Jason Arday

britischer Soziologe und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Jason Arday (* 9. Mai 1985 in London,[1] Vereinigtes Königreich; † 14. August 2026 ebenda[2][3]) war ein britischer Soziologe und Hochschullehrer. Er war von 2023 bis 2026 Professor für Bildungssoziologie an der University of Cambridge.[4]

Jason Arday (2024)

2026 geriet Arday wegen Plagiatsvorwürfen sowie Unstimmigkeiten bei Angaben in seiner Biografie in die öffentliche Kritik und trat im August 2026 von seiner Professur zurück.[5][6]

Leben

Arday war der zweitjüngste von vier Söhnen ghanaischer Eltern und wuchs in einer Sozialsiedlung in Clapham im Süden Londons auf. Seine Mutter war Krankenschwester für psychische Gesundheit und sein Vater Koch.

Bei Arday wurden im frühen Kindesalter Autismus und eine allgemeine Entwicklungsverzögerung diagnostiziert.[5] In seinen späteren autobiografischen Darstellungen schrieb er, bis zum Alter von elf Jahren nicht gesprochen und erst mit 18 Jahren lesen und schreiben gelernt zu haben.[7][5]

Anschließend studierte er Sport und Pädagogik an der University of Surrey, wo er 2008 einen Bachelor of Arts erwarb. Danach studierte er an der St Mary’s University, Twickenham und erwarb dort 2011 einen Master-Abschluss in Pädagogik sowie am Institute of Education in London ein Certificate in Education. 2013 erhielt er an der Liverpool John Moores University den Master in Education und das Post-Graduate Certificate in Teaching and Learning in Higher Education. 2015 wurde er dort im Fach Pädagogik (education) zum Ph.D. promoviert. Die Dissertation wurde von Phil Vickerman betreut,[8] einem Vizekanzler der Universität und Professor für inklusive Pädagogik.

Vor seiner weiteren akademischen Laufbahn arbeitete Arday als Sportlehrer; anschließend lehrte er an Hochschulen.[5] Von 2006 bis 2019 arbeitete er als Sportdozent im Hochschulbereich.[9] Aufgrund seiner Angaben zu Wohltätigkeitsarbeit und Spendensammeln wurde er im Juli 2012 zum olympischen Fackelträger gewählt.[10][11]

Arday war seit 2012 Mitglied des Runnymede Trust, einer britischen Denkfabrik für Rassengleichheit, und der British Sociological Association.[12] 2018 veröffentlichte Arday seinen ersten wissenschaftlichen Aufsatz und bekam einen Lehrauftrag an der Roehampton University, bevor er als Associate Professor für Soziologie an die Durham University wechselte. Er war Senior Fellow der Higher Education Academy[13] und war 2016 Visiting Research Fellow an der Ohio State University im Office of Diversity and Inclusion und wurde 2019 Gastprofessor (visiting professor) am Lehrstuhl für Critical Studies in Higher Education der Nelson Mandela University in Südafrika. 2021 wurde er Professor für Bildungssoziologie an der School of Education der University of Glasgow und war damit zu dieser Zeit einer der jüngsten Professoren im Vereinigten Königreich.[14][15][16]

Am 6. März 2023 trat Arday die Stelle als Professor für Bildungssoziologie an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Cambridge an. Mit damals 37 Jahren war er der jüngste schwarze Professor in der Geschichte der Universität.[5][7] Zugleich war er Fellow des Jesus College.[5]

Nachdem die Universität Cambridge eine Untersuchung aufgrund neuer Informationen über seine Qualifikationen und von ihm angegebene akademische Ehren- und Gastpositionen angekündigt hatte, trat Arday am 5. August 2026 von seiner Professur zurück.[4][6] Bei seinem Rücktritt erklärte er, die seit seiner Berufung andauernde öffentliche Überprüfung und die persönlichen Angriffe hätten ihn und ihm nahestehende Menschen stark belastet.[7]

Am Nachmittag des 14. August 2026 wurde Arday im Alter von 41 Jahren in einer Wohnung im Londoner Stadtteil Battersea tot aufgefunden.[3][6] Die Metropolitan Police behandelt den Todesfall als unerwartet, sieht jedoch keine Anzeichen für ein Fremdverschulden.[3][7] Seine Familie erklärte, Arday sei seit seiner Berufung nach Cambridge einer anhaltenden Welle von Anfeindungen und Falschinformationen ausgesetzt gewesen.[7]

Arday war verheiratet und Vater von zwei Kindern.[17]

Forschung

Neben seiner Dissertation hat Arday ein weiteres Buch als Autor veröffentlicht, das das „Cool Britannia“-Phänomen der 1990er Jahre aus der Perspektive ethnischer Minderheiten beschreibt. Daneben ist er Mitherausgeber von zwei Büchern und Autor von Aufsätzen, die sich mit Themen wie den Erfahrungen schwarzer Studenten an Universitäten, der Unterrepräsentation ethnischer Minderheiten in akademischen Laufbahnen und den langfristigen Auswirkungen von Rassendiskriminierung in der Bildung befassen.[18]

Plagiatsvorwürfe und strittige Biografieangaben

Bedenken wegen möglicher unzureichender Kennzeichnung übernommener Textpassagen in Ardays wissenschaftlichen Arbeiten bestanden bereits vor der öffentlichen Kontroverse von 2026.[19][20] Bereits 2023 hatte ein emeritierter Hochschullehrer auf Probleme in späteren Veröffentlichungen Ardays hingewiesen; in der Folge erschienen zu zwei Aufsätzen in der Fachzeitschrift Social Sciences umfangreiche Korrekturhinweise.[21][5]

Die breitere öffentliche Kontroverse eskalierte im Juli 2026, nachdem der frühere Cambridge-Forscher Nathan Cofnas in einem Blogbeitrag Plagiatsvorwürfe erhoben und zugleich verschiedene Angaben in Ardays Biografie angezweifelt hatte.[5][7] Cofnas bezeichnete sich selbst als „race realist“; seine Position an einem Cambridge-College war 2024 nach einer Kontroverse um seine Aussagen über Schwarze und Meritokratie gekündigt worden.[5] Cofnas gab an, Ardays Dissertation mit einer Plagiatserkennungssoftware untersucht und dabei zahlreiche Passagen gefunden zu haben, die wörtlich oder nur leicht verändert aus früheren wissenschaftlichen Arbeiten übernommen worden seien.[5] Auch die Zeitung The Telegraph berichtete über Vorwürfe, dass Arday sowohl in seiner Dissertation als auch in späteren wissenschaftlichen Publikationen umfangreiche Textpassagen wörtlich oder leicht abgewandelt von anderen Autoren ohne ordnungsgemäße Kennzeichnung übernommen habe.[22][23]

Arday räumte Fehler in seinen früheren Arbeiten ein und erklärte, für diese verantwortlich zu sein, wies jedoch die Charakterisierung seiner Person als Lügner zurück.[5] Die beanstandeten Textübernahmen bestritt er nicht; er führte die Fehler unter anderem auf unzureichende Betreuung während seiner Promotion im Hinblick auf seinen Autismus und seine Lernschwierigkeiten sowie darauf zurück, dass er sich zu Beginn seiner akademischen Laufbahn kein professionelles Korrektorat habe leisten können.[5] Zugleich vertrat er die Auffassung, seit seiner Berufung nach Cambridge einer koordinierten und rassistisch motivierten Kampagne ausgesetzt zu sein und als Symbolfigur für Kritik an Maßnahmen zu Diversity, Equity and Inclusion zu dienen.[5]

Die University of Cambridge hatte zunächst darauf verwiesen, dass Vorwürfe hinsichtlich Ardays Dissertation und einiger Zeitschriftenaufsätze von der Liverpool John Moores University beziehungsweise den betreffenden Fachzeitschriften untersucht worden seien.[5] Cambridge verteidigte Arday zunächst öffentlich, leitete später jedoch nach dem Bekanntwerden neuer Informationen über seine Qualifikationen und akademischen Ehren- und Gastpositionen eine eigene Untersuchung ein.[6] Nach seinem Rücktritt kündigte die Universität darüber hinaus eine unabhängige Untersuchung seines Berufungsverfahrens an.[7] Auch die Universitäten Durham und Glasgow begannen im August 2026 mit Untersuchungen zu den Umständen seiner dortigen akademischen Positionen.[6]

Die Kontroverse führte innerhalb und außerhalb der Wissenschaft zu stark unterschiedlichen Reaktionen. Bis zum 1. August 2026 hatten mehr als 12.000 Menschen, darunter mehrere britische Abgeordnete und Wissenschaftler der Universität Cambridge, eine vom Good Law Project initiierte Petition zur Unterstützung Ardays unterzeichnet.[5] Während einige Wissenschaftler die Vorwürfe als rassistisch motivierte Kampagne oder als unverhältnismäßige öffentliche Verfolgung bewerteten, hielten andere eine sachliche Prüfung der Vorwürfe für notwendig, um wissenschaftliche Standards zu wahren.[5] Auch unter schwarzen britischen Wissenschaftlern bestand keine einheitliche Bewertung: Die Autorin und Wissenschaftlerin Afua Hirsch berichtete von schon länger bestehenden Zweifeln einiger schwarzer Soziologen an Ardays akademischem Profil, kritisierte zugleich aber die mediale Behandlung des Falls als unverhältnismäßig und teilweise rassistisch und warnte davor, ihn gegen Maßnahmen zur Gleichstellung auszuspielen.[24]

Neben den Plagiatsvorwürfen wurden verschiedene Angaben Ardays zu akademischen Positionen bestritten. Laut britischen Medienberichten vom August 2026 dementierten mindestens drei Universitäten Angaben zu von ihm beanspruchten akademischen Ehren- oder Gastpositionen.[25] Während die Ohio State University und die University of Glasgow erklärten, keine Aufzeichnungen über eine entsprechende Gastprofessur zu haben, stellte die Durham University klar, dass Arday dort zwar vormals in verschiedenen Positionen tätig gewesen sei, entgegen einer von ihm veröffentlichten Angabe jedoch keine Ehrenprofessur innehabe.[26][25]

Auch frühere Angaben zu Ardays sportlichen und wohltätigen Aktivitäten wurden hinterfragt. So hatte er unter anderem angegeben, 30 Marathons in 35 Tagen, 300 Meilen in drei Tagen sowie 600 Meilen auf einem Laufband in sechs Tagen zurückgelegt und im Zusammenhang mit seinen Wohltätigkeitsaktivitäten mehr als fünf Millionen Pfund gesammelt zu haben.[5] Hinsichtlich der 600 Meilen erklärte Arday später, dass die Strecke einschließlich notwendiger Ruhetage innerhalb eines Zeitraums von zwölf Tagen absolviert worden sei; an seinen anderen Laufleistungen hielt er fest.[5] Zu der Spendensumme von mehr als fünf Millionen Pfund erklärte er, diese sei über einen Zeitraum von rund 20 Jahren gemeinsam mit weiteren Beteiligten gesammelt worden.[5][23]

Auch Ardays Angabe, erst im Alter von elf Jahren sprechen gelernt zu haben, wurde von einigen ehemaligen Schulkameraden bestritten, von anderen hingegen bestätigt.[27]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Cool Britannia and Multi-Ethnic Britain: Uncorking the Champagne Supernova. Routledge, Abingdon 2019, ISBN 978-1-138-21740-9.
  • mit Dave Thomas (Hrsg.): Doing Equity and Diversity for Success in Higher Education: Redressing Structural Inequalities in the Academy. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2021, ISBN 978-3-030-65657-7.
  • mit Heidi Safia Mirza (Hrsg.): Dismantling Race in Higher Education: Racism, Whiteness and Decolonising the Academy. Palgrave Macmillan, London 2018, ISBN 978-3-319-60260-8.
  • mit Eve Claxton: Great and Unfortunate Things. A Memoir. Simon & Schuster/37 Ink, New York 2026, ISBN 978-1-6680-8557-8.

Einzelnachweise

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