Johannes Schreiter

deutscher Maler, Grafiker und Glasbildner From Wikipedia, the free encyclopedia

Johannes Schreiter (* 8. März 1930 in Buchholz, Sachsen) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Glasbildner.

Leben

Johannes Schreiter wurde 1930 in Buchholz im Erzgebirge geboren und besuchte in Annaberg das Gymnasium, wo er 1948 das Abitur ablegte. Ihn prägte sein protestantisches Elternhaus und die Leidenschaften für Musik, die ihm sein Vater weitergab. Doch seine Absicht, Musik zu studieren, gab er auf. Stattdessen floh er 1949 vor der kommunistischen Diktatur nach Westdeutschland.[1] An der Werkschule in Münster studierte er bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei bei Vincenz Pieper. 1952 begann er mit der Lehramtsausbildung als Kunsterzieher an der Landeskunstschule in Mainz, die er 1957 mit dem Staatsexamen abschloss. Eingeschoben war ein Jahr an der Berliner Hochschule für Bildende Künste in Berlin.[1] Seine Studien ermöglichte ihm ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Danach ließ er sich als freier Maler in Bonn nieder. Bereits in den ersten Jahren entstanden mehrere Werke für Kirchen.[1] 1959 erfand Johannes Schreiter den Bildtypus der Brandcollage oder Fumage-Collage.

Von 1960 bis 1963 leitete Schreiter die Abteilung „Fläche“ an der Staatlichen Kunsthochschule Bremen. Von 1963 bis 1987 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Frankfurt am Main, von 1971 bis 1974 deren Rektor.

Johannes Schreiter ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[2] Er lebt heute in Langen (Hessen) und ist seit November 2013 Ehrenbürger der Stadt.[3]

Werk

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Weitere Informationen Jahr, Ort ...
JahrOrtWerk
1959–1960Kitzingen Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, Chorfenster
1959–1960Mainz Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität, Treppenhaus, nach dem Gebäudeabriss (2013) wurde das Glasbild 2020 im Neubau der Theologie montiert.
1960Bürgstadt Kirche St. Margareten, Dreiecksfenster, Symbol für das Auge Gottes
1960Bürgstadt Kirche St. Margareten, Marienkapelle, Glasmosaik
1962Osnabrück Melanchthonkirche
1965Hamburg Kath. Mariendom[4]
1965Leutesdorf Blaue Kapelle
1969Frankfurt-Preungesheim Festeburg Kirche, Beton-Glasfenster
1974 Hofen Evangelische Kirche
1977Limburg an der Lahn St. Maria, Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus, 8 Glasfenster
1977–1978Kalbach-Niederkalbach Kirche St. Laurentius
1978Dortmund Marienkirche, Chor, Marienaltar
1980Frankfurt am Main Mariahilf-Kirche
1981–1982 Lübeck St. Marien, Fenster der Briefkapelle[5]
1984Heidelberg Heiliggeistkirche
1985Münster-Coerde Andreaskirche[6]
1987Lüneburg St.-Nicolai-Kirche, Chorfenster[7]
1992–2000Goslar Marktkirche St. Cosmas und Damian
1992, 2015Osnabrück St. Marien
1993–2000Berlin-Grunewald Grunewaldkirche[8]
1995Prenzlau Marienkirche, Glasfenster „Zerstörung und Wiederaufbau“
1997München-Obermenzing Carolinenkirche, Chorwandfenster mit dem Titel „Aufbruch zum Leben“[9]
1997–1998Göttingen St. Jacobi-Kirche, Meditation über den 22. Psalm, 5 Fenster
1999 Lübeck St. Marien, Westportalfenster[10]
2001Ulm Ulmer Münster, Weltgefährdungsfenster
2001Ulm Ulmer Münster, Weltvollendungsfenster
2002 Mainz-Gonsenheim Evangelische Kirche Mainz-Gonsenheim, 8 Glasfenster
2002Stuttgart Stiftskirche, Fenster der christlichen Hauptfeste, Entwurf
2002?Buchloe Haus der Begegnung, zwölfteiliger Glasfensterzyklus
2002–2003Kiel Nikolaikirche, Taufkapelle / Raum der Stille, vier Fenster
2003Esslingen St. Paul, zwei Lanzettfenster am Taufort an der Südwand.[11]
2003Wüllen St. Andreas
2003St. Ingbert Christuskirche
2003Koblenz-Ehrenbreitstein Heilig-Kreuz
2004Augsburg St. Ulrich und Afra, Magnificat-Fenster, Seitenschiff
2005 Kassel Landeskirchenamt der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck, „Wandbild“ in Glas mit Thema „Zerrissenheit und Heilung“
2006Stralsund St. Nikolai, Greiffenheimsche Kapelle
2006, 2010–2012Heidelberg Peterskirche, Zyklus mit neun Fenstern
2007Mainz Mainzer Dom, Sakramentskapelle
2007Augsburg St. Pius, Seitenkapelle
2008Augsburg Augsburger Dom, Westchor, drei Glasfenster. Herstellung im Mundblasverfahren: Glashütte Lamberts. Einbau: Derix Glasstudio, 2010.
2009Planegg Maria Eich, Wallfahrtskirche
2011Weinsberg Johanneskirche, Ostchor, Auferstehungsfenster (2002), Zyklus zu Psalm 23 (7 Fenster, 2011)
2012Heidelberg Diakoniekirche der Evangelischen Kapellengemeinde, zwei Fenster im Altarraum
2012Augsburg St. Ulrich und Afra, Benedictus-Fenster, Seitenschiff
2013Langen (Hessen) Katholische Kirche St. Albertus Magnus,[12] zwei jeweils 1,90 m × 2,30 m große Glasfenster.[13]
2014Heidelberg Diakoniekirche der Evangelischen Kapellengemeinde, vier Paramente für das Kirchenjahr
2016Langen (Hessen) Evangelische Stadtkirche.[14]
2017Miesau Protestantische Kirche, Schreiter-Zyklus mit fünf Fenstern im Altarraum, die im Wesentlichen Kreuzigung, Auferstehung, Emmaus-Geschichte und Missionsbefehl zeigen.[15]
2018, 2019Miesau Protestantische Kirche, Ergänzung des 2017 gestalteten Schreiter-Zyklus durch je drei weitere Fenster unter den Emporen.[16]
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Glas/Werke/Langen

Im Untergeschoss der Neuen Stadthalle Langen befindet sich seit 2009 eine rund 200 m² große Galerie, in welcher rund 50 Werke von Schreiter und anderer Künstler wie Brian Clarke, Klaus Zimmer und Lukas Derow ausgestellt sind.[17]

Ehrungen

Schriften

  • Glasbilder. Herausgegeben von Hans Gercke, Rainer Volp. Verlag Das Beispiel, Darmstadt 1988, ISBN 3-923974-03-5.
  • mit Stefan Zekorn: Mysterium crucis. Die Glasfenster von Johannes Schreiter in der Kapelle des Priesterseminars Borromaeum Münster – Geheimnis des Kreuzes. Schnell & Steiner, Regensburg 2006, ISBN 978-3-7954-1941-7.
  • Wortfenster, zwei Bände. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2066-6. In kunstwissenschaftlichen Aufsätzen, Essays und Vorlesungen gibt Schreiter Einblicke in seine Gedankenwelt. Den Büchern liegt eine CD bei, mit einer Predigt des überzeugten Christen und neun Musikstücken, die er in den 1940er Jahren komponierte, die lange Zeit verschollen waren und nun erstmals veröffentlicht wurden.
  • Glasbilder – Collagen – Zeichnungen 1995–2012. Texte von Gunther Sehring und Holger Brülls. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2012, ISBN 978-3-89870-687-2.

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Hans H. Hofstätter: Johannes Schreiter. Neue Glasbilder und eine Einführung in die neue Glasbildkunst. Heinz Moos, München 1965.
  • Dorit Marhenke (Red.): Deutsche Radierer der Gegenwart. Kunsthalle Darmstadt, 12.9.–31.10.1982. Athenäum, Königstein/Ts. 1982, ISBN 3-7610-8121-9, S. 148f.
  • Birgit Schwarz: Johannes Schreiter. Das glasbildnerische Werk von 1959 bis 1980 (= Kunst in Hessen und am Mittelrhein, Band 26). Hessisches Landesmuseum, Darmstadt 1987.
  • Markus von Hänsel-Hohenhausen: Freiheit aus Dialog – Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung des Werkes Johannes Schreiters aus Anlaß seines 85. Geburtstages am 8. März 2015.[19]
  • Brigitte Quack: Farbige Glasflächen mit großer inhaltlicher Tiefe. Die Schreiter-Fenster in der Christuskirche St. Ingbert. In: Saarbrücker Zeitung. 10. Juli 2008, S. C4.
  • Yvonne Besser: Religiöse Bildsprache der nichtfigurativen Moderne: der Fensterzyklus zu Psalm 22 von Johannes Schreiter in der Jacobikirche Göttingen. Verlag Otto Lembeck, 2009.
  • Helmut Schwier: Der Fensterzyklus von Johannes Schreiter in der Peterskirche Heidelberg (= Schnell Kunstführer Nr. 2826). Schnell & Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-6955-9.
  • Helmut Schwier (Hrsg.): Botschaften aus Licht und Glas. Der Fensterzyklus von Johannes Schreiter in der Heidelberger Universitätskirche. Mit einem Geleitwort von Johannes Schreiter, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2776-4.
  • Johannes Schreiter. Glasbilder – Zeichnungen – Collagen, 1995–2012. Texte von Holger Brülls und Gunther Sehring. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2013, ISBN 978-3-89870-687-2.
  • Helmut Braun: Johannes Schreiter zum 90. Geburtstag. In: Kirche + Kunst, Jg. 97 (2022), S. 56–57.

Film

  • Eick Hoemann, Peter Rippl: Der Glasmaler. 2011 (73 min.)[20]
Commons: Johannes Schreiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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