Joseph Sarrazin (Politiker)
deutscher Richter, Justiziar und Politiker
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Leben
Sarrazin wurde als ältester Sohn des salm-salmschen Kammerdirektors Franz Joseph Heinrich Sarrazin (1803–1858) und dessen Ehefrau Maria Anna „Jenny“ Kreuzhage (1802–1876), einer Schwester des Göttinger Philosophen Albert Kreuzhage, in Bocholt geboren. Am 10. April 1828 wurde er in der Pfarrkirche St. Georg katholisch getauft.[2] Als Kind des Kammerdirektors wuchs er unter zwölf Geschwistern in einer Dienstwohnung des Fürsten Florentin zu Salm-Salm im Weißen Stift in Bocholt auf. Seine jüngeren Brüder waren der spätere Eisenbahningenieur Hermann Sarrazin und der spätere Baubeamte und Sprachpurist Otto Sarrazin.
Nach einem Studium von Jura und Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen[3] begann er eine Richterlaufbahn in der preußischen Justiz. Zunächst wirkte er ab Mitte der 1850er Jahre am Kreisgericht Meseritz, Provinz Posen, ehe er sich nach dem Tod seines Vaters 1859 als Leiter der Bocholter Gerichtskommission des Kreisgerichts Borken nach Bocholt versetzen ließ. Nach Auflösung der Gerichtskommission im Jahr 1875 trat er als Justiziar in den Dienst des Fürsten Alfred Konstantin zu Salm-Salm. Als dessen Generalbevollmächtigter wirkte er in Anholt.
In den Jahren 1862, 1873 bis 1876, 1879 bis 1882 sowie 1883 bis 1884 war Sarrazin Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Er war ein Vertreter des politischen Katholizismus und gehörte in der Zentrumspartei zum Kreis um Burghard von Schorlemer-Alst. Unter Sarrazins Leitung fand am 29. Dezember 1867 in Bocholt eine Katholikenversammlung statt, die sich für Papst Pius IX. einsetzte.[4]
Sarrazin war mit der Huberta Coppenrath (1829–1885) vermählt, einer Enkelin des Buchhändlers Joseph Heinrich Coppenrath und Tochter des Buchhändlers Joseph Franz Coppenrath (1794–1844), die er am 2. Mai 1857 in Münster geheiratet hatte.[5] Aus der Ehe gingen eine Tochter und drei Söhne hervor. Der älteste Sohn starb im Alter von vier Jahren. Die beiden anderen wurden Juristen: Ferdinand (* 1864), Amtsgerichtsrat in Herne, später in Minden, verheiratet mit Maria Kölling, Franz (* 1867), Amtsgerichtsrat in Köln.
Literatur
- Armin Wiedemann: Geistliche und weltliche Herrschaft. Die Bocholter Richter von 1650 bis 1945. In: Unser Bocholt. Zeitschrift für Kultur und Heimatpflege. 69. Jahrgang (2018), Heft 2, S. 36 f.
- Bernd Haunfelder: Die politischen Wahlen im Regierungsbezirk Münster 1848–1867. Dissertation, 2 Bände, Münster 1982, ISBN 3-7923-0483-X, Band 2, S. 539.
- Bernd Haunfelder: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1849–1867 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5181-5, Nr. 1414, S. 218 f.
Weblinks
- Sarrazin, Franz Joseph Maria, Personendatenblatt im Portal lwl.org