John Schmitt (Philologe)

deutscher Neogräzist und Romanist From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben und Werk

John Schmitt war der Sohn deutscher Auswanderer in die USA. Er besuchte zunächst eine öffentliche Schule in den USA, ab 1869 zwei Jahre die Schule der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld im Schwarzwald. Er kehrte anschließend in die USA zurück und absolvierte auf Wunsch seiner Eltern eine Kaufmannslehre. Diese Laufbahn brach er jedoch ab und kehrte nach Deutschland zurück, wo er 1877 in Berlin Vorlesungen hörte, ging dann für drei Jahre nach Paris und anschließend drei Jahre nach Italien und Griechenland. 1884 begann er das Studium der Romanistik an der Universität München bei Konrad Hofmann. 1888 wurde er an der Universität München promoviert. Danach ging er zu weiteren Studien zu Ioannis Psycharis in Paris und lebte dann wieder in München. 1898 habilitierte er sich an der Universität Leipzig für Mittel- und Neugriechische Sprache und Literatur, seine Probevorlesung hatte den Dichter Dionysios Solomos zum Thema. Er lehrte dort anschließend als Privatdozent. Im Juni 1901 wurde seine Venia legendi auf die italienische Philologie erweitert. 1903 wurde er zum außerordentlichen Professor für Mittel- und Neugriechische Sprache und Literatur ernannt. 1904 gab er diese Stelle auf und siedelte 1905 nach Rom über, starb dort jedoch schon nach kurzer Zeit an einer schweren Krankheit.

Angeregt durch seine Lehrer Konrad Hofmann und den Byzantinisten Karl Krumbacher beschäftigte er sich bereits in seiner Dissertation 1888 mit der Überlieferungsgeschichte der Chronik von Morea. Danach begann er mit den Arbeiten für eine Textausgabe der Chronik. 1894 reichte er das Manuskript bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ein und erhielt dafür am 28. März 1895 den Preis der Zographos-Stiftung. 1904 legte er die Ausgabe des griechischen Textes vor, die bis heute als Standardausgabe gilt.

Veröffentlichungen

  • Die Chronik von Morea. Eine Untersuchung über das Verhältnis ihrer Handschriften und Versionen. München 1889 (Dissertation, archive.org).
  • Zur Ueberlieferung der Chronik von Morea. In: Festschrift Konrad Hofmann zum 70sten Geburtstag 14. Nov. 1889, gewidmet von seinen Schülern (= Romanische Forschungen. Bd. 5). Junge, Erlangen 1890, S. 519–538 (digitale.sammlungen.de).
  • La Théséide de Boccace et la Théséide grecque. In: Jean Psichari (Hrsg.): Études de philologie néo-grecque. Recherches sur le développement historique du grec. Paris 1892, S. 279–345 (archive.org).
  • Über den Verfasser des Spaneas. In: Byzantinische Zeitschrift.1, 1892, S. 316–332 (archive.org).
  • Zu Phlorios und Platziaphlora. In: Byzantinische Zeitschrift. 2, 1893, S. 212–220 (archive.org).
  • Über phonetische und graphische Erscheinungen im Vulgärgriechischen. Teubner, Leipzig 1898 (Habilitationsschrift).
  • Myrolog oder Moirolog? In: Indogermanische Forschungen. 12, 1901, S. 6–13 (archive.org).
  • Rhizikon – risico. In: Miscellanea linguistica in onore di Graziadio Ascoli. Turin 1901, S. 389–402 (archive.org).
  • The Chronicle of Morea. Το χρονικό του Μορέως. A history in political verse, relating the establishment of feudalism in Greece by the Franks in the thirteenth century. Edited in two parallel Texts from the Mss. of Copenhagen and Paris. Methuen & Co., London 1904 (archive.org).
  • Die Chronik von Morea als eine Quelle zum Faust. Verlag Dr. Seele, Leipzig 1904 (haa-digital.klassik-stiftung.de).
  • La metrica di Frà Jacopone. In: Studi Mediavali. 1, 1904, S. 513–516 (examenapium.it).
  • Sul verso De arte mayor. In: Rendiconti della Reale Accademia dei Lincei. Classe di scienze morali, storiche e filologiche. Ser. 4, 14, 1905, S. 109–133 (examenapium.it).

Literatur

  • Karl Dieterich: John Schmitt †. In: Byzantinische Zeitschrift. 15, 1906, S. 713–715 (archive.org).
  • Johannes Irmscher: Karl Dieterich e la fondazione della neogrecistica a Lipsia. In: Atti della Accademia di scienze, lettere e arti di Palermo. 4. Reihe, Bd. 28/2 (Lettere), Jg. 1978–79, Palermo 1980, S. 485–502, bes. S. 486–488.
  • Johannes Irmscher: Karl Dieterich und die Begründung der Neogräzistik in Leipzig. In: Jürgen Werner (Hrsg.): Modernes Griechenland – modernes Zypern. Vorträge einer wissenschaftlichen Konferenz des Fachbereichs "Antike Literatur/Neogräzistik" der Karl-Marx-Universität Leipzig. Hakkert, Amsterdam 1989, ISBN 90-256-0964-3, S. 244–261.
  • Georgios Makris: John Schmitt (1856–1906) – Die Entstehung einer Neogräzistik in Deutschland zur Zeit der ersten Olympischen Spiele. In: Die Olympischen Spiele in Griechenland zwischen Kult, Sport und Politik 776 v. Chr. – 2004 n. Chr. (= Choregia. Münstersche Griechenland-Studien. Band 3). Lienau, Münster 2005, ISBN 3-934017-04-5, S. 123–133 (Digitalisat).

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