Jenseits der Hügel
Filmdrama von Cristian Mungiu (2012)
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Jenseits der Hügel ist ein rumänisch-französisch-belgisches Filmdrama von Cristian Mungiu aus dem Jahr 2012. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.[2]
| Film | |
| Titel | Jenseits der Hügel |
|---|---|
| Originaltitel | După dealuri |
| Produktionsland | Rumänien, Frankreich, Belgien |
| Originalsprache | Rumänisch |
| Erscheinungsjahr | 2012 |
| Länge | 150 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Cristian Mungiu |
| Drehbuch | Cristian Mungiu |
| Produktion | Cristian Mungiu |
| Kamera | Oleg Mutu |
| Schnitt | Mircea Olteanu |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Ankunft und Wiedersehen
Der Film beginnt an einem rumänischen Bahnhof. Alina reist aus Deutschland an, wo sie in den vergangenen Monaten als Saisonkraft in der Gastronomie gearbeitet hat. Sie wird von Voichița empfangen, ihrer engsten Freundin aus Kindheitstagen. Beide jungen Frauen sind gemeinsam in einem staatlichen Waisenhaus aufgewachsen, das von emotionaler Kälte geprägt war. In dieser feindseligen Umgebung bildeten sie eine Überlebensgemeinschaft, aus der eine intensive, auch sexuelle Liebesbeziehung erwuchs. Alinas Rückkehr ist von einer verzweifelten Absicht getrieben: Sie möchte Voichița aus Rumänien herausholen und mit ihr gemeinsam nach Deutschland zurückkehren, um sich dort ein unabhängiges Leben aufzubauen. Alina ist psychisch instabil und klammert sich an Voichița als ihren einzigen emotionalen Fixpunkt.
Das Kloster als Zuflucht
Voichița hat jedoch während Alinas Abwesenheit eine völlig andere Richtung eingeschlagen. Sie lebt mittlerweile als Nonne in einem abgelegenen, kargen orthodoxen Frauenkloster, das sich isoliert „jenseits der Hügel“ befindet. Unter der patriarchalischen Führung eines charismatischen Priesters, den die Nonnen ehrfürchtig „Papa“ nennen, hat Voichița emotionale Geborgenheit und eine feste Struktur gefunden. Für sie bedeutet das Kloster Schutz vor der Außenwelt. Obwohl sie noch immer tiefe Zuneigung für Alina empfindet, weigert sie sich, das Kloster zu verlassen; die Gottesliebe steht für sie nun über der weltlichen Liebe. Alina zieht vorübergehend als Gast in das Kloster ein, wodurch ein unaufhaltbarer Konflikt in Gang gesetzt wird.
Die Eskalation des Konflikts
Alina fordert die exklusive Aufmerksamkeit ihrer Freundin ein. Die strengen Klosterregeln und das permanente Gebet empfindet sie als einengend und absurd. Aus tiefer Verlustangst und Eifersucht auf Gott und den Priester beginnt Alina, gegen die Klosterordnung zu rebellieren. Ihr provokantes Verhalten stört den inneren Frieden der tiefgläubigen Gemeinschaft.
Als Alina erkennt, dass Voichița sich nicht von der Kirche lösen wird, erleidet sie einen schweren psychischen Zusammenbruch. Nach einem heftigen Tobsuchtsanfall wird sie in ein Krankenhaus eingeliefert. Hier offenbart der Film das Versagen der staatlichen Institutionen: Das medizinische Personal ist unterbesetzt und gleichgültig; Alina wird lediglich mit Psychopharmaka sediert und rasch wieder entlassen, da sich niemand für sie verantwortlich fühlt. Auch ihre ehemalige Pflegefamilie verweigert jede Unterstützung.
Der Exorzismus
Zurück im Kloster verschlechtert sich Alinas Zustand dramatisch. Da der Priester und die Nonnen über keinerlei medizinisches oder psychologisches Verständnis verfügen, deuten sie Alinas hilflose Krampfanfälle und ihre gotteslästerlichen Ausrufe als dämonische Besessenheit. Sie sind überzeugt, dass weltliche Mittel versagt haben und nur ein spiritueller Befreiungsakt ihr Seelenheil retten kann.
Aus einer zutiefst fehlgeleiteten Nächstenliebe heraus beschließen sie, einen Exorzismus durchzuführen. Alina wird an ein hölzernes Tragebrett gefesselt, das an ein Kreuz erinnert. Mit Stricken und Ketten fixiert, wird sie tagelang isoliert. Die Nonnen beten ununterbrochen für sie, verweigern ihr jedoch eine ausreichende Zufuhr von Wasser und Nahrung. Voichița gerät in einen quälenden inneren Konflikt zwischen der Loyalität zu ihrer Freundin und dem Gehorsam gegenüber der klösterlichen Autorität – letztendlich fügt sie sich dem Kollektiv.
Das tragische Ende
Nach Tagen der physischen und psychischen Folter kollabiert Alina vollständig. Als die Nonnen bemerken, dass sie kaum noch Lebenszeichen von sich gibt, rufen sie verspätet den Rettungsdienst. Im Krankenwagen stirbt Alina auf dem Weg in die Stadt an den Folgen extremer Dehydration, Herzversagens und körperlicher Erschöpfung. Die herbeigerufene Notärztin reagiert entsetzt und stellt fest, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt.
Der Film endet mit einer langen, statischen Plansequenz aus dem Inneren eines Polizeiwagens, der den Priester und die beteiligten Nonnen zur Vernehmung abführt. Während der Wagen im dichten Stadtverkehr hält, spritzt Schneematsch gegen die Windschutzscheibe. Die Scheibenwischer versuchen mühsam, die Sicht zu klären, während im Hintergrund das Alltagsleben der modernen Stadt weitergeht.
Hintergrundinformationen
Mungiu ließ sich bei seinem Drehbuch von zwei Sachbüchern der rumänischen BBC-Journalistin Tatiana Niculescu Bran inspirieren, die einen 2005 tödlich verlaufenden Exorzismus an der 23-Jährigen Maricica Cornici in Tanacu (Kreis Vaslui) dokumentiert hatte.[3]
Kritik
| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 91 %[4] |
| Metacritic (Metascore) | 79/100[5] |
| AllMovie |
Jenseits der Hügel erhielt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes größtenteils positive Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Zertifiziert Frisch“ ein.[4] Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus.[5] Es folgen einige repräsentative Pressestimmen:
„Es ist ein hintergründiger und ernster Film aus einer Region, in der politische, sexuelle und religiöse Unterdrückung so erstickend sind wie die rußige Luft.“
„Mit seinen langen Einstellungen und dem bedächtigen Tempo ist Jenseits der Hügel anspruchsvoll, aber immer fesselnd, auch während des sich wiederholenden Mittelteils.“
„Basierend auf einem realen Exorzismusfall, erkundet der Film die voraufklärerische Parallelgesellschaft des Klosters und die medizinischen wie familiären Institutionen im postkommunistischen Rumänien. Dabei scheint vor allem auch ein Liebesfilm durch: Im Kern ist er ein Drama um Eifersucht, Verlustangst und nicht gelebte Sexualität; ebenso geht es um die Konkurrenz der irdischen Liebe zur Gottesliebe. Formal beeindruckend, gerät das Drama mitunter zur allzu forcierten Elendsbeschreibung.“
Auszeichnungen
- Auszeichnung in der Kategorie Beste Darstellerin für Cristina Flutur und Cosmina Stratan
- Auszeichnung in der Kategorie Bestes Drehbuch für Cristian Mungiu
- Nominierung für den Gold Hugo für Cristian Mungiu
- Auszeichnung in der Kategorie Bestes Drehbuch für Cristian Mungiu
- Nominierung für den Art Cinema Award