Johannes Ullmaier
Literatur- und Kulturwissenschaftler
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Johannes Ullmaier (* 1968 in Winterthur, Schweiz) ist ein in Deutschland tätiger Literatur- und Kulturwissenschaftler. Er arbeitet am Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und publiziert insbesondere zu Neuerer deutscher Literatur, Popkultur, Popmusik, Popliteratur, Avantgarde, Zeit- und Gegenwartstheorie sowie intermedialen Darstellungsformen.
Leben
Ullmaier wurde 1968 in Winterthur geboren und wuchs in Jülich in Nordrhein-Westfalen auf. Nach dem Abitur am Gymnasium Zitadelle Jülich studierte er von 1987 bis 1993 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutsche Philologie, Philosophie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Buchwesen. 1990/91 absolvierte er ein Jahresstipendium an der Filozofski Fakultet in Zagreb. 1993 schloss er das Studium mit dem Magister Artium ab, 1998 wurde er promoviert.[1]
Von 1993 bis 2000 war Ullmaier wissenschaftlicher Mitarbeiter beziehungsweise Angestellter am Deutschen Institut der Universität Mainz. Seit 2001 ist er dort in der Neueren deutschen Literaturgeschichte tätig. Nach Angaben seiner Vita wurde er 2008 Akademischer Oberrat und 2011 Akademischer Direktor.[1] An der Universität Mainz ist er am Deutschen Institut im Bereich Neuere Deutsche Literaturgeschichte tätig.[2]
2003/04 war Ullmaier für den Suhrkamp Verlag tätig, wo er im Lektorat und in der Redaktion der edition suhrkamp sowie des literarischen Hauptprogramms arbeitete.
Im Rahmen seines Aufenthalts als Artist in Residence im MuseumsQuartier Wien arbeitete Ullmaier 2003 mit der Kunst- und Theoriegruppe monochrom zusammen.[1][3] Zu den gemeinsamen Projekten gehörten unter anderem Aktionen im Umfeld von monochroms performativer und kulturtheoretischer Praxis, darunter die 2003 im MuseumsQuartier realisierte Performance Eignblunzn.[4]
Arbeitsschwerpunkte
Ullmaiers Forschung und publizistische Arbeit bewegen sich an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Poptheorie und Medienästhetik. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Zeitheuristik, Erzähltheorie, Panoramatik und Audio-Literatur.[5]
Einen Schwerpunkt bildet die wissenschaftliche Beschäftigung mit Popkultur, Popmusik und Popliteratur. Bereits 1995 veröffentlichte Ullmaier die Studie Pop shoot Pop. Über Historisierung und Kanonbildung in der Popmusik. 2001 erschien Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur, eine Überblicksdarstellung zur deutschsprachigen Popliteratur.[6]
Seit 1995 ist Ullmaier Mitherausgeber der Buchreihe beziehungsweise Zeitschrift testcard. Beiträge zur Popgeschichte, die im Ventil Verlag erscheint. Die Reihe widmet sich kulturtheoretischen, musik- und popgeschichtlichen Themen.[7][6]
Ein weiterer Forschungsbereich Ullmaiers ist die Theorie der Gleichzeitigkeit beziehungsweise Simultaneität. 2016 erhielt er von der VolkswagenStiftung eine Förderung von rund 70.000 Euro für das Projekt Simultaneität. Zur Theorie und Kritik einer proteischen Zentralkategorie des Modernismus. Das Projekt wurde im Rahmen der Förderinitiative „Originalitätsverdacht?“ unterstützt.[8]
Veröffentlichungen
Monographien
- Yvan Golls Gedicht „Paris brennt“. Zur Bedeutung von Collage, Montage und Simultanismus als Gestaltungsverfahren der Avantgarde. Mit einer Edition der Zagreber Erstfassung von 1921. Niemeyer, Tübingen 1995.
- Pop shoot Pop. Über Historisierung und Kanonbildung in der Popmusik. Verlag Frank Hofmann, Rüsselsheim 1995.
- Kulturwissenschaft im Zeichen der Moderne. Hermeneutische und kategoriale Probleme. Niemeyer, Tübingen 2001.
- Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur. Ventil Verlag, Mainz 2001.
Herausgeberschaften, Auswahl
- Luigi Russolo: L’arte dei Rumori / Die Kunst der Geräusche. Erste deutsche Gesamtübersetzung, Schott/Wergo, Mainz 2000.
- mit Jan Voss, Beat Keusch und Björn Roth: Dieter Roth: Da drinnen vor dem Auge. Lyrik und Prosa. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.
- Schicht! Arbeitsreportagen für die Endzeit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007.
- mit Caroline Harmsen und Ulrike Seyer: Gudrun Ensslin/Bernward Vesper: Notstandsgesetze von Deiner Hand. Briefe 1968/1969. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009.
- Ernst Jandl: Das Öffnen und Schließen des Mundes. Frankfurter Poetikvorlesungen 1984/1985. Suhrkamp/absolut medien, Berlin 2010.
- mit Bernd Stiegler und Robert Stockhammer: Brian Eno. Essays, Interviews, Rezensionen, Materialien. Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft 90/91, Schüren, Marburg 2024.
- mit Roman Mauer und Clara Wörsdörfer: Alles im Blick. Perspektiven einer intermedialen Panoramatik. Springer, Berlin 2025.
Rezeption
Ullmaiers Arbeiten werden vor allem im Zusammenhang mit der deutschsprachigen Popliteratur- und Popkulturforschung rezipiert. Der Deutschlandfunk verwies 2004 auf Von Acid nach Adlon und zurück als eine der Überblicksdarstellungen, die die Geschichte deutschsprachiger Popliteratur über mehrere Jahrzehnte hinweg nachzeichnen.[9] Bereits 2001 hatte der Deutschlandfunk das Buch als die umfangreichste Recherche unter den damaligen Publikationen zum Thema Popliteratur bezeichnet.[10] Eine Rezension auf literaturkritik.de bezeichnete Von Acid nach Adlon und zurück als grundlegenden Beitrag zur deutschsprachigen Popliteraturforschung.[11]
Auch Ullmaiers kulturwissenschaftliche und popmusikgeschichtliche Arbeiten wurden besprochen. Nicolas Pethes rezensierte Kulturwissenschaft im Zeichen der Moderne für IASLonline.[12] Paolo Bianchi besprach Pop shoot Pop 1996 in Kunstforum International im Zusammenhang mit Fragen einer wissenschaftlichen Popgeschichtsschreibung.[13]