Judith Simon
deutsche Philosophin
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Judith Simon (* 1977[1]) ist eine deutsche Philosophin. Sie forscht über erkenntnistheoretische und ethische Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung als gesellschaftlichem Phänomen stellen.[2] Seit Februar 2017 ist sie Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Universität Hamburg.

Leben
Judith Simon schloss ihr Studium der Psychologie, das sie in Marburg begonnen hatte, im Jahr 2002 an der Freien Universität Berlin mit dem akademischen Grad des Masters ab und war danach zunächst selbstständig in der Softwareentwicklung im Bereich Usability tätig.
Von 2003 bis 2014 war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Forschergruppen am Forschungszentrum Jülich, an der Universität Wien, am Karlsruher Institut für Technologie, am Institut Jean Nicod (École normale supérieure) in Paris sowie gastweise an der Stanford University sowie an den Universitäten Trento, Barcelona und Ljubljana tätig. Es folgte eine Dozentur an der Universität Kopenhagen und eine erneute Tätigkeit in Wien. Dort wurde sie 2010 auch in Philosophie promoviert.
Im Februar 2017 wurde Judith Simon auf den Lehrstuhl für Ethik in der Informationstechnologie am Fachbereich Informatik der Universität Hamburg berufen, wo sie am Forschungsschwerpunkt „Human-Centered Computing (HCC)“ mitwirkt. Es war der erste Lehrstuhl für Ethik in der Informationstechnologie an einem deutschen Informatik-Institut.[3] Sie sagt über sich selbst, ihr Forschungsansatz sei von epistemologischen, technischen, computerethischen und feministischen Ansätzen beeinflusst.[4] Ihr Forschungsschwerpunkt hat sich in den vergangenen Jahren hin zur künstlichen Intelligenz weiterentwickelt, wobei Simon sowohl ethische, als auch erkenntnistheoretische und gesellschaftspolitische Fragestellungen betrachtet.[5]
Als Expertin ist Judith Simon nicht nur seitens der Bundesregierung gefragt: Bis Juni 2026 war sie stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Im Juni 2026 wurde sie in das AI Act Scientific Panel der Europäischen Kommission berufen, das die Aufgabe hat, die Maßnahmen der EU im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz zu begleiten.[6]
Judith Simon ist Mitherausgeberin der Fachzeitschriften Philosophy & Technology und Big Data & Society. Sie ist beteiligt an der Open Library of Humanities und der Buchreihe Philosophy, Technology and Society im Verlag Rowman & Littlefield International.[5]
Gremienmitgliedschaften
- seit 2019: Fokusgruppe Digitalisierung der Leopoldina (zuvor: Wissenschaftliche Kommission "Digitalisierte Gesellschaft")
- von 2018 bis 2026: Deutscher Ethikrat, davon zwischen 2024 und 2026 stellvertretende Vorsitzende und von 2020 bis 2023 Sprecherin der Arbeitsgruppe "Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz"
- seit 2026: Mitglied des AI Act Scientific Panel der Europäischen Kommission
- seit 2026: Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung
- seit 2018: Arbeitsgruppe "IT-Sicherheit, Privacy, Recht und Ethik" der Plattform Lernende Systeme
- von 2025 bis 2026: Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" der Bundesregierung
- seit 2024: Kuratorium der Klaus-Tschira-Stiftung
- von 2020 bis 2022: Beirat zum Beschäftigtendatenschutz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
- von 2020 bis 2023: Beirat des gemeinnützigen Vereins und Think Tank D64 – Zentrum für Digitalen Fortschritt
- von 2018 bis 2023: Gemeinsamer Ausschusses der Leopoldina und der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung (2018–2023)
- von 2018 bis 2019: Datenethikkommission der Bundesregierung
- von 2018 bis 2019: Expertenkommission "Wissenschaft im digitalen Zeitalter" der Deutschen Forschungsgemeinschaft[5]
Auszeichnungen
- 2013: Herbert A. Simon Award, International Association of Computing and Philosophy (IACAP)[7]
Schriften
- Knowing together. A social epistemology for socio-technical epistemic systems. Universität Wien. Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, Wien 2010, S. 448, urn:nbn:at:at-ubw:1-30403.66161.924263-6 (Dissertation, betreut von Markus Peschl und Elisabeth Nemeth).
- als Hrsg.: The Routledge Handbook of Trust and Philosophy. Routledge, New York 2020, ISBN 978-1-138-68746-2.
Weblinks
- Lehrstuhl an der Universität Hamburg
- Profil bei academia.edu
- The philosophy of government surveillance – TEDx Talk von Judith Simon in Zürich, 2013
- Big Data in Wirtschaft, Wissenschaft & Politik – Vortrag von Judith Simon bei der FIfF-Konferenz 2016 – in.visible systems
- Judith Simon im Gespräch mit Uli Blumenthal: Thesen zur Wissenschaftsfreiheit: „Ich kann mich nicht auf Zweifel berufen, um nicht zu handeln.“ Verliert die Wissenschaft an Autorität? Bemühungen, sie gezielt in Frage zu stellen, gebe es schon lange, sagte Ethikprofessorin Judith Simon im Dlf. Viele Forscher seien bestrebt, ihre Arbeit transparent zu machen. „Trotzdem legten Leute sich auch Fakten so zurecht, wie es ihrer Lebenswelt entspreche.“, Forschung aktuell, deutschlandfunk.de, 30. September 2019