Jederitz

Ortsteil von Havelberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Jederitz ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Havelberg im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.[3]

Schnelle Fakten Hansestadt Havelberg ...
Jederitz
Hansestadt Havelberg
Koordinaten: 52° 48′ N, 12° 8′ O
Höhe: 26 m ü. NHN
Fläche: 12,01 km²[1]
Einwohner: 123 (31. Dez. 2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 10 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2002
Postleitzahl: 39539
Vorwahl: 039387
Jederitz (Sachsen-Anhalt)
Jederitz (Sachsen-Anhalt)
Lage von Jederitz in Sachsen-Anhalt
Ortskern
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Geographie

Jederitz, ein Runddorf mit Kirche auf dem Platz, liegt fünf Kilometer südöstlich von Havelberg im Elb-Havel-Winkel in der unteren Havelniederung am Trübengraben, der einen Kilometer nördlich in die Havel mündet. Südlich des Dorfes erstreckt sich das Naturschutzgebiet Jederitzer Holz.[1][4]

Nachbarorte sind Wöplitz und Theerofen im Norden, Klein Damerow und Damerow im Nordosten, Vehlgast im Osten, Fischerberg und Kuhlhausen im Südosten, Neukamern im Süden, Sandau (Elbe) im Südwesten sowie Havelberg im Nordwesten.[4]

Geschichte

Mittelalter bis Neuzeit

Denkmalgeschützte ehemalige Schule

Jederitz wurde im Jahre 1508 erstmals erwähnt als Jederitze im Besitz des Havelberger Domkapitels.[5][6] Weitere Nennungen sind 1534 und 1558 Jederitz, 1652 Jeseritz, danach nur noch Jederitz,[6] so auch 1804 Jederitz, ein Dorf mit Lehnschulze und Förster.[7]

Im 17. Jahrhundert wurde Jederitz als Fischerdorf bezeichnet. 1623 musste jeder Jederitzer eine halbe Mandel Hechte (7 bis 8 Stück) und ein Essen Speisefisch für die Herrn des Domkapitels bereithalten, das übrige durften sie den Fischkäufern verkaufen.[8] 1655 kam es im Ort zu einem Großbrand.[1] Erst 1694 waren alle Höfe wieder aufgebaut. 1858 bekam Jederitz eine eigene Windmühle, vorher musste das Korn zum Mahlen nach Havelberg gebracht werden. Das bereitete Schwierigkeiten, da der Ort durch Hochwasser oft monatelang vom Umland abgeschlossen war. Eine auch bei Hochwasser befahrbare Straßenverbindung nach Havelberg entstand erst 1913.[9]

Bei der Bodenreform wurden im Jahr 1946 insgesamt 290,65 Hektar enteignet und in die Landesforstverwaltung übernommen. Im Jahre 1952 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III mit 27 Mitgliedern und 274,46 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.[1]

Herkunft des Ortsnamens

Der Ortsname wird vom slawischen Wort für „See“ abgeleitet. Nahe der Mündung des Trübengrabens gab es früher verschiedene mit „See“ bezeichnete Gewässer; auch Havelerweiterungen wurden so genannt.[6]

Archäologie

Etwa 1,5 km nordwestlich von Jederitz wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein bronzezeitlicher Schatz gefunden, der Hort von Jederitz, den Richard Hartwich, der damalige Leiter des Prignitz-Museums, 1912 aus der Sammlung von Carl Hartwich erwarb. Die Fundstelle lässt sich nicht mehr nachvollziehen, da in der Literatur sowohl eine Stelle in Ufernähe als auch im Flussbett genannt wird.[10][11]

Im Jahre 1952 wurden im Dorf Scherben einer alt- und jungslawischen Siedlung geborgen und in die Zeit zwischen 9. und 11. Jahrhundert datiert. Die Funde werden im Prignitz-Museum in Havelberg aufbewahrt.[12]

Eingemeindungen

Jederitz gehörte früher zum Havelbergischen Kreis der Mark Brandenburg in der Prignitz. 1817 kam es zum Kreis Westprignitz, dem späteren Landkreis Westprignitz.[1]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Jederitz in den neu gebildeten Kreis Havelberg umgegliedert, der zum 1. Juli 1994 im Landkreis Stendal aufging.[13]

Am 1. Januar 2002 wurde Jederitz nach Havelberg eingemeindet.[14]

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
1734105
1772218
1791258
1801261
1817202
1837301
Jahr Einwohner
1858327
1871342
1895319
1925258
1939214
1946368
Jahr Einwohner
1964264
1971243
1981216
1991197
2011[00]141[15]
2018[00]137[16]
Jahr Einwohner
2021[00]128[2]
2022[00]123[2]
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Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1991:[1]

Religion

Die evangelische Kirchengemeinde Jederitz, die früher zur Pfarrei der Domkirche Havelberg gehörte,[17] gehört heute zur Domgemeinde Havelberg-Nitzow im Kirchenkreis Prignitz im Sprengel Potsdam der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.[18]

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Heinrich in Wittenberge im Dekanat Wittenberge im Erzbistum Berlin.[19]

Politik

Ortsbürgermeister

René Gebhard ist seit 2019 Ortsbürgermeister der Ortschaft Jederitz.[20]

Ortschaftsrat

Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 gewann die Wählergemeinschaft Jederitz alle 5 Sitze.[21]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Dorfkirche

Jederitzer Kirche

Die evangelische Dorfkirche Jederitz ist ein neugotischer Bau aus dem Jahre 1874.[22] Die erste Dorfkirche von Jederitz brannte am 15. Mai 1655 ab. 1657 wurde die zweite Kirche aus Eichenholz mit ausgemauertem Fachwerk erbaut. Dieser Bau erhielt erst 60 Jahre später einen Turm, der allerdings nur 125 Jahre stand. 1842 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen. Am 2. Juli 1874 erfolgte die Grundsteinlegung für die heutige massive Backsteinkirche. Sie erhielt einen 30 m hohen spitzen Turm, der mit 3 Glocken ausgestattet wurde. 1945 wurde der Turm gesprengt, um das Dorf vor Artilleriebeschuss zu bewahren. Der Turm stürzte auf das Kirchenschiff und brachte das Dach zum Einsturz. Der Turm wurde bisher nicht wieder aufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kirchenschiff wieder hergerichtet und der Turmstumpf mit einem Notdach versehen.[23][9]

Schöpfwerk

Das Schöpfwerk am Trübengraben entstand 1973 als eines der größten Schöpfwerke der DDR. Es dient zur Hochwasserregulierung und zur Wasserregulierung für die Fläche hinter dem Deich.[9]

Verkehr

Es verkehren Linienbusse und Rufbusse von stendalbus.[24]

Brauchtum

1843 berichtete Adalbert Kuhn über ein Wettreiten am zweiten Pfingsttag. Dazu versammelten sich die Knechte zu Pferde vor dem Dorf zu einem zweimaligen Wettreiten nach einem an einer Stange aufgehängten und reich mit Bändern geschmückten Kranz.[25]

Literatur

  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. Bearbeitet von Lieselott Enders. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Staatsarchiv Potsdam) – Band 3. Begründet von Friedrich Beck. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2012, ISBN 978-3-88372-032-6, S. 376 f.
Commons: Jederitz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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