Joe Viera
deutscher Jazzmusiker und -pädagoge
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Josef „Joe“ Viera (* 4. September 1932 in München;[1] † 7. April 2024 ebenda[2][3]) war ein deutscher Musiker, Komponist, Jazz-Saxophonist, Musikpädagoge und Hochschullehrer.
Leben und Wirken
Joe Viera wurde als Sohn der Schriftstellerin Rose Vierasegerer, geborener Zimmermann, und des Schriftstellers Josef Viera (eigentlich Josef Sebastian Vierasegerer[4]) geboren. Nach einem Studium der Technischen Physik an der Technischen Hochschule München, das er als Diplom-Ingenieur abschloss, studierte er privat Musik, war als Musiker, Arrangeur, Lehrer und Autor tätig. Seine ersten Instrumente waren Sopran- und Altsaxophon, später wechselte er zum Tenorsaxophon. Er begann von 1955 bis 1957 in der Band Hot Dogs,[5] woraufhin seine umfangreiche Konzerttätigkeit begann und er im Bereich des traditionellen Jazz die Gruppe Riverboat Seven gründete. Daneben spielte er ab 1962 im Duo mit dem Pianisten Erich Ferstl und im Trio mit Bassist Manfred Eicher. Ab 1969 arbeitete er im Quartett mit Ed Kröger, Sigi Busch und Heinrich Hock und ab 1976 im Sextett (u. a. mit Dieter Ilg, Hannes Clauss und Martin Schrack). Später gehörte Hans-Jürgen Bock zu seinem Trio. 1978 absolvierte er eine Tournee durch neun afrikanische Länder.
Ab 1960 hat Viera Seminare, Workshops und Vorträge (zum Teil auch in anderen Ländern Europas) gegeben und organisiert. 1970 begann er mit der Herausgabe der reihe jazz, einer umfangreichen Serie von Jazzunterrichtswerken (Übersetzungen in Polnisch, Schwedisch und Griechisch), für die er ausgezeichnete Instrumentalisten hinzuzog. Ab 1963 war er Dozent der Sommerkurse für Jazz an der Akademie Remscheid und von 1969 bis 1980 leitete er das Education Center der von ihm mitbegründeten Internationalen Jazzföderation. Von 1971 bis 1998 unterrichtete Joe Viera als Lehrbeauftragter an Ilse Storbs Jazzlabor der Universität-Gesamthochschule Duisburg (ab 1981 als Professor), von 1980 bis 1985 an der Hochschule für Musik Würzburg und daneben von 1971 bis 1997 an der Musikhochschule Hannover, seitdem an der Universität München und an der Universität Passau (bis 2018). Er war Mitbegründer der Union Deutscher Jazzmusiker (ab 1988 erster Vorsitzender). Ab 1975 war er zudem Gastdozent der Stiftung Alte Kirche in Boswil in der Schweiz.
Gemeinsam mit Helmut Viertl begründete er 1970 die Internationale Jazzwoche Burghausen, deren künstlerischer Leiter er bis zu seinem Tod war. An 1972 war er in Burghausen zudem Leiter des Studienzentrums für zeitgenössische Musik. 1974 erhielt er die silberne Ehrennadel der Stadt Burghausen. Zu seinen Kompositionen gehörte beispielsweise Segmente 7–16 von 1979.
Im Jahr 1993 gründete Viera gemeinsam mit dem damaligen Referatsleiter Musik an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen, Walter A. Neubeck, die Lehrer Big Band Bayern (LBB Bayern)[6] als deren musikalischer Leiter er bis Ende 2000 fungierte. Er nahm mit diesem Ensemble mehrere CDs auf.
Viera erhielt 1996 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz am Bande), 2021 den Bayerischen Verdienstorden.
Joe Viera war evangelisch, ab 1973 verheiratet mit Therese Viera, geborener Kopp, hatte eine Tochter (Christine), lebte in München und starb 2024 91-jährig in einem Münchener Krankenhaus.[3]
Diskographische Hinweise
- Essay in Jazz. 1973.
- Joe Viera Sextett Kontraste. Calig 1978 (mit Jochen Rose, Axel Prasuhn, Martin Schrack, Detlev Beier, Hans Clauss, Gerhard Laber)
Buchveröffentlichungen (Auswahl)
- Grundlagen der Jazzrhythmik. 1970.
- Arrangement und Improvisation. 1971.
- Neue Formen – Freies Spiel. 1971.
- Der Free Jazz. 1974.
- Das Saxophon im Jazz. 1977.
Literatur
- Viera, Joe. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1280.
Weblinks
- Literatur von und über Joe Viera im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Leitung Professor Joe Viera. In: Uni Big Band Passau. 26. November 2006, archiviert vom am 8. Dezember 2010.
- Peter Machac: Prof. Joe Viera Jazzmusiker im Gespräch. (pdf; 52 kB) In: BR-alpha-Sendung „Forum“. 20. Januar 2003.
- Publikationen bei Universal Edition
- br.de: Zum Tod von Joe Viera