František Listopad

tschechischer und portugiesischer Schriftsteller, Regisseur From Wikipedia, the free encyclopedia

František Listopad (Geburtsname Jiří Synek, in Portugal Jorge Listopad) (* 26. November 1921 in Prag; † 1. Oktober 2017 in Lissabon[1]) war tschechischer und portugiesischer Schriftsteller, Regisseur und Mitbegründer der Tageszeitung Mladá fronta (Junge Front).

Leben

Jiří Synek war ein Sohn des Dentisten Emil Synek (1894–1944), er hatte die Schwester Alena Munková (1926–2008). Sein Großvater Adolf Synek (1868–1943) gründete 1924 in Prag den Verlag „Adolf Synek“, in dem auch sein Onkel Karel Synek (1896–1943) wirkte. Im Jahr 1939 legte Synek seine Abiturprüfung ab und arbeitete im Verlag Linhart. Während des Zweiten Weltkrieges tauchte er unter und gehörte der Widerstandsbewegung an. Sein Vater, sein Großvater und sein Onkel wurden Opfer des Holocaust, seine Schwester überlebte die KZ-Haft.

Nach dem Krieg begann er mit dem Studium der Philosophie an der Prager Universität im Fach Ästhetik und Literaturwissenschaften. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 ging Listopad nach Paris, arbeitete dort als Handwerker und Journalist, später als Regisseur beim ORTF. 1959 siedelte Listopad nach Portugal um, wo er seit seiner Einbürgerung 1962 Jorge Listopad hieß.[2]

In Frankreich arbeitete er für den Rundfunk und Fernsehen. Seit 1959 arbeitete er in Portugal an der Technischen Universität Lissabon zunächst als Professor der slawischen Kultur und Anthropologie, 1975 bis 1977 als Direktor des Instituto Superior de Ciencias Sociais e Políticas. 1982 nahm er die Stelle des Direktors an der portugiesischen Theater- und Filmhochschule an. Gleichzeitig wurde er zum bekannten Fernseh-, Theater- und Opernregisseur. Von 1984 bis 1987 war er Direktor und Dramaturg des Studio, einem Ableger des portugiesischen Nationaltheaters.

Werke

Bis zu seiner Emigration gehörte er gemeinsam mit Jan Grossman und Jaromír Hořec zum dynamoarchaischen Dichterzirkel der Mladá fronta.

Mitgliedschaften

  • Verband portugiesischer Schriftsteller
  • Obec spisovatelů (Tschechischer Schriftstellerverband)

Werk

Poesie

  • „Sláva uřknutí“ (1945)
  • „Vzduch“ (1948)
  • „Svoboda a jiné ovoce“ (1956)
  • „Černý bílý, nevím“ (Köln, 1973)
  • „Nástroje paměti“ (München, 1982)
  • „Soukromé sklenářství v Brně“ (1991)
  • „Final Rondi“ (1992)
  • „Oprava houslí a kytar“ (1996)
  • „Krleš“ (1998)
  • „Příští poezie“ (2001)
  • „Milostná stěhování“ (2001)
  • «Terra é carvão e limões» (portugiesischer Titel, deutsch: „Die Erde ist Kohle und Zitronen“, zweisprachig: tschechisch/deutsch), aus dem Tschechischen von Eduard Schreiber. Mit einem Nachwort des Übersetzers und einer Titelgrafik von Ludvík Kundera, hochroth Verlag, Berlin 2014. ISBN 978-3-902871-49-7, Textauszug.

Prosa

  • „První věta“
  • „Malé lásky“ (1947)
  • „Jarmark“
  • „Boj o Venezuelu“ (1947)
  • „Umazané povídky“ (1955)
  • „Zlý pes bez zahrady“ (1996)
  • „Chinatown s Rózou“ (2001)
  • „Kaninchen“, 2007, Corvinus Presse Berlin, aus dem Tschechischen übersetzt von Eduard Schreiber, mit Linolschnitten von Zoppe Voskuhl, ISBN 978-3-910172-98-2.

Essays

  • „Tristan čili zrada vzdělance“ (Wien, 1954)
  • „Byty a prostory“ (München, 1958)
  • „Tristan z města do města“ (1997)

Anthologien

  • „Daleko blízko“ (1993)
  • „První věty“ (1996)

Einzelnachweise

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