Josef Seßler

österreichischer Gewerke und Industrieller From Wikipedia, the free encyclopedia

Josef Seßler (* 26. April 1763 in Großweikersdorf; † 24. Mai 1842 in Vordernberg[1]) war ein österreichischer Industrieller und Industriepionier.

Josef Seßler um 1830

Leben

Joseph Seßler stammte aus einer Postmeisterfamilie und ergriff anfangs auch den Beruf seines Vaters und wurde Postmeister in Vordernberg, wo er mit dem Eisenwesen in Verbindung kam. 1792 erwarb er den Hönigtalerhof mit dem zugehörigen Hammerwerk bei Krieglach, 1800 den Vogelschen Sensenhammer in Freßnitz und 1805 ein Hammerwerk in Feistritz, in denen Roheisen zu Stahl, zu Grob- und Streckeisen verarbeitet, und auch zu Endprodukte wie Wagenachsen hergestellt wurden. Ab 1799 lieferte er als einfacher Hammerschmied bzw. Hammerschmiedmeister Rüstungsgüter an die Wiener Zentralstellen. In den nachfolgenden Jahren ist Seßler als Lieferant für die k.k. Armee beinahe jährlich in den Registerbüchern des Wiener Hofkriegsrates zu finden.

Im Jahr 1814 erwarb er den Hochofen Radwerk III in Vordernberg, um die Belieferung seiner Werke mit Roheisen abzusichern. Dadurch wurde er auch Mitglied der 1829 gegründeten Radmeistercommunität. Den wirtschaftlichen Aufstieg erlebte er während der Napoleonischen Kriege. Dabei haben sowohl die guten Beziehungen zu den Wiener Heereseinkäufern bzw. den Entscheidungsträgern, sowie das systematisch Unterbieten seiner Konkurrenten maßgeblich zum Erfolg beigetragen und brachten ihm Wohlstand und Reichtum ein. Nach 1815, als die englische Konkurrenz die steirischen Eisenwerke stark bedrängte, stellt er immer weiter auf Endprodukte um. 1814 erwarb er den Oberen Hammer, 1818 den Mittleren Hammer in der Stanz. Für seinen Sohn Maximilian Seßler kaufte er weitere Hämmer in Sachendorf (1820) und in Ratten (1824). Joseph Seßler übernahm 1827 den Kohlenbergbau in Fohnsdorf und 1837 jenen in Wartberg. Mit dem Kauf des Althammers in der Stanz, 1827 war er somit Eigentümer aller dortigen Hammerwerke. 1838 errichtete er in Krieglach ein Puddlings- und Walzwerk zur Erzeugung von Eisenblechen. Treibende Kraft war bereits sein Schwiegersohn Carl von Prevenhueber, der damit im steirischen Lokomotivenbau eine Pionierrolle spielte. Zu seinen letzten Erwerbungen gehört der Kohlenbergbau in Göriach bei Aflenz 1840.

Im Laufe seines Lebens erstand er somit einen gewaltigen Besitz von insgesamt 16 Herrschaften – im Mürztal den Hönigtalerhof bei Krieglach (1792) und die Gewerkschaft Stanz (ab 1827 vollständig); im Murtal u. a. Einöd und Thann (1817), Großlobming (1827), Fohnsdorf (1827), das Paradeiskloster bei Judenburg (1836), Rothenthurm (1837), Farrrach (1840) und Eppenstein (1840). Joseph Seßler vereinigte somit einen riesigen Industrie-, Landwirtschafts- und Forstbesitz. Im Murtal kamen zu den bereits genannten Seßler'schen Besitzungen noch die Herrschaft Maßweg mit Großpirkach (1831) – womit Joseph Seßler seinen Sohn Maximilian neben dem Sachendorfer Hammer schon zu Lebzeiten bzw. testamentarisch als Pflichtteil abgefunden hatte.

Joseph Seßler hatte somit maßgeblichen Anteil am Aufstieg und Fortschritt des steirischen Eisenwesens. Die zunehmenden Industrialisierung verdrängte die traditionellen Produktionsmethoden mit ihren handwerklichen Kleinstrukturen. Die in den Betrieben des Seßler'schen Wirtschaftsimperiums hergestellten Produkte erlangte sowohl nationale als auch internationale Geltung. Er betätigte sich als Erfinder von Produktionsgeräten für seine eigenen Betriebe wie einer sogenannten Stoßmaschine. Als einer der ersten steirischen Gewerken bezog er bereits ab 1818 Braunkohle aus Wartberg zur Befeuerung seiner Werksanlagen. In seinen letzten Lebensjahren wird der alte Gewerke von seinen Zeitgenossen als mitunder schroff und eigensinnig und technischen Neuerungen gegenüber nicht mehr so aufgeschlossen beschrieben, sondern auf dem verharrend, was er im Laufe vieler Jahre so erfolgreich geübt hatte. Daher war bereits sein Schwiegersohn die treibende Kraft hinter dem 1838 in Krieglach errichteten Puddlings- und Walzwerk, dass neben der Mayr-Melnhof'schen Franzenshütte in Leoben-Donawitz das zweite seiner Art in der Steiermark war.

Zwischen Joseph Seßler und seinem Schwiegersohn Carl von Prevenhueber soll es zu zahlreichen Auseinandersetzungen, bezüglich der Einführung zeitgemäßer technischer Neuerungen, gekommen sein. Der bis ins hohe Alter rastlos tätige Joseph Seßler starb 74-jährig in seinem zum Radwerk III zugehörigen Hauße Markt Nr. 120 in Vordernberg an einem Schlaganfall und wurde am Vordernberger Friedhof bestattet. Nach seiner Einsegnung wurde der Leichnam nach Großlobming überführt. Zum Zeitpunkt seines Todes war er der mit Abstand größte Montanunternehmer im Mürztal.

Familie und Erbe

Joseph Seßler war mit der aus Wien stammenden Elisabeth Bierbauer verheiratet, mit der er drei überlebende Kinder hatte:

  • Eleonora (9. November 1798 in Krieglach – 24. Mai 1842 in Großlobming) ⚭ 1820 Carl von Prevenhueber (1799–1845)
  • Maximilian (1. Mai 1802 in Krieglach – 9. Juni 1862 in Sachendorf) ⚭ Johanna Hillebrand (1805–1877)
  • Antonia (31. Dezember 1804 in Krieglach − 16. Dezember 1836 in Wien)

Die Hillebrand und Prevenhueber mit denen seine Kinder Verbindungen eingingen, waren ebenso etablierte Radmeister- und Gewerkenfamilien. Die Nobilitierung der Prevenhueber erfolgte bereits um 1580.[2]

Er ist der Großvater von Viktor Seßler Freiherr von Herzinger, den er als Universalerben seines Vermögens einsetzte, allerdings mit der testamentarischen Auflage, dass Viktor eine Cousine, nämlich eine der drei Töchter seines Onkels Maximilian Seßler, heiraten müsse. Sollte diese Ehe nicht zustande kommen, so würde ein Drittel des Gesamtvermögens an das Land Steiermark fallen. Viktor Seßler erbte zwar als 5½-jähriger den gesamten Besitz, musste jedoch nach seiner Eheschließung 1858 mit einer anderen Frau (Helene von Herzinger) diesen Teil seines Erbes abtreten. Der Enkelsohn ließ für den Großvater ein pompöses, pyramidenförmiges Grabmal in Großlobming errichten. Später wurden die sterblichen Überreste in die Großlobminger Friedhofskapelle umgebettet, welcher dieser selbst mit einer unterirdischen Gruft als Familiengrabstätte errichten hatte lassen.[3]

Literatur

Einzelnachweise

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