Juliette Hampton Morgan

US-amerikanische Bürgerrechtlerin und Bibliothekarin From Wikipedia, the free encyclopedia

Juliette Hampton Morgan (* 21. Februar 1914 in Montgomery; † 16. Juli 1957 ebenda) war eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin und Bibliothekarin.

Leben

Morgan entstammte einer elitären, politisch aktiven Südstaaten-Familie, die u. a. bereits Abgeordnete in der Georgia General Assembly gestellt hatte. Während Morgans Vorfahren im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der rassistischen Konföderation gekämpft hatten, setzten sich ihre Eltern Frank Perryman Morgan und Lila Bess Olin Morgan für progressive politische Ziele ein. Ihr Vater war ein Kritiker des Ku-Klux-Klans und kandidierte 1938 erfolglos für das Amt des Gouverneurs von Alabama; ihre Mutter eine Suffragette. Besonders die kompromisslose Haltung ihrer Mutter sollte Morgan später dazu bewegen, sich selber als Aktivistin zu betätigen. Ein weiterer Einfluss war der Familienfreund Grover C. Hall, Sr., ein Journalist, der für seine gegen den Ku-Klux-Klan gerichtete Medienkampagne 1928 mit dem Pulitzer-Preis für Leitartikel ausgezeichnet wurde. Zugleich unterstützten ihre Eltern die Jim-Crow-Rassentrennung und damit die systematische Unterdrückung der Afroamerikaner, die für das damalige Leben im Süden der USA bestimmend war. Juliette Morgan wuchs also wie die meisten weißen Südstaatler in einem Haushalt auf, in dem die rassistische Ideologie der White Supremacy nicht hinterfragt wurde.[1]

Morgan besuchte in Montgomery die Sidney Lanier High School, begann daraufhin 1930 ihr Anglistik-Studium an der University of Alabama und machte 1933 ihren Bachelor und 1935 ihren Master. Sie fand keine Stelle an der Universität und musste als Lehrerin an ihre alte High School zurückkehren. Unzufrieden mit den Anforderungen des Lehramts wechselte sie 1942 als assistant librarian an die Stadtbücherei Montgomerys. Beeinflusst wurde ihre Entscheidung auch von der Familienfreundin Marie Owen Bankhead, der langjährigen Leiterin des Staatsarchivs von Alabama. Ihre Privatkorrespondenz und die Aussagen ihrer Kollegen legen nahe, dass der Beruf der Bibliothekarin ihr besonders gefiel und sie besonders engagiert war. Die Historikerin Jessica Hayes beschreibt ihr Verhalten im Beruf als „freundlich, motiviert, intellektuell und mitfühlend“ (englisch kind, driven, intellectual, and compassionate).[2]

Außerhalb ihres Berufs betätigte Morgan sich auch als Aktivistin. Ihre politische Ausrichtung war klar links. Bereits in den 1930er Jahren hatte das soziale Elend der Großen Depression sie zu einer begeisterten Anhängerin des New Deals gemacht, des ambitionierten Wirtschafts- und Sozialprogramms des Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Des Weiteren wurde sie zu einer Kritikerin der Rassentrennung – für die Südstaaten von damals eine radikale Position. Im Rahmen dessen trat sie verschiedenen linken Organisationen bei und arbeitete mit Bürgerrechtlern wie Virginia Foster Durr zusammen. Zu den von ihr vertretenen Zielen gehörten unter anderem ein staatliches Gesundheitssystem und der Kampf gegen den McCarthyismus, die diskriminierenden poll taxes und die weit verbreiteten Lynchmorde. Ihr Mittel der Wahl waren Leserbriefe, die sie in den Zeitungen Montgomerys (meistens im Montgomery Advertiser) drucken ließ. So wollte sie dem „anderen Süden“ eine Stimme verleihen. In ihren oft essayartigen Schriften fand sie klare Worte gegen die Rassentrennung, so lautete ein Titel aus dem Jahr 1952 schlicht: Die White Supremacy ist böse (englisch White Supremacy is evil). Darin schrieb sie, dass die White Supremacy „unamerikanisch, undemokratisch und unchristlich“ (englisch un-American, undemocratic, and unchristian (sic)) sei. Morgan gehörte zu den wenigen weißen Unterstützern des Busboykotts von Montgomery, eines Protests der schwarzen Stadtbevölkerung gegen die Rassentrennung in den Bussen der Stadt. Sie sprach dem von Martin Luther King angeführten Boykott eine historische Bedeutung zu und verglich die gewaltlosen Methoden der Boykotteure mit denjenigen der Indischen Unabhängigkeitsbewegung unter Mahatma Gandhi. Motiviert wurde Morgan vor allem durch ihr eigenes Gewissen. Sie könne nämlich nicht wie ein „guter Deutscher“ tatenlos dabei zusehen, wie ihre Gesellschaft ungerechte Gesetze aufstellt.[3]

Ihr Aktivismus führte dazu, dass Morgan von ihren weißen Mitbürgern heftig attackiert wurde, besonders von Mitgliedern rassistischer Organisationen wie des White Citizens Council und des Ku-Klux-Klan. Man warf ihr vor, die Traditionen der Südstaaten zu verraten und die Kreation einer „Mischlingsrasse“ (englisch mongrel race) voranzutreiben. Auch an ihrem Arbeitsplatz trafen ihre Forderungen nach einer Abschaffung der Rassentrennung an öffentlichen Büchereien auf wenig Verständnis. Diese Attacken intensivierten sich nach Beginn des Busboykotts. Es wurde auch von Seiten der Stadtverwaltung so oft ihre Entlassung gefordert, dass ihr Chef es ihr untersagte, weitere Leserbriefe zu verfassen. Morgan, die auf Grund der ständigen Anfeindungen gegen ihre Person unter Panikattacken und Depressionen litt und ärztliche Hilfe suchen musste, kam seinen Forderungen zunächst nach. 1957 erlaubte sie jedoch dem Journalisten Buford Boone, einen Privatbrief von ihr an ihn zu veröffentlichen. In diesem hatte sie Boone, der für seine Artikel gegen die Rassentrennung im selben Jahr mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, für seinen Mut gelobt und gefordert, dass die amerikanische Gesellschaft endlich „volles Bürgerrecht, gleiche Rechte und Respekt für alle Menschen“ (englisch full citizenship, equal right, and respect for all people) einführe. Mit der Veröffentlichung ihres Briefes setzten die Angriffe auf ihre Person wieder ein und führten zu einer rapiden Verschlechterung ihrer mentalen Gesundheit. Im Sommer verbrannte der Ku-Klux-Klan vor ihrem Haus ein Kreuz, eine offene Gewaltandrohung. Morgan verstarb am folgenden Tag an einer Überdosis Schlaftabletten. Vermutlich handelte es sich dabei um Suizid.[4]

Morgans Tod galt für viele Bürgerrechtler als ein Beispiel für die Grausamkeit der White Supremacy. Postum wurde sie mehrfach für ihren Einsatz für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner gewürdigt. Unter anderem wurde 2005 die Stadtbücherei Montgomerys nach ihr benannt.[5]

Literatur

Einzelnachweise

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