Jost Anton Müller

Schweizer Unternehmer und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Jost Anton Müller, auch Jost Anton Müller von Ursern (* 16. September 1748 in Altdorf; † 1. August 1803 in Freiburg), war ein Schweizer Unternehmer und Politiker.

Jost Anton Müller, 1780
Müllers Mutter Maria Viktoria Konstantia Müller-von Roll, 1760
Der Vater Jakob Anton Müller, 1746
Die Ehefrau Anna Waldburga Müller-Gerig, 1780
Landhaus «Huon» in Altdorf

Leben

Herkunft und Familie

Jost Anton Müller gehörte zur Magistraten- und Unternehmerfamilie Müller[1].

Er wurde in Altdorf, der Hauptstadt des Kantons Uri, geboren.[2] Sein Vater, Jakob Anton Müller (1697–1749), war Hauptmann in neapolitanischen Diensten. Seine Mutter war Maria Viktoria Constantia (* 22. Oktober 1718 in Altdorf; † 28. Februar 1806 ebenda)[3][4], die Tochter des Politikers Franz Martin von Roll (1682–1739)[5] und dessen Ehefrau Maria Katharina (* 1687), die Tochter von Jost Karl Püntener (1642–1714)[6]; seine Mutter brachte das Landgut «Huon» in Altdorf in die Ehe mit ein.[7] Er hatte drei Geschwister:

  • Josef Anton Müller (* 23. April 1741 in Altdorf; † 6. November 1793 ebenda)[8], von 1770 bis 1772 Urner Landammann sowie zwischen 1767 und 1792 mehrfach Tagsatzungsgesandter;
  • Maria Anna Katharina Müller (* 21. April 1745 in Altdorf), verheiratet mit dem Politiker Karl Alfons Bessler von Wattingen II. (1734–1784)[9];
  • Karl Martin Müller (* 1744; † 25. Februar 1784 in Altdorf), Ratsherr und 1772 letzter urnerischer Landvogt der Herrschaft Locarno.

Sein Vater und dessen Bruder Karl Franz Müller (1698–1761) erwarben in spanischen und neapolitanischen Solddiensten ein grosses Vermögen. 1738 erlangten sie gegen Bezahlung eines hohen Geldbetrages das Urner Landrecht.

Um 1775 heiratete Jost Anton Müller Anna Waldburga (* 2. Februar 1755 in Altdorf)[10], die Tochter von Franz Heinrich Gerig (1710–1763), der selbst als Oberstleutnant in neapolitanischen Diensten tätig war; gemeinsam hatten sie 9 Töchter und 5 Söhne[11]; zu diesen gehörte auch der spätere Politiker Jakob Anton Müller. Den Wohnsitz hatte die Familie im Landhaus «Huon» in Altdorf.[12]

Zu seinen Schwiegersöhnen gehörten der Mediziner und Historiker Karl Franz Lusser (1790–1859)[13], und die Politiker Michael von Schorno (1772–1838)[14] sowie Franz Josef Nager (1709–1786)[15].

Seine Nichte Josefa Müller heiratete den Bankier Sebastian Crivelli (1772–1838)[16].[17]

Seine Nachfahren waren die Maler Jost Muheim (1808–1880)[18] und dessen Sohn Jost Muheim.

Geschäftstätigkeit und Wirtschaft

Jost Anton Müller machte sich einen Namen als Unternehmer im Baumwoll- und Seidenhandel, Branchen, die für die Schweizer Wirtschaft der Zeit von grosser Bedeutung waren. Er war Teilhaber der Sozietät Gebrüder Müller sowie des Handelshauses Jost Müller & Comp., was auf seine bedeutende Rolle in der Urner Handelswelt hindeutet. Diese wirtschaftliche Basis verschaffte ihm die Mittel und das Ansehen, das erforderlich war, um eine prominente politische Rolle einzunehmen.

Politische Karriere vor der Revolution

Müllers politischer Aufstieg in Uri folgte einem charakteristischen Muster der Zeit. 1767 wurde er zum Landesfürsprecher ernannt, einer Position, die politisches Gewicht und Vertrauen seiner Mitbürger widerspiegelte. 1771 rückte er zum Geheimratssäckelmeister auf, bevor er von 1784 bis 1794 das Amt des Landessäckelmeisters bekleidete – eine Position, die direkte Kontrolle über die Finanzen des Kantons implizierte.

Seine Macht erreichte einen Höhepunkt mit seiner Wahl zum Landammann, dem höchsten exekutiven Beamten Uris. Er bekleidete dieses Amt, als Nachfolger von Heinrich Anton Straumeyer (1737–1794)[19] in den Jahren 1794–1796; ihm folgte darauf Josef Maria Schmid (1740–1813)[20].[21] In dieser Zeit nahm er 1796 an der Tagsatzung in Frauenfeld teil.[22]

In den Jahren 1774, 1776, 1783, 1788 und 1795 war er Ehrengesandter des Rats zum Syndikat der ennetbirgischen Vogteien in Lugano und Locarno.

Er diente von 1796 bis 1798 als Landvogt der Vogtei Rheintal, einer wichtigen administrativen Funktion mit rechtsprechender Autorität.

1798 erfolgt seine Wahl zum Vizepräsidenten der provisorischen Munizipalität von Altdorf.[23]

Die Helvetische Revolution und ihre Folgen

Die Französische Revolution und deren Ausstrahlung auf die Schweiz markierten einen Wendepunkt in Müllers Leben und Politik. Als 1798 die revolutionären Veränderungen die Schweiz erreichten, wurde Müller von der Wahlversammlung des Kantons Waldstätten zum Mitglied des Helvetischen Grossen Rates ernannt – eine Position, die er jedoch ablehnte[24], eine Geste, die seine reservierte Haltung gegenüber den revolutionären Neuerungen signalisierte.

1801 wurde Müller als Deputierter zur Helvetischen Zentral-Tagsatzung nach Bern entsandt, die für August dieses Jahres einberufen worden war. Dort offenbarte sich sein gegenrevolutionäres Engagement deutlich: Er stellte sich zusammen mit 13 anderen Deputierten aus verschiedenen Kantonen gegen mehrere von dieser Tagsatzung gefasste Beschlüsse, protestierte öffentlich und verliess Bern – eine ungewöhnliche und mutige Handlung, die sein fundamentales Unbehagen mit der revolutionären Ordnung demonstrierte.

Am 28. Oktober 1801 wurde Müller zum Senator der Helvetischen Republik ernannt, aber dieses Amt war kurzlebig. Weniger als sieben Monate später, am 17. April 1802, wurde er zusammen mit allen anderen Senatoren, die mit ihm ernannt worden waren, durch den Machtspruch des Direktorialrats entlassen.

Rückkehr zur Gegenrevolution

Im Herbst 1802 erlebte die Schweiz eine Wende: Die antirevolutionäre Bewegung gewann die Oberhand. Als eidgenössische Vertreter zu einem Kongress in Schwyz zusammenkamen, erschien Müller als Sprecher Uris. Dies war nicht nur eine Position der Repräsentation, sondern eine aktive Rolle bei der Umgestaltung der Schweizer Verfassungsordnung.

Nach dem Einmarsch französischer Truppen unter dem Kommando des Ersten Konsuls Napoleon Bonaparte wurde Müller im November 1802 zusammen mit Reding und weiteren Politikern, unter anderem Ludwig Auf der Maur und Alois von Reding, als Geisel zur Festung Aarburg verbracht. Die Festung war eine mittelalterliche Befestigungsanlage an strategisch wichtiger Position und wurde zur Zentrale dieser politischen Unterdrückung. Um ihre Kapazität und Sicherheit zu erhöhen, wurde die reguläre Besatzung durch eine Kompanie fränkischer Truppen verstärkt. Diese Soldaten sollten nicht nur die Festung gegen mögliche Befreiungsversuche sichern, sondern auch die Symbolik französischer Macht unterstreichen.

Am 5. März 1803 stimmte der Senat der Mediationsakte zu und damit hörte die Helvetische Republik offiziell zu existieren auf. Auf eine Volksabstimmung zur Einführung der neuen Ordnung wurde verzichtet.

Erneut wurde er 1803 zum Landammann gewählt; nach seinem Tod folgte ihm Karl Thaddäus Schmid (1741–1812)[25].

Mit der Einführung des neuen schweizerischen Föderativen Systems im Jahr 1803 (siehe Föderalismus in der Schweiz#Das Ringen um die föderale Ordnung (1798–1848)) bestätigte Uri seine Dankbarkeit gegenüber Müller durch zwei prestigeträchtige Wahlen: Er wurde zum regierenden Landammann seines regenerierten Kantons gewählt[26] und zum ersten Gesandten seines Kantons auf die erste schweizerische Tagsatzung zu Freiburg ernannt.

Tod und Vermächtnis

Ende Juli 1803 erlitt Müller während der Sitzung der Tagsatzung einen Schlaganfall, dem er am 1. August 1803 erlag.[27][28][29]

Neben seinen Ämtern war Müller seit 1785 auch Besitzer der Herrschaft Magliaso im Malcantone, was seinen Landbesitz und seine aristokratischen Neigungen unterstreicht. Er war eine der führenden Figuren der gegenrevolutionären Bewegung in Uri – als ein Politiker, der zwar die moderne Ordnung kurzzeitig akzeptierte, letztendlich sich aber für die Wiederherstellung traditionsgebundener Strukturen und kantonaler Autonomie gegen die zentralisierte Helvetische Republik aussprach.

Literatur

Einzelnachweise

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