Marienkirche (Prenzlau)
Kirchengebäude in Prenzlau, Landkreis Uckermark, Brandenburg
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Die Marienkirche in Prenzlau ist die evangelische Hauptpfarrkirche der Stadt und gehört zu den an Bauschmuck reichsten Kirchen der Backsteingotik in Norddeutschland. Das Bauwerk steht seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz.[1] Die Kirche gehört zum Kirchenkreis Uckermark der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.


Geschichte

Vorgängerbau
Der Vorgängerbau wurde von 1235 bis 1250 als dreischiffige Feldsteinhallenkirche mit einem zweijochigen Langhaus, wenig breiterem Querhaus und einem eingezogenen geraden Chor erbaut. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde diesem Bauwerk der noch erhaltene zweitürmige Westbau vorgelegt.[2]
Hochgotischer Neubau
Von 1289 bis 1340 erfolgte der Kirchenneubau als dreischiffige gotische Hallenkirche im Stil der Backsteingotik unter Einbeziehung des Westteils des Vorgängerbaus aus Feldsteinmauerwerk. Die großräumige Kirche mit sieben Jochen ist 56 Meter lang, 26 Meter breit und 22 Meter hoch; der Dachfirst ist heute 43 Meter hoch. Sie wurde in zwei Abschnitten errichtet, deren Grenze bei den Treppentürmen verläuft. Sie hat je einen relativ flachen, apsidialen Ostabschluss für jedes Schiff.
Im 14. und 15. Jahrhundert kamen die Anbauten der Christophskapelle mit einem Schaugiebel und der zweischiffigen, dreijochigen Margaretenkapelle mit polygonalem Schluss an der Südseite hinzu. Das Kreuzrippengewölbe der Margaretenkapelle ist erhalten geblieben. Nach Westen schließt sich eine zweigeschossige Vorhalle an. Auf der Nordseite entstand eine von einem Maßwerkgiebel nach der Art des Hinrich Brunsberg bekrönte Vorhalle.
Zwischen Reformation und Neuzeit
Der spätere Hof- und Domprediger in Berlin, Johannes Fleck (1559–1628), wirkte von 1596 bis 1601 als Inspektor (Superintendent) an der Marienkirche Prenzlau.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Leichnam des schwedischen Königs Gustav II. Adolf im Rahmen der Überführung nach Schweden vom 20. bis 22. Dezember 1632 im Nordturm der Marienkirche aufbewahrt.
Im Zeitraum 1818 bis 1829 wurden der Dachstuhl und der Glockenturm der Marienkirche werden für 13.691 Taler repariert.[3.1]
1833 und 1834 stellte die Stadtverwaltung der Marienkirchgemeinde je 1000 Reichstaler für den Innenausbau der Kirche zur Verfügung.ref name="Stadtlexikon" details="S. 263" /> Und es folgten noch einmal 3000 Reichtaler im Jahr 1843 „für den Ausbau“.[3.2]
In den Jahren 1844/46 fand eine umfassende Umgestaltung im Innern der Kirche im neugotischen Stil durch Eduard Knoblauch statt.[3.3] Zwischen 1878 und 1887 wurde das Äußere der Kirche restauriert.[3.4]
Im Ersten Weltkrieg (EWK) wurden Teile des Kupferdaches der Kirche als Metallspende des deutschen Volkes abgenommen; die Glockern wurden wegen ihrer historischen Bedeutung verschont.[3.5]
In der Kirche wurde 1921 ein kleines hölzernes Kriegerdenkmal für die im EWK Gefallenen aus der Gemeinde Prenzlau eingeweiht.[3.6]
Zerstörung 1945 und Wiederaufbau

Bei der Besetzung und Zerstörung Prenzlaus am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee am 27./28. April 1945[4] brannte die Kirche mit dem gewaltigen Dachstuhl des Kirchenschiffs aus und das Gewölbe stürzte ein; die Umfassungsmauern und Pfeilerarkaden blieben erhalten. Im Jahr 1947 stürzten die bis dahin erhaltenen Giebel des Nordturmabschlusses ein. In den Jahren 1949/50 wurde der Ostgiebel gegen Einsturz gesichert.[5] Der Wiederaufbau begann 1970, 1972 die Montage des Dachstuhls, 1973/74 die Eindeckung des Satteldaches mit Kupferplatten sowie die Instandsetzung der Treppenanlage in den Türmen und die Eindeckung der Margaretenkapelle. Von 1972 bis 1988 erfolgte die Instandsetzung der Turmfassaden, der Innenausbau der Südkapellen sowie die Restaurierung des Ostgiebels und der östlichen Südfassade. 1982 war der Nordturm vollendet, 1984 das Dach des Südturms, 1988 die Eindeckung und die Einwölbung der Nordvorhalle und 1990/91 die Fassadensanierung; diese Maßnahmen wurden mit Hilfe eines Kirchenbauprogramms in der DDR finanziert.[6] 1990 fand eine Feierstunde für das Erreichte statt. Das moderne Rosettenfenster mit dem Thema Zerstörung und Wiederaufbau wurde vom Glasbildner Johannes Schreiter realisiert und 1995 übergeben. 1997 wurde der Altar wieder aufgestellt.
Für den Wiederaufbau der Gewölbe und der Empore fand seit 2013 eine Spendensammlung statt. Zudem standen im Haushalt der Kulturstaatsministerin im Jahr 2014 dazu zusätzliche Mittel in Höhe von 3,24 Millionen Euro bereit.[7] Seit August 2015 wurden die Ausschreibungen und Vorbereitungen zum Wiederaufbau der Gewölbe vorgenommen.[8] Von Juni 2018 bis Ende 2020 war der Wiederaufbau der Gewölbe geplant.[9][10] Nach anfänglichen Verzögerungen liefen die Bauarbeiten planmäßig.[11] Im April 2019 waren bereits drei, im August 2019 fünf der sieben Joche fertiggestellt.[12] Der Wiederaufbau der Gewölbe wurde wie geplant 2020 vollendet.[13] Am 14. Januar 2020 wurde der letzte Schlussstein der Gewölbe gesetzt. Am 17. Mai 2020 fand ein Gottesdienst anlässlich der Fertigstellung der Gewölbe in der benachbarten Kirche St. Jakobi statt. Seit dem Abschluss der Arbeiten an der Empore und der Orgel wird der wiederhergestellte Innenraum der Marienkirche wieder für Gottesdienste genutzt.[14]
Architektur
Das Kirchengebäude ist ein mittelalterlicher Bau im Stil der norddeutschen Backsteingotik, sie diente als architektonisches Vorbild für viele Kirchen im Ostseeraum. Der restaurierte Ostgiebel bildet einen besonderen Bauteil des Gotteshauses.[1]
Schaufassade
Die prächtige östliche Schaufassade gilt wegen ihrer anspruchsvollen Konstruktion als „einmalig“ in der Backsteingotik; sie ist in den Einzelformen an dem Vorbild des Fassadenrisses F des Kölner Doms orientiert.[2] Der flache Giebel steht über dem Ostabschluss der drei Schiffe. Die Apsiden sind deshalb nur gering ausgebildet mit zwei Polygonseiten in den Seitenschiffen und dreien im Mittelschiff. Einmalig ist insbesondere, dass die im Inneren an den polygonalen Apsiden orientierten Fenster außen in die plane Schaufassade eingepasst wurden, so dass sich schräge Fensterlaibungen ergeben.
Der Giebel ist mit 22 Metern so hoch wie die senkrechte Chormauer. Die sechs Strebepfeiler enden in zierlichen Fialen. Eine fensterähnliche Gestaltung mit Stab- und Maßwerk aus rot- und schwarzglasierten Steinen, mit zusammenfassenden Wimpergen und mit Maßwerkfriesen ergänzt das Bild der Schaufassade.
Seitenwände
Die äußeren Seitenwände werden gegliedert durch die vierteiligen Maßwerkfenster und die mehrfach abgetreppten Strebepfeiler. Über die Traufe ragend befindet sich über einem Maßwerkfries und zwischen Fialpfeilern ein transparenter Kranz aus durchbrochenen Wimpergen. An den vier West-Jochen der Südseite läuft ein Plattenfries mit pflanzlichen Motiven.
Vorhalle und Portale
Die nördliche Vorhalle vom Anfang des 15. Jahrhunderts hat einen dreiteiligen Wimperg-Giebel im Brunsberg-Stil. Das große fünffach abgetreppte Westportal hat Kehlen und Rundstäbe in den Abtreppungen. Darüber befindet sich in Richtung Mittelschiff ein Rundfenster. Ein reichhaltig gestaltetes Portal befindet sich an der Nordseite, ein weiteres an der Südseite.
Türme

Die unteren Geschosse des Westbaus aus Feldstein sind mit Ecklisenen und flachen Blenden gegliedert. Im 14. Jahrhundert wurden die Türme des ursprünglichen Westbaus um drei Geschosse aus Backstein aufgestockt, der Mittelteil erhielt zwei Backsteingeschosse. Den Abschluss des Nordturms mit 68 Metern Höhe bildet ein Satteldach in Ost-West-Richtung zwischen zwei Renaissancegiebeln. 234 Stufen führen zur Türmerstube.
Der Abschluss des Südturms mit 64 Metern Höhe besteht seit 1776. Auch er hat seit 1972 ein Satteldach wie der Nordturm, aber ohne den 4 Meter hohen Sockel. Im oberen Geschoss befinden sich zwei Kirchturmuhren.
Die oberen Geschosse der Türme sind reichhaltiger mit spitzbogigen Blenden aus dem 14. Jahrhundert gegliedert und haben hohe spitzbogige Schallöffnungen mit einfachem Maßwerk in den Glockengeschossen. Der Westbau zeigt trotz Einbeziehung der älteren Mauerteile des Vorgängerbaus und der fragmentarischen Turmabschlüsse eine ausgesprochen monumentale Wirkung, die mit den hoch- und spätgotischen Pfarrkirchen in Wismar und Stralsund vergleichbar ist.
Inneres
Im großräumigen, streng gehaltenen Inneren wurde das Kreuzrippengewölbe mit zwischenliegenden Scheidbögen durch die zwölf reichgestalteten, kreuzförmigen Pfeiler getragen; die vier stirnseitigen Pfeilervorlagen besitzen kräftige Dreiviertelrunddienste (Vorlagen). Die Seitenwände weisen umlaufende Sockelzonen mit zwei spitzbogigen Blenden pro Joch auf. Darüber befindet sich ein Laufgang. Die schlanken Maßwerkfenster sind zumeist vierteilig. Das Fenstermaßwerk wurde bei den Restaurierungen verändert; als ursprünglich könnte das Maßwerk der drei östlichen Fenster auf der Südseite gelten. Der feinprofilierte hochgotische Innenraum der Kirche nimmt innerhalb der Backsteingotik auf Grund eben dieser Eigenschaften eine gewisse Ausnahmestellung ein.
Vor dem Hochaltar befand sich der Grabstein der Adelheid von der Asseburg[15] († 1588), Gemahlin des Leonhard von Kotze, ihr Bildnis war im rechten Seitenschiff zu sehen. Von 1581 bis 1918 wurde auf Grund eines Legats täglich in ihrer Todesstunde gegen zwei Uhr nachmittags geläutet, bis in der Inflation ihre Stiftung verfiel; so blieb ihr Gedächtnis in der Gemeinde lebendig.[16]
Das Rundfenster im Westen nach einem Entwurf von Johannes Schreiter aus dem Jahr 1995 verbindet das Kreuzmotiv mit Farben und abstrakten Formen, die an Leid, Zerstörung, Krieg und Wiederaufbau erinnern sollen.
Ausstattung und Orgel
Hochaltar

Der spätgotische Hochaltar wurde um 1512 vom Meister des Prenzlauer Hochaltars in Lübeck geschaffen. Er überstand die Zerstörung der Kirche, weil er eingemauert worden war und war bis 1991 in der Klosterkirche Prenzlau aufgestellt. Nach einem Diebstahl in diesem Jahr konnte ein großer Teil der gestohlenen Figuren zurückgebracht werden, einige Figuren sind aber bis heute verschollen.[17] Danach wurden die Figuren und Reliefs unter Freilegung der Originalfassung restauriert und in einem rekonstruierenden Aufbau angeordnet.[18]
Im Schrein ist eine Mondsichelmadonna dargestellt, die ursprünglich von vier Engeln umgeben war, von denen nur zwei erhalten sind. Seitlich davon sind vier kleinere, in zwei Reihen angeordnete Heilige dargestellt. In den Flügeln sind in zwei Reihen die Apostel dargestellt, von denen nur neun erhalten sind. In der Predella ist ein breites, lebendiges Relief der Anbetung der Könige zu sehen. Das einst sehr reiche Gesprenge zeigt die Darstellungen von Christus mit der Siegesfahne, die Heiligen Georg und Mauritius und eine bekrönende Madonna im Strahlenkranz.[2]
Die 1510 gefertigten wertvollen Altarfiguren überstanden den Krieg eingemauert in einer Turmnische (die nicht herabgestürzt war). Sie sind heute wieder im Chor der Marienkirche aufgestellt.[3.6]
Orgeln
In den Jahren 1667/68 wurde die erste Orgel eingebaut.[3.7] 1743 folgte eine neue Orgel mit zwei Manualen und etwa 20 Registern, gebaut in der Werkstatt von Johann Michael Röder.[3.8]
Im Jahr 1867 wurde Ernst Flügel Organist und Gymnasialgesanglehrer in Prenzlau und er war bis 1879 als Pianist und Organist auch an der Marienkirche tätig.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945 wurde die Kirche samt Orgel zerstört. - Erst nach der Wiederherstellung der Gewölbe bis 2020 erfolgte der Einbau einer historischen Orgel der Firma William Hill & Son aus dem Jahr 1904, die aus der ehemaligen West Parish Church Kilbarchan in Schottland hierher transportiert und in die Marienkirche eingebaut wurde.[19] Dazu ließ die Kirchengemeinde die frühere Orgelempore wieder aufbauen, deren Baukosten bei rund einer Million Euro lagen.[20]
Im Jahr 2018 begann der Ausbau des dortigen dreimanualigen Spieltisches, der in der Eberswalder Orgelbauwerkstatt unter Orgelbauer Andreas Mähnert renoviert und angepasst wurde.[20]
Seit 2007 arbeitet der Kantor und Orgelsachverständige Hannes Ludwig[21] für die evangelische Kirche Prenzlau. Er hatte sich um die Anschaffung einer gebrauchten Orgel für die Marienkirche gekümmert und den Kontakt mit der schottischen Kirchengemeinde hergestellt. Die Kirche in Kilbarchan wurde entwidmet und verkauft, für die Orgel gab es ein weltweites Nutzungsinteresse. Die Prenzlauer erhielten den Zuschlag, weil sie die einzige Gemeinde sind, die das historische Instrument 1:1 wieder aufbauen und spielen wollen. Für den Ab- und Wiederaufbau, die Aufarbeitung und die Installation werden noch einmal 400.000 Euro veranschlagt. Zur Finanzierung wurden Kirchenarchivalien verkauft, Drittmittel und Spenden eingeworben sowie bereits geplante Projekte zurückgestellt.[20]
Die Orgel selbst ist acht Meter breit, sieben Meter hoch und mit 2500 Orgelpfeifen bestückt, deren längste fünf Meter hoch sind. Da es keine Konstruktionszeichnungen der Orgel gibt, haben die Spezialisten den Abbau mit tausenden Fotos dokumentiert und exakt gekennzeichnet. Gegebenenfalls werden noch Archiv- oder Vergleichsrecherchen nötig. Der gesamte Einbau soll im Jahr 2026 abgeschlossen sein.[22] Die Orgel hat 38 Register auf drei Manualen und Pedal.[23] Die Orgel ist wie folgt disponiert:
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- Koppeln: III/I, III/II, III/III (Sub- und Superoktavkoppeln), I/P, II/P, III/P
Glocken
Die Erstausstattung des Kirchengebäudes umfasste folgendes Geläut: Die große oder Hauptglocke, im Jahr 1561 von der Gießerei Andreas Moldenhauer gefertigt. Sie wog etwa 4.500 kg und war für ihren besonders reinen Klang berühmt. Daneben gab es zwei weitere große Läuteglocken. Eine der mittleren Glocken mit einer Masse von 137 Zentner entstand im Jahr 1567 vom Rotgießer Achim Becker auf dem früheren Johanniskirchhof.[3.7] Dann gab es eine Vesperglocke sowie eine kleine Betglocke, die ebenfalls im Mittelalter gegossen worden waren. Schließlich vervollständigten kleinere Uhrschlagglocken die akustische Ausstattung.[24]
Für das Jahr 1757 berichtet das Stadtlexikon: „Die große Glocke der Marienkirche wird unbrauchbar. Sie hatte einen großen Sprung.“ Sie blieb aber mehr als 100 Jahre so hängen. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte man sie nach Stettin, wo sie bei C. Voß & Sohn umgegossen wurde; am Glockenrand wurden dabei alle Namen der damaligen Stadtverordneten verewigt. Mit dem Neuguss konnten der Klang und ihre Funktion wieder hergestellt werden. Im Juli 1862 wurde sie neu geweiht und auf den Turm gezogen.[3.9]
Als im Ersten Weltkrieg Kirchenglocken als Metallspende des deutschen Volkes abzuliefern waren, stuften die Beauftragten die große Glocke sowie die mittleren in die Kategorie C ein, damit galten sie „als kunsthistorisch wertvoll und bewahrenswert“ und sie durften auf dem Turm verbleiben. – Die Metallsammlung im Kriegsjahr 1942 führte jedoch dazu, dass die beiden mittleren Glocken samt den kleinen Uhren-Schlagglocken doch eingezogen wurden und sie gelangten auf den Glockenfriedhof im Hamburg. Bei den letzten Kämpfen des Krieges wurde die Kirche niedergebrannt, die große Glocke stürzte am 27. April 1945 mit dem brennenden Turmwerk in die Tiefe und zerschellte, Teile schmolzen wohl auch in der Hitze des Feuers. Trümmerstücke der Glocke wurden beim Wiederaufbau geborgen.[24]
So kam es, dass die Ruine der Kirche etliche Jahre – baulich nur notdürftig gesichert – so stehen blieb. Erst in den 1960er Jahren wurde ein Wiederaufbau beantragt aber zunächst abgelehnt. Doch 1970 kam es zum Beschluss, der Evangelewisachen Kirchenverwaltung den Wiederaufbau zu genehmigen.[25][3.10]
Umgebung

Der Mitteltorturm und die Marienkirche am Marktberg bilden gemeinsam eine bekannte Stadtansicht Prenzlaus. Bis zur Zerstörung im Jahr 1945 stand eine Zeile zumeist zweigeschossiger Häuser vor der Ostansicht der Kirche, die den Maßstab für die Marienkirche gab und damit die Monumentalität des Ostgiebels steigerte.[26]
Vor der Kirche steht an der Süd-Westseite das Denkmal Luthers, das Ernst Rietschel im Jahr 1903 nach dem Vorbild des Originals in Worms geschaffen hat.
Kirchgemeinde und Seelsorge
Die Marienkirche ist die evangelische Hauptpfarrkirche der Kirchengemeinde mit den Filialkirchen St. Nicolai, St. Jacobi und St. Sabini. Sie ist Mitglied im Kirchenkreis Uckermark mit seinen Kirchgemeinden. Der Kirchenkreis wird von einem Superintendenten und dem Kreiskirchenrat geleitet.
Dem Erhalt der Kirche widmet sich der Förderverein Marienkirche Prenzlau.
Einige Pfarrer der Marienkirche (in Klammern Dienstzeiten):
- Nach der Reformation (um 1543 in Prenzlau) wurde die Kirche von einem Oberpfarrer (Inspektor/Superintendent) und mehreren Archidiakonen betreut.
- 1543–1570: Johannes Gudenus, erster lutherischer Prediger an St. Marien[27][28]
- 1628–1644: Bernhardus Crucius, wirkte während des Dreißigjährigen Krieges
- 1803–1831: Johann Christoph, Superintendent; Verfasser kirchengeschichtlicher Schriften
- 1885–1912: Karl Schmidt, prägte die Gemeinde in der späten Kaiserzeit
- 1930–1945: Friedrich Schmuhl, letzter Pfarrer vor der Zerstörung der Kirche[29]
- In der Übergangszeit des Wiederaufbaus (die bis in die 2000er Jahre dauerte) wurde die Gemeinde meist von den Pfarrern der benachbarten Jacobikirche oder der St.-Nikolai-Kirche mitbetreut.
- Wilfried Stöber, Pfarrer in den 2010er Jahren[30]
- seit 2020: Anne-Kathrin Krause-Hering (Pfarrerin) und Sophie Ludwig (Pfarrerin, ordinierte Gemeindepädagogin) sind im Kirchenkreis Uckermark für die Leitung der Gottesdienste und Veranstaltungen in St. Marien zuständig (Stand Mai 2026)
Siehe auch
Literatur
- Christian Dürrast: Der evangelische Kirchenbau in der DDR 1969–1989. Berlin 2009 (107 S., mit zahlreichen Aussagen zu dieser Kirche; Magister-Arbeit, Humboldt-Universität zu Berlin).
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9, S. 879–884.
- Joachim Fait: Die erste Marienkirche in Prenzlau – ein Ausgrabungs- und Rekonstruktionsbericht. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Ernst-Moritz-Arndt-Univ. Greifswald. 9.1959/60, Ges.- und sprachwiss. Reihe 4/5, S. 420–421.
- Meister des Prenzlauer Hochaltars. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 37: Meister mit Notnamen und Monogrammisten. E. A. Seemann, Leipzig 1950, S. 277 (biblos.pk.edu.pl).
- Peter Knüvener (Red.): Das Hochaltarretabel in der Prenzlauer Marienkirche (= Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums. Band 28). Lukas-Verlag, Berlin 2013.
- Reinhard Liess: Zur historischen Morphologie der hohen Chorgiebelfassade von St. Marien in Prenzlau. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. Band 27, 1988, S. 9–62.
- Reinhard Liess: Kunstgeschichtliche Anmerkungen zur Chorgiebelfassade der Prenzlauer Marienkirche. In: Kunst im Ostseeraum. Mittelalterliche Architektur und ihre Rezeption. Wissenschaftliche Beiträge der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. 1990, S. 21–35.
- Dirk Schumann: Stadt und Kirche. Die Prenzlauer Marienkirche als „Innovationslabor“ der norddeutschen Backsteinarchitektur. In: Felix Biermann u. a. (Hrsg.): Die Stadt des 12. bis 16. Jahrhunderts in Brandenburg und Pommern. Urbane Zentralitäten im Vergleich (= Einzelveröffentlichungen der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V. Band 28). Berlin 2025, S. 317–342.
Weblinks
- Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09130108 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Marienkirche, Geschichte, Bilder
- Kirchenkreis Uckermark
- Informationen zur Marienkirche in Prenzlau auf der Homepage Uckermark-Kirchen
- komoot: Foto von Nordwesten (Die Nordseite ist auf keinem Commons-Foto zu erkennen.)
- Stadtlexikon Prenzlau, Hrsg. Uckermärkischer Geschichtsverein, mit vielen Details auch zur Marienkirche wie Baudaten, Pfarrer, Ausstattungen; 2005.