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Jimmie Åkesson

schwedischer Politiker und Vorsitzender der Partei Sverigedemokraterna From Wikipedia, the free encyclopedia

Per Jimmie Åkesson (* 17. Mai 1979 in Ivetofta, Valje, Gemeinde Bromölla) ist ein schwedischer Politiker der Sverigedemokraterna (SD), deren Vorsitzender er seit 2005 ist. Er ist seit 2010 Abgeordneter im schwedischen Reichstag. Von 2000 bis 2005 stand er der SD-Parteijugend vor.

Jimmie Åkesson, 2026

Leben

Åkesson wuchs in Sölvesborg auf.[1] Bevor er Politiker wurde, studierte er von 1998 bis 2005 unter anderem Politikwissenschaft, Philosophie und Volkswirtschaftslehre an der Universität Lund.[2][3] Von 2000 bis 2006 arbeitete er als Webdesigner in dem mit Parteikollegen gegründeten Unternehmen BMJ Aktiv.[3][4]

Im Rahmen des Wahlkampfs zur Wahl 2026 gründete er die Dansband Åkezzonz. Gemeinsam mit Fröken Snusk konnte Åkessond im August 2026 mit dem Lied Så länge som mitt hjärta slår den 40. Platz der schwedischen Singlecharts erreichen.[5][6]

Åkesson war von 2011 bis 2020 mit der SD-Politikerin Louise Erixon (* 1989) liiert.[7] Gemeinsam haben sie einen Sohn (* 2013).[8] Im Jahr 2024 heiratete er Matilda Kärnerup.

Parteikarriere

Als Jugendlicher begann sich Åkesson wegen der Migrationspolitik und dem Referendum über den Beitritt Schwedens zur Europäischen Union 1994 politisch zu engagieren. Gemeinsam mit Schulkameraden gründete er die lokale politische Jugendgruppe Ny höger, die sich schließlich der Parteijugend der Moderata samlingspartiet anschloss.[4] Er verließ die Partei, da sie Kernkraft unterstützte und er ihre EU-Politik nicht befürwortete.[1]

Åkesson selbst gibt an, dass er erst im Jahr 1995, nach dem Rücktritt von Anders Klarström, SD-Mitglied geworden sei. Klarström war erster Vorsitzender der SD und zuvor in der neonazistischen Nordiska rikspartiet (NRP) aktiv gewesen. Einem Interview aus dem Jahr 1999 und weiteren Quellen zufolge war Åkesson jedoch bereits zuvor SD-Mitglied.[4][9][10]

Vorsitzender der Parteijugend (2000–2005)

Im Juli 2000 wurde er im Alter von 21 Jahren zum Vorsitzenden der Sverigedemokraterna-Parteijugend, der SDU, gewählt. Zuvor war er bereits ab 1998 deren stellvertretender Vorsitzender gewesen.[11] Nachdem es im Jahr 2001 zu einer Spaltung innerhalb der SD gekommen war, erhielt Åkesson mehr Einfluss in der Mutterpartei. Im Jahr 2003 schrieb er an ihrem Parteiprogramm mit.[4]

Er blieb bis 2005 Vorsitzender der Parteijugend.[3]

Parteivorsitzender (seit 2005)

Jimmie Åkesson, 2012

Im Mai 2005 wurde Åkesson zum Parteivorsitzenden der Sverigedemokraterna gewählt. Er setzte sich mit 91 zu 50 Stimmen gegen Mikael Jansson durch, der ab 1995 Vorsitzender gewesen war.[12]

Die SD, die Wurzeln im Neonazismus hat, wurde zu dieser Zeit als Partei mit nur einem politischen Thema, der Reduzierung der Zuwanderung, wahrgenommen.[13] Im Jahr 2006 wurde das alte Parteilogo, eine brennende Fackel, durch ein blau-gelbes Leberblümchen ersetzt.[9]

Erste Wahlen (2006–2009)

Im Jahr 2006 leitete Åkesson erstmals den Wahlkampf seiner Partei bei einer Reichstagswahl. Die SD konnte ihr Ergebnis gegenüber der Vorwahl zwar verbessern, verpasste mit 2,93 % der Stimmen allerdings den Einzug in das schwedische Nationalparlament.[14]

Bei der Europawahl im Juni 2009 rückte die Partei auf 3,27 % vor und konnte wiederum kein Mandat erzielen.[15]

Einzug in die Parlamente und Verbesserung der Ergebnisse (2010–2019)

Bei der Wahl im September 2010 erreichte die Partei 5,7 % der Stimmen und zog mit 20 Abgeordneten in den Reichstag ein.[14] Es war der erste Einzug der Partei in das Nationalparlament. Die anderen Fraktionen des Reichstags distanzierten sich von der SD und isolierten die Fraktion.[13]

Bei den folgenden Wahlen konnten die Sverigedemokraterna unter der Führung von Åkesson das Ergebnis jeweils verbessern. Bei der Europawahl 2014 erhielt seine Partei 9,67 % der Stimmen und erlangte damit erstmals auch Mandate im Europäischen Parlament.[15] Ab der Reichstagswahl 2014, bei der die Partei 12,86 % der Stimmen erhielt, stellte sie die drittgrößte Fraktion im Parlament. Nach der Reichstagswahl 2018 und einem Ergebnis von 17,53 % wuchs die SD-Fraktion auf 62 Abgeordnete an.[14] Bei der Europawahl 2019 erhielten die Sverigedemokraterna 15,34 % der Stimmen und drei Mandate.[15]

Duldung der Regierung Kristersson (seit 2022)

Bei der Parlamentswahl 2022 erzielte die SD mit 20,54 % der Stimmen und 73 Mandaten das zweitbeste Ergebnis.[16] Die Sverigedemokraterna begannen nach der Wahl die Minderheitsregierung von Ulf Kristersson zu dulden.[9] Bei der Europawahl 2024 musste die Partei erstmals unter Åkessons Führung einen Rückgang der Stimmen bei einer EU-Wahl hinnehmen. Mit 13,17 % konnte sie sich jedoch weiterhin drei Mandate sichern.[17]

Öffentliche Ämter

Lokalpolitik

Åkesson kandiderte bei der Kommunalwahl 1998 in der Gemeinde Sölvesborg für die SD. Mit 1,79 % der Stimmen erzielte die Partei ein Mandat und er wurde erstmals Mitglied des Kommunalparlaments.[4] Von 2006 bis 2010 gehörte er zudem dem Landsting der Provinz Blekinge län an.[2]

Abgeordneter im Reichstag

Åkesson bei einer Rede im Reichstag, 2021

Bei der Reichstagswahl 2010 zog Åkesson erstmals in den schwedischen Reichstag ein. Dort vertritt er den Wahlkreis Jönköpings län und wurde Mitglied im Kriegsausschuss. In diesem Ausschuss verblieb er auch nach den Wahlen 2014 und 2018.[2]

Im Dezember 2021 wurde er zusätzlich Mitglied im Beirat für auswärtige Angelegenheiten. Auch nach der Parlamentswahl 2022 wurde Åkesson erneut Mitglied in beiden Gremien.[2]

Positionen

Das European Center for Populism Studies gab 2020 an, dass weder Åkesson noch seine Partei vollständig demokratisch seien. Die Partei habe sich unter ihm zwar weiter von der nationalsozialistischen Bewegung entfernt, sei aber im Wesenskern weiter von Islamfeindlichkeit und dem Widerstand gegen Einwanderung geprägt.[10]

Nachdem er im Jahr 2000 zum Vorsitzenden der Parteijugend gewählt worden war, gab er in einem Interview an, dass er zwar etwas weniger radikale Ansichten als sein Vorgänger vertrete, er es aber als „zutiefst kränkend“ empfände, wenn er als liberal bezeichnet werde.[4]

Europäische Union

Åkesson ist Gegner der schwedischen Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU). Er forderte lange den EU-Austritt. Nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs wich er von dieser Forderung zurück. Stattdessen wolle er und seine Partei den Einfluss auf die nationale Souveränität der Mitgliedsstaaten minimieren.[18][19]

Einwanderung und Islam

Nach Aussagen zu Migranten und Muslimen wurde ihm wiederholt Volksverhetzung vorgeworfen.[20][21] Im Jahr 2009 nannte Åkesson den Islam die größte Bedrohung Schwedens seit dem Zweiten Weltkrieg.[22]

In einer Rede auf einem Parteitag im Jahr 2023 forderte Åkesson, die Errichtung neuer Moscheen zu stoppen. Moscheegebäude, in denen antidemokratische oder antisemitische Propaganda verbreitet werde, müssten abgerissen werden. Islamische Symbole wie Minarette und Halbmonde sollten aus dem Stadtbild „vollständig entfernt“ werden. Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson wies die Forderung nach einem Abriss von Moscheen scharf zurück.[23]

Åkesson lehnt Beschneidungen aus nicht-medizinischen Gründen ab. Im Jahr 2026 gab er an, dass er für die Angehörigen der jüdischen Minderheit in Schweden eine Ausnahme vorsehe.[24]

Schwangerschaftsabbrüche

Zu seiner Zeit in der Parteijugend war Åkesson Teil der Pro-Life-Bewegung.[4] Im Jahr 2018 forderte er, Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr bis in die 18., sondern nur noch bis in die 12. Schwangerschaftswoche, zu erlauben.[25]

Todesstrafe

Åkesson ist Gegner der Todesstrafe.[4] Im Jahr 2018 gab er in einer Parteitagsrede an, dass er jedoch die Abschiebung von ausländischen Staatsbürgern befürworte, wenn diese in Schweden wegen schwerer Gewalt- und Sexualverbrechen verurteilt worden seien, selbst wenn ihnen in ihrem Heimatland die Todesstrafe oder Folter drohe.[26]

Schriften

Commons: Jimmie Åkesson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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