen geplanten Anzug verwendet.[2]

Die Ermittler geben ihm den Namen „Buffalo Bill“. Im Roman wird dies mit dem makabren Scherz eines Polizisten erklärt, der Täter „häute seine Buckel“. Gumb legt außerdem Totenkopfschwärmer in die Kehlen seiner Opfer. Die Metamorphose der Insekten entspricht dabei seinem eigenen Wunsch nach einer vollständigen Verwandlung.

Zu Beginn der Handlung hat Gumb bereits mehrere Frauen ermordet. Nachdem er Catherine Martin, die Tochter einer Senatorin, entführt hat, wird die FBI-Anwärterin Clarice Starling damit beauftragt, Hannibal Lecter nach Hinweisen auf den Täter zu befragen. Lecter kennt Gumb aus dessen Verbindung zu Raspail und gibt Starling verschlüsselte Hinweise.

Starling erkennt schließlich, dass der Täter sein erstes Opfer persönlich gekannt haben muss. Bei ihren Nachforschungen gelangt sie unwissentlich zu Gumbs Haus. Als sie dort einen Totenkopfschwärmer entdeckt, erkennt sie seine Identität. Gumb flieht in den Keller, schaltet das Licht aus und verfolgt Starling mithilfe eines Nachtsichtgeräts. Als er seine Waffe spannt, hört sie das Geräusch und erschießt ihn. Catherine Martin wird gerettet.[2]

Konzeption und reale Vorbilder

Jame Gumb wird häufig als Kompositfigur beschrieben, in der Eigenschaften verschiedener realer Täter zusammengeführt wurden. Eine 1999 in Salon veröffentlichte Darstellung führte drei wesentliche Vorbilder an.[3]

Von Ed Gein stammt vor allem das Motiv der Verarbeitung menschlicher Haut. Gein exhumierte Leichen und fertigte aus menschlichen Überresten verschiedene Gegenstände und Kleidungsstücke an. Die Vorstellung eines aus Haut bestehenden Anzugs wurde zu einem zentralen Element der Figur.[4]

Die Methode, sich als körperlich eingeschränkt oder verletzt auszugeben, um Frauen um Hilfe zu bitten und sie anschließend zu überwältigen, weist Parallelen zu Ted Bundy auf. Das Gefangenhalten von Frauen in einem Schacht wiederum erinnert an Gary Michael Heidnik, der mehrere Frauen in einem unterirdischen Verlies in seinem Haus festhielt.[3]

Diese Kombination unterscheidet Gumb von einem einzelnen realen Vorbild. Die Figur verbindet unterschiedliche Verbrechensmuster mit dem fiktiven Motiv der körperlichen Metamorphose, das zusätzlich durch die Totenkopfschwärmer symbolisiert wird.

Darstellung durch Ted Levine

Ted Levine spielte Gumb in der Verfilmung von 1991. Besonders bekannt wurde eine Szene, in der sich die Figur vor einer Videokamera schminkt und zu Goodbye Horses von Q Lazzarus tanzt. Die Verbindung zwischen dem Lied und der Figur entwickelte sich zu einem der bekanntesten popkulturellen Elemente des Films.[5] Die Verwendung des Liedes verschaffte Goodbye Horses eine langfristige Bekanntheit als Kulttitel.[6]

Levine erklärte später, er habe Gumb nicht als schwulen oder transgeschlechtlichen Menschen gespielt. Seine Interpretation sei die eines psychisch schwer gestörten heterosexuellen Mannes gewesen, der verschiedene Identitäten annehme.[1] Diese beabsichtigte Interpretation setzte sich in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nicht eindeutig durch. Gerade die Szenen, in denen Gumb weiblich konnotierte Kleidung und Körperhaltungen verwendet, wurden zu einem zentralen Ausgangspunkt der späteren Kontroverse über die Figur.[7]

Analyse

Körper, Haut und Transformation

Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Marjorie Garber analysierte Gumb in ihrem Buch Vested Interests: Cross-Dressing and Cultural Anxiety. Sie argumentierte, dass die ausdrückliche Feststellung, Gumb sei nicht transgeschlechtlich, die negativen Assoziationen zwischen seiner Gewalt und dem Wunsch nach einer geschlechtlichen Transformation nicht vollständig aufhebe. Sie deutete die Figur als Ausdruck kultureller Ängste vor Geschlechtsidentität und körperlicher Veränderung.[8]

Barbara Creed untersuchte die Figur im Zusammenhang mit Vorstellungen von Weiblichkeit und Transformation. Nach ihrer Interpretation betrachtet Gumb den weiblichen Körper als eine Art Totem. Durch das Tragen der Haut seiner Opfer wolle er nicht nur äußerlich anders erscheinen, sondern sich die von ihm mit Weiblichkeit verbundene Fähigkeit zur Transformation aneignen.[9]

Jack Halberstam stellte Gumb in Skin Shows: Gothic Horror and the Technology of Monsters in eine Verbindung mit Victor Frankenstein und dessen Geschöpf. Wie Frankenstein sammle die Figur Körperteile und versuche, durch deren neue Zusammensetzung eine andere Identität zu erschaffen. Halberstam sah Gumbs Gewalt nicht allein als Folge einer Verwirrung über Geschlecht oder Sexualität, sondern als Ausdruck seines Versuchs, Körper, Geschlecht und Identität gewaltsam einer als notwendig empfundenen Einheit anzupassen.[10]

Kontroverse um die Darstellung von Geschlechtsidentität

Bereits nach Veröffentlichung des Films wurde die Darstellung Gumbs von Teilen der LGBTQ+-Community kritisiert. Bei der Oscarverleihung 1992 gehörte der Film zu den Werken, gegen deren Darstellung queerer Figuren protestiert wurde.[7]

Die Kontroverse besteht darin, dass der Film zwar ausdrücklich eine Verbindung zwischen Transgeschlechtlichkeit und Gewalt zurückweist, Gumbs Wunsch nach körperlicher Veränderung aber zugleich mit seinen Morden, der Anfertigung eines Anzugs aus Frauenhaut und einer bedrohlichen Inszenierung geschlechtsnonkonformen Verhaltens verbindet. Kritiker argumentierten deshalb, die ausdrückliche Erklärung innerhalb der Handlung könne die Wirkung der Bilder nicht vollständig aufheben.[11]

Lilly Wachowski kritisierte die Figur 2016 ausdrücklich als Beispiel einer Darstellung, durch die transgeschlechtliche Menschen in den Medien dämonisiert worden seien.[12]

Regisseur Jonathan Demme betonte später, Gumb sei nie als transgeschlechtliche Figur gedacht gewesen. Der Wunsch nach Veränderung beruhe vielmehr auf dessen umfassendem Selbsthass. Gleichzeitig erkannte er die Kritik an der Wirkung der Darstellung als berechtigt an.[7]

Spätere Aufarbeitung und Wirkung

Die Debatte um Buffalo Bill blieb auch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung des Films bestehen. Die Fernsehserie Clarice Starling – Das Erwachen der Lämmer griff 2021 nicht nur die Folgen seiner Taten für Clarice Starling und sein überlebendes Opfer Catherine Martin auf, sondern setzte sich ausdrücklich mit der Wirkung der Figur auf transgeschlechtliche Menschen auseinander.

Für diese Handlung wurde die transgeschlechtliche Schauspielerin und Aktivistin Jen Richards zunächst als Beraterin und anschließend als Darstellerin verpflichtet. Ihre Figur thematisiert gegenüber Clarice die problematische öffentliche Gleichsetzung Buffalo Bills mit transgeschlechtlichen Menschen.[13] Die Produktion arbeitete dabei auch mit Vertretern der Organisation GLAAD zusammen.[14]

2026 äußerte Ted Levine anlässlich des 35. Jahrestages des Films eine deutlich kritischere Haltung als zuvor. Er erklärte, manche Elemente des Films seien schlecht gealtert, und bezeichnete dessen Wirkung auf die Wahrnehmung transgeschlechtlicher Menschen als falsch. Zugleich betonte er erneut, Gumb selbst nicht als schwule oder transgeschlechtliche Figur gespielt zu haben.[1]

Auch Produzent Edward Saxon erklärte rückblickend, das Filmteam habe Gumb ausschließlich als schwer gestörte Einzelperson verstanden und die mögliche Wirkung bestehender negativer Stereotype nicht ausreichend berücksichtigt.[1]

Die Figur ist damit nicht nur als Antagonist von Das Schweigen der Lämmer, sondern auch über Jahrzehnte Gegenstand von Debatten über Geschlechtsidentität, Körper und die Wirkung fiktionaler Darstellungen geblieben.[7]

Einzelnachweise

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