Josephine (2026)

Film von Beth de Araújo (2026) From Wikipedia, the free encyclopedia

Josephine ist ein Filmdrama von Beth de Araújo aus dem Jahr 2026. Die Regisseurin verarbeitete in diesem ihr eigenes Kindheitstrauma. Im Film spielt Newcomerin Mason Reeves in der Titelrolle eine Achtjährige, die Zeugin eines brutalen sexuellen Übergriffs im Golden Gate Park in San Francisco wird und versucht, das Gesehene zu verarbeiten. Channing Tatum und Gemma Chan spielen ihre Eltern, die ihr auf verschiedene Arten bei der Überwindung ihres Traumas helfen wollen, und Philip Ettinger den Täter, den die Protagonistin nach dem Zwischenfall auch in ihrem Haus und an anderen Orten zu sehen beginnt. Die US-amerikanische Produktion feierte im Januar 2026 im Hauptwettbewerb des Sundance Film Festivals ihre Premiere, wo sie im U.S. Dramatic Competition mit dem Grand Jury Prize ausgezeichnet wurde. Die internationale Premiere erfolgte einen Monat später im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

TitelJosephine
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2026
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Josephine
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2026
Länge 120 Minuten
Stab
Regie Beth de Araújo
Drehbuch Beth de Araújo
Produktion David Kaplan, Josh Peters, Beth de Araújo, Gemma Chan, Channing Tatum, Marina Stabile, Josh Beirne-Golden, Crystine Zhang, Mark H. Rapaport
Musik Miles Ross
Kamera Greta Zozula
Schnitt Anisha Acharya, Nico Leunen, Kyle Reiter
Besetzung
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Handlung

San Francisco in der Gegenwart: Die achtjährige Josephine läuft an einem Sonntagmorgen mit ihrem Vater Damien im Golden Gate Park. Als er eine kurze Verschnaufpause einlegt, rennt seine Tochter einfach weiter und verläuft sich. Von einem Hügel aus beobachtet sie, wie ein Mann der Joggerin Sandra in eine der öffentlichen Toiletten folgt. Er überfällt sie in dem offenen Toilettengebäude. Sandra geht zu Boden und flieht aus dem Gebäude. Der Mann holt sie ein, es kommt zu einem Handgemenge, sie wehrt sich heftig. Er schägt sie zu Boden, würgt sie, bis sie bewusstlos ist und vergewaltigt Sandra, die langsam wieder zu sich kommt und sich weiter wehrt. Josephine macht ein Geräusch und beide nehmen das Kind wahr, das die Vergewaltigung beobachtet. Josephine beobachtet die Szene regungslos. Als der Vergewaltiger schließlich flieht, kommt Damien hinzu. Er nimmt die Verfolgung auf, ruft die Polizei und sagt Josephine, sie solle warten, bis die Beamten eintreffen. Diese setzen Josephine zu Sandra in den Streifenwagen.

Dieser Tag verändert alles im Leben der kleinen Familie, und Josephine reagiert fortan mit Gewalt auf ihre Umgebung. Mutter Claire und Vater Damien haben unterschiedliche Ansichten darüber, wie sie mit der Situation umgehen und wie offen sie mit Josephine über Dinge wie Sex reden sollen. Claire würde die Tochter am liebsten zu einer Psychologin schicken, Damien hingegen möchte sie bei einem Selbstverteidigungskurs anmelden. Weil bei ihnen zuhause nie über Sex gesprochen wurde, kann Josephine das Gesehene jedoch nicht wirklich begreifen. Als sie das ihr unbekannte Wort „Raip“ aufschnappt, gibt sie es in eine Suchmaschine ein und recherchiert ohne Wissen ihrer Eltern zum Thema Vergewaltigung.

Sandra ist inzwischen in einen anderen Bundesstaat gezogen und sie die Einzige ist, die den Täter Greg zur Rechenschaft ziehen kann, so die Staatsanwaltschaft, soll Josephine vor Gericht aussagen.[1][2][3][4][5]

Produktion

Regie und Drehbuch

„Ich wollte 'Josephine' zu einer extremen Version weiblicher Angst machen und das Ganze aus der Perspektive eines achtjährigen Mädchens erzählen.“

Beth de Araújo über ihren Film[6]
Regisseurin Beth de Araújo

Regie führte Beth de Araújo. Die brasilianisch-chinesisch-US-amerikanische Filmemacherin besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten und Brasiliens und wuchs in San Francisco auf.[7][8] Sie hat einen Bachelor of Arts in Soziologie von der University of California in Berkeley und einen Master of Fine Arts vom American Film Institute.[9] Im Jahr 2017 wurde sie vom Filmmaker Magazine als eines der „25 New Faces of Independent Film“ benannt.[10]

Es handelt sich bei Josephine um ihren zweiten Spielfilm nach dem in einer einzigen Einstellung gedrehten und in Echtzeit spielenden Horror-Thriller Soft & Quiet, der 2022 beim South by Southwest Film Festival seine Weltpremiere feierte.[11] In diesem gründet eine Kindergärtnerin eine Vereinigung weißer Rassistinnen. De Araújo verarbeitete darin eine Erfahrung aus ihrer Kindheit. Eine Lehrerin, die sie rückblickend als voreingenommen erachtet, hatte ihr in der zweiten Klasse das Gefühl gegeben, ein schlechtes Kind zu sein.[12]

Auch mit Josephine verarbeitet sie ein persönliches Trauma. Als Kind wurde sie gmeinsam mit ihrem Vater im Golden Gate Park Zeugin einer Vergewaltigung. Geistesgegenwärtig verfolgte ihr Vater den Täter durch den Park und rief die Polizei. De Araugo blieb derweil bei dem weiblichen Opfer zurück, half ihr beim Anziehen und versuchte, sie zu trösten, ohne dabei das Gesehene vollständig zu begreifen. Dieses Ereignis hat sie seitdem nicht mehr losgelassen, und als Erwachsene hat sie viel Zeit darauf verwendet, andere zu sensibilisieren insbesondere dafür, wie Kinder solche Vorfälle verarbeiten. In Josephine fiktionalisierte die Filmemacherin diese Situation.[4] „Meine Eltern haben nie mit mir über diesen Morgen gesprochen, bis ich über 20 war“, so de Araújo. Sie modernisierte in ihrem Drehbuch die Erfahrungen dieses Kindes und verlegte die Geschehnisse in die Gegenwart.[6] Sie habe Josephine zu einer extremen Version weiblicher Angst machen und das Ganze aus der Perspektive eines achtjährigen Mädchens erzählen wollen, so die Regisseurin: „Es herrscht so viel Schweigen darüber – selbst das Wort Vergewaltigung auszusprechen , ist für alle sehr unangenehm, und ich verstehe das vollkommen. Aber wenn wir sagen, dass dies in unserer Gesellschaft akzeptiert wird, was sind wir sonst noch bereit zu akzeptieren?“[6] De Araújo verfasste bereits 2014 einen ersten Drehbuchentwurf für Josephine und reichte ihn bei den Sundance Labs ein, wo sie ihn weiter überarbeitete und verfeinerte.[6] Auch andere Elemente aus dem Leben der Regisseurin flossen in das Drehbuch ein. So war, wie die Mutter ihrer Protagonistin, auch ihre eigene eine professionelle Tänzerin beim San Francisco Ballet.[6]

De Araújo hatte bei einer Krisenhotline für Vergewaltigungsopfer in Los Angeles gearbeitet und bemerkte: „Vergewaltigung gilt als eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt, und dennoch ist die Strafe meiner Meinung nach nicht angemessen. Die Statistiken sind erschreckend. Jede vierte Frau und jeder sechste Mann in den USA ist betroffen.“[13]

Besetzung

Gemma Chan und Channing Tatum spielen Josephines Eltern Claire und Damien

Mason Reeves spielt in der Titelrolle die achtjährige Josephine.[14] Es handelt sich um ihr Leinwanddebüt. Die Regisseurin hatte Reeves zum ersten Mal beim Einkauf in San Francisco gesehen und sofort deren Mutter gebeten, ein Bewerbungsvideo für ihre Tochter einzusenden.[15] Die Dreharbeiten mit Reeves halfen der Regisseurin, ihre Sicht auf das selbst Erlebte zu veränderte: „Zu sehen, wie klein Mason war, hat mir Mitgefühl für mein jüngeres Ich gegeben, wie verloren, verwirrt und verängstigt ich war.“[6] Channing Tatum und Gemma Chan spielen Josephines Eltern Damien und Claire.[5] Tatum hatte den Weg zu dem Projekt gefunden, weil seine damalige Freundin Zoë Kravitz auf Soft & Quiet aufmerksam geworden war und de Araújo vorschlug, Tatum für eine Hauptrolle in ihrem nächsten Film zu besetzen. Zu dem Drehbuch äußerte sich der Schauspieler: „Sie ist so mutig und versucht wirklich immer, etwas aus tiefstem Herzen und mit großer Ehrlichkeit zu erzählen.“[6] Im Rahmen der Premiere des Films Josephine habe ihn dazu gebracht, seine Erziehungsmethoden und seine Kommunikation mit seiner Tochter zu überdenken. Er sei stolz darauf, an einem Film, der so schwierige Themen auf so meisterhaft kunstvolle Weise behandelt, beteiligt gewesen zu sein.[16] Chan und Tatum fungierten beide gemeinsam mit der Regisseurin, David Kaplan, Josh Peters, Marina Stabile, Josh Beirne-Golden, Crystine Zhang und Mark H. Rapaport auch als Produzenten des Films.

Syra McCarthy spielt das Vergewaltigungsopfer Sandra, mit dem Josephine gemeinsam in den Streifenwagen der Polizei gesetzt wird.[5] Philip Ettinger, ein Film- und Theaterschauspieler, der vorwiegend schizophrene, bipolare oder suizidale Figuren spielt, ist in der Rolle des Täters Greg zu sehen, den Josephine nach der beobachteten Vergewaltigung fortan überall sieht.[17] Eleanore Pienta und Stefanie Estes, die in den Rollen von Kerry und Mrs. Volk zu sehen sind, spielten bereits in Soft & Quiet, Letztere in der Hauptrolle die Kindergärtnerin.[18] Dana Millican spielt die Anwältin Miss Hoffman, von der Josephine bei ihrer Aussage vor Gericht ins Kreuzverhör genommen wird.[5] In weiteren Rollen sind Michael Angelo Covino als Francisco Castellanos und Michael X. Sommers als Mr. Larson zu sehen. Das Casting übernahmen Nina Henninger und Sarah Kliban. Henninger war in der Vergangenheit Casting-Director bei Filmen wie Nächster Halt: Fruitvale Station, The Diary of a Teenage Girl und Blindspotting, Kliban bei Fernsehserien wie Tote Mädchen lügen nicht und Filmen wie The Last Black Man in San Francisco.

Dreharbeiten und Filmschnitt

Die Dreharbeiten fanden im Sommer 2024 in San Francisco statt.[19] In der ersten Drehwoche wurde Hauptdarstellerin Reeves acht Jahre alt und durfte daher während der Drehtage nur wenige Stunden am Filmset sein.[6] Kamerafrau Greta Zozula ist bekannt für ihre Arbeit an Filmen wie Materna von David Gutnik, Light from Light von Paul Harrill, Call Jane von Phyllis Nagy, Becky von Jonathan Milott und Cary Murnion, Nur die halbe Geschichte von Alice Wu und Fairyland von Andrew Durham. Beth de Araujo arbeitete mit ihr bereits für ihren ersten Film Soft & Quiet zusammen. Gelegentlich versetzt die Kamera den Zuschauer in Josephines Perspektive, so als ob man durch die Augen der Achtjährigen schauen würde.[20] De Araújo und Kamerafrau Greta Zozula nutzen Teleobjektive auf Augenhöhe, um die Details der „größeren“, bedrohlicheren Erwachsenenwelt in ungeschnittenen Einstellungen zu verwischen.[21] Insbesondere wenn in entscheidenden Momenten die Kamera zu Josephines Perspektive zurückkehrt, wird der Zuschauer daran erinnert, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Die Kameraschwenks sind dabei mal schneller, mal langsamer, wodurch eine Spannung erzeugt wird, die die Schwere der jeweiligen Situation des Mädchens unterstreicht.[22] Andere Male fängt Zozula sowohl die Vergewaltigung als auch das engelsgleiche Gesicht des Kindes in gleichermaßen natürlichem Licht ein, gezeichnet von Angst und Neugier. Adrian Horton bemerkt in ihrer Kritik im Guardian zu dieser eindringliche Szene, diese verdeutlicht, das was für Erwachsene entsetzlich ist, dem jungen Verstand eines Kindes völlig unverständlich und intuitiv falsch erscheint, aber auch faszinierend und fremd. Zur Entscheidung der Regisseurin, die sexuelle Gewalt in ihrem Film nicht auszulassen und den Zuschauer das sehen zu lassen, was auch Josephine sieht, verweist Horton auf viele Filme der Post-MeToo-Bewegung, wie Promising Young Woman, She Said, Die Aussprache oder Sorry, Baby, die den eigentlichen Übergriff ausgelassen oder verschwiegen, die Gewalt heruntergespielt haben und den Zuschauer die Lücken selbst haben füllen lassen.[23]

Den Filmschnitt übernahmen Anisha Acharya, Nico Leunen und Kyle Reiter. Acharya war zuvor für Filme wie Neptune Frost von Anisia Uzeyman und Saul Williams, Leunen für Harvest von Athina Rachel Tsangari und Acht Berge von Felix Van Groeningen und Charlotte Vandermeersch und Reiter für Tod im Strandhaus von Dave Franco tätig.

Filmmusik und Veröffentlichung

Die Filmmusik komponierte Miles Ross, de Araújos Lebenspartner, mit dem die Regisseurin ebenfalls bereits für Soft & Quiet zusammenarbeitete. Während der Produktion und in den frühen Phasen der Postproduktion arbeiteten sie in ihrer gemeinsamen Wohnung zusammen an dem passenden Sound für den Film.[15]

Die Weltpremiere von Josephine erfolgte am 23. Januar 2026 im Hauptwettbewerb für US-amerikanische Spielfilme des 42. Sundance Film Festivals.[2] Im Nachgang sicherte sich Goodfellas die Vertriebsrechte.[24] Die internationale Premiere fand einen Monat später, am 20. Februar 2026, im Rahmen der 76. Berlinale statt. Dort wurde das Werk ebenfalls in den Hauptwettbewerb eingeladen und wird als letzter Sektionsbeitrag gezeigt.[25] Die Rechte in den USA sicherte sich Sumerian Pictures, in Deutschland Plaion Pictures.[26][27]

Rezeption

Kritiken

Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 96 Prozent positiv bei einer durchschnittlichen Bewertung mit 8,5 von 10 möglichen Punkten.[28] Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 86 von 100 möglichen Punkten.[29] Josephine wurde dabei immer wieder als „Meisterwerk“ beschrieben und als eindringlicher Film, der eine überwältigende emotionale Wirkung entfaltet.[30][31][32][33][21] Eine Reihe von Kritikern brachten Josephine noch vor der Verleihung der Oscars 2026 als möglichen Kandidaten für die Oscars 2027 ins Gespräch.[34][30][35]

Peter Debruge schreibt in seiner Kritik in Variety, der Film besteche durch seine Kühnheit im Thema und seine reife Umsetzung. Er hebt den unterschiedlichen Umgang der Eltern mit der Situation hervor. Während Josephines Mutter Claire klar wird, dass es unmöglich ist, ihre Tochter vor schlimmen Ereignissen zu bewahren und glaubt, diese müsse, am besten begleitet von einer Psychologin und aus eigener Kraft ihr Trauma überwinden, gehe Damien die Sache sportlich und wie ein Trainer an, wenn er glaubt, Schmerz mache stärker und Josephine könne ein Selbstverteidigungskurs helfen, zu dem er sie anmeldet. Channing Tatum liefere eine vielschichtige Performance in der Rolle des Vaters ab, wie man sie von ihm noch nie zuvor abverlangt habe, so Debruge. Nach Roofman und Dog könne das Publikum in Josephine eine neue Seite des Stars entdecken.[5] Debruges Kollege Clayton Davis bemerkt umgekehrt zu Gemma Chan, die die Mutter spielt, die Schauspielerin liefere die beste Leistung ihrer Karriere ab. In der Rolle von Claire strahle sie eine stille Trauer aus und vermittelt mütterliche Schuldgefühle und Hilflosigkeit mit großer Präzision, ein zurückhaltendes, aber unvergessliches Porträt der Trauer.[30]

Matt Donato empfindet in seiner Kritik für The Wrap Furchtlosigkeit als größte Stärke von Regisseurin Beth de Araújo. In ihrem unerschrockenen Umgang mit erschütternden Themen zeige sie hier die Grausamkeit der Welt aus der Perspektive eines achtjährigen Mädchens. Josephine sei ein nüchterner, kraftvoller Film, getragen von den Emotionen, die in seiner kleinen Protagonistin brodeln. Mason Reeves sei phänomenal in der Titelrolle, authentisch in ihrer jugendlichen Neugier, alles hinterfragend und doch erstaunlich reif für ihr Alter. Zur Entscheidung der Regisseurin, dass Josephine überall „Greg den Vergewaltiger“ sieht, schreibt Donato, dieser sei wie ein Gespenst im Hintergrund und verdeutliche, wie traumatisierende Verbrechen das Leben eines Menschen verändern können und welche Last unerschütterlich und schwer zu tragen ist. Greg werde Teil ihres Lebens und zu einer Erscheinung, die nicht verschwinden will.[17]

Philip Ettinger spielt Greg

Carlos Aguilar erklärt in seiner Kritik für The Playlist, anstatt die Vergewaltigung zu entkörperlichen, verleihe Regisseurin Beth de Araújo dieser eine menschliche Gestalt. Der Mann, der das abscheuliche Verbrechen begangen hat, bleibe in überirdischer Form Teil der Geschichte: „Er spricht nicht mit Josephine, wenn er in ihrem Zimmer erscheint, sondern sitzt dort als Manifestation ihrer Gefühle.“ Das sei eine der provokantesten Entscheidungen, die de Araújo in ihrem zweiten, kühnen, schonungslos ehrlichen und zutiefst menschlichen Film getroffen habe. Der von Philip Ettinger gespielte Greg stehe für die bleibenden Spuren und rücke in der Geschichte den Verantwortlichen in den Mittelpunkt, statt sich am Trauma des Opfers zu laben. Josephine sei die Geschichte eines verfrühten Erwachsenwerdens für ein achtjähriges Mädchen und der inneren Zerrissenheit einer zerstörten Unschuld. Als Josephine und ihre Eltern entscheiden müssen, ob sie vor Gericht aussagen soll, sei das Drama von einer unterschwelligen Bedrohung durchdrungen, als könne jeden Moment eine Tragödie geschehen.[36]

Kate Erbland von IndieWire bemerkt zu de Araújos schonungsloser Darstellung von Gewalt im Film, diese sei absolut frei von jeglicher Möglichkeit, mit „Torture Porn“ verglichen zu werden. Was man sehe und was Josephine sieht sei etwas, das kein Mensch jemals sehen oder erleben sollte. Die Kraft des Films liege im Aufzeigen der Frage, wie man über Dinge spricht, für die es keine Worte geben sollte.[20] Darüber hinaus belegte Josephine in der jährlich beim Festival von IndieWire erhobenen Kritikerumfrage den ersten Platz in allen möglichen Kategorien: Bester Spielfilm, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Schauspielleistung (ein erster Platz für Mason Reeves, gefolgt von Channing Tatum auf Platz zwei).[37]

Joseph Tomastik erklärt in seiner Kritik bei loudandclearreviews.com, der Film zerlege ein unfassbar schwieriges Thema Stück für Stück, dringe bis ins Mark der hässlichen Wahrheiten vor und erschüttere den Zuschauer zutiefst. Doch so schwer er auch zu ertragen sei, er hinterlasse viele wichtige Erkenntnisse und, ja, am Ende sogar einen Hoffnungsschimmer. Er sieht in Josephine die Bestätigung, dass Beth de Araújo zu den besten neuen Regisseurinnen unserer Zeit gehört.[32]

Syra McCarthy spielt Sandra

Lida Bach schreibt in ihrer Kritik für moviebreak.de, die subjektive Studie würde von der Unmöglichkeit bestimmt, Kinder vor einer grausamen Realität abzuschirmen, die verschlungen Auswirkungen von Trauma auf die kindliche Psyche, und die elterliche Orientierung in einem System, dessen Erwachsenenstrukturen die kindliche Wahrnehmung überfordern. Fragile Geborgenheit und diffuse Gefahr überlagerten einander in der atmosphärisch dichten Inszenierung, in der verstörende Brutalität und naive Verspieltheit so unvermittelt aufeinanderprallen, wie in der Welt der betroffenen Hauptfigur. Beth de Araújo untersuche in Josephine in formal und narrativ gleichsam beeindruckender Weise die psychische Reaktion eines kleinen Mädchens auf sexuelle Gewalt. Innere und äußere Konstrukte würden in einem sensiblen Szenario verschmelzen, das Musik und inszenatorische Stilmittel sparsam und dafür umso wirkungsvoller einsetzt. Die emotionale Verfassung der Figuren vermittele sich in unauffälligen Gesten und der stillen Unruhe der Ratlosigkeit angesichts schwer zu ertragender Wahrheiten. Bach resümiert: „Eine schonungslose Auseinandersetzung mit einer im Kino und gesellschaftlichen Diskurs gleichermaßen ausgeblendeten Problematik von trauriger Aktualität.“[38]

Andere Stimmen der deutschen Filmkritik zeigten sich teilweise zurückhaltender, fast enttäuscht.[39][40]

Manuel Oberhollenzer bemerkt umgekehrt in seiner Kritik für uncut.at, Josephine habe nicht nur zu den besten Wettbewerbsfilmen der 76. Berlinale gehört, sondern habe bereits jetzt das Zeug dazu, einer der meistdiskutierten Filme des Jahres zu werden. Dank eines starken Ensembles und einer unaufgeregten und gut beobachteten Regie brenne sich das Drama ins Gedächtnis ein und lasse nicht los. Die beiden Schauspieler Philip Ettinger und Syra McCarthy verdienten viel Anerkennung für ihre mutigen Performances, die einiges von ihnen persönlich abverlangt haben.[41]

Auszeichnungen

Regisseurin Beth de Araújo wurde beim Sundance Film Festival 2026 mit dem Grand Jury Prize im U.S. Dramatic Competition ausgezeichnet

Internationale Filmfestspiele Berlin 2026

Palm Springs International Film Festival 2026

  • Auszeichnung mit dem Directors to Watch Award (Beth de Araújo)[42]

Sundance Film Festival 2026

  • Auszeichnung mit dem Grand Jury Prize im U.S. Dramatic Competition (Beth de Araújo)
  • Auszeichnung mit dem Publikumspreis im U.S. Dramatic Competition[43]
Commons: Josephine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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