Jobst Tilmann

deutscher bildender Künstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Jobst Tilmann (* 1949 in Springe/Hannover) ist ein deutscher bildender Künstler.

Jobst Tilmann bei der Ausstellungseröffnung 'Anfang ohne Ende' im März 2020 im Kunstmuseum Ahlen

Leben

Er absolvierte ein Studium der Freien Kunst an der damaligen Werkkunstschule Hannover bei Günther Wolfram Sellung und Herbert Ribitzki. Von 1972 bis 1977 war er Fachlehrer für Kunsterziehung an allgemeinbildenden Schulen. 1976 hatte er seine erste Einzelausstellung mit Zeichnungen in der Galerie Brusberg in Hannover. Von 1982 bis 2002 lebte und arbeitete er wechselweise in Saint-Restitut und Völksen, zusammen mit der Künstlerin Antje Smollich. Während dieser Zeit arbeitete er mit Galerien in Lyon und Nizza zusammen, ebenso wie mit dem Zentrum für Druckgrafik URDLA in Villeurbanne.[1]

1995 führte ihn ein mehrmonatiger Arbeitsaufenthalt nach Marseille, wo er ein Atelier in der Friche de la belle de mai hatte.

Von 2000 bis 2012 lehrte Tilmann an der Fakultät Gestaltung der HAWK Hildesheim. Von 2014 bis 2019 lebte er auf Gut Walshausen und seit 2019 lebt und arbeitet er in Wiedenbrück.[2]

Arbeiten

Jobst Tillmann richtete nach gegenständlich-figürlichen Malereien in den 1970er Jahren mit seiner Umsiedelung nach Frankreich und dem Erleben der örtlichen unterirdischen Kalksteinbrüche die bildnerischen Konzepte neu aus. Arbeit auf Papier war das Hauptarbeitsfeld, begleitet von großformatigen Malereien auf Leinwand.

Auf der Basis beobachteter Arbeitsprozesse und deren Wandel sowie dessen Logik entwickelte Tilmann eine eigenständige und autonome Bildwelt. Regelhaftigkeit und Orthogonalität sowie deren Störungen waren prägende Charaktere bis zum Beginn der 2000er Jahre. Strenge Ordnungsprinzipien verloren danach zunehmend an Bedeutung zugunsten sich frei organisierender prozessbasierter Malerei.

Zitate zu seinem Werk Ulysse

„Die Prozesse umkehren: Nicht im Gedanken der Ordnung beginnen – sondern im scheinbar Ungeordneten, im scheinbar Chaotischen! Die Phänomene nicht von Außen betrachten, sondern von Innen, sie aus ihren Ursprüngen entstehen und sich entwickeln lassen, mitgehen!“

J. Tilmann 2005

„[…] Auch wenn wir in den ‚Ulysse‘-Serien eine Abkehr vom Prinzip der orthogonalen Bildentwicklung beobachten und ihre Entstehung sich ganz anders vollzieht, sie weniger rational und kontrolliert zustande kommen, ist das Prinzip ihrer Genese doch nicht weniger klar zu beschreiben als das der früheren Werke.

Gegen das Orthogonale, Strenge und Gegliederte setzt er nun das Nicht-Orthogonale und Ungegliederte. Gegenüber dem Primat der Ordnung in den früheren Werken scheint jetzt der Zufall der Vater der Komposition zu sein. Der graue Umriss, ob positiv oder negativ, mit dem Tilmann Formen aus der Farbe herausarbeitet, folgt eher einem Re ex als einem Kalkül. Der Regisseur der neuen Bilder ist viel stärker das Unterbewusstsein des Künstlers als sein Bewusstsein. An dieser Unterscheidung hängt mehr als ein trockener Begriffsformalismus.

Da geht es um die Befreiung von Gefühlen und Energien, die in der Vergangenheit von einem kühl kalkulierenden Verstand in Schach gehalten wurden […]“

Michael Stoeber zur Ausstellung Ulysse, Hannover 2009

Den Farbentwicklungen folgende Interventionen mittels Kontur und deckender Füllung in neutralem Grau übernahmen Aufgaben von Struktur- und Formbildung.

Zitat zu seinem Werk Anfang ohne Ende

„Die Malerei selbst ist zum Steinbruch geworden, in dem Tilmann nicht nur markante Formen, sondern eigene Objekt-Charaktere findet. Diese aus der Leinwand nun vollends herauszuschneiden, aus der Einheit des Bildzusammenhangs zu lösen und ihnen zur eigenen Existenz in Holz, Karton, Stahl oder Polsterstoffen zu verhelfen, scheint indexikalisch mit dem ‚zur Welt kommen‘ in den Steinbrüchen verbunden.“

Michael Stockhausen in der Monografie Anfang ohne Ende, Kunstmuseum Ahlen 2019

Ausstellungen (Auswahl)

Zusammenarbeit mit Galerien in Deutschland und Frankreich, u.a. Galerie Brusberg Hannover, Galerie Lydie Rekow Lyon, Galerie Evelyne Canus La Colle-sur-Loup/Paris/Basel, Galerie Francoise Moulin Lyon, Galerie Schlieper Hagen, Galerie Voss Dortmund ... Mehrfache Vertretung auf internationalen Kunstmessen (ArtCologne, SAGA Paris, ART Basel).

Jobst Tilmann realisierte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Frankreich und Deutschland.

Ausstellungen (Auswahl von Gruppen- und Einzelausstellungen)

  • 1972: Herbstausstellung, Kunstverein Hannover
  • 1974: Kunst 74, Haus der Kunst, München
  • 1978-83: Mai-Salon, Haus am Lützowplatz, Berlin[3]
  • 1980: Energie unserer Zeit, Orangerie Hannover
  • 1984: Villa Massimo, Kunstverein Hannover
  • 1988: Contemporary Artprints of the World, International Artcenter Kyoto
  • 1988: Nomenclature, Lyon
  • 1988: Fracotrain, Lyon und Nizza
  • 1990: Fonds national d'art contemporain, Paris
  • 1990: Salon d'art contemporain de Montrouge, Paris
  • 1990: Palais des Congrès, Perpignan
  • 1990: Estampes du XXe siècle, Bibliothèque Nationale Paris
  • 1990: Zeichnung, Symbol, Totem, 6. Nationale der Zeichnung, Augsburg
  • 1993: Van Stof tot Asse, Galerie de Ziener, Asse
  • 1997: Dortmunder Kunstverein
  • 1998: Kunstverein Hameln, Hameln, mit Antje Smollich
  • 1999: PreussenElektra, Hannover
  • 2000: Drei, Smollich, Möllers, Tilmann, Städtische Galerie Kubus, Hannover[4]
  • 2001: Fine Arts Festival, Seoul Arts Center, Seoul
  • 2001: Poesimage, URDLA in Villeurbanne, La Maison des Arts d'Évreux
  • 2001: Nervensache, Schloss Landestrost, Neustadt am Rübenberge
  • 2001: Lux Aeterna, Hermannshof Völksen, Springe-Völksen
  • 2001: Die andere Seite, Osthaus Museum Hagen, Hagen
  • 2002: Voyage (mit Robert Schad) Kunstverein Münsterland, Coesfeld
  • 2002: Kunstmuseum Ahlen
  • 2002: Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Kaiserslautern
  • 2003: Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, Mülheim an der Ruhr
  • 2003: Kunstmuseum Singen, Singen
  • 2003: Beziehungsweise, mit Antje Smollich, Künstlerhaus Göttingen
  • 2006: Pentacube, Städtische Galerie KUBUS, Hannover[5]
  • 2006: Pentacube, München[6]
  • 2006: Terrain Vague, Stadtmuseum Beckum, Beckum
  • 2007: Salon Salder, Städtische Kunstsammlung Salzgitter[7]
  • 2009: Ulysse, Städtische Galerie Kubus, Hannover
  • 2010: Landpartie, Westdeutscher Künstlerbund, Museum Abtei Liesborn
  • 2011: L'appétit vient en mangeant, Kunstverein Gütersloh
  • 2011: Ausser Haus, Kunsthaus Stade, Stade
  • 2012: Bolero, Galerie Rivelli, Peking[8]
  • 2012: Bolero, Manifesta 9, Genk[9]
  • 2013: Trans, Galerie im Stammelbachspeicher, Hildesheim
  • 2016: Biennale de livres d'artistes, Vauvert (Gard)
  • 2020: Anfang ohne Ende, Retrospektive, Kunstmuseum Ahlen[10]
  • 2021: Bolero, Centre André Malraux, Rouen[11]
  • 2023: Aufstellung - Malerei, Treppenhausgalerie im Elsbachhaus Herford[12]
  • 2023: Fällt (nicht) vom Himmel, Carlernst-Kürten-Stiftung Unna[13]
  • 2023: Vis-a-Vis, Sammlung Kunstmuseum Ahlen[14]

Vertreten in Sammlungen in Privat- und Unternehmenssammlungen wie auch in Museen in Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz u. a.: Land Niedersachsen Département Drome Region Hannover Deutsche Bank AG E.ON PreussenElektra Bibliotheque Nationale, Paris Fonds National d'Art Contemporain, Paris Sprengel-Museum, Hannover Kunstmuseum Ahlen

Veröffentlichungen

  • Jobst Tilmann - Anfang ohne Ende, Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung Kunstmuseum Ahlen, Februar 2020, 216 Seiten, Verlag Kettler in Bönen, ISBN 978-3-86206-806-7
  • Jobst Tilmann - Robert Schad, Begleitbuch zur Ausstellung Voyage[15] Kunstmuseum Ahlen, 8.09.2002 – 27.10.2002, Verlag Kettler in Bönen

Einzelnachweise

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