Journal-Hijacking
Form der Cyberkriminalität
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Journal-Hijacking, deutsch etwa Journal-Kaperung, bezeichnet eine Form wissenschaftlichen Betrugs im akademischen Publikationswesen. Mit betrügerischen Absichten setzen Cyberkriminelle Webseiten auf, die bestehende, legitime wissenschaftliche Fachzeitschriften imitieren, um damit Autorinnen und Autoren zur Einreichung von Manuskripten zu verleiten.[1] Ziel ist das Erheben von Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APC), ohne eine tatsächliche Begutachtung (Peer Review) vorzunehmen. Andere Bezeichnungen im Englischen sind Clone Journal (geklonte Zeitschrift)[2] oder Copycat journal (Nachahmer-Zeitschrift).[3] Typischerweise nutzen Hijacked Journals (entführte Fachzeitschriften) täuschend ähnliche Titel, Logos und Webseiten legitimer Zeitschriften oder übernehmen die Identität und Domains von eingestellten oder nur in Printform erscheinender Zeitschriften. Der Begriff „Hijacked Journal“ kann sich sowohl auf die betrügerische[4] als auch auf die legitime Zeitschrift[5] beziehen. Ähnliches Hijacking kann auch bei wissenschaftlichen Konferenzen vorkommen.[6][7]
Hijacked journals sind daher eine Sonderform der Predatory journals. Diese gelten als Zeitschriften, die ohne ausreichende wissenschaftliche Integrität betrieben werden, ebenfalls um ohne nennenswerte Gegenleistung die Publikationsgebühren einzustreichen; Hijacked journals begehen zusätzlich einen Identitätsdiebstahl (Cybersquatting).
Die Schäden, die durch Hijacked journals entstehen, gehen weit über die gezahlten Article processing charges hinaus: es ist eine Bedrohung für die Wissenschaft und die akademische Integrität im Allgemeinen, wenn Forscher und Leser nicht zwischen gefälschten Veröffentlichungen von gekaperten Zeitschriften und echten Veröffentlichungen von seriösen Zeitschriften unterscheiden können.[8] Es gibt auch Hinweise darauf, dass Wissenschaftler gezielt Hijacked Journals auswählen in der Gewissheit, so leicht ihre Publikationslisten verlängern zu können (Publish or perish).[9.1]
Stand Februar 2026 sind in der Datenbank des Weblogs Retraction Watch mehr als 400 Hijacked Journals gelistet.[10][11]
Unterschiede zu Predatory Journals
Predatory journals gelten trotz ihrer Verletzungen der Publikationsethik als legitime Journals in dem Sinn, dass die veröffentlichten Paper als offiziell publiziert gelten. Dagegen gelten Paper, die in hijacked Journals publiziert werden, nicht als anerkannte Publikationen.[9.2] Es kann dennoch vorkommen, dass sie zitiert werden.
Geschichte
Der Begriff “Hijacked journal” wurde 2012 von dem iranischen Redakteur Mehrdad Jalalian eingeführt.[12][13] Die erste gehackte Zeitschrift war die Schweizer Zeitschrift Archives des Sciences im Jahr 2011.[14] In den Jahren 2012 und 2013 wurden über 20 wissenschaftliche Zeitschriften gehackt.[15] Im Jahr 2012 begannen Cyberkriminelle damit, ausschließlich in gedruckter Form erscheinende Zeitschriften zu kapern, indem sie einen Domainnamen registrierten und eine gefälschte Website unter dem Namen der legitimen Zeitschriften erstellten.[6] In einigen Fällen finden Scammer ihre Opfer in Konferenzberichten, extrahieren die E-Mail-Adressen der Autoren aus den Beiträgen und versenden gefälschte Aufrufe zur Einreichung von Beiträgen.[16]
Es gab auch Fälle von Zeitschriften-Hijacking, bei denen Angreifer die bestehenden Domain der Zeitschrift übernahmen (Domain-Hijacking), nachdem der Herausgeber die Registrierungsgebühren für den Domainnamen nicht rechtzeitig bezahlt hatte.[17][18]
Sonderformen
Cyberkriminellen ist es auch gelungen, in großen kommerziellen Zitationsdatenbanken die Links auf die gekaperten Zeitschriften umzulenken, hier war vor allem Elseviers Scopus betroffen.[1]
Beispiele für Hijacked Journals, Retraction Watch Hijacked Journals Checker
Literatur
- Mehrdad Jalalian, Mehdi Dadkhah: The full story of 90 hijacked journals from August 2011 to June 2015. In: Geographica Pannonica. Band 19, Nr. 2, 2015, S. 73–87, doi:10.5937/geopan1502073j (englisch).
- Anna Abalkina: Detecting a network of hijacked journals by its archive. In: Scientometrics. Band 126, Nr. 8, 21. Juni 2021, S. 7123–7148, doi:10.1007/s11192-021-04056-0, arxiv:2101.01224 (englisch, semanticscholar.org).
Weblinks
- American librarian Jeffrey Beall's hijacked journal and authentic journal list
- Hijacked Journal Checker