Jorden van Foreest

niederländischer Schachspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Jorden van Foreest (* 30. April 1999 in Utrecht) ist ein niederländischer Schachspieler. Seit 2016 trägt er den Titel Großmeister im Schach. Van Foreest ist zweimaliger niederländischer Meister.

Schnelle Fakten
Jorden van Foreest, 2024
Verband Niederlande Niederlande
Geboren 30. April 1999
Utrecht
Titel Internationaler Meister (2014)
Großmeister (2016)
Aktuelle EloZahl 2735 (Mai 2026)
Beste EloZahl 2736 (April 2026)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)
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Familie

Jorden van Foreest entstammt dem Uradelsgeschlecht Van Foreest und hat das Adelsprädikat Jonkheer. Sein Ururgroßvater Arnold Engelinus van Foreest gewann dreimal die niederländische Einzelmeisterschaft. Jordens jüngerer Bruder Lucas van Foreest ist ebenfalls Großmeister und seine Schwester Machteld van Foreest gewann zweimal die niederländische Meisterschaft der Frauen und trägt seit 2022 die Titel eines FIDE-Meisters sowie einer Internationalen Meisterin der Frauen.

Karriere

Jugendjahre und Titel

Im Oktober 2013 gewann van Foreest in Budva die Jugendeuropameisterschaft in der Altersklasse U14. Nach Normgewinnen in Turnieren in Amsterdam, auf Mallorca und in Vaujany zwischen Februar und Juli 2014 verlieh die FIDE ihm kurze Zeit später den Titel Internationaler Meister. Bei der U16-Jugendweltmeisterschaft im September 2014 wurde er später Achter.[1] Beim hochklassigen Aeroflot Open im April 2015 sorgte er im Alter von 15 Jahren für Aufmerksamkeit und belegte den 27. Platz als drittbester U18-Spieler. Das Turnier brachte ihm zugleich die erste Großmeisternorm. Nachdem er bei einem entsprechenden Normturnier in Lüneburg erfolgreich abschnitt, reichte ihm ein sechster Platz bei der Juniorenweltmeisterschaft in Chanty-Mansijsk im September 2015 zum dritten Normgewinn.[2] Die Elo-Marke von 2500 hatte er bereits im Mai 2015 überschritten, somit konnte die FIDE ihn zum Ende des Jahres zum Großmeister ernennen.

Bei der niederländischen Einzelmeisterschaft trat van Foreest erstmals im August 2016 an. Mit fünf Siegen, einem Remis und einer Niederlage gewann er das Turnier mit einem halben Punkt Vorsprung. Bei einem Zweikampf in Hoogeveen unterlag er Ivan Sokolov im Oktober 2016 mit 2,5 zu 3,5.[3] Der Einstieg in das Jahr 2017 misslang van Foreest. In Wijk aan Zee war er im Januar Teil des Challengers-Turniers, verlor jedoch sieben Partien bei zwei Siegen und vier Remispartien und wurde so Zwölfter unter 14 Teilnehmern.[4] Beim Reykjavík Open im April 2017 konnte er jedoch mit acht Punkten aus zehn Runden überzeugen, unter anderem mit einem Sieg gegen Santosh Gujrathi Vidit, und musste sich nur gegen Anish Giri geschlagen geben.[5] Ein Zweikampof gegen B. Adhiban in Hoogeveen endete zunächst 3:3 ausgeglichen, im Tie-Break hatte van Foreest Erfolg. Bei der Juniorenweltmeisterschaft im November 2017 wurde er Fünfter.[6]

Neben einem soliden Auftritt im Challengers-Turnier in Wijk aan Zee brachte das Jahr 2018 vor allem die Schacholympiade in Batumi. Van Foreest war am vierten Brett erstmals Teil der niederländischen Mannschaft und erbrachte in zehn Partien fünf Punkte, bleib damit aber hinter Erwartungen zurück. In Hoogeveen trat er im Oktober 2018 in einem Zweikampf gegen Wladimir Fedossejew an. Die sechs klassischen Partien endeten sämtlich remis, den Stichkampf verlor van Foreest.[7] Im Januar 2019 wurde er erstmals in das Masters des Tata-Steel-Schachturniers eingeladen, obwohl er noch deutlich schwächer als die restlichen Teilnehmer gewertet war. Er konnte dennoch drei Partien gewinnen, unter anderem gegen Jan Nepomnjaschtschi.[8] Rückschläge erfuhr van Foreest im Februar 2019 beim Aeroflot Open und bei der Europameisterschaft im März 2019, durch die er kurzzeitig wieder unter eine Elo-Zahl von 2600 fiel. In den folgenden Monaten arbeitete er sich jedoch mit zahlreichen Turnierteilnahmen zurück und wurde im Juli Zweiter der niederländischen Einzelmeisterschaft hinter seinem Bruder Lucas, gegen den er das finale Tie-Break verlor.[9] Das FIDE Grand Swiss 2019 schloss er mit elf Remispartien in Folge ab.

Aufstieg in die Weltspitze

Im Januar 2020 überraschte van Foreest in Wijk aan Zee und wurde beim Masters-Turnier Vierter. Er war als Teilnehmer mit der niedrigsten Elo-Zahl angetreten, erstritt sich über 13 Partien jedoch eine positive Bilanz.[10] Im März 2020 gewann er die zweite Ausgabe des Challengers-Turniers im Prager Schachfestival. Bei seiner dritten Teilnahme am Masters in Wijk aan Zee konnte er im Januar 2021 seine Vorjahresleistung noch einmal übertreffen und blieb ohne Niederlage. Mit vier Siegen und neun Remis platzierte er sich vor Magnus Carlsen und Fabiano Caruana und wurde nach dem erfolgreichen Tie-Break gegen den punktgleichen Anish Giri Sieger des Tata-Steel-Schachturniers. Er gewann durch das Turnier zudem rund 30 Elo-Punkte hinzu und durchbrach damit die Elo-Marke von 2700.[11] In der Weltrangliste steigerte er sich damit auf den 37. Platz. Nach einer schwachen Performance im Masters in Prag und dem Aus in seiner zweiten Runde beim Schach-Weltpokal 2021 kam er im September 2021 zum TePe Sigeman & Co Chess Tournament nach Malmö und konnte dieses als favorisierter Spieler auch gewinnen. Den Sieg hatte er sich dabei bereits vor der letzten Runde mit vier Siegen und zwei Remis gesichert.[12]

Mit einem sechsten Platz zeigte van Foreest Anfang 2022 erneut eine gute Leistung in Wijk aan Zee und erreichte so seinen zwischenzeitlichen Elo-Bestwert von 2714 Punkten (im Mai 2022 auf 2715 erhöht).[13] Mit einer schwachen Leistung beim TePe Sigeman 2022 und einem desolaten Duell gegen Alexei Schirow, gegen den er hoch mit 0,5 zu 3,5 verlor, fiel er jedoch wieder zurück und hatte in der folgenden Zeit Schwierigkeiten, an seine Höchstform anzuschließen. Bei der Schacholympiade 2022 in Chennai war er am zweiten Brett gesetzt und absolvierte elf Partien. Beim Tata-Steel-Schachturnier Anfang 2023 in Wijk aan Zee wurde van Foreest nur Zehnter mit sechs Punkten aus 13 Partien, insgesamt gewann er aber wieder leicht an Elo-Punkten hinzu.[14] Im Schach-Weltpokal 2023 unterlag er im zweiten Duell gegen Pjotr Swidler. Nachdem er sich im Verlaufe des Jahres wieder über die Elo-Marke von 2700 gesteigert hatte und demnach zu den sogenannten Super-Großmeistern gehörte, zeigte er beim FIDE Grand Swiss 2023 eine schmerzliche Leistung und büßte durch vier Niederlagen gegen niederklassigere Gegner über 20 Elo-Punkte ein. Dies setzte sich auch zum Tata-Steel-Schachturnier 2024 fort, bei dem er in Wijk aan Zee nur auf 4,5 Punkte aus den 13 Partien kam und unter Erwartungen abschnitt.[15]

Im Juli 2024 trat er zu zwei Turnieren in Kanada an, die durch niedriger gewertete Teilnehmerfelder geprägt waren. Van Foreest konnte aber sowohl beim Canadian Open (8,5 Punkte aus neun Partien) als auch anschließend beim Maplewood Invitational (acht aus neun Punkten) seiner Favoritenrolle mehr als gerecht werden und sich wieder der wichtigen 2700-Elo-Marke annähern.[16][17] Bei der Schacholympiade 2024 in Budapest war er erneut das zweite Brett der niederländischen Mannschaft und absolvierte zehn Partien. Im Dezember 2024 lag er bei der Europameisterschaft im Blitzschach mit elf Punkten punktgleich mit Alexei Sarana an der Spitze und wurde dank gewonnenem direkten Duell Europameister.[18] Neben einem mittelmäßigen Auftritt in Wijk aan Zee und einer soliden Leistung bei der Europameisterschaft brachte 2025 im Juli den zweiten Titelerfolg bei der niederländischen Meisterschaft. Im Finale besiegte er Loek van Wely und konnte diesen Triumph gemeinsam mit seiner Schwester Machteld feiern, die zeitgleich die Meisterschaft der Frauen gewann.[19] Beim Schach-Weltpokal 2025 kam er erneut nicht über die Runde der besten 64 hinaus und schied gegen Alexei Sarana im Tie-Break aus. Zum Ende des Jahres verteidigte er seinen Titel bei der Europameisterschaft im Blitzschach erfolgreich.[20]

Zum Jahresauftakt 2026 knüpfte van Foreest an frühere Erfolge in Wijk aan Zee an und wurde beim Masters des Tata-Steel-Schachturniers Dritter.[21] Im Anschluss daran traf er in Ankara den türkischen Juniorenspieler Ediz Gürel zu einem Zweikampf über sechs klassische, zwei Freestyle- und vier Blitzschachpartien. Van Foreest entschied das Duell deutlich für sich.[22] In der FIDE-Weltrangliste vom März 2026 stieg er dank beider Erfolge auf den 19. Rang. Beim Prager Schachfestival, dass Anfang März endete, sah van Foreest nach vier Siegen aus den ersten fünf Partien nach dem kommenden Sieger aus, verlor jedoch die beiden letzten Runden und beendete das Turnier einen Punkt hinter Nodirbek Abdusattorov auf dem geteilten zweiten Platz.[23]

Verein

Jorden van Foreest (re.) und Parham Maghsoodloo für den SC Viernheim in der Bundesliga-Endrunde am 26. April 2026

In Deutschland spielte er in der Schachbundesliga für den SK Turm Emsdetten (2014/15 und 2015/16), DJK Aufwärts St. Josef Aachen (2016/17 und 2017/18), die Schachgesellschaft Solingen (2019/21, 2021/22 und 2022/23) und den Düsseldorfer SK 1914/25 (2024/25). In der Saison 2025/26 war er Teil des Deutschen Mannschaftsmeister-Teams des SC Viernheim.[24] In Niederlanden spielte er in der Meesterklasse für Groninger Combinatie, SISSA Groningen und Kennemer Combinatie.

Elo-Entwicklung

Elo-Entwicklung[25]
1800200022002400260028001.9.20101.3.20151.10.20181.2.2023Jorden van Foreest
Commons: Jorden van Foreest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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