James Mudie
englischer Marine-Offizier, Verleger der 40 privat geprägten "National Medals", australischer Landwirt und Autor (1779-1852)
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Leben und Werk
Jugend und Offizierslaufbahn bis 1810
Mudie wurde in der schottischen Grafschaft Forfarshire (Angus) geboren als Sohn von John und Margaret Mudie.[1]
Im Mai 1799 wurde er zum Leutnant in der 69. Kompanie der Marineinfanterie in Portsmouth ernannt und diente von 1800 bis 1802 zunächst auf der Insel St. Marcouf im Ärmelkanal, von 1803 bis 1804 auf der H.M.S. Leda. 1805 wurde er zum Oberleutnant befördert und zum Rekrutierungsdienst nach Schottland beordert, wo er bald darauf aufgrund seiner Abrechnungen in Schwierigkeiten geriet und daher auf Halbsold gesetzt wurde. Im Juli 1808 kehrte er in den aktiven Dienst zurück und schloss sich der HMS Inflexible an, mit der er nach Halifax in Nordamerika segelte. Bald darauf tauschte er seinen Posten mit einem Offizier auf der HMS Samson, mit der er nach einigen Monaten nach England zurückkehrte.[1]
In seiner Zeit in Diensten des englischen Königs erlitt Mudie gesundheitliche Probleme, die möglicherweise eine weitere Beförderung verhinderten. 1809 wurde er von der Admiralität zu einer Stellungnahme aufgefordert gegen ihn gerichtete Anschuldigungen, die der Behörde durch einen anonymen Brief aus Schottland zugegangen waren. Zunächst bestritt Mudie die Vorwürfe, gab dann jedoch deren Wahrheitsgehalt zu. So wurde er – trotz seiner zahlreichen Einsprüche – im August 1810 schließlich aus der Marine entlassen.[1]
Medaillen-Verleger bis 1822

in Zusammenarbeit mit Thomas Webb und dem Franzosen Jean Jacques Barre; Nr. 31 der Serie National Medals[7]
Arbeitslos und knapp bei Kasse überredete Mudie daraufhin einen Buchhändler, sich mit ihm zusammenzutun, um Gedenkmedaillen zu Ereignissen und Helden der Napoleonischen Kriege herzustellen. Für das angestrebte Gesamtwerk unter dem Titel An Historical and Critical Account of a Grand Series of National Medals schuf Mudie eigene Stiche.[1] Die Serie sollte an die britischen Siege unter der Regentschaft von King George III. erinnern und – aus britischer Sicht – an die Ereignisse der Zeit während der Auseinandersetzungen mit den Truppen von Napoleon Bonaparte,[5] an die „Siege der Briten über die Franzosen.“[8] Die Stücke schuf Mudie vielfach als gemeinschaftliche Arbeit mit anderen Medailleuren wie beispielsweise Thomas Webb[4] und Augustin Dupré,[9] dessen Signatur auf den Medaillen auch als „DUPRES F“ geprägt wurde[10] und – durch das Victoria and Albert Museum – bei der neunten Medaille der Serie auch als „Duprés f.“ angegeben wurde.[5] Die Zusammensetzung der Medailleure für die Serie war international; so waren beispielsweise auch der in Neuenburg tätige Schweizer Jean-Pierre Droz und der Franzose Eugène Dubois (E. J. Dubois) als Künstler beteiligt – beide hatten zuvor „im Dienst der Französischen Revolution gestanden.“[9]
Die schließlich 40 verschiedene Medaillen umfassende Serie wurde als „Nationalmedaillen“ (en. 'National Medals')[5] bekannt und bis 1820 komplettiert.[5]
Mudies Medaillen wurden in der Fabrik von Edward Thomason in Birmingham in Bronze, Silver und Gold geprägt[2] und sowohl einzeln als auch in Sets verkauft, die in einem ledergebundenen Etui in Form eines Buches[5] oder einer „Prachtkassette“ enthalten waren.[9] Die beiden Sets mit jeweils 20 Medaillen wurden je nach Edelmetall für 20, 40 und 600 Pfund angeboten. Zum Angebot gehörte eine Liste der Abonnenten sowie eine am 15. August 1820 in London verfasste Widmung an König Georg IV. Optional war zu den in zahlreichen Städten des Königreichs angebotenen Sets auch eine erläuternde Begleitschrift erhältlich.[2]
Mudies Medaillen verkauften sich insbesondere in den Bronze-Ausführungen, die von vielen ehemaligen Teilnehmern an den Kriegen gegen Napoleons Truppen als Andenken erworben wurden.[2] Doch die versprochene Anzahl von Abonennten insbesondere für die Edelmetall-Stücke kam nicht zustande – das ehrgeizige Vorhaben zwang sowohl die Buchhandelsfirma als auch Mudie selbst mit rund 10000 Pfund Schulden in die Insolvenz.[1][2]
Landwirt bis 1836
Mit großzügiger Unterstützung von Sir Charles Forbes und mit Hilfe des britischen Kolonialamtes erhielt Mudie für sich und seine drei Töchter sowie eine Stieftochter unentgeltlich eine Überfahrt nach New South Wales in Australien. Die Teilfamilie kam schließlich im Juli 1822 in Sydney an.[1]
Nach einem Antrag auf Landzuteilung wurde Mudie eine Fläche von 2150 Acres (870 ha) am Hunter River zugewiesen, die er nach seinem Gönner Castle Forbes benannte. Bald darauf gründete er in Parramatta eine Mädchenschule; mangelnde Nachfrage bewogt ihn dann aber zur Rückkehr mit seiner Familie nach Castle Forbes.[1]
1825 vergrößerte Mudie sein Ländereien um weitere 809 ha. Mit Hilfe zahlreicher Strafgefangener und deren Aufseher John Larnach, der sein Schwiegersohn und Partner wurde, verwandelte sich Castle Forbes in einen der besten landwirtschaftlichen Betriebe der Kolonie, auf dem große Mengen an Wolle, Fleisch und Weizen produziert wurden. Mudie rühmte sich auch damit, dass sein Anwesen eine von Neufundländern bewachte Festung sei und seine Bediensteten durch genaueste Regeln streng diszipliniert würden.[1]
Um 1830 wurde Mudie von Gouverneur Ralph Darling zum Friedensrichter ernannt: Als Richter in Maitland war Mudie jedoch bei den Sträflingen gefürchtet aufgrund seinen übermäßigen Auspeitschungen selbst bei geringfügigen Vergehen.[1]
1833 meuterten sechs als Bedienstete arbeitende Sträflinge in Castle Forbes in Mudies Abwesenheit, raubten Vorräte geraubt und zogen sich in den Busch zurück. Ein Versuch, Mudies Aufseher John Larnach zu erschießen, schlug fehl; er konnte entkommen. Nach Verhaftung der Meuterer wurden diese in Sydney für schuldig gesprochen; drei wurden in Sydney, zwei in Castle Forbes hingerichtet; einer wurde in die Sträflingskolonie auf der Insel Norfolk Island überstellt.[1]
Zu Mudies Behauptungen zählte, er habe eine Politik der harten Hand eingeführt, um der milden Politik von Gouverneur Richard Bourke entgegenzuwirken. Dieser hatte nach seiner Ankunft im Dezember 1831 Maßnahmen ergriffen, um die Befugnisse der Richter zur Verhängung von Schnellstrafen zu beschneiden. Nachdem auch die Tageszeitung Sydney Herald Bourkes „beschwichtigendes System für Sträflinge“ für einen starken Anstieg der Kriminalität verantwortlich machte, begannen Mudie und andere Magistrate am Hunter River heimlich eine Unterschriftenaktion für eine Petition, die ihre Gegner später als „Hole and Corner Petition“ bezeichneten. Kopien dieser Petition wurden – wie Bourke im September 1834 angab – von seinen Gegnern nach England geschickt und verbreitet, um einen schlechten Eindruck zu Bourkes Amtsführung zu erzeugen.[1]
Noch im selben Jahr 1834 prangerte eine Broschüre mit dem Titel An Unpaid Magistrate („Ein unbezahlter Richter“) – mutmaßlich von dem Justizrat Roger Therry verfasst – die groben Falschangaben sowie unmenschliche Haltung von Mudie und seinen Verbündeten an.[1]
Der Gouverneur Bourke beauftragte John Hubert Plunkett und Frederick Hely mit der Untersuchung der Vorwürfe gegen Mudie und Larnach wegen erniedrigender Behandlung ihrer Dienstboten. Im Prozess gegen Mudie und Larnach wurden die beiden von den Vorwürfen der Misshandlung freigesprochen, lediglich wegen der schlechten Qualität und der geringen Menge der Essens-Rationen für ihre Sträflinge kritisiert.[1]
Verärgert über den Untersuchungsbericht verfassten die beiden Männer eine Protestnote, die Gouverneur Bourke nach London schicken sollte, die dieser aufgrund der unzulässigen Form jedoch ablehnte. So erschien im September 1834 mit Unterstützung von Edward Smith Hall von der Zeitung Monitor schließlich eine Broschüre als (übersetzt) „Rechtfertigung von James Mudie und John Larnach aus bestimmten Überlegungen … bezüglich der Behandlung ihrer Sträflingsdiener“. Das Druckwerk versandten die beiden an das Kolonialamt. Zu gleichen Zeit publizierte der als Strafgefangener auf Bewährung als Redakteur bei der Sydney Gazette arbeitende William Watt eine Broschüre mit dem Titel „Party Politics Exposed“ (Parteipolitik entlarvt). Die mit „Humanitas“ unterzeichnete Schrift griff Mudie wegen Grausamkeit gegenüber Strafgefangenen an. Im Gegenzug klagte Mudie nun Watt an wegen verschiedener Vergehen, erhob zudem Klage gegen den Juristen Roger Therry, da dieser Mudies Meuterer im Prozess verteidigt hatte. Auch gegen Gouverneur Bourke ging Mudie vor, da dieser Strafgefangene bevorzugt behandelt habe.[1]
Nachdem Mudies Taktiken erfolglos blieben, veranlasste er den Kolonialschatzmeister Campbell Riddell, als Kandidat zur Wahl zum Vorsitzenden der Quarter Sessions gegen den Amtsinhaber Therry Bourke anzutreten. Tatsächlich errang Riddell mit einer Stimme Vorsprung die vom Kolonialamt bestätigte Wahl (die sich später jedoch als unrechtmäßig erwies). Der angebliche Wahlverlierer Bourke betrachtete amtliche Entscheidung als persönliche Beleidigung und bestätigte daraufhin seinen schon zuvor eingereichten Rücktritt.[1]
Rache ab 1836
Nachdem Mudie 1836 nicht erneut in die Friedenskommission berufen wurde, verkaufte er – angewidert von den kolonialen Angelegenheiten – verkaufte er Castle Forbes für 7000 Pfund und segelte im März nach England zurück, wo er Rache nehmen wollte. 1837 veröffentlichte er in London The Felonry of New South Wales, mit der er alle attackierte, die sich seinen Vorstellungen in der australischen Kolonie widersetzt hatten. Mit seinen Darlegungen erschien Mudie auch vor dem Sonderausschuss für Deportationen: Obwohl ein Großteil von Mudies Aussagen aus dem Bericht entfernt wurden, gilt dieser bis in die Gegenwart als Zeugnis von Mudies verzerrten Ansichten.[1]
1840 kehrte Mudie nach Sydney zurück, doch dort hatte er mit seinen rachsüchtigen Kommentaren alle alten Freunde verloren. John Kinchela, Sohn des gleichnamigen Richters, den Mudie in seinem Buch verleumdet hatte, peitschte Mudie in Sydney öffentlich aus. Als Mudie nun auch ihn verklagte, konnte Kinchela die ihm vom Gericht auferlegte Schadensersatzsumme von 50 Pfund mit Hilfe einer Sammelaktion umgehend bezahlen.[1]
1842 kehrte Mudie nach London zurück, bis zu seinem Tod am 21. Mai 1852 in Tottenham lebte.[1]
Schriften
- Historical and critical account of a grand series of national medals, London: Henry Colburn & Co., 1820; Volltext-Digitalisat über die Österreichische Nationalbibliothek
- The Felonry of New South Wales., London 1837
- Neudruck von Walter Stone (Hrsg.): The felonry of New South Wales. Being a faithful Picture of the real Romance of Life in Botany Bay. With Anecdotes of Botany Bay Society and a Plan of Sydney, Melbourne: Lansdowne Pr., 1964
- Neudruck (= Cambridge library collection. History of Oceania) als Volltext-Digitalisat über die Cambridge University Press, ISBN 978-1-139-10737-2 und ISBN 978-1-108-03888-1
- Zugang über das Project Gutenberg Australia
Literatur (Auswahl)
- Leonard Forrer: Biographical dictionary of medallists, coin-, gem-, and seal-engravers, mint-masters, etc. ancient and modern. With references to their works, B. C. 500 – A. D. 1900, Bd. 4, London 1909, S. 186f.; Digitalisat über archive.org
- Lois Greenwell: James Mudie, civilian magistrate, property owner – Castle Forbes, Patrick Plains. In: Carol Bacchi, Peter Hempenstall, Noel Rutherford (Hrsg.): Student research papers in early Australian History, Newcastle: University of Newcastle – Department of History, 1976. S. 14ff.; PDF-Zugang
Weblinks
- John Larnach and James Mudie / Rosemount and Castle Forbes – Map 4 in der Datenbank Free Settler or Felon
- James Mudie mit Zugang zu Darstellungen seiner Medaillen auf der Seite des British Museum
- Pamplona City Council medals collection /… / The medal of the capitulation of Pamplona; illustrierte Erläuterung und weitere biographische Daten zu James Mudie auf der Seite der Universidad de Navarra